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ZIRKUS ALS ERGOTHERAPIE


Feine Hilfen - epaper ⋅ Ausgabe 30/2018 vom 10.08.2018

Zirkuslektionen sind „hip“. Wirft man einen Blick in die sozialen Netzwerke, kommt man an steigenden, sitzenden oder sich verbeugenden Pferden nicht vorbei. Bleibt die Frage: Handelt es sich um einen bloßen Modetrend für Hipster in der Pferdeszene, der für mehr oder weniger spektakuläre Fotos sorgt, oder haben Zirkuslektionen einen tatsächlichen Mehrwert für das Pferd?


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Eine Wippe ist im Grunde ein sich bewegendes Podest und erfordert eine gut funktionierende sensorische Integration.


Foto: Nick Verlohr

Entscheidend für die Beantwortung dieser Frage ist – wie so oft – das Verständnis des Pferdetrainers für ...

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... das, was er mit seinem Pferd tut. Am Beispiel der Lektion „Podest“ wollen wir aufzeigen, dass Zirkuslektionen durchaus einen Mehrwert für Pferde haben können – wenn die Anforderungen, die die einzelne Übung an das Pferd stellt, auch als solche erkannt werden. Denn wenn man Zirkuslektionen unter ergotherapeutischen Ansätzen betrachtet, geht es um viel mehr als nur um nett anzusehende Übungen.

Ergotherapie für Pferde

In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben Therapiemöglichkeiten, die vor allem auf manuelle Therapietechniken setzen – allen voran die Pferdephysiotherapie – einen wahren Siegeszug in das Bewusstsein vieler Pferdebesitzer gehalten. Und das auch völlig zu Recht. Sicherlich trägt diese Entwicklung ihren verdienstvollen Teil dazu bei, dass die Schlagwörter „Gymnastizierung“ und „Mobilisierung“ bei immer mehr Pferdebesitzern zum Grundwortschatz gehören. Diese Aspekte und die Fokussierung auf Bewegungstherapie und Krankengymnastik allein greifen aber zu kurz. Viel zu wenig beachtet sind bisher ergotherapeutische Ansätze beim Pferd, unter deren Blickwinkel das Training von Zirkuslektionen durchaus sinnvoll für Pferde sein kann.
Der Begriff Ergotherapie stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Gesundung durch Handeln und Arbeiten. Die Ergotherapie gehört im Humanbereich zu den medizinischen Heilberufen und ist dort bereits seit Jahrzehnten nicht mehr aus dem therapeutischen Spektrum wegzudenken. Dort verfolgt sie einen ganzheitlichen Ansatz: Nicht nur die Bewegungsabläufe des Körpers, also die Motorik des Menschen, werden geschult. Vielmehr wird das ganze menschliche System einbezogen: Es geht um Bewegung, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und das harmonische Zusammenwirken all dieser Einzelaspekte. Es handelt sich damit – vereinfacht ausgedrückt – um eine Therapieform, deren Ziel es vor allen Dingen ist, die Handlungsfähigkeit des Menschen im Alltagsleben präventiv zu fördern oder wiederherzustellen. Und genau dieses Prinzip lässt sich gewinnbringend und sinnstiftend auf die Arbeit mit Pferden übertragen.

Sensorische Integration und die Basissinne des Pferdes

Die amerikanische Entwicklungspsychologin Jean Ayers (* 1920; † 1989) hat im Humanbereich die sogenannte sensorische Integration definiert, die wir auf Pferde übertragen:
Alle Informationen, die wir über die Sinnessysteme aufnehmen, werden integriert, d.h.sie werden in das Nervensystem und Gehirn weitergeleitet, dort verarbeitet und gedeutet, sodass Menschen – oder in unserem Fall Pferde – in bestimmten Situationen auf eine bestimmte Art und Weise handeln. Die sensorische Integration sortiert, ordnet und vereint damit alle sinnlichen Eindrücke des Pferdes zu einer vollständigen und umfassenden Hirnfunktion. Vereinfacht ausgedrückt, bedeutet sensorische Integration „Wahrnehmungsverarbeitung“.
Denken wir nun an die Sinne des Pferdes, so haben wir wahrscheinlich zuerst das Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken im Kopf. Doch noch bevor diese Sinne ihre Wahrnehmungstätigkeit nach der Geburt des Fohlens aufnehmen, entwickelt das Pferd drei wesentliche Sinnessysteme: die sogenannten Basissinne. Das Vorhandensein und das Zusammenwirken der Basissinne ermöglicht dem Pferd – über eine entsprechende Reizaufnahme – eine Empfindungs- und Wahrnehmungsfähigkeit.
Zu den Basissinnen des Pferdes zählen das taktile, das propriozeptive und das vestibuläre System.

