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Zucker sorgt für ein süßes Leben


blickpunkt musical - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 28.09.2019

»Zucker« als Uraufführung auf der Luisenburg


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Franzi (Marina Granchette) wurde von Florentin Schmidt (Lukas Sandmann, Mitte) als Sekretärin engagiert. Rechts der Besitzer der Zuckersiederei Heinrich Merck (Patrick Miller)


Foto: Harald Dietz

Birgit Simmler hat schon zu ihrer Zeit als Intendantin der Schlossfestspiele Biedenkopf lokale Geschichten zu Musicals verarbeitet, wie beispielsweise in »Der Postraub« oder »Die Hatzfeldt«. Seit zwei Jahren ist sie in Wunsiedel bei den Luisenburg-Festspielen als künstlerische Leiterin tätig. Zusammen mit ihrem Stammkomponisten Paul Graham Brown erschuf sie letztes Jahr ...

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... hier ein neues »Dschungelbuch«-Musical. In dieser Saison basiert das Musical »Zucker« auf einer wahren Geschichte, nämlich dem Schmuggel von Zuckerrohr zwischen Hamburg und Wunsiedel, wo es zu Zucker verarbeitet wurde.

1809: Napoleons Soldaten kontrollieren den Handel in Hamburg. Die Hamburger Bevölkerung weiß: ›Zucker macht frei‹, denn ohne Zucker gibt es kein süßes Leben. Um den Süßstoff herstellen zu können, schmuggelt der Handelsmann Heinrich Merck (PatrickMiller) Zuckerrohr aus englischen Beständen von Helgoland in die Hansestadt. Mit gefälschten Papieren und der unerwarteten Hilfe einer unbekannten Frau kommen seine Helfershelfer und sein Angestellter Florentin Schmidt (Lukas Sandmann) an einer französischen Kontrolle vorbei. Diese Unbekannte heißt Franzi (Marina Granchette). Sie wird von dem französischen Hauptmann Richard Claudet (Björn Schäffer) erpresst. Er hat ihren Vater Leopold (Georg Münzel), einen Fälscher, verhaftet und wird ihn erst freilassen, wenn sie ihm die Schmuggler ausgeliefert hat. Franzi weiß nicht mehr, was sie machen soll, und fragt sich: ›Wann beginnt mein Leben?‹

Merck besitzt inzwischen das Zucker-Monopol und erklärt Florentin und der Sekretärin Frida (Carmen Wiederstein) sein Rezept für den Erfolg: ›Attraktiv‹-sein. Franzi bewirbt sich in Mercks Firma und Florentin, der beim ersten Anblick bereits von ihr hingerissen ist, zeigt ihr die Zuckersiederei.

Dort erinnert sie sich an ihre Mutter (Angelina Arnold), die in einer Rückblende gezeigt wird, als diese in der Zuckersiederei verbrennt. Deshalb stellt Franzi Florentin die Frage, was er bisher getan hat, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Florentin verspricht Franzi, alles besser zu machen, und engagiert sie als persönliche Sekretärin. Somit ist sie als Spionin genau an der richtigen Stelle. Fast die gesamte ankommende Schmuggelware wird nun abgefangen. Die Geschäfte gehen schlecht, und Merck entscheidet sich, Florentin zu entlassen. Dieser hat inzwischen einen Brief aus seinem Heimatdorf Wunsiedel erhalten: Sein Onkel ist verstorben (›Wie schnell‹).

In Wunsiedel streitet der Gemeinderat über die Idee des Bürgermeisters Georg Schmidt (Frank Logemann), Florentins Vater, die Rübe als Zuckerersatz anzubauen, da ihre Verarbeitung mit der des Zuckerrohrs identisch ist. Stadtrat Reisinger (Mark Weigel) belächelt diese Idee (›Die helle Zukunft‹).

Florentin kommt zur Beerdigung seines Onkels heim, bei welcher der Pfarrer (Gunnar Frietsch) eine emotionale Grabrede hält (›Seelen wandern frei umher‹). Er stellt fest, dass der Leichenwagen mit dem Sarg nicht von den Franzosen kontrolliert worden ist, und heckt einen Plan aus, wie man – in Zusammenarbeit mit Merck – Zuckerrohr aus Hamburg in Särgen schmuggeln kann. Da seine verwitwete Tante Elisabeth Brandenburg (Sanni Luis), genannt Eli, ihr leerstehendes Fabrikgebäude nicht zur Verfügung stellen kann, weil die Franzosen darin untergebracht sind, soll Florentins Bruder Christian (Jendrik Sigwart) die Gasthausbesitzerin, sein Gspusi (Nadine Lauterbach), heiraten. So kann auf dem Gelände des Wirtshauses gebrannt werden. Leider geht die Siederei kurz darauf in Flammen auf.

