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ZURÜCK AN DIE SPITZE?


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Auto Bild sportscars - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 10.03.2022

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Wer macht wen nass?Lassen Sie sich nicht von der nassen Piste täuschen. Am Messtag war es trocken.

Hyundai i20 N Performance

VW Polo GTI

Früher machten die Koreaner fehlende Qualitäten mit günstigen Preisen wett. Doch diese Zeiten sind vorbei

ES GIBT DINGE, die gehen gar nicht. Regen auf dem Contidrom gehört für uns dazu. Und aus Sicht von VW sicherlich, wenn koreanische Kleinwagen plötzlich den eigenen um die Ohren fahren. Kein Wunder, dass die Wolfsburger ihrem Polo GTI im Zuge der Überarbeitung auch gleich ein paar PS mehr gegönnt haben. Mit 207 zu 204 liegt er jetzt knapp vor seinem härtesten Rivalen, dem Hyundai i20 N. Ob das reicht, sollen ein paar Runden auf dem Contidrom klären. Doch die Strecke ist nun mal nass. Genug Zeit, die Kandidaten erst mal im Stand zu checken.

Der i20 N ist nicht weniger als die Basis für das gleichnamige Rallyefahrzeug, mit dem Hyundai auf internationalem Schotter gegen die Großen antritt. Das wird schon äußerlich sichtbar. Aggressive ...

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... Schürzen, wohlgeformte 18-Zöller und ein großer Dachspoiler markieren optisch das Revier. Under ­statement überlässt er anderen.Zum Beispiel dem Polo. Der wurde nach fünfjähriger Bauzeit kräftig überarbeitet und nachgewürzt.Vorn übt nun ein durchgehendes Lichtband den Schulterschluss zum Golf, die Schürze ist weit geöffnet.Am Heck sitzen erstmals zweigeteilte Rückleuchten. Außer dem dezenten Dachspoiler und dem Doppelrohrauspuff unterscheidet sich der GTI aber nicht weiter von der Basis. Schriftzüge ab – und fertig ist der perfekte Underdog.

Neuer Tag, neues Glück. Die Sonne strahlt mit den Augen der Tester um die Wette. Die Piste ist trocken. Also nichts wie rein in die Geräte. Im Hyundai fallen sofort die engen, zupackenden Sportsitze auf. Gute Passform, klasse Halt am ganzen Körper – perfekt. Beim Umschalten auf den N-Modus stimmen Flammen im Tacho auf das ein, was kommt.

Das karierte VW-Gestühl lässt gerade im oberen Bereich zu viel Luft, wirkt alles in allem deutlich kompromissbereiter als das seines Kontrahenten. Digitale Instrumente sind endlich Serie. Ansonsten alles ziemlich brav. Genug Platz vorn wie hinten und ausreichend Kofferraum bieten beide, die Verarbeitung stimmt hier wie dort. Auch wenn der Polo im Detail noch etwas geschliffener wirkt. Heute alles sekundär, hier geht’s um sportliche Leistungen. Also auf die Piste, fertig, los!

Kraftvoll und dumpf brabbelnd peilt der Polo die erste Kurve an. Ihn gibt es ausschließlich mit Siebengang-DSG – das ist Geschmackssache. Im Alltag gegenüber einer Handschaltung natür lich komfortabler, spielt es hier nach eigenen Regeln. Klar, wer nicht schalten muss, kann sich besser auf die Strecke konzentrieren. Doch auch im Sportmodus verhaspelt sich das DSG immer wieder. Wenn am Kurvenausgang 2000 Touren bereitstehen, sortiert es sich nervös neu.

Dann lieber die ehrliche Sechsgang-Schaltbox des i20. Hier entscheidet der Fahrer noch selbst. Die Abstufungen passen, die Gangwechsel klappen in der Regel schnell und sicher. Leider hakelt es zuweilen im Übergang zwischen zweitem und drittem Gang. Vielleicht ein Problem des Testwagens, der mit seinen 10 000 Kilometern auf der Uhr schon viel Pistenerfahrung gesammelt haben dürfte.

Auf der Geraden schlägt die Stunde des VW. Vom größeren Hubraum profitierend, bolzt er immer etwas kraftvoller los als der keineswegs langsame i20. Vor allem nach oben heraus wirkt der GTI drehfreudiger und weniger zugeschnürt. Ein Bild, das sich spätestens in der nächsten Kurve radikal ändert.

Schon das Anbremsen fühlt sich beim GTI deutlich schwammi­ ger und weniger entschlossen an als beim herbe zupackenden N. In der Kurve rächt sich das nicht vollständig abschaltbare ESP, das die Fuhre auch im Sportmodus immer wieder zur Raison ruft. Am Kurvenausgang scharrt der GTI dann ziemlich hilflos um Traktion und drängt stark untersteuernd zum äußeren Kurvenrand. Das ist narrensicher und unproblematisch, sportlich ist es nicht.

