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ZEIT FÜR MICH! Auch Eltern brauchen Pausen


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 09.09.2021

Artikelbild für den Artikel "ZEIT FÜR MICH! Auch Eltern brauchen Pausen" aus der Ausgabe 9/2021 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 9/2021

Es wird nicht einfacher – nur anders.“ So bringt die Hamburger Paar- und Familientherapeutin Dr. Anke Birnbaum auf den Punkt, was nach der Geburt eines Kindes auf die Eltern zukommt. Klar: Paare, die eine Familie gründen, haben sich in der Regel bewusst für Veränderung entschieden. Doch ist nicht allen von Anfang an klar, wie viel Veränderung der Schritt vom Paar zur Familie mit sich bringt. Denn ein Kind – und mehrere Kinder erst recht – stellt nicht nur den bisherigen Alltag gründlich auf den Kopf, sondern die Partnerschaft gleich mit …

Vielfach gefordert – und oft auch überfordert

Mit Kind sind die Partner gleich mehrfach gefordert: Sie wollen natürlich im Umgang mit dem kleinen Wesen alles richtig machen; Haushalt und Beruf laufen weiter; die Liebesbeziehung droht in den Hintergrund zu treten; und schließlich hat man auch als Vater und Mutter ja noch ganz individuelle Interessen, die nichts mit ...

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... Kindererziehung und Zweisamkeit zu tun haben müssen.

Für diese Interessen bewusst Zeit einzuplanen mag erst einmal egoistisch klingen, aber es kommt, wie Anke Birnbaum sagt, am Ende dem Partner und den Kindern zugute: „Man darf sich von der Familie auch mal erholen und abgrenzen. Damit tankt man wieder Kraft, baut Stress ab und kommuniziert dadurch wieder besser.“ (Siehe auch das Interview auf S. 47).

Miteinander reden ist die beste Konfliktvermeidung

Damit ist ein ganz wichtiges Stichwort genannt: Kommunikation. Denn wenn Paare in Konflikte hineinrutschen, dann meist deshalb, weil Probleme nicht so besprochen wurden, dass beide sich richtig wahrgenommen fühlen. Das Musterbeispiel: Der Partner scheint gar nicht mitzubekommen, was der andere alles leistet – sei es der anstrengende Tag im Büro mit nervigen Kollegen und fordernden Chefs, sei es der Tag daheim mit Haushalt, Wäsche und schreiendem Kleinkind.

Freiräume für SIE

Ausgehen mit Freundinnen Es gibt ein Leben ohne Kind. Und man kann – und sollte – es genießen. Das Kind in sicherer Obhut beim Vater zu lassen ist der beste Vertrauensbeweis, den es geben kann.

Entspannung und Fitness So sehr Männer ihre Frauen um das besonders innige Verhältnis zum Kind beneiden: Die Stunden, in denen man seinen Körper für sich hat, gehören zu den wertvollsten überhaupt. Nicht funktionieren müssen, sondern die Zeit finden, in sich hineinzuhorchen.

Zeit zu zweit Wichtigste Regel: Nicht übers Kind reden! Dafür ist die Elternpaar-Ebene da – und die hat jetzt Pause. Die Beziehung hat mit gegenseitiger Anziehung angefangen, und man stellt fest: Daran hat sich nichts geändert.

Freiräume für IHN

Mit Freunden ins Stadion Wenn es nicht gerade ein torloses Unentschieden gibt – und Corona es wieder zulässt –, kommen beim Spiel große Emotionen hoch. Nicht zu vergleichen mit der Liebe, die man seiner Familie entgegenbringt – aber fast genauso schön.

Sport und Bewegung Indem man sich ans Limit bringt, vergewissert man sich seiner selbst. Schweiß und Muskelkater sind nur die äußeren Anzeichen des Gefühls, voll da zu sein und sich mit ganzer Kraft ins Familienleben zu stürzen.

Haushalt Heutige Männer können Haushalt – also bitte: machen lassen! Sie mögen die Wäsche anders falten oder oberflächlich staubsaugen – dafür räumen sie den Geschirrspüler penibel ein und kochen gern kompliziert.

Wenn sich das Gefühl verfestigt, dass man keine Wertschätzung erhält, ist die Saat für einen ernsten Konflikt gelegt. Dagegen hilft vor allem eines: offene Kommunikation. Die Qualität von Gesprächen sinke aber unter Stress, so Birnbaum: Statt aufeinander einzugehen, scheint dann Verteidigen des eigenen Verhaltens und Beschuldigen des anderen die einfachere Lösung zu sein.

Echte Abhilfe schafft etwas anderes, nämlich: sich entstressen. Dazu brauchen aber beide Freiräume.

