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Zu Hause im Scheinwerferlicht Sophia Loren


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flow - epaper ⋅ Ausgabe 63/2022 vom 11.01.2022

Inspirierendes Leben

Artikelbild für den Artikel "Zu Hause im Scheinwerferlicht Sophia Loren" aus der Ausgabe 63/2022 von flow. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: flow, Ausgabe 63/2022

Nachdem Sophia beruflich alles erreicht hat, widmet sie sich ihrem zweiten großen Traum: mit Carlo Ponti eine eigene Familie gründen

Sie war sich bewusst, dass ihre Schönheit auf allen möglichen Unregelmäßigkeiten beruhte, die in ihrem Gesicht zusammenkamen

„Dottò, die kann man nicht fotografieren, die ist so groß, so grob gebaut. Ihr Gesicht ist zu kurz, ihr Mund zu breit und ihre Nase zu lang.“ Wir können es uns heute nicht mehr vorstellen, aber der Fotograf, der 1950 auf Geheiß des mächtigen Filmproduzenten Carlo Ponti Bilder von der damals 16-jährigen Sofia Scicolone (damals noch mit „f“ geschrieben) macht, ist überzeugt davon, dass aus diesem Mädchen niemals ein Filmstar werden würde. Doch Ponti gibt nicht auf. Durch die Blume schlägt er seinem Schützling vor, womöglich etwas an ihrer Nase machen zu lassen. Doch die junge Frau denkt nicht daran, wie sie später in ihrer ...

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... Autobiografie Mein Leben schreibt, nachdem sie unter dem Namen Sophia Loren längst weltberühmt geworden ist. Sie ist sich bewusst, dass ihre Schönheit auf allen möglichen Unregelmäßigkeiten beruht, die in ihrem Gesicht zusammenkamen. „Ich würde gewinnen oder verlieren, aber zumindest in der Originalversion.“

FAHRKARTE NACH ROM

In dieser entscheidenden Phase hat sie das Gefühl, schon ein ganzes Leben hinter sich zu haben. Ihre Kindheit war nicht einfach. Sie wächst in dem turbulenten Haushalt ihrer Großeltern auf, in Pozzuoli, einer Stadt in der Nähe von Neapel. Ihre Mutter Romilda Villani ist dorthin zurückgekehrt, nachdem sie im Alter von 20 Jahren in Rom von Riccardo Scicolone schwanger wurde. Er ist reich, von adliger Herkunft und weigert sich, sie zu heiraten. Er erkennt zwar Sofia an, die am 20. September 1934 in einer römischen Krankenstation für unverheiratete Mütter geboren wird, doch bei ihrer Schwester Maria, die vier Jahre später zur Welt kommt, macht er sich nicht mehr die Mühe. Die Mädchen sehen ihren Vater selten, wenn überhaupt. Das Stigma der außerehelichen Geburt lastet schwer auf ihnen. „Ich war sehr schüchtern, vielleicht nicht zuletzt wegen unserer Situation“, sagt Sophia in ihrer Autobiografie. „Mein Vater war nicht da und meine Mutter zu blond, zu groß, zu lebhaft und vor allem nicht verheiratet.“ Sie selbst ist so dünn, dass ihre Klassenkameraden sie scherzhaft „stuzzicadenti“ (Zahnstocher) nennen. Während des Zweiten Weltkriegs haben die Villanis eine schwere Zeit: zu wenig Geld, zu viele Münder zu stopfen. Manchmal haben sie tagelang nichts zu essen. Ringsum herrschen Gewalt, Tod und Zerstörung. Pozzuoli ist wegen seiner Munitionsfabrik ein beliebtes Bombardierungsziel der Alliierten. Sofia verbringt viele Nächte mit anderen Bewohner:innen der kleinen Stadt in einem Zugtunnel – es ist der einzige Ort, an dem sie sicher sind.

