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ZKM-News: Neuer Vorstand, große Events & Ausstellungen


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INKA Regiomagazin - epaper ⋅ Ausgabe 139/2022 vom 01.08.2022

Der Brite Alistair Hudson ist neuer wissenschaftlich-künstlerischer Vorstand

Der Brite Alistair Hudson wird ab 1.4.23 neuer wissenschaftlich-künstlerischer Vorstand am ZKM und beerbt damit Peter Weibel, der das ZKM seit 1999 leitete und zu Weltgeltung führte. „Es reizt mich, die Arbeit von Peter Weibel fortzusetzen und einen Ort zu schaffen, an dem die Welt neu gedacht wird“, führt er bei der Pressekonferenz aus. „Ich stelle mir das ZKM als Mittelpunkt und Gravitationszentrum für ethische Diskurse vor, an dem wir die Ethik und Ästhetik einer Zukunft kalibrieren, die wir noch nicht kennen. Dazu gehört, dass sich die Institution mehr und mehr für neue Netzwerke, Gemeinschaften, Partnerschaften und Fachwissen öffnet.“ Hudson ist ein erfahrener, international tätiger Kurator und Museumsleiter, Jurymitglied des „Turner Prize“, aber mit seinem Konzept eines „Useful Museums“ auch erfolgreich darin, „Kunst zu denen zu bringen, die sonst keinen Zugang zu ihr haben“, wie er bei der Pressekonferenz gleich zu Beginn explizit äußerte. Hudson versteht Kunst- und Kulturinstitutionen als Orte für gesellschaftliche Verantwortung und Veränderung und definiert das künstlerische und kuratorische Handeln als soziale Praxis. Zuletzt leitete er in Manchester die beiden Museen Manchester Art Gallery sowie The Whitworth, das Museum der Universität. Hudson, in Manchester aufgewachsen, studierte dort inmitten des postindustriellen „Madchester“-Rave, mit Bands wie Happy Mondays, Stone Roses, Primal Scream oder New Order, die den Dancefloor in die Independent-Music implentierten. The Hacienda wurde zu einer der besten Diskotheken der Welt, Factory Records ein stilprägendes Label. Über Hudsons Beziehung auch zur Popkultur seiner Stadt kann man sich auch am ZKM freuen, auf „more Residencies and more Events“. Hudson stellte sich nach Ankunft dem gesamten ZKM-Team vor – und erhielt danach stehenden Applaus. Er wird seinen Wohnsitz nach Karlsruhe verlegen. Schön, wenn man willkommen ist!

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Review & Interview: John Sanborn – Erforscher des Menschseins

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„I am worried about my career, my legacy, everything“, zaudert John Sanborn (Foto: Felix Grünschloß) in seiner Arbeit „360 Degrees“. 2004, der Künstler war gerade 50 Jahre alt, hatte Sanborn eine herbe berufliche Enttäuschung zu verdauen, der er Herr zu werden versuchte, indem er täglich ein Video drehte. Auf sieben im Kreis angeordneten Bildschirmen fliegen die Träume, Wünsche und Zweifel des Medienkünstlers umher, begleitet von Promis der frühen 2000er und privaten Familienvideos.

„360 Degrees“ befindet sich in der Mitte der Sanborn-Ausstellung „Between Order And Entropy“ im ZKM. Sie spreizt sich von den videokünstlerischen Anfängen des US-Amerikaners ab 1978 bis zu seinen jüngsten Arbeiten. Davor hat man einen Eindruck von der ungebremsten Entdeckerlust des jungen Sanborn gewinnen können. Laut, bunt und musikalisch gestalten sich die ersten Räume, in denen sich die Sounds der einzelnen Arbeiten durchdringen – manchmal nervig, aber wahrscheinlich pure Absicht. Highlights sind die TV-Oper „Perfect Lives“ mit Robert Ashley (1983), ein Video für Musik von Philip Glass („Act III“, 1983) und das buchstäbliche Musikvideo „Ear To The Ground“ (1982) – es vertont keinen Song, sondern der Performer Kit Fitzgerald erzeugt die Musik selbst im Bild, indem er wild in New York herumklöppelt. Im Laufe der Jahrzehnte wird Sanborn ruhiger und nachdenklicher, aber nicht weniger neugierig. Er vermengt griechische Mythologie mit Queerness, Tanz und Parfümwerbung-Ästhetik („V M“, 2015) oder reflektiert über seinen „Alterszorn“ (2017). Im letzten Raum mündet alles in verspielte Paradoxie: Während wir in „A Dog Dreams (Of God)“ (2022) die Welt aus der Perspektive eines Hundes sehen, brennen auf den Screens daneben in der Arbeit „And In Conclusion“ (2021) Wälder und die Erde scheint unterzugehen. Darüber musste Friedemann Dupelius mit John Sanborn sprechen.

