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Ziegen-yoga!: WEIL AUCH ZIEGEN ZIEMLICH WEISE YOGIS SIND


Herzstück - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 13.06.2019

Was sich wohl so eine Ziege denkt? Wenn sich der Mensch neben ihr im Yoga streckt und verbiegt, während sie unbeirrt ihr Gras zupft? Wir wollten wissen, was es mit diesem Trend aus den USA auf sich hat: Ziegen-Yoga. Wie ist es, seine Übungen inmitten der mampfenden Gesellschaft dieser liebenswürdigen Tiere mit dem Trotzkopf zu machen? Angeblich soll uns ihre Anwesenheit helfen, uns besser mit uns selbst und gleichzeitig mit der Natur zu verbinden. Wir haben es für Sie ausprobiert und uns unter eine Herde gemischt …


Artikelbild für den Artikel "Ziegen-yoga!: WEIL AUCH ZIEGEN ZIEMLICH WEISE YOGIS SIND" aus der Ausgabe 4/2019 von Herzstück. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Herzstück, Ausgabe 4/2019

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Draußen zusammen sein – das lieben Menschen und Ziegen.

Auch auf dem yoga –plan: knabbern und kuscheln

Neugierig hopsen drei Ziegen mit ihren Vorderbeinen auf eine Zaunsprosse und schauen mich an. So putzmunter und herrlich gut gelaunt, wirken sie wie ein Magnet auf mich. „Ob ich sie einfach so anfassen kann?“, frage ich mich selbst auf der anderen Seite des Zauns. „Oder beißen sie?“ Ich bin mir unsicher. Aber dann kommt schon Yoga-Lehrerin und „Ziegen-Mama“ Sylvia Asmodena Kurtar und nimmt mich mit ins Gehege.

In Schmuse-Laune

Sofort traben uns die sechs Ziegen fröhlich entgegen, kreisen uns ein, begrüßen uns. Ich spüre sofort: Hier bin ich in bezaubernder Gesellschaft. Ich setze mich auf den Boden zu Ziege „Christkind“. Sie kam an Weihnachten zur Welt – daher ihr Name, erzählt Sylvia. Sie macht ihrem Namen auch alle Ehre, wie ich finde: Ihr zutrauliches Wesen schleicht sich direkt in mein Herz. Ich streichle sie am Bauch, an der Schnauze. Sie hat keinerlei Berührungsängste, will wie ein kleines Kind kuscheln, einfach nur schmusen. Ziege „Lotte“ schleckt einstweilen meine Schuhsohlen ab – natürlich kriegt auch sie eine ordentliche Fell-Massage.
Während also meine Hände gut beschäftigt sind, füllt sich das Gehege mit Teilnehmern. Jetzt ist wohl definitiv Yoga-Zeit! Eigentlich will ich mich nicht von meinen neuen Freundinnen trennen, aber irgendwann hole auch ich mir eine Yogamatte und steige den kleinen Hügel hinauf.
Den schmalen Weg und alle anderen, die sich durch die Wiese schlängeln, haben die Ziegen in zwanzig Jahren platt getreten. Aus unerfindlichen Gründen wählen sie immer die gleichen Wege durchs Gras, als wäre so eine Ziege eben auch nur ein Gewohnheitstier wie wir. Oder nehmen sie mit ihrem feinfühligen Wesen besondere Energien wahr? Einer dieser Wege führt mich auf jeden Fall zum eingezäunten Yoga-Platz.
Mit geschlossenen Augen kommen wir auf den Matten ganz zu uns selbst. Um mich herum singen die Vögel, der Wind streichelt sanft über meine Haut. Die Natur umarmt uns, wirkt so ruhig, friedlich und trotzdem lebendig. Ich fühle mich in dem Gehege wie in einem wohlbehüteten Nest. Die Ziegen zupfen neben uns Gras. Mitten unter ihnen zu sein, eingebettet, fest verankert in diesem Leben, auf dieser Erde – das hat etwas beruhigendes, das vermittelt mir etwas vom Zauber dieses Ziegen-Yoga. Du bist mitten in der Natur, Teil einer Herde und gleichzeitig bei dir selbst. Wir machen verschiedene Asanas wie zum Beispiel den Krieger oder das Kind – und gleichzeitig bin ich den Ziegen nahe, schaue, was sie so treiben und wie weit sie sich von mir entfernt haben.

Ziegen-Therapie

Sie sind mir im Schmuse-Stündchen mit „Christkind“ und „Lotte“ ans Herz gewachsen. Wie ich neben ihnen auf Augenhöhe saß und sie mich sofort mit ihren offenen, ruhigen und gleichzeitig unglaublich fröhlichen Gemütern angenommen haben! „Die Ziegen wirken therapeutisch, sie spiegeln uns und unsere Gefühle, sie sind kuschelig und schmusig“, erzählte mir Sylvia noch vor dem Yoga. „Die Wirkung ist der Pferdetherapie nicht unähnlich, wobei die Ziegen aufgrund ihres sehr neugierigen Wesens nochmal andere Komponenten erschließen.“
Von den feinfühligen Tieren, die auch ihren ganz eigenen, sturen Kopf durchsetzen, können wir einiges lernen. Ich erinnere mich noch einmal an Sylvias Worte: „Die Ziegen lehren mich selbst auch, dass nicht immer alles nach meinem Willen läuft, sie lassen sich nichts aufdrücken“, sagte sie. „Hinter ihren Handlungen liegt unbedingte Freiwilligkeit.“ Ich versuche, mich mehr aufs Yoga zu konzentrieren – die Ziegen malmen derweil in aller Ruhe weiter ihr ausgerupftes Gras. Und dann macht Ziege „Gabi“ tatsächlich noch einen Abstecher auf meine Matte! Vielleicht weil ich mich nicht mehr so sehr mit den Ziegen, sondern mehr mit mir selbst beschäftigt habe?

