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Zur Welt kommen


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MAGNIFICAT - Das Stundenbuch - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 01.11.2022

Adventsandacht zum Lied „Komm, du Heiland aller Welt“ (GL 227)EröffnungO Gott, komm mir zu Hilfe. Herr, eile mir zu helfen. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen. Halleluja. Liedruf„Ihr Himmel, tauet den Gerechten“ (GL 234)EinführungMit einem Liedruf voller Sehnsucht haben wir unsere Adventsandacht begonnen. In frühchristlicher Zeit drückte der Ruf „Maranatha“ (1 Kor 16, 22) die tiefe Sehnsucht nach dem Advent Gottes aus: Der Ruf Maranatha ist Ausdruck der Hoffnung, dass Gott zur Welt kommen möge, um Ungerechtigkeit zu beenden und das Unheil der Welt zu heilen. – Not und Leid, Unrecht in unserer Welt: In diesem Jahr ist es auch uns beängstigend nahegekommen, doch für viele Millionen Menschen grausam erfahrbar in einem brutalen und menschenverachtenden Angriffskrieg, aber auch in von uns wenig wahrgenommenen ...

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... Am Nullpunkt In der Wüste, am Nullpunkt kommen sie zusammen: Umkehrwillige, die aus dem Gehäuse ihres Lebens ausziehen und zum offenen Anfang zurückkehren wollen. Sie kommen zu Johannes und suchen Erneuerung.Sie tauchen ein in das Wasser des Jordan; sie werden getauft zur Vergebung der Sünden. In der Wüste, am Nullpunkt wird reiner Tisch gemacht – für einen Größeren: Es kommt einer, der wird euch mit Heiligem Geist taufen, und alle Menschen werden das Heil sehen. Am Nullpunkt, in der Wüste ist es schon mitten unter uns. Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen. Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie, jubeln soll sie, jubeln und jauchzen. Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes. Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest! Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch erretten. Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf. In der Wüste brechen Quellen hervor, und Bäche fließen in der Steppe. Ihr Tore, hebt eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit! Dem HERRN gehört die Erde und was sie erfüllt, * der Erdkreis und seine Bewohner. Denn er hat ihn auf Meere gegründet, * ihn über Strömen befestigt. Wer darf hinaufziehn zum Berg des HERRN, * wer darf stehn an seiner heiligen Stätte? Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, / der seine Seele nicht an Nichtiges hängt * und keinen trügerischen Eid geschworen hat. Ihr Tore, hebt eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit! Er wird Segen empfangen vom HERRN * und Gerechtigkeit vom Gott seines Heils. Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, * die dein Angesicht suchen, Jakob. • Wo erlebe ich, dass sich Tore heben, Türen aufgehen, Erstarrtes in Bewegung kommt? • An welcher Stelle will ich in Bewegung kommen, wo kann ich etwas bewegen? • Wo finde ich die Quellen, aus denen sich meine Beweglichkeit und meine innere Kraft erneuern? Du Gott der Hoffnung und des Lichts: In deinem Sohn kommst du zu uns und veränderst unsere Welt. Hilf uns, dein Licht zu suchen, zu sehen, zu schauen. Stärke uns, dass wir uns der Welt nicht entziehen, sondern deinem Licht folgen, hin auch zu den Dunkelheiten. Dazu bestärke uns Jesus Christus, unser Bruder und Freund. Komm, du Heiland aller Welt; Sohn der Jungfrau, mach dich kund. Darob staune, was da lebt: Also will Gott werden Mensch. Nicht nach eines Menschen Sinn, sondern durch des Geistes Hauch kommt das Wort in unser Fleisch und erblüht aus Mutterschoß. Wie die Sonne sich erhebt und den Weg als Held durcheilt, so erschien er in der Welt, wesenhaft ganz Gott und Mensch. Glanz strahlt von der Krippe auf, neues Licht entströmt der Nacht. Nun obsiegt kein Dunkel mehr, und der Glaube trägt das Licht. Gott dem Vater Ehr und preis, und dem Sohne Jesus Christ, Lob sei Gott dem Heilgen Geist Jetzt und ewig. Amen. Richtet euch auf, erhebt euer Haupt; denn es naht eure Erlösung. Meine Augen schauen stets auf den Herrn; * denn er befreit meine Füße aus dem Netz. Befrei mein Herz von der Angst, * führe mich heraus aus der Bedrängnis! Sieh meine Not und Plage an * und vergib mir all meine Sünden! Erhalte mein Leben und rette mich, / lass mich nicht scheitern! * Denn ich nehme zu dir meine Zuflucht. Unschuld und Redlichkeit mögen mich schützen, * denn ich hoffe auf dich, o Herr. • Was kann meine Dunkelheiten erhellen? • Was bestärkt, was beflügelt meinen Glauben, meine Hoffnung, meine Liebe? • Wie kann ich anderen aufhelfen? Gott, in großer Dunkelheit sehnen wir uns nach Licht. Wir sehnen uns nach Gerechtigkeit und Frieden. Voll Trauer müssen wir erleben, wie Gewalt, Hass und Lügen immer wieder triumphieren. Jesus selbst kommt als machtloses Kind zur Welt. Stärke unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe, damit auch wir zur Welt kommen, wo immer wir gebraucht werden. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Heiland. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen. • Was hilft mir, das Grau des Gewohnten zu durchdringen, hinaus ins Helle und Weite? • Gibt es Menschen, die diesen Aufbruch mit mir teilen können? • Wie können wir uns gegenseitig Mut machen? Gott, dein Licht leuchtet uns und stärkt uns. Hilf uns, verbunden mit anderen aus dem Grau der Mutlosigkeit und der Sorge aufzubrechen und im Licht des Glaubens Veränderungen zu bewirken. Hilf uns, deinem geliebten Kind entgegenzugehen: Jesus Christus, der uns entgegenkommt. Macht hoch die Tür … So viele Menschen, so viele Fragen. – Weise den Weg. So viel Leid, Not und Tod, so viele Plagen. – Weise den Weg. So viele Hoffnungen, so viele, die es wagen. – Weise den Weg. „Er ist gerecht, ein Helfer wert, Sanftmütigkeit ist sein Gefährt“: Weis’ uns den Weg! Zu Gott, dem Barmherzigen, der sich uns zuwendet und unser Heil will, rufen wir voll Hoffnung in dieser adventlichen Zeit und bitten ihn: V: Erbarmender Gott, A: höre unser Rufen. • Für alle, die der Grausamkeit des Kriegs ausgeliefert sind. • Für alle, die um Verwandte und Freunde bangen. • Für alle, die den Tod eines geliebten Menschen beklagen. V: Erbarmender Gott, A: höre unser Rufen. • Für alle, die ihre Heimat verlassen mussten. • Für alle, die verwundet sind an Leib und Seele. • Für alle, die sich den Nöten der Welt nicht verschließen und helfen. Guter Gott, öffne unsere Augen für den Glanz der Krippe, für die Größe des Kleinen, für die erneuernde Kraft des Zarten. So bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Heiland. Gott kommt zur Welt, damit auch wir zur Welt kommen: Die liebende Nähe unseres Bruders Jesus Christus, die alles und alle umfassende Güte Gottes, des Vaters, die belebende Gemeinschaft des Heiligen Geistes bewege und bestärke uns. Amen.

