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Zum Hand anlegen


HolzWerken - epaper ⋅ Ausgabe 85/2020 vom 20.02.2020

Beim Bau dieses praktischen Beistelltisches aus Kirschholz sind Elektrowerkzeuge nur Nebendarsteller.


Projekt-Check

Zeitaufwand › 20 Stunden

Materialkosten › 50 Euro

Fähigkeiten › Fortgeschritten

Artikelbild für den Artikel "Zum Hand anlegen" aus der Ausgabe 85/2020 von HolzWerken. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HolzWerken, Ausgabe 85/2020

Der Wunsch nach einer zusätzlichen mobilen Abstellfläche dürfte in jedem Haushalt einmal auftauchen: sei es, um die Kaffeetasse direkt neben dem Lieblingssessel abzustellen oder die unverzichtbaren Fernbedienungen zu deponieren. Unser kleiner Tisch schafft da Abhilfe, er ist vielseitig nutzbar und leicht zu bewegen. In Form und Konstruktion ist er einem Kerzenständertisch nachempfunden, der früher im kolonialen ...

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... Nordamerika in vielen Wohnstuben stand. Typisch für ein Gebrauchsmöbel ist die einfache, aber solide Konstruktion des Tischchens: Der Fuß besteht aus einer rechteckigen Mittelsäule, die auf ein stabiles, überplattetes Fußkreuz gedübelt wird. Die Tischplatte ist in Schlitz- und Zapfentechnik mit der Mittelsäule verbunden und wird durch eine untergeschraubte Strebe gestützt.

Da der Tisch konsequent einfach gebaut werden soll, haben wir ein Stück Holz gewählt, aus dem wir viele der einzelnen Werkstücke gewinnen können. Sowohl die aus zwei Stücken spiegelbildlich verleimte Platte, die Strebe, als auch die Füße und ihre „Fersen“ sind aus demselben Hartholz auf 22 mm Dicke ausgehobelt. Die Säule kann aus zwei bis drei Schichten dieser Bretter auf eine Dicke von circa 50 bis 60 mm verleimt werden, je nachdem, wie zierlich oder massiv sie werden soll. Da die schlichte Konstruktion nicht vom edlen Material ablenkt, können Sie ausgesucht schön gemasertes Holz, hier Kirschbaum, einsetzen.

Der besondere Reiz beim Bau liegt im Ausarbeiten der Form mit Handwerkzeugen. Um dieses kleine Möbel in Form zu bringen, brauchen Sie außer diversen Sägen und der Möglichkeit, das Holz auf die erforderliche Dicke auszuhobeln, nämlich keine weiteren Maschinen. Das Achteck der sich nach unten verjüngenden Säule entsteht durch das symmetrische Fasen aller vier Kanten mit einem Putzhobel. Das stellt gewisse Anforderungen an ihr Hobelkönnen, da die Fasen identische Abmessungen haben sollten.

Herausforderung: Runde Kanten

Auch können alle Abrundungen der Kanten, nachdem die Formen maschinell gesägt wurden, von Hand geraspelt, gefeilt und geschliffen werden. Im Bereich der Holzverbindungen, dort wo sich zwei Teile berühren, müssen Fasen und Abrundungen aber vorher auslaufen, um die Geschlossenheit der Verbindung nicht zu stören. Das bedeutet in der Praxis, dass die Holzverbindungen zuerst gesägt, gestemmt und zusammengesteckt werden, bevor man festlegen kann, wie weit die Abrundungen und Fasen verlaufen dürfen. Jetzt wird auch deutlich, dass das Runden der Kanten von Hand zielführend ist: Mit einer Oberfräse wären die auslaufenden Fasen und Abrundungen schwer umzusetzen. Der Kenner sieht dem Tischchen also auf den ersten Blick an, dass hier viele Handwerkzeuge zum Einsatz kamen.