Das taktile System des Pferdes

Das taktile System oder die Wahrnehmung der Oberflächensensibiltät umfasst den ganzen Pferdekörper mit seiner gesamten Hautoberfläche und ist damit das größte Wahrnehmungssystem. In der Pferdehaut befinden sich verschiedene Rezeptoren, die verschieden Reize genau lokalisieren und diskriminieren – so reagieren die Rezeptoren z. B. auf Druck- und Berührungsreize oder Vibration (Mechanorezeptoren) und Temperatur (Thermorezeptoren). Die Nozizeptoren sind für die Wahrnehmung des Oberflächenschmerzes verantwortlich, die Chemorezeptoren reagieren hingegen als chemische Sensoren z. B. auf den Sauerstoffgehalt in der Luft. Die Informationen der taktilen Wahrnehmung vermitteln dem Pferd die Kenntnis von der Ausdehnung und den Grenzen des eigenen Körpers.

Verändert man die Kopfhaltung des Pferdes, muss das Pferd diesen Umstand auf vielfältige Art und Weise ausgleichen.


Foto: Nick Verlohr

Das propriozeptive System des Pferdes

Im Gegensatz zum taktilen System, das für die Wahrnehmung der Oberflächensensibilität sorgt, zeichnet das propriozeptive System für die Wahrnehmung der Tiefensensibilität verantwortlich. Das propriozeptive System umfasst den Stellungssinn, durch den das Pferd die Stellung bzw. Winkelgrade seiner Körperteile zueinander wahrnehmen kann. Weiterhin umfasst ist der Bewegungssinn, mit dem die Richtung und Geschwindigkeit der eigenen Bewegung erkannt wird, sowie der Kraftsinn, durch den das Pferd die eingesetzte Kraft einschätzen kann. Das propriozeptive System sorgt also dafür, dass das Pferd die Stellung seiner Glieder zueinander, die Gliederbewegung, die Muskelspannung sowie Haltungen, die durch die eigene Bewegung entstehen, wahrnehmen kann.

Das vestibuläre System des Pferdes

Neben Oberflächen- und Tiefensensibilität ist für die sensorische Integration und damit eine ganzheitliche Wahrnehmungsverarbeitung das vestibuläre System für das Pferd wichtig. Das vestibuläre System wird auch als Gleichgewichtssystem bezeichnet.
Das Gleichgewichtssystem registriert Drehbeschleunigungen, Richtungsänderungen und Schwerkrafteinwirkungen und umfasst damit die Wahrnehmung des Körpers zu Schwerkraft, Bewegung und Gleichgewicht. Das vestibuläre System sorgt somit für die Aufrechthaltung des Pferdekörpers sowie die Orientierung im Raum und ermöglicht geordnete Körperhaltungen und -bewegungen.

Und was hat das alles mit Zirkuslektionen zu tun?

Die sensorische Integration sorgt dafür, dass das Pferd seinen eigenen Körper ganzheitlich wahrnehmen kann: Körperbewusstsein und Körperwahrnehmung sind erst durch das Zusammenspiel der Basissinne möglich. Ist nun die Wahrnehmung über die Basissinne nur eingeschränkt möglich oder gibt es Probleme in der Wahrnehmungsverarbeitung, können sich gewisse Fähigkeiten des Pferdes, wie etwa Balance, Koordination und Durchlässigkeit, nicht im notwendigen Ausmaß entwickeln.
Probleme in der Wahrnehmungsverarbeitung des Pferdes können sich durch ein Verhalten äußern, das oftmals als Unart missverstanden wird – wie z. B. Buckeln, Durchgehen, häufiges Stolpern, Konzentrationsschwierigkeiten, fehlende oder schlechte Koordinationsfähigkeit, Rittigkeitsprobleme, Störungen in der Balance oder auch häufige Verletzungen (wie z. B. Schürfwunden), die sich das Pferd durch scheinbare Unachtsamkeit selbst zufügt. Selbstverständlich können all diese Verhaltensweisen auch auf einen pathologischen Befund zurückzuführen sein. Aber gerade in Fällen, in denen das Pferd ohne einen solchen Befund als „schwierig“ gilt, liegen die Probleme oftmals in der Wahrnehmungskompetenz des Pferdes begründet.
Die Basissinne des Pferdes können mit entsprechenden Übungen gezielt geschult werden, sodass die Wahrnehmungsverarbeitung gefördert und verbessert wird. Auch unter den Zirkuslektionen gibt es solche Übungen.