Adventsandacht zum Lied „Komm, du Heiland aller Welt“ (GL 227)

Eröffnung

O Gott, komm mir zu Hilfe. Herr, eile mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen. Halleluja.

Liedruf

„Ihr Himmel, tauet den Gerechten“ (GL 234)

Einführung

Mit einem Liedruf voller Sehnsucht haben wir unsere Adventsandacht begonnen. In frühchristlicher Zeit drückte der Ruf „Maranatha“ (1 Kor 16, 22) die tiefe Sehnsucht nach dem Advent Gottes aus: Der Ruf Maranatha ist Ausdruck der Hoffnung, dass Gott zur Welt kommen möge, um Ungerechtigkeit zu beenden und das Unheil der Welt zu heilen. – Not und Leid, Unrecht in unserer Welt: In diesem Jahr ist es auch uns beängstigend nahegekommen, doch für viele Millionen Menschen grausam erfahrbar in einem brutalen und menschenverachtenden Angriffskrieg, aber auch in von uns wenig wahrgenommenen Kriegen und kriegerischen Konflikten weltweit. Wenn wir glaubwürdig vom Advent Gottes sprechen wollen, können wir die Dimension des Leids nicht ausblenden, genauso wenig wie die Dimension der Hoffnung und der Sehnsucht.

Was ist unsere Sehnsucht? Worauf hoffen wir? Wonach sehnen wir uns? Vernehmen wir noch die Stimme der Sehnsucht? Können wir unser eigenes Sehnen ernst nehmen, wahrnehmen in seiner Tiefe? – Kehrseite des Sehnens, bedeutsamer Teil der Sehnsucht, ist die Beunruhigung. Das Sehnen macht eine Leerstelle sichtbar, zeigt das Unvollkommene, Fehlende an. Können wir es uns „leisten“, unsere eigene Beunruhigung, unsere eigenen Zweifel ernst zu nehmen? „Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten“, so lesen wir im Titusbrief (Tit 2, 11; vgl. 3, 4). Das ist die Erfüllung. Das ist unser Glaube. Das ist der weite Weg der Hoffnung.