INKA: John Sanborn, der letzte Raum Ihrer ZKM-Ausstellung ist sehr emotional und widersprüchlich: Wie finden Sie Hoffnung und Leichtigkeit in der oft so ernsten Realität? Man könnte ja leicht fatalistisch werden…

John Sanborn: Über meine ganze Karriere hinweg war ich immer ein Erforscher des Menschseins. Das fasziniert mich: Wie wir uns und unser Leben definieren; wie wir besessen davon sind, Geschichten zu erzählen; wie wir die Welt philosophisch kartieren, um zu überleben, zu lieben und zu vertrauen. Ich huldige dem Physischen, dem Emotionalen und dem Intellektuellen – immer garniert mit einem Sinn für Humor. Meine frühen Arbeiten sind neugierig, nicht wertend. Es sind Experimente in Form, Struktur und Inhalt. Als Videokünstler konnte ich Zeit und Raum verändern, um die Welt so darzustellen, wie ich sie sah, und zu formulieren, wie sie meiner Meinung nach sein sollte. Jetzt, da ich älter bin, fühle ich mich verstört von den Problemen auf der Welt. Mir scheint es aber nutzlos, das Offensichtliche zu betonen oder banale Lösungen anzubieten. Freude ist für mich ein sinnvolleres Mittel. Ich möchte Kunst machen, die gefühlvoll und auch ein wenig absurd ist. Mein Menschenbild ist nicht nur positiv, aber ich habe Hoffnung in mir. Ich sehe überall Schönheit und Freundlichkeit – besonders bei meinen Hunden. Und ich möchte, dass das Publikum das auch spürt. Wir sind oft sehr angstgetrieben – doch um uns herum ist Freude. Man muss sich bloß bücken und seinen Hund streicheln.

INKA: Wie kam es, dass Sie von Adobe und Apple als Berater engagiert wurden? Und wozu haben Sie den Firmen geraten?

Sanborn: Als ich 1990 von Kalifornien nach New York zog, hatte die digitale Desktop-Revolution gerade begonnen und ich war mittendrin. Über einen Freund bekam ich grafikbeschleunigte Videoaufnahmekarten und Monitore, dazu eine Apple-CPU – so konnte ich Videos aufnehmen, digitalisieren und mit der ersten Version von Adobe Premiere bearbeiten. Ich war wie elektrisiert: Plötzlich konnte ich Arbeiten erstellen, von denen ich zuvor nur geträumt hatte – und das ganze zuhause, im Bademantel! Adobe, Apple und weitere Firmen wurden auf mich aufmerksam und wollten genau zwei Dinge von mir: Feedback für ihre Hard- und Software – und Auftragswerke, die sie bei Messen auf der ganzen Welt zeigen konnten.

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INKA: Auf den ersten Blick haben Sie sich in sehr unterschiedlichen Welten bewegt. Haben das Silicon Valley, MTV und die Kunstwelt mehr gemeinsam, als man denken würde?