Das gewählte dicht gewachsene Kirschbaumholz lässt sich feiner von Hand bearbeiten als spröderes Nadelholz. Dennoch kann das Tischchen auch aus fast allen anderen Hart - beziehungsweise Weichhölzern hergestellt werden, wenn es so besser in ihr Wohnumfeld passt. Die solide Konstruktion lässt auch Holzarten mit einer geringeren Festigkeit oder Härte zu. Genauso wenig sind die Abmessungen in Holz gemeißelt: wenn Sie eine größere Tischfläche brauchen oder die Säulenfußhöhe verändern wollen, schadet das den Proportionen des Tischchens nicht. Achten Sie aber darauf, dass das Fußkreuz im Durchmesser kleiner bleibt als die Tischplatte.

Anleitung: Oval zeichnen

Ein Oval, auch Ellipse, lässt sich mit Hilfe einer Schnur und zwei Fixpunkten konstruieren. Bei unserem Beispiel werden die Nägel im Abstand von etwa 12 cm auf der Mittellinie des zukünftigen Ovals eingeschlagen. Die angebundene Schnur ist knapp dreimal so lang, um die 36 cm. Ein senkrecht gehaltener Bleistift, den man möglichst stramm um die beiden Nägel herumführt, zeichnet ein Oval von 34,5 x 31,5 cm. Ein größerer Abstand zwischen den Nägeln, zum Beispiel 16 cm bei gleicher Schnurlänge, reduziert die Breite des Ovals und macht es länglicher.

1 Die Säule ist hier aus zwei 30 mm starken Kirschholzabschnitten verleimt. Das übrige Holz wird von 30 mm Ausgangsstärke auf 22 mm ausgehobelt.

2 Da die verfügbare Dickenhobelmaschine nur Bretter bis zu einer Breite von 30 cm aufnimmt, werden die beiden Teile der Tischplatte vor dem Verleimen auf ihre endgültige Dicke von Hand ausgehobelt. Später muss lediglich die Leimfuge von Hand geputzt werden.

3 Das Oval der Tischplatte können Sie, wie gezeigt, mit einer Schnur und zwei Fixpunkten konstruieren.

4 Dieses Oval sägen Sie so genau wie möglich mit der Dekupiersäge oder mit dem Schweifblatt einer Stichsäge aus.

5 Mit einem stationären Tellerschleifer können Sie die senkrechte Kante durch ruhiges Drehen glatt schleifen. Alternativ bringen Sie die senkrechte Rundung zuerst mit einer Raspel in eine gleichmäßige Form und glätten sie dann mit einer Feile.

6 Die Abrundung der Tischplattenkante hat einen Radius von 8 mm. Hilfreich ist es, diese Breite mit einem Streichmaß vorsichtig anzureißen. Aber drücken Sie nicht zu fest, die Spur der Reißnadel müsste ansonsten mühsam weggehobelt werden.

7 Arbeiten Sie eine gleichmäßig 8 bis 10 mm breite Fase erst mit der Raspel und dann mit einer Feile bis an den Rand des Streichmaßstriches. Die Gleichmäßigkeit der Fase lässt sich mit einer Schmiege kontrollieren.

8 Runden Sie die noch etwas eckige Plattenkante mit einem nachgiebigen Schleifblock (Körnung 120). Anschließend folgt der Feinschliff (Körnung 180), danach Wässern und Schleifen mit noch feinerem Papier (Körnung 240)

9 Mit einem Hobel werden vor dem Anreißen der Fasen an den Kanten alle Seiten der Säule geglättet. Der ziehende Schnitt in Wuchsrichtung des Holzes erleichtert die Hobelarbeit.

10 Der Verlauf der konischen Fasen wird nach dem Putzen der Säue am unteren Hirnholz und auf den Seitenflächen rund um die Säule auf gleicher Höhe markiert.

11 Fest eingespannt, beginnend am Fußende der Säule, hobeln Sie nun die sich verjüngenden Fasen. Die letzten Hobelstöße sollten dabei immer in Wuchsrichtung des Holzes erfolgen, damit keine Einrisse zurückbleiben.