Aber vieles versperrt die rettende „Tür zum Glauben“ (Apg 14, 27), für manche sogar die Kirche selbst, die doch Ort der Hoffnung und des bedingungslosen Vertrauens sein sollte. – Wie kann die Gnade Gottes uns aufscheinen, wenn auch in der Kirche Täter statt Opfer geschützt werden? Wie kann die Gnade Gottes aufscheinen, wenn das Leid der Menschen übersehen anstatt gesehen wird? Wie sehr sehnen wir uns nach einer glaubwürdigen, den Menschen, der Welt zugewandten Kirche, die uns Grund zur Hoffnung gibt! Bekennen wir uns zu unserer Sehnsucht, zu der erfahrenen Differenz, zu den Tiefpunkten, dem Nullpunkt und rufen wir „Maranatha – Komm, du Heiland aller Welt!“

Meditation

Am Nullpunkt

(zu Mk1, 1–8)

In der Wüste, am Nullpunkt kommen sie zusammen: Umkehrwillige, die aus dem Gehäuse ihres Lebens ausziehen und zum offenen Anfang zurückkehren wollen. Sie kommen zu Johannes und suchen Erneuerung.

Sie tauchen ein in das Wasser des Jordan; sie werden getauft zur Vergebung der Sünden.

In der Wüste, am Nullpunkt wird reiner Tisch gemacht – für einen Größeren: Es kommt einer, der wird euch mit Heiligem Geist taufen, und alle Menschen werden das Heil sehen.

Am Nullpunkt, in der Wüste ist es schon mitten unter uns.

– Stille –

Lesung aus dem Buch Jesaja Jes 35, 1–7

Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen. Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie, jubeln soll sie, jubeln und jauchzen. Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes.

Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest! Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch erretten.

Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf. In der Wüste brechen Quellen hervor, und Bäche fließen in der Steppe.

Impuls zur Lesung

Wer kann anderen so Mut machen? Wer kann es wagen? Bedrückt und beschädigt, am Tiefpunkt sind die Menschen, die hier angesprochen werden: geschwächt, gelähmt, auf den Tod krank. Von harten Kontrasten lebt dieser große biblische Hoffnungstext. Jede Blumenwiese ist schön, doch die Blüte der Wüste ist jubelnder Durchbruch zu Licht und Leben. Nicht die Stärke der Starken, sondern die Kraft der Schwachen verdient unser Staunen, und der Mut eines Mutlosen ist ein wahres Wunder. Wo immer der Gang der Dinge und der Lauf der Welt überraschend und heilsam durchbrochen werden, da dürfen wir uns mit Israel freuen und rufen: Seht, hier ist unser Gott!

Psalm 24 Vers 1–6

Kehrvers:Ihr Tore, hebt eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit!

Dem HERRN gehört die Erde und was sie erfüllt, *

der Erdkreis und seine Bewohner.

Denn er hat ihn auf Meere gegründet, *

ihn über Strömen befestigt.Kehrvers

Wer darf hinaufziehn zum Berg des HERRN, *

wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?

Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, /

der seine Seele nicht an Nichtiges hängt *

und keinen trügerischen Eid geschworen hat.

Kehrvers:Ihr Tore, hebt eure Häupter, hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit!

Er wird Segen empfangen vom HERRN *

und Gerechtigkeit vom Gott seines Heils.

Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, *

die dein Angesicht suchen, Jakob.Kehrvers

Kehrvers: Ps 24, 7

Anregungen zum Nachdenken

• Wo erlebe ich, dass sich Tore heben, Türen aufgehen, Erstarrtes in Bewegung kommt?

• An welcher Stelle will ich in Bewegung kommen, wo kann ich etwas bewegen?

• Wo finde ich die Quellen, aus denen sich meine Beweglichkeit und meine innere Kraft erneuern?

Gebet

Darob staune, was da lebt:Du Gott der Hoffnung und des Lichts: In deinem Sohn kommst du zu uns und veränderst unsere Welt. Hilf uns, dein Licht zu suchen, zu sehen, zu schauen. Stärke uns, dass wir uns der Welt nicht entziehen, sondern deinem Licht folgen, hin auch zu den Dunkelheiten. Dazu bestärke uns Jesus Christus, unser Bruder und Freund.

– Stille –

Lied

Komm, du Heiland aller Welt; Sohn der Jungfrau, mach dich kund. Darob staune, was da lebt: Also will Gott werden Mensch.

