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Zurück in den Job


ÖKO-TEST Spezial Schönheit & Pflege - epaper ⋅ Ausgabe 11/2008 vom 24.05.2008

Nach acht Jahren Elternzeit will Rania Silvani wieder arbeiten. Die 43-Jährige ist voller Tatendrang, belegt Kurse und schreibt Bewerbungen. Es wird trotzdem kein leichtes Unterfangen.


Artikelbild für den Artikel "Zurück in den Job" aus der Ausgabe 11/2008 von ÖKO-TEST Spezial Schönheit & Pflege. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: irisblende.de

Eine Mutter ist immer so flexibel wie die Betreuungseinrichtungen ihrer Kinder. Die achtjährige Tochter von Rania Silvani, Sara, geht direkt nach der Schule in einen Hort. Als die jüngere Tochter Mona einen Kindergartenplatz bis 16.30 Uhr bekam, wusste die Mutter, dass sie jetzt wieder ins Berufsleben einsteigen kann. „Als Erstes habe ich mich arbeitslos gemeldet und bei der Arbeitsagentur ein Training ...

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Eine Mutter ist immer so flexibel wie die Betreuungseinrichtungen ihrer Kinder. Die achtjährige Tochter von Rania Silvani, Sara, geht direkt nach der Schule in einen Hort. Als die jüngere Tochter Mona einen Kindergartenplatz bis 16.30 Uhr bekam, wusste die Mutter, dass sie jetzt wieder ins Berufsleben einsteigen kann. „Als Erstes habe ich mich arbeitslos gemeldet und bei der Arbeitsagentur ein Training ‘Rückkehr in den Beruf‘ beantragt“, erzählt die alleinerziehende Halbinderin. Neun Wochen lang lernt sie zusammen mit rund einem Dutzend anderer Frauen grundlegende Computerkenntnisse wie Word, Excel, Outlook und Internetanwendungen. Sie überarbeitet ihren Lebenslauf und erfährt von der Kursleiterin im Frankfurter Frauensoftwarehaus, dass sie ihre Elternzeit besser hinter geschickten Formulierungen verstecken soll. „Irgendwelche ehrenamtlichen Tätigkeiten oder soziales Engagement – alles sähe im Lebenslauf besser aus, als Kinder und Haushalt.“ Das findet sie irgendwie blöd. Und weil ihr kein anderer Text einfällt, schreibt sie für die Zeit von 2000 bis 2008 das hin, was war: Elternzeit. Auch für das Training der Arbeitsagentur sollen die Kursteilnehmerinnen lieber schreiben: Weiterbildung PC-Kenntnisse im Frauensoftwarehaus. Das mache sich einfach besser, als „Trainingsmaßnahme Rückkehr in den Beruf“, gefördert von der Arbeitsagentur, betont die Kursleiterin.

Eine schnelle Verbindung ins Internet sollte heute bei der Jobsuche unbedingt zum Handwerkszeug gehören.


Foto: Iris Kaczmarczyk

Richtig bewerben

Solche Tipps sind wichtig. Denn gerade wer nach einer mehrjährigen Pause wieder zurück ins Berufsleben will, weiß oft nicht, wie er sich richtig bewirbt. „Ein genaues Profil der letzten Stelle ist nicht so wichtig. Stattdessen zählt die Qualifikation“, empfiehlt die Kursleiterin den Frauen für den Lebenslauf. Üblich ist ein tabellarischer Lebenslauf, chronologisch oder thematisch gegliedert. Wer schon viele Berufsjahre und mehrere Arbeitgeber vorzuweisen hat, liegt mit einem sogenannten antichronologischen Lebenslauf richtig. Dabei steht die jüngste Berufsstation an erster Stelle. Der Lebenslauf soll ein lückenloses Bild über den bisherigen Lebensweg geben. Für Unterbrechungen sind plausible Erklärungen sinnvoll. Alles andere erzeugt Misstrauen. Zudem genügte früher ein einfaches Passbild für die Unterlagen. Die Arbeitsagentur rät heutzutage zu einem aktuellen Porträt von einem professionellen Fotostudio. Für das Anschreiben sollen Bewerber keinen Standardtext verwenden, sondern gute Gründe finden, warum sie der ideale Mitarbeiter für diese eine Stelle sind. „Arbeiten Sie Ihre zwei bis drei besten Argumente heraus und machen sie diese zum Kernpunkt des Bewerbungsschreibens“, rät die aktuelle Infobroschüre der Bundesagentur für Arbeit „Frauen und Beruf“. Optimal sei zudem, Bezug auf die Stellenanzeige, ein Telefongespräch oder eine persönliche Empfehlung zu nehmen. Das Anschreiben sollte auf einer Seite stehen und namentlich an die zuständige Person geschickt werden. Der Name lässt sich telefonisch ermitteln.