Sanborn: Auf meinen verschlungenen Pfaden hat man mir oft gesagt, zu kommerziell für die Kunstwelt und zu arty für die kommerzielle Welt zu sein. Für mich ist alles Kunst, was ich mache. Das bin alles ich. Mein Lehrer Nam June Paik flößte mir die Freiheit ein, Formen und Inhalte frei zu kombinieren und zu kommunizieren, was ich will. Unabhängig vom Ort möchte ich die Menschen zum Denken, Fühlen und Antworten anregen. -fd · bis 30.10., ZKM-Lichthof 1 2

The Residents – God In Three Persons

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Ein durchaus spektakuläres Rahmenprogramm für die John-Sanborn-Schau am ZKM ist das Gastspiel der kalifornischen Multimedia-Gruppe The Residents, deren Mitglieder sich bis heute anonym halten. Gleichwohl zählt die Anar- cho-Elektronik-Avantgarde-Band aus San Francisco zum Bildungskanon. Ihre Alben „Meet The Residents“ von 1974, „Eskimo“ oder das mit 40 zweiminütigen Popelektronikminiaturen vollgepackte „Commercial Album“ sind Kult. Auf ihrem Label Ralph Records waren z.B. Tuxedomoon oder Fred Frith Dauergäste, auch erschien hier 1980 das allererste Album „Solid Pleasure“ von Yello. Ja, „den“ Yello. Seit über 40 Jahren ist John Sanborn mit The Residents befreundet. Quasi zwangsläufig führte das auch zu gemeinsamen Projekten. Das neueste davon ist „God In Three Persons“, das als Multimediaperformance mit Visuals von Sanborn auf die Bühne des ZKM-Medientheaters kommt. Der Plot handelt von einem Priester, der der Lust verfällt und diese mit siamesischen Zwillingen auslebt. Sanborn erstellte Mehrkanalvideoprojektionen und Bühnenelemente für die 14 Songs und beleuchtet damit die beunruhigende Erzählung von menschlichen Abgründen und der Dunkelheit, die in jedem von uns steckt. -fd/rowa · Sa, 10.9., 18 21 Uhr; So, 11.9., 18 Uhr, ZKM

Ole Scheeren

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Schon mit 14 arbeitete Ole Scheeren im väterlichen Architekturbüro mit. Heute zählt der gebürtige Karlsruher zu den bekanntesten Architekten weltweit. Gemäß seinem Motto „Form Follows Fiction“ reflektieren und aktivieren seine Gebäude die Vorstellungen, Fantasien und Emotionen der Menschen, die sie nutzen. Peter Weibel bezeichnet seine Projekte als „das Ergebnis einer intensiven experimentellen urbanen Feldforschung“. Scheeren steht für technologisch hochentwickeltes Bauen, das sich mit einer Orientierung an menschlichen Bedürfnissen vereint. Berühmt sind sein 314 Meter hoher, pixelhafter „Maha Nakhon“-Turm in Bangkok und das ausgezeichnete Wohnhausprojekt „The Interlace“ in Singapur. Die hohen Lichthöfe des ZKM bilden die geeignete Kulisse für raumgreifende architektonische Installationen in einer umfassenden Einzelausstellung. (Foto: Felix Grünschloß) -fd · 10.12.-4.6.23, ZKM