Nach dem Krieg geht Sofia oft ins Kino, wo sie sich in eine Traumwelt flüchtet. Sie nimmt sich vor, selbst ein Filmstar zu werden. 1950 meldet die ehrgeizige Romilda ihre 15-jährige Tochter bei einem Schönheitswettbewerb zur Miss Italia in Rom an, quasi als ersten Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Zu ihrer Überraschung entdeckt Sofia, dass sie im Rampenlicht ihre Schüchternheit ablegen und die werden kann, die sie sein will. Sie wird Zweite und gewinnt 23 000 Lire, drei Rollen Tapete, ein Tischtuch mit zwölf Servietten und die Aufmerksamkeit des bekannten Filmproduzenten Carlo Ponti.

1. Verleihung der Governors Awards in Hollywood, Oktober 2019

2. Mit Schauspieler und Lieblingsregisseur Vittorio De Sica, 1955

3. Mit Cary Grant in Stolz und Leidenschaft, 1956. Nach den Dreharbeiten machte Grant ihr einen Heiratsantrag. Sie blieb aber bei Ponti.

4. Sophia und ihr Mann Carlo Ponti. Sie ist zum ersten Mal in New York für ihre Rolle in seinem Film So etwas von Frau!, 1958

5. Mit ihrer Mutter Romilda, um 1939

6. Mit Carlo Ponti und ihrem neugeborenen Sohn Carlo junior im Dezember 1968

7. Zu Hause beim Kochen, 1960

8. Mit ihrem Lieblingskollegen Marcello Mastroianni in Schade, dass du eine Kanaille bist, 1954

9. Mit ihren Söhnen Edoardo (links) und Carlo junior

DAS ABENTEUER BEGINNT

Ponti ermutigt Mutter und Tochter, in Rom zu bleiben, dem Sitz von Cinecittà, dem berühmten italienischen Filmstudio, wo auch viele amerikanische Action-Filme gedreht werden. Dank der guten Verbindungen Pontis wird Sofia zu ersten Probeaufnahmen eingeladen und bekommt prompt ihre erste, kleine Rolle als Sklavenmädchen in dem Film Quo Vadis. Anschließend wird Sofia Model für die damals unglaublich populären Fotoromane. Ponti denkt sich einen neuen Nachnamen für sie aus, Lazzaro – abgeleitet von Lazarus, weil ihre Schönheit sogar Tote wieder zum Leben erwecken könnte. Später wird er ihn in Loren ändern und aus dem „f“ in ihrem Vornamen ein „ph“ machen, weil beides mondäner wirkt. Nebenbei nimmt sie weiter an Miss-Wahlen teil, bei denen sie wegen ihrer unkonventionellen Schönheit stets den zweiten Platz belegt. Carlo Ponti glaubt fest an ihre Strahlkraft und ihr Talent und ermutigt sie dranzubleiben. „Das war der Beginn meines Abenteuers“, schreibt Sophia Jahre später. „Ich hatte das wunderbare Gefühl, dass er mich durchschaut hatte, dass er hinter meiner auffälligen Schönheit die Spuren meines zurückhaltenden Wesens gelesen hatte, meine schwierige Vergangenheit, meinen starken Willen, alles richtig zu machen, ernsthaft und engagiert.“

Im wahren Leben sind Mastroianni und Sophia wie Bruder und Schwester, in ihren Filmen jedoch ein Traumpaar

Als sie 19 und er 41 ist, beginnen sie eine Affäre. Ponti ist verheiratet, und das italienische Recht erlaubt keine Scheidung. Es sieht so aus, als träte Sofia in die Fußstapfen ihrer Mutter. Aber Ponti verleugnet sie nicht. Im Gegenteil: Mit ihm an ihrer Seite macht sie schnell Karriere. 1953 spielt sie ihre erste Hauptrolle in Aida. Ein Jahr später gelingt ihr der Durchbruch als ehebrecherische Pizzabäckerin in dem Film Das Gold von Neapel unter der Leitung ihres Lieblingsregisseurs Vittorio De Sica. Mit ihrer scheinbar mühelosen Sinnlichkeit und ihrem komischen Talent wird sie zum Idol: Männer begehren sie und Frauen feiern sie für ihre Stärke. Die schüchterne Sofia Scicolone aus Pozzuoli ist nun ganz der Filmstar Sophia Loren geworden.

