Lesezeit ca. 13 Min.

ZIELSICHER ans Buffet


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 120/2021 vom 05.11.2021

TITELSTORY

Artikelbild für den Artikel "ZIELSICHER ans Buffet" aus der Ausgabe 120/2021 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 120/2021

Wer von seinem Pferd im Dressurviereck bestimmte Lektionen verlangt, sollte wissen, welchen Sinn und Zweck sie haben

Tipps to go

Unsere Tipps können Sie gratis auf Ihr Handy laden: Einfach diesen QR-Code scannen und Datei speichern!

Navigation definiert Wikipedia als die „Steuermannskunst“ zu Wasser, zu Land und in der Luft. Ihr Ziel ist, das Fahr- bzw. Flugzeug sicher zum gewünschten Zielpunkt zu steuern. Dabei besteht die Tätigkeit des Navigierens aus drei Teilbereichen: Bestimmen der geografischen Position, berechnen des optimalen Weges zum Ziel und Führen des Fahrzeugs zu diesem Ziel, also vor allem das Halten des optimalen Kurses, eventuell unter Berücksichtigung der Abdrift.

Schritt für Schritt zum Ziel

Ganz ähnlich verhält es sich mit Lektionen, die eine entscheidende Rolle in der Gymnastizierung eines Pferdes einnehmen. In dem Moment, in dem Sie sich auf Ihr Pferd setzen, hat es eine gewisse Position bzw. Stufe im Ausbildungssystem erreicht. In jeder Trainingseinheit geht es nun darum, es ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Mein Pferd. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 120/2021 von GRAUE WELT?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GRAUE WELT?
Titelbild der Ausgabe 120/2021 von Lebenselixier Wasser. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lebenselixier Wasser
Titelbild der Ausgabe 120/2021 von Mitmachen und gewinnen!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mitmachen und gewinnen!
Titelbild der Ausgabe 120/2021 von TELEGRAMM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TELEGRAMM
Titelbild der Ausgabe 120/2021 von TELEGRAMM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TELEGRAMM
Titelbild der Ausgabe 120/2021 von Was wurde aus … … dem Sprungwunder Big Star?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Was wurde aus … … dem Sprungwunder Big Star?
Vorheriger Artikel
Was wurde aus … … dem Sprungwunder Big Star?
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Gut Hombinient
aus dieser Ausgabe

... schrittweise auf einem bestmöglichen, pferdefreundlichen Weg zum nächsten erreichbaren Ziel zu führen. Dafür gibt es ein Grundgerüst an Übungen und Hufschlagfiguren, die dem Reiter dabei helfen, die wichtigsten Elemente der Dressur zu entwickeln: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung. Darin sind wiederum sechs elementare Anforderungen enthalten: Vorwärtsgehen, Halten, Biegen, Wenden, Seitwärtsgehen und Rückwärtsrichten.

Die Aneinanderreihung von logisch aufeinander aufbauenden, sich ergänzenden und vom Schwierigkeitsgrad her zunehmenden Lektionen ermöglicht es, den eingeschlagenen Kurs zu halten und jede einzelne Trainingseinheit zu einem Erfolg werden zu lassen. Treten Schwierigkeiten auf, muss der Fahrplan jedoch reflektiert und an die Realität angepasst werden. Reiter müssen immer wieder neu die Zusammenstellung der einzelnen Lektionen herausfinden, die an diesem Tag für sie und ihr Pferd passend sind, meinen auch die Ausbilderinnen und Autorinnen Babette Teschen und Tania Konnerth in ihrem Online-Reitkurs „Mit dem Herzen voran“ (www.mit-dem-herzen-voran.de).