Piazza del Cinema @ Toujours Kultur

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„Nichts ist so wie es scheint!“ – unter diesem Motto stehen die TK-Open-Air-Vorstellungen auf der „Piazza del Cinema“. Zur Koop des Stadtjugendausschusses mit der Fachstelle Demokratie und Vielfalt zeigt die Kinemathek Thriller und Paranoia-Movies, meist aus den 70er und frühen 80er Jahren: allen voran „Die Unbestechlichen“ (Fr, 12.8., 21 Uhr), Brian De Palmas „Blow Out“ (So, 14.8., 21 Uhr) mit John Travolta, Henri Verneuils auf dem JFK-Attentat basierender „I wie Ikarus“ (Sa, 13.8., 21 Uhr) mit Yves Montand und Alejandro Jodorowskys „Montana Sacra – Der Heilige Berg“ (Do, 25.8., 21 Uhr). Dazu gibt’s „Matrix“ (Fr, 5.8., 21 Uhr) von den Wachowski-Geschwistern und Mike Judges noch kultigeren „Idiocracy“ (Sa, 6.8., 21 Uhr), die wie „23“ (So, 7.8., 21 Uhr) in Deutschland produzierte Satire „Curveball“ (Do, 4.8., 21 Uhr) sowie weitere Ausreißer in die Genres Fantasy (Peter Jacksons „Heavenly Creatures“ mit Kate Winslet, Do, 18.8., 21 Uhr), Liebesfilm (Richard Linklaters „Before Sunrise“, Fr, 19.8., 21 Uhr, Foto) und Drama (Wong Kar-Wais „Chungking Express“, So, 21.8., 21 Uhr). Zu den Komödien „Top Secret!“ (Fr, 26.8., 20 Uhr) des Regie-Trios Zucker-Abrahams-Zucker mit Val Kilmer und Harold Ramis’ „Die schrillen Vier auf Achse“ (So, 28.8., 20 Uhr) mit Chevy Chase mixt das „Commodore’s Cocktail Cinema“ filmkorrespondierende Drinks. Die HfG ist anlässlich ihres 30. Jubiläums mit dem Kurzfilmprogramm „Karlsruher Fenster“ (Fr, 2.9., 20.30 Uhr) vertreten und innerhalb ihrer Ausstellung präsentiert das KünstlerInnenkollektiv Circus 3000 (Do, 1.9., 19 Uhr) seine Shortys, bevor Michel Gondry zum Abschluss die Videothekentrottel Jack Black und Mos Def in „Abgedreht“ (So, 4.9., 20.30 Uhr) nach einem Missgeschick mit beschränktem Budget und viel Einfallsreichtum „Ghostbusters“, „König der Löwen“ und „Robocop“ neu drehen lässt. -pat · bis 4.9., Parkplatz beim Substage, piazza.kinemathek-karlsruhe.de, www.toujours-kultur.de

„Werkstattpalast“ im Rheinhafen: Kunst, Wissenschaft & Musik

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Erstmals öffnet sich der Karlsruher Rheinhafen außer dem hauseigenen „Hafen-Kultur-Fest“ und dem „Nordbecken-Festival“ der Kultur. Bislang blieben alle kulturellen Aktivitäten dort strikt temporärer Natur, wie z.B. die Halle 14. Wie lassen sich Strukturen aufweichen und verändern? Das Kunst- und Wissenschaftsfestival „Werkstattpalast“ lädt für zehn Wochen dazu ein, über Strukturen und Strukturwandel nachzudenken – und das in einem bewusst breiten Sinne, wie Norina Quinte, die das Festival konzipiert hat, im untenstehenden INKA-Interview mit Friedemann Dupelius erklärt.

Eine „fliegende Architektur“ in Form eines Baugerüstpalasts wird temporär zum Teil des Rheinhafens. Das ansonsten im Stadtraum eher verborgene Areal wird somit zur Projektionsfläche für städtische und gesellschaftliche Zukunftsvisionen – und zum Spielort für Kunst, Musik, Dialoge, Workshops und Zusammenkünfte an der Bar. Hinter dem Projekt stehen die Kunstplattform Ato und der KIT Innovation Hub. Auf das offizielle Opening (Sa, 13.8., ab 17 Uhr) folgt ein Wochenende zum Thema „Spiel oder Regeln“, mit Vorträgen von Andreas Beck (KIT) und Judith Milz (Do, 18.8.), einem Konzert von Yaneq (Fr, 19.8.), dem Talk „Wozu die Kunst?“ und einem Streitgespräch zu Visionen und Regeln (Sa, 20.8.) sowie einer Videoperformance von Kilian Kretschmer (So, 21.8.). „Nano oder Makro“ ist die Leitfrage ab Do, 25.8.: Jaro Eiermann spricht über das Potenzial der

INKA: Wie kamen der Innovation Hub des KIT und Ato zusammen?

