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ZUKUNFT: Neue Kompakte: Evolution


auto Test - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 24.04.2019

So vertraut und doch ganz neu: Wenn der Klassenprimus aus Wolfsburg primus erneuert wird, zieht die halbe Autowelt mit und zeigt neue Kompaktmodelle für die nächsten Jahre


Artikelbild für den Artikel "ZUKUNFT: Neue Kompakte: Evolution" aus der Ausgabe 5/2019 von auto Test. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: auto Test, Ausgabe 5/2019

VW Golf VIII

So sieht er aus, der Golf VIII – und zwar sicher. Für die Grafiken auf dieser Seite hat unser Illustrator nur noch die letzten Tarnaufkleber digital vom Lack gezupft. Zum neuen Golf gehört auch die Premiere des fortan nur noch zweidimensionalen VW-Logos

Spricht man in Rüsselsheim jetzt eigentlich französisch? Ob Opel-Fahrer oder nicht, die meisten blicken auf jede Neuerscheinung der einstigede Neuerscheinung der einstigen ...

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... GM-Tochter und suchen klammheimlich nach Indizien, die nach Citroën oder Peugeot aussehen. Seit die Marke im Herbst 2017 an den PSA-Konzern verkauft wurde, geht das so. Nun ist die runderneuerte Version von Opels Kassenschlager Nummer 1 an der Reihe, und die Autowelt blickt zum Main. Da es sich bei dieser Neuerscheinung nur um ein Facelift des Astra K handelt, ändert sich an der Grundstruktur des Kompakten kaum etwas. Die nächste wichtige Frage: Was ist mit den Motoren? Da sowohl Benziner als auch Diesel erst vor wenigen Jahren für Astra und Co. entwickelt worden sind und das gesamte Antriebsspektrum bereits im aktuellen Astra die Euro-6d-Temp-Abgasnorm erfüllt, besteht kein Bedarf für die teure Anpassung der französischen Triebwerke an die deutsch-amerikanische Technik- und Elektronikperipherie. Bleibt also alles beim Alten? Nicht ganz. Wir rechnen fest damit, dass der Astra dem einstigen GM-Spargebot entsagt und spürbar nobler wird: bessere Geräuschdämmung, feinere Materialien und gehobene Ausstattungsumfänge. Im Cockpit halten wir den Einzug des französischen Touchscreen-Infotainments mit moderner Smartphone-Kompatibilität für wahrscheinlich, ebenso wie die Einführung eines Digitalkombiinstruments. Hier hinkte Opel bislang etwas hinterher, und auch das teildigitale GM-Instrument, wie es im Insignia eingebaut wird, ist nicht auf neuestem Stand. Wir können uns also auf einen sinnvoll modernisierten Astra freuen, der schon Mitte Juni enthüllt wird.

Wolfsburg unter Zeitdruck: Erst kommt die Konkurrenz

Nach dem Astra-Debüt und den Sommerferien, genauer in der zweiten Septemberwoche, geht der nächste deutsche Kompakte an den Start. Dann wird es Zeit für den neuen BMW 1er, wegen dem BMW-Enthusiasten derzeit Rotz und Wasser heulen, denn er entsagt dem Heckantrieb und teilt sich künftig die Quermotorarchitektur mit X1, Mini und Co. Zur Beruhigung das Wichtigste zuerst: Wir sind den neuen 1er bereits als späten Prototyp auf abgesperrter Teststrecke gefahren, und er dürfte weiterhin fahrdynamische Maßstäbe in der Kompaktklasse setzen. Dabei hilft ihm eine völlig neue Messsensorik, die ihre Daten an ESP, Allradsoftware und Co. weiterreicht. Statt wie sonst üblich via Raddrehzahlsensoren, die ihr Signal an ein zentrales Steuergerät senden, werden diese künftig in Achsnähe ausgelesen, wodurch etwa zwei Drittel an Übertragungszeit eingespart werden. So können Eingriffe des Stabilitätsprogramms noch schneller erfolgen, aber eben durch besonders schnelles Torque-Vectoring auch aktiv auf die Kraftverteilung Einfluss genommen werden, was sich auf Einlenkfreudigkeit und Kurvenverhalten positiv niederschlägt. Auch die bislang größte 1er-Schwachstelle wurde angegangen: das Raumangebot. Während die Außenmaße fast unverändert bleiben, ist für Insassen und Gepäck deutlich mehr Platz vorgesehen, dem Quermotor sei Dank. Ein hinterer Kardantunnel bleibt für die Allradmodelle trotzdem bestehen.

Eigentlich hätte der Golf VIII ebenfalls auf der IAA parken sollen. Dafür sprechen auch die beinahe ungetarnten Prototypen, die unseren Fotografen immer häufiger vor die Linse fahren. Doch derzeit gibt es noch immer Schwachstellen in den verschiedenen Computersystemen des neuen Golf, die die Präsentation nun nach hinten verschieben – es dürfte aber diesen Herbst noch geschehen. Elektronik ist überhaupt das wichtigste Stichwort zu Generation VIII. Sie wird der erste VW, der, ähnlich wie etwa in der Mercedes A-Klasse, auf Wunsch über ein volldigitales Kombiinstrument verfügt, welches sich in einem einzelnen Element bis hinüber zum Infotainment-Bildschirm zieht. Auch die Schaltung von Licht und Fahrassistenz übernimmt künftig ein Touch-Panel links vom Kombiinstrument. Noch moderner wird’s unter der Motorhaube. Alle Motoren werden über ein 48V-Bordnetz und einen Startergenerator elektrifiziert, um damit kleine Leistungslöcher zu stopfen, aber auch, um Bewegungsenergie möglichst effizient rekuperieren zu können. Somit wird jeder Golf VIII ein Mildhybrid sein.