Mittel zum Zweck

„Menschen, die nichts mit Pferden zu tun haben, fragen oft, warum Pferde das eigentlich alles tun sollen, was wir von ihnen verlangen. Wir Reiterinnen und Reiter verdrehen dann oft die Augen, dabei ist die Frage durchaus berechtigt, vor allem in Hinblick auf das pferdefreundliche Reiten. Wir halten es für sehr wichtig, eine Lektion nicht um der Lektion willen zu reiten oder weil unser Reitlehrer oder unsere Freundin gesagt hat, dass wir das tun sollen, oder weil wir es auf einer Website gelesen oder in einem Video gesehen haben. Wir sollten immer wissen, wofür die jeweilige Lektion dienlich ist und warum wir sie reiten wollen. Lektionen sind kein Selbstzweck, sondern sie sind ein Mittel zum Zweck. Das übergeordnete Ziel ist dabei immer, dem Pferd zu vermitteln und es dabei zu unterstützen, in einer gesunderhaltenden Manier zu laufen“, so die Expertinnen weiter. Würden Lektionen zum Selbstzweck geritten, sei jede Abweichung von der idealen Ausführung ein Fehler, und wir empfänden es als Scheitern. Das verschärfe die Stimmung und verhindere individuelle und einfühlsame Flexibilität, erklären die beiden.

AUFBAU EINER TRAININGSEINHEIT

Im Training mit dem Pferd gibt es kein Schema F. Je nach Ausbildungsstand von Pferd und Reiter sollten Übungsabfolgen individuell gewählt werden. Dabei gelten folgende Grundsätze: von langsameren, ruhigeren zu fleißigeren Bewegungsabläufen, vom Leichten zum Schweren, vom Bekannten zum Unbekannten und vom Einfachen zum Komplexen.

Lockere Lösungsphase

• Schrittreiten, Leichttraben und Galoppieren (evtl. im leichten Sitz) auf großen gebogenen Linien

• Einfache Übergänge (Schritt-Halten- Schritt, Schritt-Trab-Schritt, Trab-

Galopp-Trab)

• Häufige Handwechsel (u. a. durch die ganze oder Länge der Bahn wechseln)

• Große gebogene Linien (u. a. Zirkel, Mittelzirkel, einfache Schlangenlinie)

• Tritte und Sprünge allmählich verlängern und danach sanft wieder zurückführen

• Schenkelweichen, Vorhandwendungen

• Häufiges Zügel-aus-der-Hand-kauen- Lassen, Dehnungshaltung

• Alternativ: longieren, nicht ablongieren (!), oder Arbeit an der Hand

Anspruchsvolle Arbeitsphase

• Kleinere gebogene Linien (u. a. Volten, Schlangenlinien mit vier Bögen)

• Schwierigere Übergänge (u. a. ganze Paraden, einfache Galoppwechsel)

• Tempiunterschiede, Versammlung und Verstärkung

• Seitengänge und Rückwärtsrichten

• Verbesserung der Ausführung von bekannten Übungen und Lektionen

• Verfeinerung der dafür notwendigen Hilfengebung

• Vorbereitung und Hinführung zu neuen Übungen und Lektionen

• Systematisch aufgebaute Übungsreihen (z. B. Zirkel, Volte, Seitengänge)

• Zwischendurch Entspannungspausen (z. B. lösende Übungen im Sattel oder am Boden)

Entspannte Erholungsphase

• Keine anspruchsvollen Übungen mehr

• Große Linien

• Viele Handwechsel

• Leichttraben oder Galopp im leichten Sitz

• Schrittreiten am langen oder hingebenden Zügel

• Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen in allen Grundgangarten

• Alternativ: Cool-down im Gelände, an der Longe, mit Boden- oder Handarbeit

Extra-Tipp: Für den Reiter kann das Schrittreiten am Ende jeder Trainingseinheit gut genutzt werden, um die Arbeit gedanklich noch einmal durchzugehen.

Daraufhin kann auch eine Nachbesprechung mit dem Reitlehrer erfolgen.

Dass Lektionen kein Selbstzweck sind, dürfte den meisten Reitern bekannt sein. Aber mal Hand aufs Herz: Sind Ihre vorbereitenden Übungen so gut, dass sich der nächste Schritt auf der Ausbildungsleiter geradezu von selbst anbietet? Und: Haben Sie eine klare Vorstellung davon, wie welche Übung wirkt, welchen Trainings effekt sie hat und wie intensiv Sie diese nutzen können?

