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ZELTEN FÜR 308 517 EURO*


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 20/2022 vom 19.05.2022

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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 20/2022

Erstes Vater-Sohn-Zelten: Die Ravioli blieben kalt, der Kocher hatte keinen Sprit

MITTE DER 1980ER fragte ich meinen Vater, ob wir mal Zelturlaub machen könnten. Männerurlaub, quasi. Wir fuhren mit seinem Opel Rekord nach Cochem an die Mosel, verhedderten uns mit Schnüren und Heringen, schliefen auf wabbeligen Luftmatratzen, es regnete. Seitdem war ich mit dem Thema durch.

Vor ein paar Wochen fragte mein Sohn (6), ob wir mal Zelturlaub machen könnten. Männerurlaub, quasi.

Ich weigerte mich. Bis zu dem Moment, als ich erfuhr, dass es im unendlichen Aufpreis-Katalog von Bentley neben Anhängerkupplungen auch Fahrradträger (jeweils 1200 Euro) gibt – und ein Bentayga durchaus in der Lage ist, ein Dachzelt zu schultern.

„Sehr gerne“, sagte ich zu meinem Sohn.

Am Samstagmorgen fuhren wir los. Die Ehefrau und Mutter verbrachte das Wochenende auf einem Pferd. Wir fuhren mit 550 Pferden vom Hof. Im Bentley Bentayga S für 308 517 Euro. Darin enthalten Extras für 78 617 Euro, aber ...

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... zuzüglich Peanuts wie Dachzelt und Fahrradträger.

„Was blubbert da denn so?“, fragte der Sohn. „Das ist der Vierliter-V8, von 0 auf 100 in 4,5 Sekunden, 770 Newtonmeter Drehmoment“, sagte ich. „Schneller war noch kein Zelt.“

„Man sieht sogar den Dampf in der Rückfahrkamera“, sagte der Sohn. Die Nachbarn, adelig und mit Ur-Mini vorm Anwesen, guckten sparsam. Ich fragte, ob ihr Auto vielleicht mit zum Campen wolle, auf der Fahrradhalterung sei noch Platz.

Wir fuhren auf die Landstraße, ich tippte kurz auf das aufpreispflichtige Sport-Gaspedal, das für 565 Euro zwar nicht mehr PS bietet, aber die vorhandenen einfach stilvoller abruft.

„Mega! Was bollert denn da? Guck mal, da sieht man sogar den Dampf in der Rückfahrkamera.“

Henny Karkheck, Sohn

„Ganz schön porschig“, sagte der Sohn. „Porschig“ ist sein Wie-Wort für: beschleunigt mit einem Affenzahn.

Im Kindergarten hatte er einige Tage zuvor ein neues Wort aufgeschnappt, es sollte in den nächsten 24 Stunden recht inflationär zum Einsatz kommen: „Mega!“ Ich sagte ihm, dass das Wort zwar im Oxford Dictionary stehe, aber deswegen mitnichten feines Oxford-Englisch sei.

Der Sohn erkundigte sich, was das Ding, das so aussehe wie unsere Küchenuhr, da vorne wäre. Und was man mit diesen silbernen Stäbchen darunter mache. Soziologen werden die Jugend von heute wohl später als „Generation T“ bezeichnen. T wie Touch. „Das sind echte Knöpfe und eine echte Uhr“, sagte ich.

Wir fuhren ins Aller-Leine-Tal in Niedersachsen. Auf den Campingplatz am Rittergut Frankenfeld. Seit 1360 ist der Adel hier ansässig, ich fand das Ambiente passte gut zum Aristokraten-Automobil.

Der nette Platzwart wusste nicht so recht, was er mit uns anfangen sollte. Er blickte in seine Preisliste. „Ein Bulli ist das ja nicht.“ – „Nee“, sagte ich. „Eher bullig. Und etwas länger als ein Bulli.“ 5,12 Meter zu 4,90 Meter. Wir galten also als kleines Wohnmobil, zahlten 16 Euro und stellten unseren Zweieinhalbtonner in eine breite Lücke zwischen ein Reisemobil und einen Wohnwagen. Auf der Windschutzscheibe des Reisemobils stand: „König von Scheißegalien“. Neben der Chemie-Klo-Klappe saß ein Paar auf Klappstühlen in Windjacken.

Ich sagte zum Sohn: „Apropos König: Die Königin von England wird auch im Bentley gefahren. Ich habe sie sogar schon einmal darin gesehen!“ – „Aber die Scheiben sind doch getönt“, sagte der Sohn. „Nicht bei der Queen“, sagte ich.

Der König von Scheißegalien sah inzwischen sein Reich in Gefahr und hatte sich beim Platzwart über unser Eindringen beschwert.

Offenbar war unser Grasstück noch Teil seiner Parzelle. Und das war ihm nun so gar nicht scheißegal.