12 Das Prinzip einer Kreuzüberblattung besteht darin, dass man zwei Leisten kreuzweise übereinanderlegt und die Überschneidung markiert. Die so entstandenen Linien sägen Sie bis zur halben Holzstärke ein.

13 Das wegfallende Holz stemmen Sie mit einem breiten Stemmeisen vorsichtig von beiden Seiten zur Mitte hin ab, damit keine Absplitterungen an den Oberflächen entstehen.

14 Damit die Kreuzüberblattung passt und verleimt werden kann, muss der Boden der Verbindung möglichst eben sein, was mit einem breiten Stemmeisen flach schneidend gut zu machen ist.

15 Die Rundung der Füße können Sie mit Hilfe eines Kurvenlineals konstruieren. Arbeiten Sie den konischen Verlauf der Fußenden und deren Rundung zunächst nur an einer Leiste möglichst genau heraus und nutzen Sie diese dann als Vorlage.

16 Die Fersen der Kreuzüberblattung dienen dem sicheren Stand und werden schon vor dem Verleimen durch Übertragung der Konturen der Fußenden in ihre endgültige Form gebracht.

17 Die Fersen werden unter die Füße geleimt. Achten Sie auf eine saubere Verleimung, da auf den Fersen später das ganze Gewicht des Tisches liegt.

18 Achten Sie beim Abrunden der Füße darauf, das Profil vor der Überblattung auslaufen zu lassen, um keine Spalten in der Verbindung zu hinterlassen. Zuerst die Form raspeln, sie anschließend glattfeilen und zu schleifen, ist auch hier die handwerklich korrekte Vorgehensweise.

19 Mit Hilfe von Dübelfixen aus Metall lassen sich die Dübelpunkte des Säulenfußes auf der Kreuzüberblattung markieren.

20 Eine Dübellehre hilft, 8-mm-Löcher genau senkrecht zu bohren.

21 Die stützende Strebe für die Platte wird mit einer Schlitzverbindung vollständig in die Säule eingelassen.

22 Versehen Sie die Stütze (Position 4) mit zwei Langlöchern. Das Restholz zwischen den nah beieinander stehenden Bohrlöchern wird dafür mit einem schmalen Stemmeisen entfernt.

23 Das längliche Schraubenloch, durch das die Strebe mit der Tischplatte verschraubt wird, gibt ihr die Möglichkeit, in der Breite zu „arbeiten“.

24 Vor dem endgültigen Zusammenbau empfehle ich, alle Teile zur Kontrolle noch einmal zu wässern und fein zu schleifen.

25 Wer Leimreste nur mit Wasser entfernt, verdünnt und verteilt den Leim im Holz statt ihn zu entfernen. Es kommt zu weißlichen Flecken nach der abschließenden Oberflächenbehandlung. Besser funktioniert ein senkrecht gestelltes Stemmeisen oder ein Holzkeil.

26 Ein zurechtgeschnittener Spülschwamm (ohne Kratzseite), mit Hartöl getränkt, eignet sich besonders für den ersten satten Ölauftrag. Mit ihm erreichen Sie auch Ecken und Vertiefungen.

27 Trotz Wässerns und Feinschliff wird die durchgetrocknete Öloberfläche sich wieder etwas rau anfühlen. Deshalb sollten Sie den gesamten Tisch dann noch einmal mit frischem Schleifpapier Körnung 320 ohne Druck glätten.

Melanie Kirchlechner

28 Wenn Sie den letzten Ölauftrag mit einem nur leicht benetzten Baumwolllappen durchführen, wird sich die Oberfläche im durchgetrockneten Zustand deutlich glatter anfühlen als nach dem ersten, satten Einlassen mit Hartöl.

Melanie Kirchlechner ist Tischlerin und Restauratorin. In den Projekten legt sie den Fokus gerne auf klassische Techniken und Werkzeuge.