Wer eine bestimmte Lektion vom Pferd verlangt, sollte wissen, warum sie genau in dieser oder jener Phase sinnvoll sein kann, um vielleicht den Takt zu verbessern oder den Schwung, um an der Biegung zu arbeiten oder an der Durchlässigkeit, fordern die Trainerinnen. „Damit werden Übungen bewusster, gleichzeitig aber auch flexibler und spielerischer eingesetzt“, meinen sie.

Verschiedene Trainingseffekte

„Manche Lektionen haben eine eher beruhigende Wirkung, andere machen wacher und energetischer, manche erfordern viel Konzentration, andere sind entspannend.“ Diese Aufzählung lässt sich beliebig weiterführen: Manche benötigen und trainieren die Ausdauer, manche die Schnellkraft, andere wiederum die Schub- oder Tragkraft, wieder andere die Beweglichkeit und Koordination.

Dieses Wissen darum, wie sich der Ausbildungs- und Gymnastizierungsprozess gestaltet, ist direkt nach dem Aufsteigen auf den Pferderücken gefragt. Denn das scheinbar unwichtige Anreiten im Schritt ist bereits eine Lektion. Es folgen die ersten Zirkel der Trainingseinheit, dann ein Leichttraben, ein paar Handwechsel – und schon ist der Reiter mittendrin in den Übungen der Lösungsphase. „Die hier absolvierten Basisübungen bilden das Fundament für alle weiteren Lektionen“, erläutern die Ausbilderinnen. „Führen Reiter diese einfach so aus, wie sie es im herkömmlichen Unterricht gelernt haben, wird sich nichts Wesentliches ändern. Bauen sie aber das Training, beginnend bei den Basisübungen, neu auf, kann sich tatsächlich alles ändern“, versprechen sie.

Wichtig: Jede vermeintlich noch so einfache Lektion sollte genauso ernst genommen werden wie eine schwierigere. Warum sollte ein Schritt-Trab-Übergang oder ein Zirkel schlampiger geritten werden als ein Schulterherein, eine einfache Schlangenlinie unkonzentrierter als eine Galoppvolte? Eine gute Basis bestehend aus lösenden Übungen brauchen Reiter in jeder Reiteinheit aufs Neue. Ohne sie kann nicht zu anspruchsvolleren Übungen und in die Versammlung übergegangen werden. Das gilt auch für ein weiter ausgebildetes Pferd. Hier verkürzt sich jedoch mit zunehmender Ausbildung die Lösungsphase.

UNSERE EXPERTINNEN

BABETTE TESCHEN und TANIA KONNERTH aus Niedersachsen betreiben gemeinsam den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ und haben zahlreiche erfolgreiche Online-Kurse entwickelt (u.a. „Der Longenkurs“, „Sehen lernen“). Neu ist der Reitkurs „Mit dem Herzen voran“. Ihr Wissen geben die Trainerinnen sowohl im Unterricht als auch in Theorievorträgen und Coachings weiter. www.babette-teschen.de www.tania-konnerth.de www.wege-zum-pferd.de

Basislektionen schulen

Zu den lösenden Lektionen gehören die Hufschlagfiguren und Aufgaben (siehe unten), die das Pferd körperlich und mental entspannen, seinen Körper aufwärmen und lockern. „Wir möchten eine entspannte, lockere und freudvolle Grundstimmung, unser Pferd sollte also nicht nervös und hektisch oder gar ängstlich sein“, sagen die Ausbilderinnen. Nur dann ist es überhaupt in der Lage, weiterführende schwierigere Bewegungsabläufe in voller Konzentration zu zeigen, die es beispielsweise für einen ausdrucksstarken Mitteltrab in der Arbeitsphase braucht.

