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ZURÜCK ZUR Natur … UND ZU DIR SELBST


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I Am - Laura Malina Seiler - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 20.10.2021

THE GREAT OUTDOORS

I AM spirit

Artikelbild für den Artikel "ZURÜCK ZUR Natur … UND ZU DIR SELBST" aus der Ausgabe 9/2021 von I Am - Laura Malina Seiler. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: I Am - Laura Malina Seiler, Ausgabe 9/2021

Die Natur ist geduldig. Wir sind es nicht immer. Im hektischen Alltag finden wir kaum mehr Zeit, draußen herumzutollen und das zu sein, was wir eigentlich sind: Naturwesen. Immer mehr Menschen fühlen sich von der Natur entfremdet. Und damit auch von sich selbst. Dabei ist unsere natürliche Umwelt nicht nur ein wunderschöner Lebensraum, sie kann auch eine große Hilfe sein, wenn wir uns gestresst fühlen und Heilung suchen: „Die Verbindung zur Natur ist sehr wichtig. Nicht jeder hat Zugang zu einem Therapeuten, doch wir alle können vom Zugang zur Natur profitieren,“ sagt Dr. Ruth Allen, Öko-Beraterin, Psychotherapeutin und Coach. Sie ist überzeugt: „Wohlbefinden kommt aus dem Innersten. Durch die Natur können wir uns mit unserer inneren Landschaft verbinden, uns in diesen rationalen Zeiten mit Energie versorgen.“

Viele von uns sind in stressigen Berufen und asphaltierten ...

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... Städten unterwegs, bewältigen einen herausfordernden Alltag in einer nur bedingt lebensfreundlichen Umgebung. Unser natürlicher Zugang zur Tier- und Pf lanzenwelt geht dabei fast wie von selbst verloren. Wollen wir ihre heilsame und beruhigende Kraft entdecken, müssen wir uns der Natur bewusst wieder annähern und uns an etwas erinnern, das eigentlich in unseren Genen steckt. Denn es ist noch gar nicht so lange her, da hat der Mensch nicht in Wolkenkratzern gelebt, sondern in Höhlen. Unser Körper ist viel besser an dieses ursprüngliche Leben angepasst als an die moderne Zivilisation, die evolutionär betrachtet eine sehr neue Erscheinung ist. Deshalb kommt unser Organismus weder mit dem Bewegungsmangel klar, wenn wir die ganze Zeit in Büros herumsitzen, noch mit industriell verarbeiteter Fertignahrung, die voller Zusatzstoffe steckt. Die Folge: Wir entwickeln immer mehr Zivilisationskrankheiten. Ruth Allen beschreibt in ihrem Buch „Draußen“, wie sie sogar als Geologin irgendwann den intuitiven Zugang zur Natur verlor, weil sie ständig nur damit beschäftigt war, Bodenproben zu analysieren und ihre chemische Zusammensetzung zu studieren. Aus einer wissenschaftlichen Perspektive mag das sehr spannend sein. Doch auf emotionaler Ebene ging ihr dabei etwas verloren, das wir unbedingt brauchen, um Naturkraft wirklich zu spüren: eine Art Verzauberung, eine Dankbarkeit und eine Wertschätzung. Meist bemerken wir gar nicht, dass sich jeden einzelnen Tag ein kleines Wunder ereignet, wenn der Baum vor unserem Fenster neue Blüten bekommt oder ein winziger Käfer seinen Weg bis ganz hoch in die Baumkrone schafft. Wir nehmen auch nicht wahr, dass in einer Handvoll Erdboden mehr winzige Bodenorganismen leben können als Menschen auf der gesamten Erde. Ruth Allen erzählt, wie schwierig es für sie war, die heilsame Verbindung zur Natur, die sie als Kind so geliebt hatte, plötzlich nicht mehr zu spüren: „Ich verlor meine Zielstrebigkeit, meine Beziehung zur Natur war vollkommen erschüttert. Ich hatte den Boden unter den Füßen verloren. Ich kämpfte um Orientierung und Sinn.“ Sie rutschte in eine Krise. Und nur die Natur konnte ihr helfen, wieder herauszukommen: „Durch Rückbesinnung schöpfte ich neue Hoffnung. Um mich auf meine Liebe zu besinnen, die unter der Last des Lebens begraben worden war, musste ich zurück in die Natur.“

Buchtipp!