Es folgt eine witzige Szene in der Konditorei von Otto Stehle in Marktredwitz, die vordergründig nichts mit dem Geschehen zu tun hat, aber einen Moment gute Laune auf die Bühne zaubert: Fünf feine Damen in farbigen Röcken genießen Kaffee, der mit Wunsiedler Zucker gesüßt ist (›Ist das Leben nicht viel süßer?‹). Sie begleiten den Rhythmus der Musik, indem sie mit ihren Kaffeetassen und -tellern klappern und mit den Kellnern tanzen.

Bürgermeister Schmidt (Frank Logemann) hält ein Plädoyer für die Zuckerrübe


1. Franzi (Marina Granchette) und ihr Vater (Georg Münzel)


2. Florentin Schmidt (Lukas Sandmann, Mitte l.) macht Franzi (Marina Granchette, Mitte r.) einen Antrag


Fotos (3): Harald Dietz

Die Franzosen verlassen unterdessen Wunsiedel, und Eli kann ihre Fabrik als neue Siederei zur Verfügung stellen. Die Herren stehen Schlange bei ihr, denn sie ist noch eine attraktive Frau. Auch Reisinger steht auf Eli (›Wer ist geeignet?‹).

In Hamburg wird Franzi noch immer von Claudet erpresst. Sie nutzt einen Moment allein mit ihrem Vater, um zu fliehen. In einem Leichenwagen (Rolltische, die als Abstellgelegenheiten in der Siederei und im Büro von Merck dienen, werden in Kutschen umfunktioniert) erreichen beide Wunsiedel.

Ein preußischer Wissenschaftler (Matthias Zeeb) präsentiert dem Gemeinderat eine neue Zuckerrübe, womit er erneut auf Widerspruch stößt. Merck weilt ebenfalls in Wunsiedel, ist aber nicht bereit, seinen Siedemeister Richters (Enrico Treuse) weiter zur Verfügung zu stellen.

Da bietet sich Franzi an, die den Beruf auch erlernt hat. Als eine Arbeiterin Florentin sagt, dass ihr Kind krank ist, erinnert sich Franzi erneut an ihre tote Mutter. Florentin gewährt der Frau jedoch freie Zeit, um sich um ihr Kind zu kümmern. Franzi bemerkt, dass er anders ist, und küsst ihn (›Hier‹).

Die Franzosen kehren ins Dorf zurück und wollen sich wieder im Anwesen von Eli niederlassen, was aber nicht möglich ist. Claudet erkennt Franzi und stellt sie als Spionin bloß. Wieder will Claudet von ihr wissen, wie der Handel mit dem Schmuggelgut funktioniert (›Ich leb’ nur einen weit’ren Tag‹).

Florentin ist wütend und enttäuscht: ›Ich liebte dich‹. Um die Siederei in Wunsiedel und Florentin zu decken, verrät Franzi, wie Merck schmuggelt. Die Franzosen schließen dennoch die Siederei. Schließlich beichtet Franzi Florentin, dass sie das alles nur für ihren Vater getan hat.

Eli, Franzi und die Frauen schlagen vor, den Zucker aus den Rüben zu brennen (›Was Frauen bald tun‹). Als ein bayerischer Inspektor, Johannes Ripfler (Gunnar Frietsch), nach Wunsiedel kommt, beklagt sich Reisinger bei ihm über die unlauteren Machenschaften des Bürgermeisters. Doch als dieser dessen Argumente für die »erste bayerische Rübenzucker-Siederei Wunsiedel« hört, ist er begeistert und erklärt die Siederei für eröffnet. Und Florentin kniet nieder und macht Franzi einen Heiratsantrag. Alle können nun beruhigt ›Zucker macht frei‹ singen.

Das Musical »Zucker« bietet zwei Stunden lang lustige und unbeschwerte Unterhaltung. Die Figuren sind allesamt sympathisch, sogar der Hauptmann, der die Aufdeckung des Schmugglerrings als Chance sieht, von Napoleon wieder nach Hause versetzt zu werden.

Komponist Brown erschuf etliche melodiöse Songs, wie den Ohrwurm ›Zucker macht frei‹, das lustige ›Ist das Leben nicht viel süßer?‹, die etwas melancholisch angehauchten ›Wann beginnt mein Leben?‹ und ›Ich leb’ nur einen weit’ren Tag‹.

Die Lieder, von einem achtköpfigen Orchester live gespielt, fügen sich nahtlos ins Geschehen ein, passen sich den jeweiligen Stimmungen an und klingen sehr modern, ohne einen Hauch des 19. Jahrhunderts.

Lukas Sandmann und Marina Granchette singen und spielen mit viel Energie, die auf das ganze Ensemble überspringt. Sanni Luis kann als lustige Witwe ebenfalls mitreißen, ebenso wie Frank Logemann als Rüben-engagierter Bürgermeister. Auch wenn die Geschichte einen lokalen Ursprung hat, wird sie in dieser Form alle Zuschauer unterhalten.