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Zucker satt


Deutsch perfekt - epaper ⋅ Ausgabe 14/2019 vom 20.11.2019

Schon Wochen vor Weihnachten beginnt die Zeit im Jahr, in der es besonders viele Spezialitäten gibt. Was kommt dann bis zum Fest alles auf die Tische? Von Claudia May


MITTEL

Artikelbild für den Artikel "Zucker satt" aus der Ausgabe 14/2019 von Deutsch perfekt. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Deutsch perfekt, Ausgabe 14/2019

Kein Lebkuchen vor dem 1. Advent. So heißt eine Facebook-Gruppe, die es seit ein paar Jahren gibt. Der Titel sagt eigentlich auch schon alles: Lebkuchen soll zur Weihnachtszeit gegessen werden. Nicht schon im September. Denn in diesem Monat fangen fast alle Supermärkte damit an, das Gebäck in ihre Regale zu stellen. Aber es geht auch noch früher: In Schwabach, das in der Metropolregion Nürnberg liegt, steht seit November letzten ...

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... Jahres Deutschlands erster Lebkuchenautomat vor einer Bäckerei. Die will ihren Kunden das weihnachtliche Gebäck 365 Tage im Jahr zu jeder Tages- oder Nachtzeit anbieten. Der absolute Renner im Sommer war die Sorte Erdbeer-Cassis. Natürlich handgemacht.

Aber muss man Lebkuchen wirklich zu jeder Zeit bekommen? Natürlich ist er wirklich lecker. Aber er gehört in Deutschland für die meisten Menschen klar zur Weihnachtszeit. Vielleicht sind auch seine Aromen der Grund: Anis, Kardamom, Nelken und Zimt sind nur einige der typischen Zutaten. Das duftet nach Weihnachten.

Natürlich gibt es sehr viele verschiedene Rezepte mit noch mehr Varianten. Und wo es den besten Lebkuchen gibt, darüber kann man lange streiten. Sehr bekannt ist in Deutschland der Nürnberger Lebkuchen. Eigentlich klar: Das Gebäck hat dort eine lange Tradition. Schon vor rund 800 Jahren gab es in der Stadt Lebkuchenbäcker. Besonders bekannt sind die Nürnberger Elisenlebkuchen.

Das sind runde Lebkuchen von sehr hoher Qualität auf einer Oblate. So haben Elisenlebkuchen einen hohen Anteil an Nüssen und nur sehr wenig Mehl. Es gibt auch sehr feine Premium-Lebkuchen, die komplett ohne Mehl hergestellt werden.

Ein bisschen anders sehen die Aachener Printen aus. Diese braunen Lebkuchen, die seit ungefähr 200 Jahren in Aachen gebacken werden, sind eckig und im Original ziemlich hart. Die Mischung der Gewürze ist anders als bei dem Gebäck aus Nürnberg. So gehören zu den Zutaten auch süße Zitronen- oder Orangenstücke und Kandis. Auch von den Printen gibt es die verschiedensten Varianten. Zum Beispiel welche mit Kräutern. Auch diese duften fantastisch.

Genau wie eigentlich alle Weihnachtsplätzchen. Eine Armada an Keksen annektiert ab Ende November die Blechdosen der deutschen Haushalte. Dann backt die halbe Nation. Nicht ohne Grund ist das Lied „In der Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuckowski im ganzen Land so populär (siehe Seite 38). Es beschreibt diesen charmanten Wahnsinn nämlich sehr gut.

Wer wirklich alle Plätzchensorten backen möchte, die in Kochbüchern und den Rezeptsammlungen des Internets unter der Überschrift „Weihnachten“ zu finden sind, muss wahrscheinlich sein ganzes Leben in der Küche verbringen. Sehr oft findet man an Weihnachten im ganzen Land aber Kokosmakronen, Vanillekipferl und Zimtsterne.


Ab Ende November backt in Deutschland die halbe Nation.


Populär ist auch ein anderes Ding aus dem Ofen, das aber sicher nicht in eine kleine Keksdose passt: der Stollen. Seine Form ist die von einem Brot. Aber die Zutaten sind die eines Kuchens.

Die bekanntesten Stollen Deutschlands kommen aus Dresden. Für diese Butter-Rosinen-Stollen gibt es genaue Regeln. Nicht erlaubt sind zum Beispiel Zutaten wie Margarine und künstliche Aromen.

Der Dresdner Stollen war schon früher so populär, dass Ostdeutsche ihn zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in den Westen schickten.

Eigentlich funktionierte der Postweg aber umgekehrt: Zuerst schickten Westdeutsche speziell vor der Weihnachtszeit Pakete in den Osten. Darin waren Produkte wie zum Beispiel Kaffee, Schokolade, Kakao, Kosmetik und Nylonstrumpfhosen.

Natürlich von bekannten Firmen, die es in der DDR nicht gab. Die Ostverwandtschaft bedankte sich dann gern mit dem Dresdner Stollen. Heute gibt es das Produkt überall. Natürlich gibt es in Deutschland nicht nur Butter-Rosinen-Stollen, sondern auch andere Varianten wie Marzipan-, Mandel- oder Quarkstollen. Wer selbst backt, muss wissen: Stollen mit Hefe müssen erst ein paar Tage oder auch Wochen ruhen. Erst dann schmecken sie am besten. Stollen auf Quarkbasis kann man hingegen sofort essen.

Das ist kein Problem: Süßes Gebäck wird in Deutschland schon vor dem 24. Dezember viel und gern gegessen. Dazu kommen besonders beim Besuch eines Weihnachtsmarktes Dinge wie Glühwein (siehe Seite 70), geröstete Maroni oder kandierte Äpfel. Ein Klassiker ist auch Eierpunsch, ein heißer Cocktail auf der Basis von Eiern, Weißwein und Rum.

