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Zu viel des Guten schadet nur


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 4/2011 vom 08.04.2011

Babyhaut ist samtweich, aber auch dünn und empfindlich. Deshalb lässt man sie gerade in den ersten Monaten am besten in Ruhe. Babys machen sich ohnehin noch nicht schmutzig. Wenn das Kind älter und aktiver wird, sind Wanne und Waschlappen häufiger gefragt.


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Foto: stockbyte

Bei der kleinen Carlotta ist vieles ganz anders als bei ihrer älteren Schwester Paula. Gerade mal eine gute halbe Stunde war Nadine Friedrich im Krankenhaus, als das kleine Mädchen in die Welt drängte. Mit ihrem Tempo überrumpelte sie die ganze Familie – immerhin hatte die Geburt von Paula lange neun Stunden gedauert. Trotz der rasanten ...

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Bei der kleinen Carlotta ist vieles ganz anders als bei ihrer älteren Schwester Paula. Gerade mal eine gute halbe Stunde war Nadine Friedrich im Krankenhaus, als das kleine Mädchen in die Welt drängte. Mit ihrem Tempo überrumpelte sie die ganze Familie – immerhin hatte die Geburt von Paula lange neun Stunden gedauert. Trotz der rasanten Geschwindigkeit lief alles prima: 3.370 Gramm und 53 Zentimeter waren Carlottas Maße, eine lange Schlanke „mit riesigen Füßen“, sagt die Mutter. Und ganz rosiger und glatter Haut.

Als Paula auf die Welt kam, war ihre Haut im Gegensatz zu der ihrer Schwester schrumpelig „wie die einer alten Frau“, erinnert sich Nadine Friedrich. Das Baby war aber auch etwa zehn Tage überfällig, der errechnete Geburtstermin längst verstrichen. Normalerweise ist das Ungeborene im Mutterleib durch die weißliche, cremeartige Käseschmiere vor dem Austrocknen im Fruchtwasser geschützt. Wird ein Kind übertragen, ist die Käseschmiere zum Zeitpunkt der Geburt aber kaum noch vorhanden. Häufig pellt sich die Haut dieser Säuglinge in den ersten Lebenstagen sehr stark. Das ist kein Grund zur Beunruhigung, aber für die Eltern gewöhnungsbedürftig. Die Hebamme riet den Friedrichs damals: Hände weg. Allmählich wurde Paulas Haut von allein wieder schön rosig.

Paula Friedrich rubbelt ihre kleine Schwester Carlotta nach dem Baden trocken. Die beiden planschen gerne zusammen.


Foto: Iris Kaczmarczyk

Sanfte Pflege für Problemhaut

Trotzdem hatte Paula als Baby deutlich mehr Hautprobleme als Carlotta. Sie bekam häufi- ger einen wunden Po, hatte zudem Soor und auch lange Zeit Gneis auf der Kopfhaut. Den gelbbraunen Schuppen rückte Nadine damals mit Öl und einer sanften Babybürste zu Leibe. Der Soor war hartnäckiger. Paula bekam ihn zum ersten Mal im Alter von etwa sechs Wochen. Nadine behandelte die weißlichen Beläge mit einer Tinktur und musste auch ihre Brustwarzen nach jedem Stillen desinfizieren beziehungsweise mit einer Pilzsalbe eincremen, damit sich die Tochter nicht erneut ansteckte. Als Kleinkind bekam Paula dann auch noch Mundfäule – eine schmerzhafte Mundentzündung, ausgelöst durch das Herpesvirus.

Ihre Schwester dagegen hatte von Anfang an eine unproblematische Haut. Erst in letzter Zeit gab es kleine Probleme. In der Kinderkrippe hatte sich die mittlerweile Zweijährige einen Soor eingefangen – das bleibt oft nicht aus, wenn sich mehrere Knirpse eine Toilette teilen. Und an „Lottis“ Armen entdeckte ihre Mutter raue Stellen. Zum Eincremen kommt Nadine Friedrich aber nicht immer: „Sie lässt mir kaum Zeit, sie nach dem Baden abzutrocknen – schon ist sie mir entwischt.“

Nicht zu oft baden

Mit dem Baden war Nadine Friedrich anfangs sehr zurückhaltend. Zu häufiges Waschen schadet der zarten Babyhaut, weiß die 35-jährige Mutter. Deshalb hat sie ihre beiden Töchter von Anfang an nur einmal in der Woche gebadet. In den ersten beiden Wochen nach der Geburt verzichtete Nadine Friedrich komplett auf das Baden ihrer Kleinsten. Danach wusch sie Carlotta im Babybadewännchen einfach in klarem Wasser, ohne jeglichen Badezusatz.