Nach dem Warm-up wird die Aufgabenerstellung erhöht, Hufschlagfiguren und Lektionen werden stärker miteinander verbunden oder höhere Maßstäbe an sie gestellt. Dazu ein paar Beispiele: Aus dem einfachen Zirkel in der Lösungs phase wird ein Zirkelverkleinern und -vergrößern, dann eine Volte, ein Seitengang. Handwechsel aus der lösenden Arbeit wie „Durch die ganze Bahn wechseln“ werden jetzt ergänzt mit „Durch den Zirkel wechseln“, „Aus der Ecke kehrt“ oder Vorhandwendungen. Aus Übergängen mit genügend langem Weg in der jeweiligen Gangart, die lösend wirken, werden jetzt kürzere und präzisere Übergänge in einer schnelleren Abfolge, um die Versammlung zu fördern. Hinzu kommen Übergänge innerhalb der Gangart, also Tempiunterschiede, die einem kurzen Sprint ähneln und Rückwärtsrichten, das mehr Kraft in der Hinterhand erfordert, usw.

EIN POTPOURRI DER LEKTIONEN

Jede Lektion hat einen unterschiedlichen Trainingseffekt. Bevor der Reiter eine Übung von seinem Pferd verlangt, sollte er wissen, welchen Nutzen sie hat und welches Ziel er damit in der jeweiligen Trainingseinheit verfolgt. Auch die Zusammenhänge zwischen sich ergänzenden und aufeinander aufbauenden Lektionen sollten bekannt sein. Hier ein paar Beispiele:

Übergänge: Je nachdem, an welchen Übergängen der Reiter arbeitet, haben sie unterschiedliche Wirkungen. Generell erfordern und trainieren Übergänge in ein höheres Tempo die Schubkraft. Sie erhöhen die Vorwärtstendenz sowie den Schwung und ermutigen das Pferd zu einem fleißigeren Vorwärts. Übergänge in eine niedrigere Gangart verlangen mehr Tragkraft und Lastaufnahme.

Schritt-Trab-Schritt- und Trab-Galopp-

Trab-Übergänge, in denen lange in der einen oder anderen Gangart verweilt wird, sind in der Aufwärmphase ideal. Sie fördern die Losgelassenheit und Rückenaktivität, verbessern die Anlehnung, den Bewegungsablauf und das Gleichgewicht. Kurze, schnelle Übergänge sind hingegen förderlich für eine aktivere Hinterhand und mehr Versammlungsbereitschaft.

Ganze Paraden, die immer zum Halten führen, oder einfache Galoppwechsel (Schritt-Galopp-Schritt) erhöhen den Schwierigkeitsgrad für Pferd und Reiter.

Sie schließen ein Pferd gut von hinten nach vorn an die Reiterhand heran, kräftigen die Hinterhand, schulen die Versammlungsfähigkeit sowie die Nachgiebigkeit im Genick. Sie sind ideal für die Arbeitsphase.

Tempiunterschiede: Verschiedene Tempi innerhalb einer Gangart sind optimal für die Trainingsphase und bauen auf den lösenden Gangartenwechseln auf.

Sie ähneln einem kurzen Sprint und sind mächtig anstrengend. Dank ihnen lässt sich die Qualität der einzelnen Gangarten selbst verbessern. Durch Zulegen und Aufnehmen kann zudem bereits phasenweise Versammlung und Verstärkung erarbeitet werden. Sie machen das Pferd außerdem besonders aufmerksam auf die Reiterhilfen und verfeinern die Kommunikation.

Handwechsel: Handwechsel lassen sich mithilfe von Bahnfiguren auf geraden oder gebogenen Linien durchführen.

Erstere, wie z.B. durch die ganze Bahn wechseln, sind leichter auszuführen und daher ideal für das Warm-up, letztere sind anspruchsvoller (z. B. durch den Zirkel wechseln) und eignen sich besser für die Arbeitsphase.

Zirkel: Das Reiten eines Zirkels ist eine lösende und eher entspannende Übung. Damit lässt sich eine leichte, aber beständige Biegung aufbauen. Darauf aufbauend erfolgt u.a. das Zirkelverkleinern und -vergrößern. Die Lektion dient der weiteren Verbesserung der Längsbiegung und mehr Aktivität und Lastaufnahme der Hinterhand in der Arbeitsphase.