Norina Quinte: Ato steht für die Veränderung der Strukturen innerhalb der Kunstwelt und möchte ein System schaffen, das auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene fair funktioniert. Der KIT Innovation Hub setzt sich für nachhaltige Infrastruktur ein und arbeitet in diesem Feld an struktureller Veränderung. Ein gemeinsamer Nenner ist, dass wir Infrastruktur nicht nur als baulich gegebene Substanz verstehen, sondern als gesellschaftliches Konstrukt. Dass sich „etwas ändert“ und auch verändern sollte, liegt auf der Hand – aber in welche Richtungen wollen wir uns als Gesellschaft bewegen? Insbesondere nach zwei Jahren Pandemie merken wir, dass sich der Austausch zwischen den Disziplinen und eher verringert hat, statt intensiviert zu werden. Der Begriff „Struktur“ ist in aller Munde und doch weiß eigentlich niemand, was er für das Gegenüber bedeutet. Während er für die einen eine molekulare oder physikalische Beschreibung darstellt, denken andere an städtebauliche oder ästhetische Strukturen, Macht- oder Wirtschaftsstrukturen. Für wiederum andere liegt die Struktur im Chaos usw. Der Ansatz von „Werkstattpalast“ ist daher, fachübergreifend zusammenzukommen und sich gegenseitig zuzuhören – durch Vorträge, Dialoge, Workshops, Musik und Gastronomie.

INKA: Welche Begriffe von Struktur bringt ihr zum Festival mit?

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Quinte: Alle eingeladenen AkteurInnen bestimmen das Programm und somit auch die Vielfalt der Struktur-Begrifflichkeit. So werden künstlerisch z.B. ästhetische Strukturen, Konsumstrukturen, digitale Strukturen, sprachliche Strukturen oder Geschlechterstrukturen thematisiert. In Vorträgen befassen sich Wissenschaftler mit Kreislaufwirtschaft, dem Bau von Infrastruktur, der Verknüpfung von Wissenschaft und Kunst, der Bespielung von urbanem Raum, nachhaltigen Werkstoffen oder verfolgen ganz andere Ansätze, wie z.B. das Sprechen über unsere „Trauerstruktur“.

Karlsruher Nord-Süd-Achse zwischen Schlossplatz und Hbf. Ancient Buttons und Carol Moss performen am Fr, 26.8., gefolgt von SK Libras DJ-Set.

Mehr Diskurs folgt am Sa, 27.8. mit Vorträgen von stadtentwicklerischen Initiativen aus u.a. Darmstadt und Stuttgart und am So, 28.8. lädt der KIT Innovation Hub zu einem Workshop. Mit „(Un)abhängigkeiten“ geht es in den September. Das MKDIR Collective gibt Einblicke in ethische und soziale Implikationen der „Digitalen Dreifaltigkeit – Daten, Hardware, Software“ und Cite-Online zeigt einen Film über algorithmenbasierte Kameraüberwachung von öffentlichen Räumen (Do, 1.9.). Der Performance von Gin Bahc folgt DJ-Musik mit Lichtkonzept von Nachtgestalten (Fr, 2.9.). Der Sa, 3.9. bietet Gelegenheit zu einer Führung durch die „Werkstattpalast“-Ausstellung und am So, 4.9. gibt es Workshops von MKDIR und Strwüü (HfG Open Resource Center). Die Wochenenden zu den Themen „Takt oder taktlos“ (8.-11.9.), „Form oder Norm“ (15.-18.9.), „Hafen gestalten“ (22.-25.9.) und „Wie fair teilen“ (29.9.-2.10.) bieten u.a. Workshops über Improvisation und Struktur mit Saxofonist Peter Lehel (So, 11.9.) und mit den Urbanen Gärten Karlsruhe (So, 18.9.), KünstlerInnenvorträge von Christian Schnurer (Sa, 17.9.) und Nati Krawtz (Do, 22.9.), ein Dialogfomat über Gestaltungsmöglichkeiten im Rheinhafen, einen „Tag des offenen Bootes“ bei der Hafenpolizei (So, 25.9.) und eine Performance von Heidi Herzig und Ben Öztat (Fr, 30.9.). (Fotos: Sebastian Heck) -fd

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INKA: Welche Idee von Struktur verkörpert der Gerüstbau am Rheinhafen?

Quinte: Die „fliegende Architektur“ ist unser Rahmen: eine physische und inhaltliche Baustelle, die wir in einen recht unbelebten Stadtraum setzen. Karlsruhe hat einen Hafen, allerdings ist dieser nur bedingt für die Stadtgesellschaft geöffnet. Die ephemere Gerüst-Struktur zeigt auf, „was sein könnte“, hat etwas Spielerisches, Unperfektes, Offenes und Wiederverwendbares. Das Gerüst hat noch keine Vorgeschichte, es wird erst mit Inhalten gefüllt. Es verändert die Infrastruktur des Hafens und öffnet einen neuen Handlungsspielraum.