Und was ist mit dem Design? Gerade der Blick auf den Variant rechts zeigt, dass sich optische Neuerungen auf die Gestaltung von Front und Heck beschränken, und auch hier bleibt die Formensprache des Wolfsburgers altbekannt – alles andere hätte uns auch gewundert. Tatsächlich wird der Plattformbaukasten, MQB Evo genannt, nur leicht modifiziert. In den Außenmaßen sowie im Radstand wird sich dies nur in der Längenzunahme um einige Millimeter äußern. Dennoch soll speziell der Variant, der nächstes Frühjahr kommt, davon profitieren und formal künftig dem Plattformbruder Skoda Octavia Combi ähneln – nicht zuletzt auch, weil sich in Wolfsburg die Gerüchte verdichten, dass es keinen Passat-Nachfolger mehr geben könnte. Für diesen Fall müsste der Golf in puncto Platz noch nachlegen. Zum Schluss gibt es noch ein weiteres Erkennungsmerkmal, welches mit dem neuen Golf Premiere feiert: Das VW-Logo verliert seinen 3DEffekt. Einerseits meint Volkswagen, das Auge habe sich schon zu lange an das aktuelle Markenlogo gewöhnt, zum anderen heißt es, die 2D-Lösung, wie sie bis Mitte der 90er-Jahre verwendet wurde, ließe sich besser auf Displays abbilden.

Wann kommt was?

VW tüftelt noch an den letzten Software-Baustellen, die das ursprünglich für September geplante Debüt auf der IAA nach hinten verschieben. Der Rest der erneuerten Kompaktmeute erwartet uns schon ab Sommer

BMW 1er

Sakrileg! Der BMW 1er wird auf Frontantrieb umgestellt. Auch wenn Puristen seit dieser Information das Herz blutet, können wir nach ersten Fahrten mit noch getarnten Prototypen sagen, dass die Bayern den Fahrspaß-Stellenwert beim Neuen sehr hoch angesetzt haben

VW Golf Variant

Auch für den Golf VIII wird der Variant wieder eine tragende Rolle spielen. Mit rund 500 Liter Ladevolumen wildert der Golf-Kombi schon in Passat-Gefilden. Der längere Radstand sorgt außerdem für noch mehr Platz im Innenraum. Konzeptionell rückt der Variant damit näher an den Plattformbruder Skoda Octavia – so erwartet uns zukünftig ein spannendes Rennen um die Kompaktkombi-Krone

Opel Astra

Keine neue Generation, aber ein umfangreiches Facelift: So soll der Bestseller aus Rüsselsheim für den Kompaktmarkt der Zukunft fitgemacht werden. Antriebstechnisch bleibt’s im Astra K aber beim Alten. PSA-Motoren aus Frankreich werden (noch) nicht Einzug halten

Mehr Platz, moderne Technik und ein Blick Richtung Mittelklasse

Audi bleibt bei vier Ringen und gibt sich nicht mit Kleinigkeiten ab. Der neue A3 soll ein großer Wurf werden. Anders als beim Golf soll der Radstand gleich um einige Zentimeter gestreckt werden, was dem A3 fahrdynamisch gleich mehrere Vorteile bescheren soll – Länge läuft eben. Auch das Raumangebot, das im A3 bislang höchstens durchschnittlich zu nennen ist, soll mit der vierten Generation des Kompakten deutlich wachsen. Unterm Blech erwarten uns mit größter Wahrscheinlichkeit die genannten Mildhybrid-Antriebe des neuen Golf sowie ein deutlich modernisiertes Cockpit, das von der bisherigen Audi-Architektur mit runden Lüftungsdüsen Abstand nimmt und stattdessen – je nach Ausstattung – mit der doppelten Touchscreen-Bedienung aufwartet, wie wir sie seit Einführung des aktuellen A8 kennen. Erscheinen soll der A3 noch dieses Jahr, wir rechnen aber durchaus noch mit einer Wartezeit bis kurz vor Jahresende.

Noch ein bis zwei Jahre wird es dagegen brauchen, bis auf Basis des A3 ein e-tron-Elektroableger erscheinen wird. Bis dahin profiliert sich der A3 durch ein breites Angebot an hochmoderner Fahrassistenz, die teilautonomes Fahren ermöglicht und dem Ingolstädter, sobald die Gesetzeslage es zulässt, auch schon den Einstand in die Riege der Vollautonomen ermöglicht.

Audi A3

Wie der Golf erhält der A3 einen längeren Radstand. Neben dem Fahrverhalten wird das auch dem Platzangebot zugutekommen

Fazit

Evolution statt Revolution. Die aktuellen Kompaktmodelle der deutschen Hersteller liegen längst auf hohem Niveau. So heißt es: behutsam vorgehen und verheißt verbessern, was es zu verbessern gibt. Wir sind gespannt, wie die einzelnen Konzepte in Zukunft funktionieren. Im Falle des Golf VIII gerät die Mittelklasse ins Visier. Wo führt das hin?

andreas.juengling@auto-test.com


Fotos: A. Avarvarii, T. Büttner, Larson, B. Reichel