Wie ein Podest die Basissinne unseres Pferdes schult

Die Übung „Podest“ ist sicherlich eine der vielseitigsten unter den „klassischen“ Zirkuslektionen: Das Pferd soll entweder mit den beiden Vorderbeinen, mit allen vier Beinen oder nur mit den Hinterbeinen auf einem erhöhten Podest stehen. Geübte Pferde können auf Mini-Podesten jeweils nur ein Bein aufsetzen. Betrachten wir diese Übung ganz konventionell, so kommen wir zu dem Schluss, dass zumindest der Prozess des Auf- und Absteigens einen gymnastizierenden Wert hat. Vielleicht kommen wir auch noch zum Ergebnis, dass die Koordination des Pferdes geschult wird. Bei dieser Conclusio wird es dann auch belassen. Betrachten wir diese Übung allerdings durch die Brille des Pferde-Ergotherapeuten, ergeben sich wesentlich weitreichendere Schlüsse, die hier in einem kleinen Überblick dargestellt werden:

Koordinationsfähigkeit und Raum-Lage-Wahrnehmung

Der Begriff der Koordinationsfähigkeit des Pferdes wird schon fast inflationär gebraucht – in den meisten Fällen ohne genau zu klären, was die Koordinationsfähigkeit umfasst und wie genau sie geschult werden kann. Die Koordinationsfähigkeit entsteht durch ein Zusammenspiel der Basissinne und wird nicht einfach nur dadurch geschult, dass unser Pferd seine Beine auf einen erhöhten Untergrund setzt. Genauer gesagt, muss unser Pferd seine Beine differenziert anheben, aufsetzen und eventuell nachsetzen, um einen stabilen und sicheren Halt zu finden. Das Pferd muss also über ein gutes Maß an Differenzierungsfähigkeit und Bewegungsökonomie verfügen. Bei der Differenzierungsfähigkeit geht es um die Genauigkeit und Feinabstimmung einer Bewegung, die Bewegungsökonomie meint die rationelle Gestaltung des Bewegungsablaufs, der möglichst fließend und ermüdungsfrei erfolgen soll. Verein-facht ausgedrückt: Unser Pferd muss mit angepasstem Kraftaufwand seine Bewegungen so koordinieren, dass die Beine in der gewünschten Position auf dem Podest auftreffen.
Dieser Umstand steht wiederum in Korrelation zur Fähigkeit der Raum-Lage-Wahrnehmung des Pferdes: Unser Pferd muss die Lage des eigenen Körpers im Raum und in Relation zum Podest einschätzen können, um seine Bewegungen überhaupt zielgerichtet ausführen zu können – schließlich muss die Position der Beine in der Ferne und Höhe verändert werden, und zwar so, dass die Hufe auf dem Podest auftreffen.

Das Pferd muss nicht nur die Hufe gezielt setzen, sondern auch den Abstand der einzelnen Beine zueinander einschätzen können.


Foto: Nick Verlohr

Tonusanpassung und statisches Gleichgewicht

Unser Pferd muss einzelne Muskelpartien nicht nur gezielt ansteuern können, vielmehr müssen die einzelnen Muskelpartien unseres Pferdes einen unterschiedlich hohen Muskeltonus aufbringen. Gehen wir davon aus, dass wir unser Pferd bitten, mit seinen beiden Vorderbeinen auf dem Podest zu stehen, muss es den Muskeltonus so anpassen, dass die beiden Vorderbeine stabil stehen können, und die Hinterbeine müssen mit vermehrter Kraft dafür sorgen, dass diese Position gehalten werden kann. Der Muskeltonus in den Muskeln der Vor- und Hinterhand ist damit nicht gleich, sondern wird der Übung entsprechend angepasst. Darüber hinaus braucht unser Pferd ein ausreichendes statisches Gleichgewicht, da die Unterstützungsfläche mit zwei Beinen auf dem Boden und zwei Beinen in der Höhe eine andere ist als beim herkömmlichen Stand des Pferdes.

Die taktile Wahrnehmung

Setzt unser Pferd seine Hufe auf das Podest, übermitteln beim Auftreffen der Hufe der Hufstrahl und die Hufsohle dem Pferdehirn die Information, dass es sich um einen neuen, andersartigen Untergrund handelt. Was sich zunächst lapidar anhört, ist für viele Pferde in der Praxis ein nicht unerhebliches Problem: Die Aufgabe, über eine Plane oder Brücke zu laufen oder in einen Pferdeanhänger zu gehen, stellt oft auch deswegen eine so große Herausforderung für unser Pferd dar, weil es Defizite in der taktilen Wahrnehmung hat. Viele Pferde kennen schlicht und ergreifend nur die Untergründe, die sie in und um ihre nächste Stallumgebung vorfinden. Ändern wir die Anforderungen an unser Pferd, indem wir verlangen, dass unser Pferd mit allen Vieren auf das Podest geht, oder ändern wir die Rahmenbedingungen, indem wir das Podest tauschen und unser Pferd bitten, auf ein durchgängig flexibles „Podest“ zu gehen – wie z. B. eine Weichbodenmatte – oder mit nur einem Bein auf ein Mini-Podest zu steigen und das andere Bein anzuheben, ändern wir die Herausforderungen an die Basissinne unseres Pferdes. Gegebenenfalls können hier noch andere Aspekte wie z. B. dynamisches Gleichgewicht oder Bewegungseffizienz eine vermehrte Rolle spielen. Es geht bei Übungen wie dem Podest also nicht nur um das, was klassischerweise unter Gymnastizierung verstanden wird. Die Wahrnehmungsverarbeitung unserer Pferde ist ein bis dato absolut und völlig zu Unrecht vernachlässigter Umstand. Denn dass viele Pferde Defizite in der Wahrnehmungsverarbeitung haben, die tunlichst ausgeglichen werden sollten, zeigt allein schon die Tatsache, dass die Übung „Podest“ eben nicht von jedem Pferd einfach so gemeistert wird. Ganz im Gegenteil: Viele Pferde haben Probleme, ihre Beine entsprechend zielgerichtet aufzusetzen, ihr Gleichgewicht dabei zu halten und den neuen Untergrund zu akzeptieren.