„Draußen: Zurück zur Natur und zu dir selbst“ von Ruth Allen (Knesebeck Verlag, 25 Euro)

Ruth Allen arbeitet mittlerweile nicht mehr als Geologin, sondern als Psychotherapeutin und Coach. Sie unterstützt andere Menschen dabei, mit Hilfe der Natur wieder zu sich selbst zu finden. Ihre Klienten gewinnen dadurch Erdung, Lebenssinn und Orientierung. Sie müssen nichts verbergen, sondern können ihre Gefühle mit nach draußen nehmen und transformieren. Das tat auch Ruth Allen, als sie sich der Natur wieder näherte: „Ich nahm meine Traurigkeit, meine Verluste, meine Einsamkeit und Lösgelöstheit mit. Ich nahm sie mit auf jeden Berg, in Täler, Wälder und raus aufs Meer.“ Und irgendwann veränderte sich etwas tief in ihr und konnte heilen. Sind wir draußen unterwegs, fühlen wir uns wieder als Teil des Lebens. Wir haben das Gefühl, in einen tieferen und geheimnisvollen Gesamt- zusammenhang eingebettet zu sein. Denn in der Natur ist jedes Lebewesen wertvoll. Viele Sorgen, mit denen wir uns in einem kulturellen und sozialen Umfeld quälen und herumschlagen, gibt es dort nicht. Die Fragen „Bin ich gut genug?“ und „Bin ich wertvoll?“ werden plötzlich mit einem lauten, unsichtbaren „Ja“ beantwortet. Du bist wertvoll, weil du ein

DIE NATUR SCHENKT UNS HOFFNUNG UND HEILT DIE SEELE

Lebewesen bist. Und jedes Lebewesen ist ein kleines Wunder und unendlich wertvoll. Wunderschön, auf seine Art! Ein Lebewesen sein, heißt nicht, immer perfekt zu sein. Sondern zu leben und den Wert des eigenen Lebens zu erkennen und zu schätzen. In der Natur fühlen wir uns angenommen, so wie wir sind. Hier müssen wir auch nichts leisten, um unseren Wert unter Beweis zu stellen. Kein Baum beschwert sich über unsere Frisur oder den Fleck auf unserem T-Shirt. Alles darf so sein, wie es ist. Und das ist ungemein befreiend und wohltuend. Sind wir dagegen unter Menschen, fühlen wir uns häufig ihrer Bewertung ausgesetzt: Entweder mögen sie uns oder nicht, finden unsere Art gut oder nicht, schenken uns Anerkennung oder nicht. Und wir fragen uns: Bin ich eigentlich richtig so wie ich bin? Laufen wir dann durch den Wald, merken wir plötzlich: „Ja, ich bin richtig so wie ich bin.“ Für die Bäume bin ich vollkommen okay. Und für die Eichhörnchen auch. Die Käfer haben sich bisher auch nicht beschwert. Hinzu kommt: Naturräume sind meist generell lebensfreundlich. Denn sonst könnten sich die Pflanzen und Tiere dort nicht so gut ausbreiten. Unsere Städte und sozialen Strukturen sind für uns Menschen nicht immer lebensfreundlich, obwohl sie es eigentlich sein sollten, schließlich haben wir sie selbst gebaut. Sie beinhalten oft subtil oder offensichtlich destruktive Elemente (z.B. Schadstoffe, die unseren Körper schädigen, oder feindselige Denkweisen, die unsere Seele schädigen). Ganz anders die Natur: Sie schädigt uns nicht, sondern heilt. „Wie groß das gesundheitsfördernde Potenzial wirklich ist, das beweist die moderne Wissenschaft“, sagt Clemens Arvay, Biologe und Autor des Bestsellers „Der Biophilia-Effekt“. Eine besonders heilsame Gruppe von Substanzen sind beispielsweise die sogenannten Terpene, die gasförmig in der Waldluft vorhanden sind. Bäume und Sträucher schütten diese Botenstoffe aus, um miteinander zu kommunizieren – zum Beispiel, um Nützlinge (bestimmte Insekten) anzulocken oder sich gegenseitig vor Schädlingen zu warnen. Sie dienen also der Verständigung im Wald. Clemens Arvay bezeichnet die Terpene deshalb auch als „Pf lanzen-Vokabeln“: „Das Faszinierende ist, dass unser Immunsystem diese Pf lanzen-Vokabeln entschlüsseln kann“, sagt Arvay. „So wie auch Pflanzen auf diese Terpene oft mit einer Steigerung der Ab-

wehrkräfte reagieren, so reagiert auch unser Immunsystem mit einer Steigerung der Abwehrkräfte.“ Wenn wir unsere Zeit also öfter mit Waldbaden verbringen, finden wir nicht nur die Erdung, die wir in unserer schnelllebigen Zeit so dringend brauchen. Wir boosten gleichzeitig auch unser Immunsystem. Und das nicht zu knapp: „Schon ein Spaziergang im Wald, in der Waldluft, erhöht die Anzahl und die Aktivität unserer natürlichen Killerzellen um 50 Prozent.“ Die Killerzellen gehören zu unserem Immunsystem und schaffen alles aus unserem Körper, was da nicht sein soll, zum Beispiel Viren oder Krebszellen. Sie räumen auf. Und sind deshalb so unwahrscheinlich wichtig für unsere Gesundheit und unser