Markus Jenny 1971, nach: Veni redemptor gentium, Ambrosius von Mailand, 4. Jahrhundert. © Theologischer Verlag Zürich

GL 227 · GL 1975 108 · KG 307 -– Strophe 1

Impuls

Unser Gottesloblied „Komm, du Heiland aller Welt“ geht auf einen Hymnus des heiligen Ambrosius von Mailand zurück, der ihn im vierten Jahrhundert gedichtet hat. Vierzehn lateinische Hymnen werden Ambrosius zugeschrieben, einer davon ist unser Hymnus voller Sehnsucht und Hoffnung auf Heil in einer unheilen Welt: Veni, redemptor gentium. Komm, Erlöser der Völker: Komm, du Heiland aller Welt! Dieser Hymnus, der den Advent Gottes besingt und ans Weihnachtsfest heranführt, nähert sich dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes: „Also will Gott werden Mensch.“ Gott selbst will uns Menschen auf neue Weise nahe sein, Gott will zur Welt, zu den Menschen kommen.

Lied

Nicht nach eines Menschen Sinn, sondern durch des Geistes Hauch kommt das Wort in unser Fleisch und erblüht aus Mutterschoß.

Markus Jenny 1971, nach: Veni redemptor gentium, Ambrosius von Mailand, 4. Jahrhundert. © Theologischer Verlag Zürich

GL 227 · GL 1975 108 · KG 307 – Strophe 2

Impuls

Zur Welt kommen: Die Weise, in der das göttliche Zur-Welt-Kommen geschieht, ist eine Absage an das Machtförmige und Gewalttätige aller Zeiten: Denn die Weise, in der sich das göttliche Zur-Welt-Kommen ereignet, ist nicht männlich-machtvoll, schon gar nicht gewaltvoll, sie ist sanft und zart: Gott kommt „durch des Geistes Hauch“! Die heilige Geistkraft, die „ruach“ ist im Hebräischen weiblich, sie ist eine sanft-starke Kraft, die Wandel bewirkt und Neues wachsen lässt. Nur so „kommt das Wort in unser Fleisch / und erblüht aus Mutterschoß“.

Lied

Wie die Sonne sich erhebt und den Weg als Held durcheilt, so erschien er in der Welt, wesenhaft ganz Gott und Mensch.

Markus Jenny 1971, nach: Veni redemptor gentium, Ambrosius von Mailand, 4. Jahrhundert. © Theologischer Verlag Zürich

GL 227 · GL 1975 108 · KG 307 – Strophe 3

Impuls

Nicht weniger als eine Umwertung aller Werte bedeutet Gottes Zur-Welt-Kommen: Ambrosius setzt in seinem Hymnus nicht nur ein Gegengewicht zu den hochgerüsteten Mächtigen, zum Kult martialischer Männlichkeit seiner Zeit. Indem er die römische Tradition des Festes des Unbesiegbaren Sonnengottes (am 25. Dezember) auf Jesus bezieht, verändert er diese Tradition grundlegend. Denn in Jesus als der Sonne einer neuen Zeit verbindet sich Starkes mit Schwachem, Göttliches mit Menschlichem, scheinbar Geringes mit Großem: In Jesus Christus, dem zarten und schwachen Kind in der Krippe, ist die Herrschaft der Mächtigen gebrochen.

Lied

Glanz strahlt von der Krippe auf, neues Licht entströmt der Nacht. Nun obsiegt kein Dunkel mehr, und der Glaube trägt das Licht.

Markus Jenny 1971, nach: Veni redemptor gentium, Ambrosius von Mailand, 4. Jahrhundert. © Theologischer Verlag Zürich

GL 227 · GL 1975 108 · KG 307 – Strophe 4

Impuls

Wie ist das möglich?: „Glanz strahlt von der Krippe auf“, von der armseligen Futterkrippe, die zur ersten Heimat des Jesuskindes geworden ist. Das Strahlende, das Helle, das Heldenhafte muss von nun an neu definiert werden: Die Geburt Jesu im armen Stall birgt in sich die Umwertung aller vermeintlichen Sicherheiten und Zuschreibungen. Der Galaterbrief formuliert hier glasklar und hellsichtig: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ (Gal 3, 27 f.) Die alten Kategorien taugen nicht mehr; nicht männlich noch weiblich, nicht versklavt oder frei, alle Menschen sind eins im Kind in der Krippe. – Wir alle sind gerufen, das vermeintlich unverrückbar Vorgegebene in neuem Licht zu sehen und mutig zu handeln: im Licht des Glaubens, denn „der Glaube trägt das Licht“!