WILLKOMMEN IN ITALIEN

Mit 23 Jahren klopft endlich Hollywood bei ihr an. In Stolz und Leidenschaft (1957) spielt sie an der Seite von Frank Sinatra und Cary Grant. Während der sechsmonatigen Dreharbeiten kommen sich Sophia und Grant – ebenfalls älter und bereits verheiratet – näher. Am letzten Drehtag macht er ihr einen Heiratsantrag. Endlich, die Ehe! Aber kann sie mit einem Mann zusammen sein, der weder ihre Heimat noch ihre Geschichte richtig kennt? Sophia zögert, entscheidet sich dann für Ponti, „meinen sicheren Hafen“, und das Leben, das sie kennt. Später wird sie sagen, dass das genau die richtige Entscheidung gewesen sei.

Im Jahr 1958 reisen Sophia und Carlo nach Amerika, wo sie offen zusammenleben können. Sie beginnt, große Hollywood-Filme zu drehen. Cary Grant schickt ihr jeden Tag Rosen. Ponti zeigt sich nach außen gelassen. Doch ihm wird klar, dass er etwas unternehmen muss, wenn er seine Geliebte nicht verlieren will, und arrangiert eine standesamtliche Trauung in Mexiko. „Es war nicht die Hochzeit, von der ich immer geträumt hatte, aber zu der Zeit schien es das Beste zu sein“, sagt Sophia. Grant findet sich mit dem Unvermeidlichen ab. In Italien ist die Ehe jedoch ungültig. Der Vatikan bezeichnet das Paar als „schamlose Sünder“. Im Fall ihrer Rückkehr nach Italien droht Ponti eine Gefängnisstrafe zwischen einem und fünf Jahren wegen Bigamie, und Sophia muss mit einer saftigen Geldstrafe rechnen. Erst nach zwei Jahren wagt sie es, in ihr Heimatland zurückzukehren, um auf dem Filmfestival in Venedig einen Preis entgegenzunehmen. Zu ihrer Erleichterung wird sie von einer großen Menge von Fans begrüßt, die „Willkommen zu Hause, Sophia!“ rufen. Die Pontis können nun wieder nach Italien zurückkehren, obwohl sie vorgeben müssen, in verschiedenen Häusern zu leben.

Sophia hält sich in Rom auf, als ihr 1962 in Los Angeles die größte Ehre ihrer Karriere zuteil wird: Als erste nichtamerikanische Schauspielerin gewinnt sie einen Oscar als beste Hauptdarstellerin in dem Kriegsdrama Und dennoch leben sie (1960). „Ich war nominiert, gut, aber ich hatte nicht damit gerechnet zu gewinnen. Deshalb bin ich einfach zu Hause geblieben.“ Nach dem Oscar nimmt ihre Karriere noch einmal richtig Fahrt auf. Sie erhält Rollen in Amerika und Italien und arbeitet mit den berühmtesten Schauspielern ihrer Zeit: Paul Newman, Peter Sellers, Marlon Brando und natürlich mit ihrem Lieblingskollegen Marcello Mastroianni. Im echten Leben sind die beiden laut Sophia wie Bruder und Schwester, auf der Leinwand aber sind sie ein Traumpaar.