Volten: Auf den Zirkel aufbauend folgen Volten. Sie haben einen erhöhten Schwierigkeitsgrad und gehören in die Arbeitsphase. Je nach Größe wird hierbei eine starke Längsbiegung und Lastaufnahme verlangt. Je kleiner die Wendung, desto geschlossener und ausbalancierter muss ein Pferd sein.

Schlangenlinien: In der einfachen Schlangenlinie geht es darum, harmonisch und ganz allmählich von einer Stellung und Biegung in die andere zu wechseln. Sie ist ideal für die Lösungsphase. Bei der doppelten Schlangenlinie ist die Abfolge der wechselnden Stellung und Biegung deutlich schneller. Daher gehört diese eher zu den versammelnden Übungen. Schlangenlinien mit drei oder mehr Bögen erfordern nochmals mehr Geschmeidigkeit, Geraderichtung und Konzentration.

Seitengänge: Seitengänge haben einen stark gymnastizierenden und kräftigenden Wert, bedürfen aber einer sehr hohen Konzentrationsfähigkeit. Auf dem Weg zu einer vermehrten Lastaufnahme durch die Hinterhand und einer verbesserten Versammlung sind sie das Mittel der Wahl. Auch hier gibt es eine systematische Steigerung: von einer korrekten Längsbiegung auf kleineren, gebogenen Linien und Vorübungen wie Schultervor und Reiten-in-Stellung über Schulterherein und Konterschulterherein zu Travers, Renvers und Traversalen.

Sinnvolles Training

Zusammenhänge mit anderen und auf die Basislektionen aufbauenden Übungen werden jetzt immer wichtiger. So ist z. B. das Konterschulterherein eine effektive Vorbereitung für den Galopp. Hierbei ist das der Bande zugewandte Hinterbein gebeugt, das als den Handgalopp beginnen soll. Zudem ist im Konterschulterherein die äußere Schulter frei und kann als neue innere Schulter im Galopp lockerer und weiter vorgreifen, gibt Pferdewirtschaftsmeister Johannes Beck-Broichsitter in „Seitwärts unterwegs“ ein konkretes Beispiel.

Eine effektive Arbeitsphase ähnelt dabei dem Zirkeltraining, bei dem die Übungen häufig gewechselt, aber auch wiederholt werden. So werden verschiedene Muskelgruppen trainiert, die sich aber auch immer mal wieder ausruhen können. Das heißt, Phasen der An- und Entspannung wechseln sich ab, nach gebogenen Linien geht es wieder ins Geradeaus, nach der Versammlung frisch ins Vorwärts und in die Dehnung. Pausen zur mentalen und körperlichen Erholung gehören ebenso dazu, beispielsweise nach einer Abfolge von Seitengängen, die sowohl die Muskulatur des Pferdes als auch seine Konzentrationsfähigkeit stark beanspruchen.

„Wechseln Sie nach Bedarf von einer in die andere und wandeln Sie Lektionen auch ab, wenn Sie das Gefühl haben, damit dem Pferd etwas besser vermitteln zu können. Achten Sie darauf, was dem Pferd auf welcher Hand schwerer fällt, und überfordern Sie es nicht auf der schwierigen Seite, sondern üben Sie hier eher kurz“, raten die Ausbilderinnen.

Bahnfiguren sollten zudem nicht als fest definierte Formen betrachtet werden, die immer exakt gleich geritten werden müssen, sagen Tania Konnerth und Babette Teschen. „So wird es herkömmlicherweise zwar gelehrt, ist aber oft gar nicht sinnvoll.“ Besser sei es, in jedem Moment neu zu entscheiden, ob dem Pferd vielleicht gerade eine Volte dabei helfen würde, etwas weicher im Genick und Hals zu werden, auch wenn man gerade beim „Durch die ganze Bahn wechseln“ ist. Oder man reitet nach einer halben Volte geradeaus, wenn das sinnvoll erscheint. „Richtlinien sollten nie irgendwelche Vorgaben von außen sein, sondern das Ziel ist, dass Sie und Ihr Pferd entspannt und locker, fröhlich und motiviert gemeinsam mit Freude dabei sind.“