UND STÄRKT UNSER WALDLUFT BERUHIGT IMMUNSYSTEM

Wohlergehen. Denn die Killerzellen treten nicht nur in Aktion, wenn das Problem schon richtig groß ist – sie kümmern sich auch um potenzielle Krebszellen und sorgen dafür, dass ihnen das Handwerk gelegt wird, bevor sie Schaden anrichten können. „Die Waldluft enthält sekundäre Pf lanzenstoffe, die immunstärkend sind und antikanzerogen“, bestätigt auch Clemens Arvay. Doch die Natur wirkt eben nicht nur heilsam auf unseren Körper, sondern auch auf unsere Psyche. Die meisten kennen dieses Gefühl: Waren wir eben noch extrem gestresst, fühlen wir uns nach einem schönen Spaziergang im Wald gleich schon viel besser. Der Grund: „Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin gehen zurück. Der Parasympathikus, der Nerv der Ruhe, wird aktiviert. Waldluft hat also etwas sehr Entspannendes“, erklärt Clemens Arvay.

Bereits in den 1980er Jahren sorgte eine Studie für Aufsehen, die nachweisen konnte, dass Patienten nach einer Operation schneller gesund wurden, wenn sie durch das Krankenhausfenster auf eine Grünf läche und einen Baum sehen konnten. Die Heilung wurde beschleunigt, die Patienten brauchten weniger Schmerzmittel und es gab weniger postoperative Komplikationen als bei einer Vergleichsgruppe, die nur auf eine Hauswand sehen konnte. Wir müssen also noch nicht einmal durch den Wald laufen, um von der heilsamen Kraft der Natur zu profitieren. Es reicht schon, wenn wir Bäume und Blätter nur sehen, um in unserem Inneren positive Impulse zu setzen.

Dabei lehrt uns die Natur auch etwas, das allzu leicht in Vergessenheit gerät: Alles hat seine Zeit und alles wächst. Wenn ein Samenkorn in die Erde fällt, braucht es eine Weile, bis eine kleine Pflanze aus dem Boden ragt. Bis die Pflanze dann groß ist, müssen wir wieder warten. Bei kleinen Arten vielleicht einige Wochen oder Monate, bei großen Bäumen dauert es viele Jahre oder Jahrzehnte. Und so ist es in unserem Leben auch: Ob es sich um unsere Persönlichkeit, unseren Lebensweg, unsere Beziehungen oder unsere Projekte handelt – alles entwickelt sich mit der Zeit. Wir wünschen uns vielleicht manchmal einen Knopf herbei, den wir drücken könnten, und sofort wären wir an unserem Ziel angekommen. Doch so ist das Leben nicht gemacht. Die Dinge wachsen. Und reifen. Sie entwickeln sich. Wenn wir uns in der Natur aufhalten und uns mit ihr verbinden, erinnern wir uns an die Intelligenz und Magie dieser Lebensrhythmen. Wir erkennen perfektes Timing, wo wir vorher nur Verzögerung sahen. Und wir sehen auf einmal eine magische Kraft, die alles belebt und entfaltet. In der Natur fällt es vielen Menschen auch leichter, eine transzendente oder göttliche Kraft zu spüren und sich mit ihr zu verbinden. Wir erkennen, dass die Welt beseelt ist und dass wir uns diesen Planeten mit vielen anderen Tieren und Pflanzen teilen. In den letzten Jahrhunderten hat sich der Mensch ziemlich grenzüberschreitend verhalten und die Lebensräume anderer Wesen einfach vernichtet. Das Resultat war eines der größten Artenmassensterben der Erdgeschichte, und wir stecken immer noch mittendrin. Es wird also Zeit für ein wertschätzendes Zusammenleben, in dem jede Art ihren Raum und ihren Wert hat. Das müssen wir anderen Lebewesen zugestehen, aber auch uns selbst als Menschen. Denn ein „artgerechtes“ Leben bedeutet nicht, dass wir uns einfach alles nehmen und zerstören, was wir vor der Nase haben.

Sondern dass wir uns fragen, was wir – als Menschen – wirklich brauchen, um für uns und andere eine gute Zukunft zu erschaffen. Und wenn wir die Natur wieder mehr in den Blick nehmen, uns mit ihrer heilsamen Kraft verbinden und sie wertschätzen, dann sind wir schon auf einem guten Weg ...

Q & A MIT LAURA

LAURA, WIE LEBST DU DEINE VERBINDUNG ZUR NATUR?

Am liebsten, wenn ich am Meer bin. Ich liebe es einfach, stundenlang auf das Meer zu blicken und diese Naturschönheit zu genießen. Wenn ich nicht am Meer sein kann, versuche ich, viel spazieren zu gehen, z.B. in einem Wald bei mir in der Nähe.

WAS MACHT DIE NATUR MIT DIR?

Die Natur ist für mich Heilung. Wenn ich in der Natur bin, werde ich ganz entspannt, ruhig und zuversichtlich. Ich kann dann loslassen und wirklich ganz den Moment wahrnehmen.