INKA: In welchen Formen findet der Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft beim Werkstattpalast statt?

Quinte: Es geht nicht darum, dass sich „alle“ an einem Produkt abarbeiten, sondern dass eigene Standpunkte und Themen auf den Tisch gelegt werden. Das Programm hat eine feste Struktur, die den Einstieg in die Thematik und ein fachübergreifendes Nachdenken ermöglicht. So finden donnerstags Vorträge über einzelne Forschungsansätze statt, am Freitag bestimmt die „Freitat“ das Geschehen durch Performance oder Konzerte. Samstags gibt es Dialogfenster zu gemeinsam definierten Themen. Sonntags veranstalten wir kostenlose Workshops, die eine einfache Teilnahme am Diskurs fördern. Gemeinsam mit dem Biodesignlab der HfG, der Ato-Künstlerin Verena Schmidt, dem KIT Innovation Hub und dem Produktdesigner Jannik Lang haben wir eine 20 Meter lange Material- und Objekte-Bibliothek entwickelt, die dazu einlädt, sich mit der Schnittstelle von Wissenschaft, Bauwelt und Kunst auseinanderzusetzen.

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Gin Bahc (Karlsruhe), , Struktur Edition, Ato

INKA: Welche Rolle spielt der Rheinhafen aus eurer Sicht für die Stadtstruktur?

Quinte: Eine große. Durch die Arbeit im Hafen haben wir viel über das Gebiet gelernt. Für die Stadtstruktur von Karlsruhe ist der Hafen insbesondere als Industriestandort von Bedeutung. Es sind unfassbar viele Güter, Werk- und Rohstoffe in Produktion oder im Umlauf. Dies werden wir in der Ausstellung wie auch in der Szenografie veranschaulichen.

INKA: Wie könnte man den Hafen besser nutzen – ohne, wie in so vielen anderen Städten üblich, teure Neubauten und Eigentumswohnungen draufzusetzen?

Quinte: Teure Neubauten wären keine Lösung und zudem problematisch für anliegende Unternehmen, wenn sie ihre Arbeitszeit auf einmal an Wohnrecht anpassen müssten. Natürlich sehe ich aber eine große Chance darin, dass wir mit dem Rheinhafen Karlsruhe zusammenarbeiten und gemeinsam ausprobieren dürfen, wie sich das mit der Kunst, Kultur und Wissenschaft im Industriegebiet verhält. Ein Blick nach z.B. Mannheim zeigt, dass sich Kunst und Industrie nicht zwingend im Wege stehen. Beide wollen 24/7 arbeiten dürfen und laut sein. Die einen mit Maschinen, die anderen z.B. mit Musik… „Besser nutzen“ kann ich also nicht beurteilen, aber etwas diverser nutzen – das wäre natürlich toll!

INKA: Liegt in der Vereinigung von Kultur und Wissenschaft (und Industrie?) der Schlüssel zu einer für möglichst viele Menschen positiven Stadtentwicklung?

Quinte: Ich denke ja. Wenn die sogenannte Vereinigung auf Augenhöhe geschieht und sich niemand als DienstleisterIn fühlt, ist es das Beste, was uns passieren kann. Wenn Kunst von Beginn an in die Gestaltungsprozesse von Stadt und Raum einbezogen werden könnte, würde das auch die Nutzungsqualität verändern. Ebenfalls könnte die Wissenschaft – und ja, sogar die Industrie – davon profitieren, wenn kritische Fragen aus der Kunst einen Raum in Instituten oder Unternehmen erhielten. Stadtentwicklung auf dem Reißbrett ist keine Lösung, sie führt nicht zu prozesshaftem Planen oder diverser Entwicklung. Aber das wird auch gerade vielen Kommunen und Städten zunehmend bewusst.

INKA: Statt jeder Bereich für sich, sollte man sich also gemeinsam für mehr (Kultur-)Förderung einsetzen?