Lektionen kombinieren

Aus dem großen Topf voller Lektionen, Übungen und Bahnfiguren ergeben sich deshalb unzählige Kombinationen. Derjenige im Sattel muss nur etwas kreativ werden: Schlangenlinien lassen sich mit Übergängen kombinieren, Volten können an der langen Seite wie eine Perlenschnur aneinandergereiht werden, mehrmaliges Aus-dem-Zirkel-Wechseln ergibt eine Acht, die mit oder ohne Stellungswechsel geritten werden kann, Aus-der-Ecke-kehrt gelingt auch in Konterstellung, Volten und Schulterherein im Wechsel machen das Pferd beweglicher und so weiter. „Lektionen sind immer ein Buffet, aus dem wir frei wählen können, und kein Menü mit einer vorgeschriebenen Reihenfolge aus Vorspeise, Hauptspeise und Nachtisch – das wäre viel zu unflexibel und nicht pferdefreundlich!“, meinen die beiden. Das Buffet bietet unzählige Möglichkeiten, aber nur sinnvoll strukturiert schmeckt es dem Pferd am besten.

Bahnarbeit kann auch sinnvollerweise mit weiteren Ausbildungselementen verbunden werden, wenn es dem Vierbeiner hilft: „Steigen Sie ab, wenn Ihr Pferd Ihre Hilfen nicht versteht, und erklären Sie sie ihm ganz in Ruhe vom Boden aus. Fragen Sie die Sachen dann noch einmal vom Sattel aus ab, um dort dann schon jeden kleinsten Versuch zu loben. Auch Longieren kann ein Mittel zum Zweck sein, um ein Pferd mal flott voranzuschicken, wenn es unter dem Sattel vielleicht verspannt und klemmig läuft oder man sich selbst vom Sitz her noch schwertut, höhere Gangarten geschmeidig zu sitzen“, empfehlen die Ausbilderinnen. Zu guter Letzt folgt eine aktive Erholungsund Entspannungsphase, in der ein positiver Abschluss der Übungseinheit geschaffen werden sollte. Mit einfachen, lösenden Lektionen und Schrittreiten am hingegebenen Zügel wird das Training fortgesetzt, bis Puls und Atmung des Pferdes wieder zur Ruhe gekommen sind.

QUERDENKEN ERLAUBT

Übung 1: Kommunikation verbessern

Führen Sie Schritt-Halt-Schritt-Übergänge in verschiedenen Varianten durch. Reiten Sie fünf Schritte und halten Sie dann an. „Gehen Sie ganz bewusst langsam vor und finden Sie heraus, wann Sie an „Halt“ denken müssen, damit Ihr Pferd wirklich nach dem fünften Schritt steht“, erklären Babette Teschen und Tania Konnerth die Übung. Nach dem nächsten Antreten erfolgen vier, dann drei, zwei und am Schluss ein einziger Schritt.

Diese Übung lässt sich auch andersherum beginnen: Sie beginnen mit einem Schritt und steigern die Anzahl. „Es geht in dieser Übung nicht darum, dass das Pferd sie gleich perfekt ausführt, sondern um das Verbessern der Kommunikation“, so die Expertinnen. Eine ähnliche Übung können Sie auch im Galopp machen: Nehmen Sie sich eine bestimmte Anzahl an Sprüngen vor und parieren Sie dann wieder zum Trab oder – für Fortgeschrittene – zum Schritt durch.

Übung 2: Hilfengebung reflektieren

Versuchen Sie, mit so wenig Hilfen wie möglich Ihr Pferd mal etwas schneller und mal etwas langsamer traben zu lassen. Zählen Sie im Geiste die Trabtritte mit: eins-zwei, eins-zwei. Verlangsamen Sie das Zählen oder lassen Sie es schneller werden. Spielen Sie mit Ihrer Beckenbewegung, indem Sie die Bewegungen des Pferdes vorsichtig abfangen und wieder frei fließen lassen. Oder genügt es bereits, den Oberkörper nach vorne zu neigen, um das Tempo zu erhöhen, und ihn mehr aufzurichten, um es zu verringern?