Gut, dass bei sehr vielen Familien pünktlich zu Heiligabend ein salziges Gericht auf dem Speiseplan steht: Würstchen mit Kartoffelsalat. Statt der Würstchen steht auf manchen Tischen auch Fisch. Zwar ist die Kartoffel erst vor rund 400 Jahren nach Deutschland gekommen, aber kaum ein Lebensmittel wurde so schnell in die deutsche Esskultur integriert. Sie passt als Gemüse ziemlich gut zum 24. Dezember: Der gehört nämlich eigentlich zur vorweihnachtlichen Fastenzeit, die schon nach dem Martinstag am 11. November beginnt.

Es bleibt natürlich die Frage, warum dann ein Würstchen auf dem Teller liegt. Eine mögliche Erklärung: Früher wurden Tiere, die man nicht den ganzen Winter lang füttern wollte, in vielen Regionen noch vor dem Fest geschlachtet. Deshalb gab es vor Weihnachten also auch immer Würste. Das Problem: Die blieben nicht lange frisch. Aus diesem Grund musste man sie essen.

Würstchen mit Kartoffelsalat sind bei vielen Familien der Klassiker für den 24. Dezember.


Fotos: StockFood/Jalag/Julia Hoersch, Jan Peter Westermann

Heute ist die Fastenzeit vor Weihnachten (siehe Plätzchen, Stollen und Weihnachtsmärkte …) in Deutschland zwar nicht mehr wichtig. Aber wahrscheinlich gefällt modernen Familien besonders eins an der Kartoffel-Würste-Kombination: Es ist ein einfaches und schnelles Gericht. Den Kartoffelsalat kann man schon viele Stunden vor dem Abendessen zubereiten, die Würstchen müssen nur ein paar Minuten im heißen Wasser baden. Stress gibt es an Heiligabend auch so genug. Und meistens muss der Koch oder die Köchin der Familie schon an die nächsten Tage denken: Am 25.und 26. Dezember gibt es selten einfache Gerichte.

Gans mit Rotkraut ist für viele Deutsche der Standard für den 25. Dezember.


Ein klassisches Essen ist nämlich die Weihnachtsgans. Dieser Vogel kommt in Deutschland eigentlich nur zwei Mal im Jahr auf den Tisch: am Martinstag im November – und an Weihnachten. Die anderen Tage hat eine Gans im Land relativ gute Überlebenschancen. Deshalb liegt der Verbrauch von Gänsefleisch in Deutschland auch nur bei 400 Gramm pro Person und Jahr. Trotzdem kann der Bedarf nicht durch die Tiere im Land gedeckt werden: Die meisten Gänse werden aus osteuropäischen Ländern wie Polen und Ungarn importiert.

Statt der klassischen Gans steht bei vielen Familien auch oft ein Braten auf dem Tisch. Dazu gibt es – wie bei der Gans auch – oft Rotkohl und Klöße. Danach folgt natürlich ein Dessert. Erlaubt ist hier alles: Eis oder Pudding oder auch Kuchen. Als Zutat typisch sind wieder weihnachtliche Gewürze wie zum Beispiel Zimt. Auch Rum oder Rotwein sind typische Elemente dieser Weihnachtsessen. Alle diese Gerichte brauchen Zeit. Zum Glück gibt es in der Küche meistens eine Routine: Weil es jedes Jahr das gleiche Essen gibt, ist die Übung da. Wenn dann aber die Enkeltochter plötzlich zur Vegetarierin wird, muss wirklich improvisiert werden.

Foto: StockFood/Elena Schweitzer


Jede Familie hat feste kulinarische Weihnachtsroutinen. Schwierig wird es nur, wenn die Enkeltochter plötzlich Vegetarierin wird.


Generell gilt: Jede Familie hat ihre persönliche Essenstradition an Weihnachten. Sich als Gast in diese einzumischen, ist keine gute Idee.

Tabu sind zu dieser Zeit auch Diäten. In vielen Familien folgt auf ein Mittagessen mit Gans ein paar Stunden später ein Kaffeetrinken mit Plätzchen, Stollen und anderen Kuchenvariationen. Oft kommen dann zum (in Deutschland im Vergleich zu südlicheren Ländern ziemlich frühen) Abendessen noch einmal große Mengen Essen. Nicht vergessen darf man die gehaltvollen Getränke: Zum Weihnachtsmenü gibt es für die Erwachsenen fast immer Alkohol wie Bier oder Wein. Nach dem schweren Essen wird dann oft noch ein Schnaps serviert

Spätestens ab dem 27. Dezember beginnt dann in den meisten Familien das Restlfestl, wie es die Bayern nennen. Es gibt also die Reste zu essen. Umgangssprachlich heißt diese Menüvariante oft auchRumweg : liegt rum, muss weg. Auch das kann anstrengend werden: Weil eigentlich alle zu viel von allem gekocht haben, wird der Bauch wieder extrem voll. Denn Rumweg ist ein bisschen auch ein Wettlauf gegen die Zeit: Das gekochte Essen und die teuren Lebensmittel aus dem Kühlschrank werden nämlich irgendwann schlecht. Und wer will so gute Sachen denn wegwerfen?

Trösten darf sich jeder mit der Aussicht auf den 31. Dezember: Ab Mitternacht gelten die guten Vorsätze für das neue Jahr. Bei fast allen Menschen steht nach der Völlerei an Weihnachten endlich weniger Essen auf dem Plan. Aber lecker war es natürlich trotzdem. Zu erkennen ist das auf der Waage. Wie alle Jahre wieder.

Foto: iStockphoto/iStock.com