Eigene Freiräume sind Teil des Familienlebens

Wie schafft man Freiräume – sich selbst und dem Partner? Grundlage ist eine faire Verteilung der Lasten. Der Partnerschaft ist nicht geholfen, wenn einer dem anderen Freiheiten gewährt, nur um sie ihm beim nächsten Streit vorzuwerfen. Es muss auch klar sein: Den Yogakurs fortzusetzen, zu dem man schon lange ging, bevor das Kind kam, oder regelmäßige Fußballabende mit den alten Freunden sind keine Entscheidungen gegen die Familie, sondern gehören einfach zu dem, was den Partner ausmacht – in den man sich schließlich einst genau deshalb verliebt hat, weil er so ist, wie er ist …

Dem Partner zeigen: Du bist mir wichtig

Freiräume nur als Freizeit von der Familie zu verstehen wäre auch zu kurz gedacht, wie Anke Birnbaum erklärt. Freiräume für die Zweisamkeit zu schaffen ist mindestens ebenso wichtig. „Dazu gehört, dem Partner mal wieder zu zeigen: Du bist mir wichtig und es ist mir wichtig, Zeit mit dir zu verbringen.“ Auch hierbei ist eine möglichst faire Verteilung essenziell, denn wenn immer nur der eine für die Organisation dieser Zeit zu zweit zuständig ist, schafft das ein neues Ungleichgewicht …

Nicht zu viel oder alles auf einmal wollen

Was ist der beste Weg, Achtsamkeit auf Dauer (wieder) in den Beziehungsalltag zu integrieren? Anke Birnbaum warnt davor, sich mit Idealvorstellungen unter Druck zu setzen. In ihrer langjährigen Praxis hat sie zahlreiche Paare erlebt, die alles haben wollten – und dies am besten perfekt. Und denen dabei die Verbindung als Paar abhanden gekommen war.

„Eine echte Partnerschaft ist ein Lebensprojekt“, sagt Birnbaum, „deshalb lautet mein Rat: Seid in diesem auf Dauer angelegten Projekt ein bisschen geduldiger und gelassener mit euch selbst und eurem Partner!“

INTERVIEW

Den Partner wertschätzen

Paar- und Familientherapeutin Dr. Anke Birnbaum über Konfliktsituationen in jungen Familien

familie&co: Was sind die häufigsten Stolpersteine in der Kommunikation zwischen den Partnern nach der Familiengründung?

Dr. Anke Birnbaum: Paare, die ein Kind bekommen haben, erleben zumeist eine Hochphase. Beide sind völlig verliebt in das Kind und fühlen sich einander besonders nahe – und von dort aus kann man tief fallen, wenn der Alltag einkehrt. Zudem gibt es große Unterschiede, wie Mütter und Väter diese Übergangsphase in die Elternschaft erleben.

Wie kann man diese Unterschiede beschreiben?

Bei Männern stellt sich nicht selten das Thema der fehlenden Nähe und Verbindung zur Partnerin ein. Mutter und Kind bilden eine enge Einheit, und schnell fühlen sich die jungen Väter als Außenstehende. Für die Mütter stellt sich diese Einheit mit dem Kind oft allerdings anders dar; viele fühlen sich vom Kind gewissermaßen vereinnahmt und haben,z. B. wenn das Kind schläft, das starke Bedürfnis, für sich oder ohne nahen Körperkontakt zu sein.

Wie sehr prägen Rollenmuster das Familienleben?

Noch immer sind es auch wirtschaftliche Zwänge, die eine entscheidende Rolle spielen. Wenn der Mann weiterhin oft noch der Hauptverdiener ist, sieht er sich in seiner neuen Rolle als Familienvater mit großer Verantwortung und einem „Versorgerdruck“ konfrontiert. Es kann eine echte Zerreißprobe sein, für seine Familie zu sorgen, sowohl beruflich voranzukommen als auch für die Familie da zu sein. Wenn die Hauptlast der Betreuung hingegen bei der Mutter bleibt, kann sich auf längere Sicht so etwas wie ein Lagerkoller einstellen – und die Frau fühlt sich auf die Mutterrolle und die Rolle der Haushälterin reduziert.

Wenn Partner in so unterschiedlichen Erfahrungswelten leben, sorgt das für Konflikte?

Das birgt das Risiko, dass sich beide in dem, was sie tun, nicht wertgeschätzt fühlen, und das kann ein erster Schritt zur Entfremdung sein. Daran ändern auch zwei gemeinsame Monate Elternzeit, die oft für gemeinsame Urlaube genutzt werden, nichts – sie sind nicht ausreichend, um gemeinsame Alltagserfahrungen und -erprobungen zu machen. Väter, die länger als diese zwei Monate zu Hause bleiben konnten, haben meist eine andere Vorstellung davon, was es heißt, das alltägliche Leben mit Kind(ern) zu managen.

Wie sähe ein guter Umgang mit Konflikten aus?

Konflikte sind an sich nichts Bedrohliches. Sie bringen stets auch die Chance mit sich, gemeinsam notwendige Entscheidungen zu treffen. Mit dieser Haltung ein Gespräch zu beginnen erleichtert häufig die Lösungssuche. Schließlich geht es in einer echten Partnerschaft nicht darum, nur seine persönliche Auffassungen durchzusetzen.