Nach beinahe zehn Jahren als Hausfrau sucht Rania Silvani jetzt neue Herausforderungen.


Rania Silvani nutzt hauptsächlich das Internet für ihre Suche nach Stellen und bewirbt sich elektronisch per E-Mail. „Bei Onlinebewerbungen gelten die gleichen Vorgaben wie bei Printbewerbungen. Sie müssen genauso sorgfältig verfasst werden“, erklärt die Kursleiterin im Frauensoftwarehaus. Die persönliche E-Mail-Adresse lässt sich vorher telefonisch ermitteln. Die Betreffzeile ist besonders wichtig, weil sie das Erste ist, was der Empfänger liest. Meist reicht es zunächst, Anschreiben und Lebenslauf zu schicken. Dann ist die Datenmenge der angehängten Dateien nicht zu groß. Eine vollständige Bewerbungsmappe mit Zeugnissen und anderen Qualifikationsnachweisen kann bei Bedarf nachgereicht werden.

Wissen ist Macht. Mit einer gezielten Weiterbildung und Qualifizierung erhöhen sich die Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz.


Foto: Iris Kaczmarczyk

Gezielte Suche

Genauso geht Rania Silvani vor. Sie plant zunächst, als Sekretärin Teilzeit zu arbeiten. „Egal was, Hauptsache Arbeit“, denkt sie sich. Obwohl sie durchaus mehr kann. Ursprünglich hat sie in einer Berufsschule für Wirtschaft und Verwaltung Fremdsprachensekretärin gelernt, spricht fließend Englisch, Spanisch und Deutsch. Sie kennt sich zudem in der Tourismusbranche gut aus und hat viele Jahre, bevor ihre beiden Töchter geboren wurden, bei verschiedenen Fluggesellschaften in der Abfertigung gearbeitet. Als in dem Training der Arbeitsagentur die Einheit „Ziele setzen“ dran ist, merkt Rania Silvani, dass es nicht irgendein Bürojob für sie sein soll. In der Gruppe sprechen die Teilnehmerinnen offen über die beiden Fragen „Was kann ich?“ und „Was will ich?“. „Mir hat das sehr geholfen, eine Perspektive für mich zu finden“, sagt sie. Sie will wieder in ihre frühere Branche zurück und bewirbt sich gezielt bei Reisebüros und beim Flughafenbetreiber Fraport, bei Swissport und verschiedenen Fluggesellschaften. Parallel dreht es sich im Wiedereinstiegskurs um Zeitmanagement und wie sich frau gut organisiert, damit der Übergang ins Berufsleben klappt. Ein Zeitkuchen soll den Teilnehmerinnen klarmachen, was sie wann erledigen und wie sie Zeitpuffer einbauen, um Stellenangebote zu finden, Bewerbungen zu schreiben und Termine für Vorstellungsgespräche freizuhalten. „Das war bei mir weniger schwierig, denn alleinerziehend mit zwei Kindern bin ich ohnehin gut organisiert, sonst würde das nicht klappen“, sagt sie.

Dennoch erlebt sie diese Zeit durchaus als sehr turbulent. Die Arbeitsagentur, die ihr rund 550 Euro Arbeitslosen- plus Betreuungsgeld für die beiden Kinder bezahlt, erwartet, dass sie sich regelmäßig meldet, um über ihre Bewerbungssituation zu sprechen. Zu den Auflagen gehört auch, dass sie sechs Bewerbungen pro Monat verschickt. Kopien davon kommen in ihre Akte bei der Arbeitsagentur. Wenn die Arbeitsagentur Angebote an sie schickt, muss sie reagieren. „Einmal kam ein Stellenangebot für ein Callcenter, auch noch von einer Zeitarbeitsfirma“, erzählt sie. Das war nicht ganz das, was sie machen wollte. Als sie nicht zum Vorstellungstermin erschienen ist, weil eine ihrer Töchter krank war, kam kurz darauf ein Mahnbrief der Arbeitsagentur. „Ich habe denen erklärt, warum ich nicht dort hingehen konnte, kam mir aber schon gegängelt vor. Im Grunde wollte ich so schnell wie möglich unabhängig von der Arbeitsagentur werden.“

Man lernt nie aus. Die Arbeitsagenturen bieten Trainingsmaßnahmen für Wiedereinsteiger in die Berufswelt an.