Nadine Friedrich wäscht ihre Jüngste abends mit dem Waschlappen sauber.


Foto: Iris Kaczmarczyk

Doch sobald Carlotta sitzen konnte, liebte sie es, zusammen mit ihrer älteren Schwester in der Wanne zu planschen. Und die Große will Schaum im Bad, basta! „Was Paula verträgt, kann auch Carlotta nicht schaden. Man muss das pragmatisch sehen“, meint Nadine Friedrich.

Als Carlotta zu Krabbeln begann und später die ersten Schritte machte, wurde sie logischerweise auch öfter schmutzig. Mit abendlicher Katzenwäsche machte Nadine Friedrich ihre Kleine sauber: Gesicht und Hände putzte sie mit einem feuchten Waschlappen ab, anschließend cremte sie ihre Tochter mit einer Kindercreme ein. Diese zusätzliche Pflege nach dem Waschen ist der Mutter besonders in der kalten Jahreszeit wichtig, wenn die Kälte draußen und die Heizungsluft drinnen die Haut austrocknen.

Morgens nur Katzenwäsche

Inzwischen ist Nadine dazu übergegangen, ihre beiden Mädchen fast jeden Abend schnell in die Wanne zu setzen. Im seichten Wasser mit ein wenig Badezusatz wird der Staub des Tages weggespült. Seit die Friedrichs aufs Land gezogen sind und Paula und Carlotta viel draußen spielen, reicht Katzenwäsche nicht mehr, findet die Mutter. Zudem bleibt in Kinderkrippe und Kindergarten tagsüber nicht so viel Zeit für penible Hygiene. Die Mädels vor dem Schlafengehen kurz in die Wanne zu setzen, ist die schnellste Methode, sie wieder frisch zu machen. Außerdem lieben die Geschwister das gemeinsame Bad. Die Haare wäscht Nadine Friedrich ihren Kindern aber nicht so oft: „Die Haare sind viel hübscher, wenn sie nicht frisch shampooniert sind“, findet Nadine.

Morgens muss die Körperpflege dann zack, zack gehen, weil alle aus dem Haus müssen. Mit dem feuchten Waschlappen durchs Gesicht – das ist die morgendliche Routine. Die Zähne putzen die Kinder sowieso in der Betreuung oder im Kindergarten. „Je größer die Kinder werden, desto unkomplizierter und schneller wird die Pflege“, freut sich Nadine Friedrich.

Für den Notfall hat Nadine Friedrich heute nur noch eine Calendulacreme parat. Alles andere findet sie nicht mehr notwendig.


Foto: Iris Kaczmarczyk

Keine Experimente

Bei ihrem ersten Kind habe sie viel mehr Pflegeprodukte ausprobiert, erinnert sich die zweifache Mutter. All die Pröbchen und Sälbchen, die man so überreicht bekam, wollten ja verbraucht werden. Beim zweiten Baby war sie zu der Überzeugung gekommen, dass weniger mehr ist. Für den Notfall hatte sie eine Calendulacreme parat, aber mehr fand sie nicht nötig. Viele Dinge, die sie bei Paula noch versucht hatte, machte sie bei Carlotta nicht mehr. Viele Pflegetipps schnappte die junge Mutter in der Pekip-Gruppe auf, die sie mit beiden Kindern im ersten Lebensjahr besuchte. „Dort hat man viel Zeit zum Reden und kommt ganz automatisch auf das Thema Babypflege.“ Vor allem die alternativen Tipps – zum Beispiel die Behandlung eines geröteten Babypos mit schwarzem Tee – nahm die junge Mutter damals dankbar an.

Als Carlotta noch kleiner war, verband Nadine Friedrich das Wickeln und Anziehen des Babys gern mit extra Streicheleinheiten und Massagen. Doch dafür wurde die Kleine schnell zu aktiv. Bei der Körperpflege zappelte sie meist ungeduldig herum. Inzwischen legt sich Carlotta zum Wickeln nicht mal mehr hin. Mama muss ihr die Windel im Stehen wechseln – so kennt die Kleine das jetzt aus der Betreuung. Ihre Mutter ist davon nicht wirklich angetan: „Das gründliche Säubern ist im Stehen natürlich viel schwieriger.“

Spaß im Schwimmbad

Gemeinsame Unternehmungen mit den Kindern sind Nadine Friedrich wichtig. Ganz bewusst nimmt sie sich Zeit für ihre Jüngste: „Das zweite Kind läuft ja eher so mit, man hat einfach nicht mehr so viel Zeit wie beim ersten Baby.“ Doch verzichten musste Carlotta auf nichts, weder auf den Pekip-Kurs, noch auf das von ihr besonders geliebte Babyschwimmen. Zum Glück machte das gechlorte Wasser ihrer Haut nichts aus und die Kleine hatte viel Freude im Wasser.