„Der Polo hat einen starken Motor und ein bisschen Make-up bekommen. Zu wenig für einen Sportler.“

Malte Büttner, Redakteur

„Der i20 N ist ein Sportgerät. Da bleiben Defizite im Alltag nicht aus. Die Fans stört’s nicht.“

Malte Büttner, Redakteur

Ganz anders der i20: Mit seiner direkteren Lenkung kann man bei ihm den Kurvenverlauf viel exakter bestimmen, schon das Sport-ESP lässt verblüffend viel Leine. Zu hohe Geschwindigkeit und der kleinste Gaslupfer machen das Heck leicht und lassen es nach außen drängen. Am Ausgang stürmt er dank Differenzialsperre an der Vorderachse wie auf Schienen davon, kennt trotz Vorderradantrieb kaum Traktionsprobleme. Geübte Fahrer stellen das ESP hier sogar ganz ab. Dann haben sie eine reine Fahrmaschine und erleben Fahrspaß, den in dieser Klasse sonst höchstens der ähnlich lustvoll konzipierte Fiesta ST bietet. Doch spätestens in der langen Rechts-links-Kurve des Contidroms, wenn das Heck bei Tacho 170 zum Überholen ansetzt, sollte der Fahrer genau wissen, was zu tun ist, und sehr schnell und exakt eingreifen, damit die Freude nicht am Baum endet. i20 N fahren heißt auch, Verantwortung zu übernehmen. Trotz der kompakten Größe ist er nichts für Fahranfänger. Der Polo schon eher. Obwohl auch er schnell ist, hält die Elektronik ihn immer im Zaum, wacht mit Argusaugen darüber, dass nichts schiefgeht.

Auch im Alltag kann er punkten, wo er sich im Gegensatz zum N angenehm zurücknimmt. Während der Hyundai knochentrocken jeden Stoß nach innen weiterleitet, gibt sich der VW als perfekter Allrounder. Ein souverän motorisierter Kleinwagen, mit dem man auch gern täglich zur Arbeit und am Wochenende zum Einkaufen fährt. Auf der Autobahn ist er deutlich leiser und zurückhaltender, wirkt vollwertiger. Zudem hält er sich an der Zapfsäule mehr zurück. Gerade unter Volllast, wo sich der wilde i20 schon mal an die 20-Liter-Marke heransäuft.

Doch normal bewegt, hält sich auch der N zurück. Das kompromisslosere Fahrverhalten wird von den Kunden gewünscht und geliebt. Er ist ein wilder und ungestümer Draufgänger. Ein Kumpel, der immer wieder die Vernunft und Disziplin des Fahrers herausfordert. Mit seinem Talent eignet er sich als echtes Tracktool für Leute, die es am Wochenende auf Rennstrecken krachen lassen. Mit dem Automatik-Polo käme man nicht mal auf die Idee.

Gut 3500 Euro trennen die beiden an der Kasse, zudem ist der i20 besser ausgestattet. So sehr wir den neuen GTI mögen und so schön er sich auch fährt – spätestens wenn die beiden nach ein paar schnellen Runden knackend und knisternd nebeneinanderstehen und es nach verbranntem Gummi riecht, ist klar, dass es nur einen Sieger geben kann. Den i20 N. Weil er als Basis für ein Rallyefahrzeug einen ganz anderen Ansatz verfolgt, weil er genial klingt und eine echte Fahrmaschine ist. Ein Auto mit eigenem Charakter. Nur wenige Kandidaten haben auf dem Contidrom so viel Spaß gemacht. Für den Heimweg nehmen wir aber den Polo.

VWs langer Atem Die Messwerte spiegeln gut die unterschiedlichen Charaktere wider. Der VW kommt erst obenrum, lässt den Hyundai aber dann klar hinter sich.

Der Polo GTI kann dem hohen Gripniveau des Hyundai i20 N in schnell gefahrenen Kurven nicht folgen. Das Sport-ESP versucht zudem das Untersteuern durch Wegnahme der Motorleistung auszugleichen. Dazu kommen die größeren Traktionsprobleme nach engen Kurven und das Doppelkupplungsgetriebe, das oft den falschen Gang eingelegt hat.

Testbedingungen Streckenlänge: 3800 Meter Wetter: 8 °C, sonnig Asphalt: trocken

PLATZIERUNG

Punkte maximal 400

1 HYUNDAI i20 N Liebevoll konstruiertes Spaßgerät mit viel Talent. Tolle Traktion, genial in Kurven. Fairer Preis. 275 Punkte

2. VW POLO GTI Braver Allrounder, lässt nichts anbrennen. Schneller Motor, viel Komfort. Nichts für die Piste. 270 Punkte

Fazit

Malte Büttner, Mirko Menke

Mehr Fahrspaß für weniger Geld. Natürlich muss der i20 N gewinnen. Er ist ein kompromissloses Sportgerät zum überschaubaren Kurs. Der brave Polo GTI kann das mit etwas mehr Leistung nicht wettmachen. Er ist der nette Typ für jeden Tag.