Foto: Iris Kaczmarczyk

Die Chemie muss stimmen

Ein Stellenangebot als Reiseverkehrskauffrau bei einem Dienstleister für das indische Konsulat klingt vielversprechend. Sie hat zwar keine Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau, aber immerhin Erfahrungen in dieser Branche. Zudem kennt sie Land und Leute gut, weil ihr Vater Inder ist. Allerdings läuft das Vorstellungsgespräch völlig aus dem Ruder. Auf die Frage nach ihren Stärken und Schwächen ist sie nicht gut vorbereitet. Als Stärken nennt sie belastbar und zuverlässig, bei den Schwächen fällt ihr nur ein, dass sie nicht so selbstbewusst sei. „Ich habe mir für diese Frage vorher nichts überlegt und an dieser Stelle wurde es plötzlich sehr persönlich“, erzählt sie. Sie hatte vorher am Rande erwähnt, dass sie von ihrem Mann getrennt lebt. „Die Frau sagte dann, ich hätte bestimmt einiges mitgemacht und faselte etwas von Problemen, die am Arbeitsplatz nichts zu suchen hätten“, erinnert sich Silvani. „Ich habe dazu gar nichts weiter gesagt, weil ich es einfach völlig unpassend fand.“ Schade findet sie es dennoch, dass sie bis heute nichts mehr von den Leuten gehört hat. „Die Stellenbeschreibung klang so gut, aber die Chemie muss eben auch stimmen.“

Beruflich qualifizieren

Während der Stellensuche merkt Rania, dass ihre Qualifi- kation für eine Stelle in einem Reisebüro offenbar doch nicht ausreicht. Sie surft im Internet nach Aus- und Weiterbildungen im Bereich Tourismus. Eine Schule für Touristik in Frankfurt, die eine „Anpassungsqualifizierung” anbietet, hört sich vielversprechend an. Das Programm richtet sich an Menschen mit touristischer Vorbildung, die eine Weile pausiert haben und in sieben Monaten auf den aktuellen Stand gebracht werden. Das passt genau zu ihrer Situation. In dem Kurs im Frauensoftwarehaus hat sie erfahren, dass die Arbeitsagentur Weiterbildungskurse wie diesen bezahlt. Sie beantragt einen Bildungsgutschein, den sie auch bekommt. Die Kurskosten in Höhe von rund 3.700 Euro für die Weiterbildungsmaßnahme muss sie somit nicht selbst bezahlen. Einen Haken hat die Sache aber doch: Der Kursbeginn wird zwei Mal verschoben, weil sich zu wenig Teilnehmer angemeldet haben. „Diese Ungewissheit, wie es weitergeht, macht mich an manchen Tagen mürbe.“

Ende April steht dann endlich fest, dass der Kurs für sie beginnen kann. „Ich hätte viel lieber eine Arbeitsstelle, aber die Weiterbildung als Plan B ist ein guter Kompromiss. Wer weiß wohin mich das in der Zukunft führt?“ Die Chancen sehen gar nicht schlecht aus. Die Lehrerin der Touristikschule macht ihren neuen Schülern gleich in der ersten Stunde Mut. „80 Prozent der Vorgängerklasse haben inzwischen einen festen Job.“

Richtig vorbereitet zum Einstellungsgespräch

Vor dem Termin beim potenziellen neuen Arbeitgeber ist es sinnvoll sich mit ein paar Fragen auf das Einstellungsgespräch vorzubereiten:
• Was waren bisher Ihre größten Leistungen/ Erfolge/Misserfolge? Diese Fragen erlaubt einen Einblick in Ihre Lebenssituation und lässt darauf schließen, ob Sie zum Team passen.
• Warum bewerben Sie sich auf diese Stelle? Was reizt Sie daran? Diese Frage klärt Ihre Motivation und gibt Aufschlüsse über Ihr Selbstbild.
• Wie stellen Sie sich einen typischen Arbeitstag bei uns vor? Ihre Antwort zeigt, wie gut Sie sich über die Tätigkeit informiert haben.
• Wo möchten Sie in fünf Jahren stehen? Ihre Antwort sagt etwas über Zielstrebigkeit, Motivation und Eigeninitiative aus.