Seit einiger Zeit trifft sich Nadine Friedrich mit anderen Müttern zum gemeinsamen Kochen in einer Kindertagesstätte. Während die Knirpse professionell betreut werden, kochen die Mütter gemeinsam ein gesundes und kindgerechtes Dreigängemenü. Anschließend wird gemeinsam gegessen. Einmal in der Woche kommen die Großeltern zu Besuch. Dann genießen Paula und Carlotta ungeteilte Aufmerksamkeit – und im Hause Friedrich herrscht Remmidemmi. Da Oma und Opa nicht direkt in der Nähe wohnen, müssen die Friedrichs den Alltag mit zwei kleinen Kindern ansonsten jedoch ohne Hilfe organisieren. Nadine Friedrich findet das aber völlig in Ordnung. „Wir sind ein bisschen stolz, dass wir das so gut hinkriegen.“

Geschwollene Brustwarzen beim Baby

Nach der Geburt sind im Körper des Babys immer noch jede Menge mütterliche Hormone vorhanden. Deshalb ist es ganz normal, wenn die Brustwarzen des Kindes ein wenig geschwollen sind. Manchmal kann es sogar vorkommen, dass ein milchiges Sekret aus den Brustdrüsen fließt, die sogenannte Hexenmilch. Nach der Geburt haben viele Mädchen auch eine vergrößerte Scheide. Nach und nach bauen sich die Hormone im Körper des Kindes ab und die körperlichen Symptome verschwinden. Damit die in der ersten Zeit geschwollenen Drüsen nicht am Hemdchen reiben und wund werden, können Eltern zum Schutz etwas Watte quer über die Brust legen.

Pflege ist mehr als Saubermachen

Foto: Adam Borkowski

■ Babys Haut ist sehr zart, aber auch sehr empfindlich. Schließlich ist sie fünfmal dünner als die von Mama und Papa und noch längst nicht voll entwickelt. Die Produktion der Talgdrüsenfette funktioniert nur eingeschränkt und der Säureschutzmantel hat sich noch nicht vollständig ausgebildet. Deshalb ist die richtige Pflege gerade in den ersten Monaten so wichtig. Denn: Neun Monate lang lebte das Kind im Bauch der Mutter, umgeben von warmem Fruchtwasser. Damit die Haut nicht aufweichte, war sie mit schützender Käseschmiere überzogen. Nun ist das Baby an der Luft, es spürt direkte Berührungen. Luft streicht über sein Gesicht, Kälte und Wärme wechseln häufig. Nicht nur der Säugling selbst, auch seine Haut muss sich an die neue Umgebung erst gewöhnen. Das braucht einfach seine Zeit. Babypflege ist daher mehr als nur Saubermachen und Windeln wechseln. Im Vordergrund stehen der behutsame Umgang mit dem kleinen Wesen und seinem Körper sowie Zärtlichkeit und Zuwendung.
■ Die Haut eines Neugeborenen ist auch längst noch nicht so belastbar wie die von Erwachsenen. Die gesunde Haut eines Erwachsenen ist eine leistungsfähige Barriere zwischen dem Organismus und den äußeren Einflüssen: Sie hält Wind, Wasser, Bakterien und Staub fern und schützt vor der Sonne. Der Säureschutzmantel eines Säuglings muss sich dagegen erst aufbauen. Zudem muss der Körper erst lernen, seine Temperatur durch Schwitzen zu regulieren, weil die Schweißdrüsen noch nicht so arbeiten wie bei älteren Kindern oder Erwachsenen.
■ Etwa zehn Jahre dauert es, bis Kinder ein ähnlich dickes Fell haben wie Erwachsene. Deswegen sind sich Hebammen und Kinderärzte heute einig: Die Haut von Babys sollte man möglichst in Ruhe lassen. Die Kleinen müssen weder täglich gebadet noch ständig von Kopf bis Fuß eingecremt werden – auch wenn wohlmeinende Großmütter und Tanten das Gegenteil raten. Babyhaut braucht Ruhe und Zeit, um ihr eigenes Gleichgewicht zu finden.