Hilft Ihnen eher ein inneres Bild? Dann stellen Sie sich die neue Gangart so vor, als würden Sie sie bereits reiten, denken Sie an ein ruhigeres Tempo und an langsamere Bewegungen. „Sie werden vielleicht erstaunt sein, wie zuverlässig Ihr Pferd darauf reagiert“, so die Expertinnen.

Beispiel 3: Übergangslektionen nutzen

Eine Übergangslektion unterteilt die eigentliche Lektion in Einzelschritte. Das ist hilfreich, wenn das Pferd Probleme mit einer Aufgabe hat oder eine Lektion neu eingeübt wird. So eignet sich das „Anschraten“ sowohl zum Erlernen des Trabs unter dem Sattel als auch zur Korrektur für Pferde, die beim Antraben ihre losgelassene Haltung verlieren, den Kopf zu hoch nehmen, den Rücken wegdrücken, sich festmachen oder aufgrund mangelnder Balance in ein zu hohes Trabtempo flüchten.

Die Wortschöpfung der Ausbilderinnen soll dabei klar machen, dass es sich nicht um einen „richtigen“ Trab handelt. Im Fokus steht der Übergang an sich, damit das Pferd lernt, sich von Beginn an selbst auszubalancieren, und konzentriert und entspannt antrabt.

Und so geht’s: „Mobilisieren Sie für das Anschraten aus dem Schritt mehr Energie in Ihrem Körper, indem Sie sich das Antraben vorstellen, was das Becken etwas schneller in der Form einer liegenden Acht rollen lässt. Wenn nötig, erfolgen sanfte Schenkelimpulse oder ein Stimmsignal. Ist das Pferd angetrabt, beginnen Sie gleich wieder damit, es sanft durchzuparieren, ohne dass es sich verspannt.“ Eine dreimalige Wiederholung auf jeder Hand genügt. Gelingt das „Anschraten“ ohne Spannung, kann wieder zum korrekten Antraben übergegangen werden.

Abschluss einer Reiteinheit

„Ende immer mit etwas Gutem“, lautet ein Rat in Bezug auf die Arbeit mit dem Pferd. Und so sinnvoll und pferdefreundlich das klingt, so wird dieser Satz leider oft so ausgelegt, dass man auf keinen Fall dann aufhören darf, wenn etwas nicht klappt. Und genau das führt dann leider häufig zu unschönen Szenen, weil wir fest davon überzeugt sind, dass ein Pferd unbedingt noch etwas tun muss, bevor wir aufhören können, obwohl es sich nicht mehr konzentrieren kann, die Kraft fehlt oder es nervlich durch ist (oder wir es sind). Statt etwas erzwingen zu wollen und sich dann vielleicht noch mehr mit seinem Pferd zu streiten, ist es viel besser, noch etwas ganz Einfaches zu machen, das das Pferd gerne macht und wirklich zuverlässig kann“, empfehlen Babette Teschen und Tania Konnerth.

Das muss nicht im Sattel geschehen, sondern kann eine kleine Bodenarbeitseinheit oder ein nettes Spiel sein. Dann kann begeistert gelobt und die Einheit guten Gewissens beendet werden. „Und manchmal ist selbst etwas Einfaches zu viel, dann gilt es, die Sache ohne Groll gut sein zu lassen für diesen Tag.“

Das Schrittreiten am Ende ist übrigens ein idealer Zeitpunkt, um die Trainingsstunde gedanklich noch einmal Revue passieren zu lassen. Wie oft hat das Pferd z. B. eine Übung in der jeweiligen Trainingseinheit wiederholt und welche Wirkung war erkennbar? Was gelang gut? Wo ist Verbesserungsbedarf? „Eine gute und gewissenhafte Nachbereitung ist der erste Schritt zur systematisch richtigen Vorbereitung für die nächste Trainingsstunde“ – so formulieren es die Richtlinien der FN (Band 2). Reiten mit Sinn und Verstand – nur das ist pferdegerecht.