Quinte: Wir benötigen einen „Werkstattpalast“. Viele davon. Wir müssen dauerhafte Flächen entwickeln, auf denen sich verschiedene Fachbereiche begegnen können, ohne, dass jemand die einladende Geste aussprechen muss. Ein Blick auf unsere Finanzierungsstruktur „Werkstattpalast“, die auch ausgestellt und offengelegt wird, zeigt deutlich, dass diese Bereiche finanziell unterversorgt sind. Die meisten Gelder kommen von Unternehmen und Privatpersonen. Staatliche Subventionierung sollte nicht nur für die Kunst, sondern auch für die Wissenschaft, wesentlich umfangreicher sein. Bis dato dachte ich immer, es geht insbesondere der Kunst so. Der Einblick in die Welt der Wissenschaft zeigt allerdings deutlich: Wir sitzen alle im selben Boot.

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Stephanie Senge & Säge Moribana (München & Berlin)

Kamuna

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Seite unten: Maike Denker (Münster), Struktur Edition, Ato

Die 23. „Karlsruher Museumsnacht“ – kurz: „Kamuna“ – widmet sich dieses Jahr den „Geschichten hinter den Dingen“. Seit der Mensch existiert, erfindet und erzählt er Geschichten. Manche klären auf oder belehren, andere inspirieren und motivieren. Manche sind wahr, andere erfunden. Viele sind älter als der Mensch, der sie erzählt, liest oder hört. Jedes Objekt in einem Museum hat eine Geschichte zu erzählen: Wie kam es in die Ausstellung? Was können wir dadurch lernen? Sechs Stunden lang fahren die Shuttlebusse zwischen den 13 teilnehmenden Museen, Bibliotheken und Archiven hin und her. Die Bad. Landesbibliothek zeigt, wie man alte Dokumente digitalisiert, erzählt die Geschichte des Philosophen Johannes Reuchlin und richtet einen Poetry-Slam aus. Die Ausstellungen im Bad. Kunstverein von The Living And The Dead Ensemble aus Haiti und der Schwedin Charlotte Johannesson werden vom Film „Ouvertures“, einem Kinderprogramm und dem Open-Air-Konzert um 22 Uhr flankiert. Im Bad. Landesmuseum erwarten das Publikum Geschichten von der Antike übers Mittelalter bis zum modernen Baden. Die Karlsruher Autorin Petra Hauser liest aus ihrem neuen Roman „Die Ewigkeit ist nur ein Augenblick“ in der Erinnerungsstätte Ständehaus, gemeinsam veranstaltet mit der Stadtbibliothek. Das Durlacher Pfinzgaumuseum schildert die Entwicklung von Landwirtschaft und Ernährung in den vergangenen 120 Jahren und die Entwicklung Durlachs zu einem modernen Industriestandort. Unbekannte Perspektiven auf die Ukraine werden anhand von Landkarten aus dem 18. Jh. im Generallandesarchiv aufgezeigt, historische Blicke auf Karlsruhe zeigt die Fotografie-Ausstellung „Karlsruhe im Fokus“ im Stadtmuseum. Das Museum für Literatur feiert „70 Jahre Literaturland Ba-Wü“ mit Ausstellung, Poetry-Slam und einem Special für die Karlsruher Innenarchitektin Trude Schelling-Karrer. Die Keramiksammlung der Majolika ist ebenso offen wie das Naturkundemuseum, wo sich vom Korallenriff bis zur Mineraliensammlung spannende Naturgeschichten verbergen. Der Kinderfest vielleicht exotischste Teilnehmer Horbachpark Ettlingen der „Kamuna“ ist das Verkehrsmuseum, das in einem Südstadt-So, 18.09.22, 13-18 Uhr Hinterhof sein 50. Jubiläum feiert – am Abend spielt die Gruppe Last Train. Im Hallenbau sind nicht nur die Ausstellung des ZKM und der Städtischen Galerie offen – es erwarten die NachtschwärmerInnen auch vielseitige und interaktive Programmpunkte, Führungen und Drinks. (Foto: Bruno Kelzer) -fd Sa, 6.8., 18-24 Uhr, www.kamuna.de

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