So wird der Nabel schön

■ Nach der Entbindung wird die Nabelschnur abgeklemmt und durchgeschnitten. Etwa zehn Tage dauert es, bis der Nabel abgeheilt ist. Der überstehende Nabelrest schrumpelt, wird braun bis schwarz, dann hart und fällt schließlich von allein ab.
■ Den Nabel muss man einmal täglich kontrollieren und reinigen. Dazu benutzt man ein fusselfreies Tuch oder Watte mit warmem Wasser und wischt Nabel und Hautumgebung vorsichtig ab. Danach die Haut mit einem Tuch trocknen oder an der Luft trocknen lassen. Mit einem Föhn geht es auch, der darf aber nicht zu heiß sein. Wichtig: Bei Jungen den Föhn so halten, dass sie nicht hineinpinkeln können, sie könnten einen lebensgefährlichen Stromschlag bekommen.
■ Der Nabelrest wird mit einer Mullbinde oder Kompresse locker umwickelt, sodass genügend Luft darankommen kann. Das begünstigt den Heilungsprozess. Beim Wickeln darauf achten, dass der Windelbund oder die Windel nicht am Nabelstummel scheuern. Eventuell den oberen Windelrand einmal umklappen. Eigentlich ist es nicht nötig, das Kind in dieser ersten Zeit zu baden. Heute wird aber nicht mehr grundsätzlich davon abgeraten. Allerdings darf man die Nabelpflege danach nicht vergessen. Etwas Watte mit Alkohol tränken und den Bereich rund um den Nabel sorgsam desinfizieren. So geht man sicher, dass der noch nicht vollständig abgeheilte Nabel nicht durch Keime verunreinigt wird.
■ Sondert der Nabel gelblichen Eiter ab, muss das Kind zum Kinderarzt. Vermutlich hat sich der Nabel dann entzündet und muss mit einer antibiotischen Salbe behandelt werden. Auch wenn der nicht ganz abgeheilte Nabelstumpf zu wuchern beginnt oder sich ein kleines, nässendes Knötchen bildet, muss der Arzt ran.

Interview: Da zerbricht nichts

Nancy Sandel (35) ist Kinderkrankenschwester und leitet die Station Geburtshilfe in den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg. In der Klinik kommen jährlich etwa 1.200 Babys zur Welt.


ÖKO-TEST: Wie gut haben sich frischgebackene Eltern auf ihre neue Aufgabe vorbereitet?
Sandel: Theoretisch sind die meisten wirklich sehr gut vorbereitet. Sie haben sich gründlich informiert, haben unheimlich viel gelesen und sind in Kursen gewesen. Doch in der Praxis schaut einiges anders aus, manche Eltern wissen fast zu viel und stehen sich so mitunter selbst im Weg. Vor allem manche Mütter möchten alles gleich perfekt machen. Ich denke, sie sind das so gewohnt, schließlich sind sie auch erfolgreich in ihrem Beruf. Und nun grämen sie sich, wenn bei mir die Windel doch besser sitzt als bei ihnen im Erstversuch. Aber jeder muss mal anfangen und üben. Wir merken aber auch deutlich, dass die früher in der Großfamilie gemachten praktischen Erfahrungen den jüngeren Müttern heute fehlen. Oma, Schwester oder Tante, die mit dem eigenen Wissen helfen und die neue Familie in der ersten Zeit unterstützen könnten, sind oft nicht so verfügbar, wie es wünschenswert wäre. Die Eltern sind sich selbst überlassen, das ist nicht einfach.

ÖKO-TEST: Welche Rolle übernehmen die Väter bei der Versorgung ihrer Kleinen?
Sandel: Eine immer größere, wir sind froh, dass wir sie haben. Manchmal kommen die engagierten Väter schneller mit der Wickelei zurecht als die Mamas. Gerade bei Kaiserschnittkindern ist es aber auch sehr wichtig, dass die Papas ihren Frauen die Versorgung des Kindes abnehmen.

ÖKO-TEST: Womit haben junge Eltern bei der Babypflege die meisten Probleme?
Sandel: Dass ihr Kind schreit und sie nicht gleich wissen, warum. Ich sage immer: Traut euch nur, da zerbricht nichts. Das Kind muss schreien, wenn ihm was nicht passt. Und ihr werdet rauskriegen, warum es dies tut.

ÖKO-TEST: Wo kann man wirklich etwas falsch machen bei der Pflege der Kleinen?
Sandel: Man darf alles, auch baden, wenn der Nabelrest noch dran ist. Manche Eltern wickeln zu wenig, das muss gerade in den ersten Tagen wirklich regelmäßig nach dem Stillen sein. Der erste Stuhl, das Kindspech, klebt ganz unglaublich an der Babyhaut.


Foto: mbt-studio/Fotolia.com