FAMILIE GEHT VOR

Sophia hat beruflich alles erreicht, von dem sie immer geträumt hat. Nun ist es an der Zeit, sich ihren anderen großen Wunsch zu erfüllen: eine traditionelle Familie. Inzwischen hat sie nach vielen Umwegen endlich offiziell geheiratet: Ponti, dessen Ex-Frau und Loren nehmen alle die französische Staatsbürgerschaft an. So kann sich das Ehepaar zuerst scheiden lassen und Carlo und Sophia können offiziell in Paris heiraten. Doch nach zwei Fehlgeburten scheint Sophias Traum von der Familie unerreichbar. Ein Schweizer Arzt weiß Rat: Wenn sie während der nächsten Schwangerschaft jede Anstrengung vermeidet und täglich Hormonspritzen erhält, sollte es klappen. Die schwangere Loren verbringt den größten Teil des Jahres 1968 in einer Wohnung im 18. Stock des Hotels InterContinental in Genf. Wie immer, wenn sie nervös ist, kocht sie, was dieses Mal zu ihrem berühmten Kochbuch In cucina con amore führt. Zum Glück ist das nicht das Einzige, was ihr diese langen Monate bringen: Im Dezember 1968 wird ihr Sohn Carlo junior geboren. Vier Jahre später kommt ihr Sohn Edoardo unter ähnlichen Umständen auf die Welt. Von da an steht die Familie immer an erster Stelle und sie nimmt nur noch Rollen an, die ihr wirklich wichtig sind.

Wie immer, wenn sie nervös ist, fängt sie an zu kochen

OHNE CARLO

Die Pontis leben abwechselnd in Frankreich, Amerika, der Schweiz und Italien, wobei Letzteres wegen verschiedener Steuerskandale immer unangenehmer wird. 1980 wird Sophia Loren wegen Steuerhinterziehung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Obwohl sie darauf beharrt, dass das italienische Finanzamt falschliegt, tritt sie 1982 in Rom ihre Haftstrafe an. Nach 18 Tagen wird sie wieder entlassen. Auch danach geht der Rechtsstreit weiter, bis 2013 ein Gericht erklärt, dass die Schauspielerin ihre Steuern immer korrekt deklariert hat. Ansonsten bleibt das Leben der Filmdiva überraschend skandalfrei. Anfang der 1980er-Jahre tauchen Fotos von Sophia und dem französischen Endokrinologen Étienne-Émile Baulieu auf, die die beiden als Liebespaar zeigen sollen. Auf Drängen von Loren werden sie aber vom Fotografen wieder zurückgezogen. Um damit abzuschließen, zieht sie mit Mann und Kindern an den Genfersee, wo sie bis heute lebt. Als Carlo im Jahr 2007 an einer Lungenentzündung stirbt, sagt sie: „Es wäre unmöglich, jemand anderen als Ponti zu lieben.“

Sophia steht heute nur noch selten vor der Kamera, ist aber immer wieder auf Preisverleihungen und Galas zu Gast. Mit 86 Jahren lässt sie sich von ihrem Sohn Edoardo, der Regisseur ist, überreden, für den Netflix-Film Du hast das Leben noch vor dir (2020) wieder vor die Kamera zu treten. Als hochbetagte Holocaust-Überlebende Madame Rosa, die auf die Kinder von Prostituierten aufpasst, zeigt sie noch einmal die ganze Bandbreite ihres Könnens – Verletzlichkeit und Wärme, Glamour und Grazie. Und noch immer ist da ihre würdevolle Schönheit. Nach ihrem Geheimnis gefragt, sagt Sophia Loren: „Der Schlüssel zur Schönheit ist Ausgeglichenheit. Man kann dadurch Frieden mit sich selbst schließen.“

MEHR LESEN & SEHEN

* Sophia Loren: Mein Leben (Piper)

* Sophia Loren: In cucina con amore: Rezepte für die italienische Seele, (Gräfe & Unzer)

* Du hast das Leben noch vor dir, bewegender Film von Sophias Sohn Edoardo Ponti (auf Netflix)

* What Would Sophia Loren Do?, bezaubernde kurze Netflix-Doku über eine ältere Amerikanerin mit italienischen Wurzeln, die in Sophia Lorens Filmen Kraft und Trost findet