Lied

Gott dem Vater Ehr und preis, und dem Sohne Jesus Christ, Lob sei Gott dem Heilgen Geist Jetzt und ewig. Amen.

Markus Jenny 1971, nach: Veni redemptor gentium, Ambrosius von Mailand, 4. Jahrhundert. © Theologischer Verlag Zürich

GL 227 · GL 1975 108 · KG 307 – Strophe 5

Psalm 25 Verse 15. 17 f. 20 f.

Kehrvers:Richtet euch auf, erhebt euer Haupt; denn es naht eure Erlösung.

Meine Augen schauen stets auf den Herrn; *

denn er befreit meine Füße aus dem Netz.

Befrei mein Herz von der Angst, *

führe mich heraus aus der Bedrängnis!Kehrvers

Sieh meine Not und Plage an *

und vergib mir all meine Sünden!

Erhalte mein Leben und rette mich, /

lass mich nicht scheitern! *

Denn ich nehme zu dir meine Zuflucht.Kehrvers

Unschuld und Redlichkeit mögen mich schützen, *

denn ich hoffe auf dich, o Herr.Kehrvers

Anregungen zum Nachdenken

• Was kann meine Dunkelheiten erhellen?

Kehrvers: Lk 21, 28

• Was bestärkt, was beflügelt meinen Glauben, meine Hoffnung, meine Liebe?

• Wie kann ich anderen aufhelfen?

Gebet

Komm, du Heiland aller Welt:Gott, in großer Dunkelheit sehnen wir uns nach Licht. Wir sehnen uns nach Gerechtigkeit und Frieden. Voll Trauer müssen wir erleben, wie Gewalt, Hass und Lügen immer wieder triumphieren. Jesus selbst kommt als machtloses Kind zur Welt. Stärke unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe, damit auch wir zur Welt kommen, wo immer wir gebraucht werden. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Heiland.

– Stille –

Lied

„O Heiland, reiß die Himmel auf“ (GL 231 · KG 302 · EG 7 – Strophen 1 und 2)

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus Mt 5, 14–16

Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Liedruf/Kanon

„Mache dich auf und werde licht“ (GL 219 · EG 539)

Anregungen zum Nachdenken

• Was hilft mir, das Grau des Gewohnten zu durchdringen, hinaus ins Helle und Weite?

• Gibt es Menschen, die diesen Aufbruch mit mir teilen können?

• Wie können wir uns gegenseitig Mut machen?

Gebet

Glanz strahlt von der Krippe auf:Gott, dein Licht leuchtet uns und stärkt uns. Hilf uns, verbunden mit anderen aus dem Grau der Mutlosigkeit und der Sorge aufzubrechen und im Licht des Glaubens Veränderungen zu bewirken. Hilf uns, deinem geliebten Kind entgegenzugehen: Jesus Christus, der uns entgegenkommt.

– Stille –

Meditation

Macht hoch die Tür …

So viele Menschen, so viele Fragen. – Weise den Weg.

So viel Leid, Not und Tod, so viele Plagen. – Weise den Weg.

So viele Hoffnungen, so viele, die es wagen. – Weise den Weg.

„Er ist gerecht, ein Helfer wert, Sanftmütigkeit ist sein Gefährt“: Weis’ uns den Weg!

Fürbitten

Zu Gott, dem Barmherzigen, der sich uns zuwendet und unser Heil will, rufen wir voll Hoffnung in dieser adventlichen Zeit und bitten ihn:

V: Erbarmender Gott, A: höre unser Rufen.

• Für alle, die der Grausamkeit des Kriegs ausgeliefert sind.

• Für alle, die um Verwandte und Freunde bangen.

• Für alle, die den Tod eines geliebten Menschen beklagen.

V: Erbarmender Gott, A: höre unser Rufen.

• Für alle, die ihre Heimat verlassen mussten.

• Für alle, die verwundet sind an Leib und Seele.

• Für alle, die sich den Nöten der Welt nicht verschließen und helfen.

Vaterunser

Gebet

Neues Licht entströmt der Nacht:Guter Gott, öffne unsere Augen für den Glanz der Krippe, für die Größe des Kleinen, für die erneuernde Kraft des Zarten. So bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Heiland.

Segen

Gott kommt zur Welt, damit auch wir zur Welt kommen: Die liebende Nähe unseres Bruders Jesus Christus, die alles und alle umfassende Güte Gottes, des Vaters, die belebende Gemeinschaft des Heiligen Geistes bewege und bestärke uns. Amen.

Die Adventsandacht wurde erstellt von Dorothee Sandherr-Klemp