Wir mussten jedenfalls umziehen. Unser neuer Nachbar hieß Heinz, war Dauercamper mit Wohnwagen, Vorzelt, Rasenmäher und Mercedes B-Klasse. Wir grüßten freundlich.

Beim Aufbau unserer Bleibe sahen wir uns gezwungen, zum ersten Mal an diesem Tag etwas von Hand zu tun: nämlich das Dachzelt hochkurbeln. Der Bentley nahm uns solche Sachen selbstredend ab. Die Türen zogen sich wie von Geisterhand zu, die Rollos der hinteren Seitenscheiben und des Panoramadachs gingen elektrisch auf (Randnotiz: Das Panorama mit einem Dachzelt auf dem Auto ist eher so lala).

Mein Sohn friemelte die Alu-Leiter auseinander. Ich sagte, er solle aufpassen, damit kein Kratzer in den 12 000-Euro-Aufpreis-Lack komme. Er fragte, wie viel 12 000 Euro seien. So viel, wie drei von Opas alten Opel Meriva kosten, antwortete ich.

Wobei man bei Bentley für das Geld nicht nur ein wirklich schönes Rot, sondern auch schöne Worte dazu bekommt: „St James Red Pearlescent verleiht Farbe und Glanz dank seines satten, tiefen Finishs, das sowohl die hellen, lebendigen Töne des roten Pigments als auch den schillernden Glanz der Perlglanzschicht zum Vorschein bringt“, las ich dem Sohn aus der Lack-Beschreibung vor.

Ins Bentley-Rot mischte sich das Abend-Rot (ohne Aufpreis). „Ich hab Hunger“, sagte der Sohn.

Sein Hauspersonal, also ich, deckte den Tisch mit Silberbesteck und Goldrand-Geschirr. Und stellte dann fest, dass ich den Brennspiritus für meinen Campingkocher vergessen hatte. „Wir müssen die Ravioli leider kalt essen“, sagte ich. Der Thronfolger war not amused.

Er wolle sich zurückziehen, ihm sei kalt, sagte er. Wir gingen noch dorthin, wo selbst der König zu Fuß hingeht. Und krabbelten dann in unser Schlafgemach. Ich las ihm im Buch „Am Arsch der Welt und andere spannende Orte“ die Seiten über gute und schlechte Könige vor (die Queen von England vs. der König von Thailand). Dann schliefen wir ein.

„St James Red Pearlescent verleiht Farbe und Glanz dank seines satten, tiefen Finishs …“

Bentley-Lackbeschreibung

Am nächsten Morgen um 5.24 Uhr sagte der Sohn: „Hör mal!“ Im Gegensatz zum Bentley ist so ein Dachzelt leider nicht sonderlich gut gedämmt, was sich in einem Vogelbrutgebiet als eher störend erwies. Es tschiepte und tirilierte, an Schlaf war nicht mehr zu denken. Außerdem pfiff ein Lüftchen um unser Schloss Wind-sor.

Wir kletterten aus unserer Betten-Burg, packten unsere Schlafsäcke ein, kurbelten das Zelt wieder runter – und fuhren noch vorm Frühstück vom Hof.

Die Matratze im Dachzelt war zwar angenehm gewesen. Aber ich war an diesem Morgen so verspannt wie der König von Scheißegalien am Abend zuvor. Also drückte ich den kleinen runden Knopf an meinem Sitz. Und, schwups, verwandelte sich der Bentley in eine Wellness-Oase. Ich hatte die Wahl zwischen fünf verschiedenen Massageprogrammen unterschiedlicher Intensitätsstufen, probierte alle durch – und blieb bei „Klopfen“ hängen. Ich ließ den butterweich säuselnden Motor vor sich hin surren, mit gemächlichen 120 km/h chauffierte uns der Bentley nach Hause. Der Sohn saß in seinem krümeligen Kindersitz, ich auf dem ausgesuchten Leder nordeuropäischer Kühe, denen zwar der Schlachter, aber keine Mücke etwas zuleide getan hatte. Denn Leder mit Insektenstichen komme nicht zum Einsatz, stand im Prospekt. Nun denn.

Im Fond lief über die 8000 Euro teure Soundanlage Bibi Blocksberg, Folge 137 („Ein verrückter Ausflug“). Vorn im Motor lief Super Plus. Der Durchschnittsverbrauch zeigte knapp 14 Liter an. Die Welt war schön, und ich dachte kurz, der Titel „König von Scheißegalien“ sei vielleicht doch nicht so verkehrt. Bis mich der Bentley bat, die nächste Zapfsäule aufzusuchen.

Ich tankte für 179,87 Euro, der Liter zu 2,359 Euro. „Siehst du“, sagte ich zum Sohn. „So schnell wird man zum verarmten Landadel. Das nächste Mal kaufen wir uns ein Hotel. Das ist billiger.“