Das Mini-Podest stellt unter ergo-therapeutischen Gesichtspunkten eine große Herausforderung an die Basissinne des Pferdes dar.


Foto: Nick Verlohr

Was wir für unsere Pferde tun können

Wir sollten anfangen, nicht nur auf die Gymnastizierung unserer Pferde im Sinne einer Bewegungstherapie zu setzen, sondern darüber hinaus die Basissinne des Pferdes in den Fokus zu nehmen. Führt man sich anhand der Übung „Podest“ vor Augen, welche Anforderungen aus pferdeergotherapeutischer Sicht an unsere Pferde gestellt werden, wird schnell klar, wie häufig wir diese Anforderungen unterschätzen. Ein Pferd, dessen Wahrnehmungsverarbeitung gut funktioniert, profitiert in allen Bereichen hiervon: sei es bei der Arbeit vom Boden, beim Reiten oder auch im sozialen Herdengefüge. Ebenso wie bei Menschen funktioniert die sensorische Integration aber nicht bei jedem Pferd gleich gut. Genau darum sollten wir anfangen, Pferde SINNvoll zu fördern, d.h.ihre Basissinne ergotherapeutisch zu schulen.
Für die Förderung der Basissinne gibt es viele ergotherapeutische Übungen – eine davon ist das Podest in all seinen Varianten. Zu diesen unterstützenden Übungen zählen sicherlich viele weitere, die grundsätzlich der zirzensischen Bandbreite zugeordnet werden. Unser Hauptaugenmerk liegt dann aber nicht auf dem Showeffekt, sondern dem ergotherapeutischen Nutzen – weswegen wir in diesem Zusammenhang das Vokabular rund um den Zirkus auch gerne vermeiden. „Zirkuslektionen“ sorgen damit nicht nur für einen netten Zeitvertreib, sondern können durchaus einen ergotherapeutischen Wert haben. Dafür ist es aber notwendig, dass wir unser eigenes Bewusstsein schulen, um einerseits die Anforderungen an unser Pferd richtig einschätzen und andererseits erkennen zu können, in welchem Sinnessystem unser Pferd Defizite hat. Nur dann ist eine SINNvolle Arbeit mit dem Pferd möglich, von der in erster Linie das Pferd profitiert und nicht der Pferdebesitzer, der gerne spektakuläre Fotos betrachtet. Fördern wir die Basissinne unseres Pferdes bewusst, gezielt und strukturiert, so erlangen unsere Pferde eine bessere Körperwahrnehmung. Und diese verbesserte Körperwahrnehmung sorgt für ausgeglichene Pferde – in allen Lebenslagen.

DIE AUTORINNEN:

Yvonne Katzenberger ist staatlich geprüfte Ergotherapeutin und zertifizierte Reittherapeutin. Seit 2004 führt sie eine eigene Praxis für Ergo- und Reittherapie, die einen therapeutischen Pferdestall umfasst. Dr. Ruth Katzenberger-Schmelcher ist reittherapeutische Assistentin und passionierte Pferdetrainerin. Gemeinsam haben sie im Cadmos Verlag zwei Fachbücher veröffentlicht, ein Konzentrationstraining mit Pferd für Schulkinder entwickelt und mit PFERGO die erste Akademie für Pferde-Ergotherapie gegründet. Dort dreht sich alles um die ergotherapeutische Förderung des Pferdes. Im November 2018 findet hier der erste Ausbildungsjahrgang für Pferde-Ergotherapeutinnen und -therapeuten statt:
www.pfergo-akademie.com

BUCHTIPP:

R. Katzenberger, Y. Katzenberger, H. Kohlschmid
Ponys ganz groß

Originelle Beschäftigungsideen für kleine Pferde

Cadmos Verlag
ISBN 978-3-8404-1521-0, 14,95 €