Ziege „Christkind“ begrüßt Redakteurin Charlott Drung. Beide sind in Kuschel-Laune


Auf geht’s zur Yoga-Wiese! Die Ziegen folgen ihrer „Mama” Sylvia Asmodena Kurtar wie am Schnürchen


Herrlich: Yoga an der frischen Luft, umgeben von Weinreben, Obstbäumen – und natürlich den Ziegen


Ein Schnupper-Kurs der etwas anderen Art …

Den besten Platz fürs Yoga gefunden! „Christkind” reserviert sich auch eine Matte


Yoga machen? Ziege „Gabi” rupft lieber ein paar Grasbüschel aus


Spielend die Weisheit der Ziegen erspüren

„Oft ist es tatsächlich so, dass die Ziegen gerade nicht zu den Teilnehmern gehen, die es sich über alles wünschen“, erzählt mir Sylvia später. Wer weiß, was so eine Ziege fühlt: Vielleicht gibt sie uns mit ihrer eigenwilligen, bockigen Art, die sich zu nichts zwingen lässt, eine Lektion Gelassenheit auf den Weg?

Wahre Herzensöffner

Yoga im Freien, zusammen mit Sylvias ungewöhnlichen Assistentinnen, ist mir persönlich auf jeden Fall ein sehr sympathisches Konzept – habe ich bei einem Yogi doch oft eher nur einen etwas strengen Menschen vor meinem geistigen Auge, der asketisch allen Verlockungen entsagt und über den Dingen (und Verstrickungen) des Lebens ruht.
Die tierisch-süßen Yogis hingegen folgen lieber ihren Sinnen, ihren Bedürfnissen und vor allem auch ihren kessen Köpfchen – dabei immer in direktem Kontakt mit der Natur. Mitten unter ihnen bin auch ich ganz natürlich bei mir. Alle Gefühle ziehen draußen in der Natur weiter wie die Wolken am Himmel.
Und die Ziegen öffnen mir das gestresste Herz, machen den Moment im wahrsten Sinne des Wortes zum Erlebnis. Ohne dass ich mich anstrengen muss, bin ich hier, bin ich jetzt. Unter den Ziegen bin ich im Fluss mit dem Leben. Und mehr braucht es sicherlich nicht, um glücklich zu sein.Charlott Drung

Ab auf die Matte!

Sylvia Asmodena Kurtar bietet im Sommer regelmäßig Ziegen-Yoga in Ochsenfurt (bei Würzburg) an. Aktuelle Termine finden Sie auf ihrer Homepage:www.om-tara.de

„Mimi” hat noch nicht genug vom Yoga. Bald gibt’s eine neue Stunde


Noch eine kleine Streicheleinheit zum Schluss, dann heißt’s Abschied nehmen


FOTOS: JENS HUCHTHAUSEN (6), REGINA RECHT (5); ILLUSTRATIONEN: ISTOCKPHOTO

HINTER DEN KULISSEN : Wie alles begann …

Yoga-Lehrerin Sylvia Asmodena Kurtar erzählt, wie sie zu ihren tierischen Assistentinnen kam …

Wie sind Sie darauf gekommen, Ziegen-Yoga anzubieten? Ich habe viele Jahre in Indien verbracht und dort meine Yoga-Ausbildung gemacht. Beeindruckt hat mich die Verbindung des Yoga zur Natur – im Westen wird er meist in Räumen unterrichtet, nicht in seiner natürlichen Umgebung. Vor fünf Jahren wollte dann ein Weinbauer bei mir in Ochsenfurt seine Ziegenzucht aufgeben – dabei kamen immer viele Nachbarn zum Streicheln und Füttern vorbei! Das durfte nicht einfach enden. Ich ging zum Weinbauern, um zu erfahren, wie man die Zucht erhalten könnte – so kam ich quasi über Nacht zu den Ziegen. Yoga dann draußen auf der Wiese zu unterrichten, lag bei meinen Wurzeln nahe. Und schnell spürte ich, dass die Ziegen eine regelrecht therapeutische Wirkung auf die Teilnehmer haben.

Wie verläuft Ziegen-Yoga? Yoga mit Ziegen unterscheidet sich im Wesentlichen kaum von einer „normalen” Yoga-Stunde – und doch wiederum total! Wir praktizieren Asanas und Atem-Übungen, wie es jeder normalerweise kennt. UND wir verbinden uns mit der Natur. Die Ziegen sind einfach „nur” dabei und machen, wonach ihnen ist.

Für wen ist Ziegen-Yoga besonders geeignet? Für alle! Insbesondere für Naturliebhaber, Tierfreunde und Menschen mit Freude am Leben.

ZIEGEN SIND …: …ganz schön freche Yogis!

Sie sind Herdentiere und deshalb sehr gesellig. Dennoch haben sie ihren eigenen Kopf.

„Ziegen sind hochintelligent, neugierig, frech und testen gerne ihre nicht vorhandenen Grenzen aus”, erzählt Sylvia Asmodena Kurtar. Vor allem sind sie auch sehr gefühlvolle Wesen. Wenn sie Menschen als positiv erleben durften, bleiben sie ihnen mit Treue und in Zuneigung verbunden.
Aber nicht erschrecken: Sylvias Ziegen pinkeln den Teilnehmern auch gerne mal auf die Matte – vielleicht gehört das auch zum Ritual, mit dem sie besonders nette Gäste begrüßen. Wie gesagt, sie sind eben sehr eigenwillig, haben einen flauschigen aber sturen Kopf.