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Zusammen ist man weniger allein


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Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.10.2022
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Spa am RadelnGemeinsam mit anderen etwas unternehmen - das ist der erste Schritt, um neue Freunde zu finden

Ein Hobby suchen

Ob Sportverein, ein Kurs bei der Volkshochschule oder Singen im Chor: Hier stehen die Chancen gut, auf Gleichgesinnte zu treffen. Für Frauen und Männer ab 60 gelten oft ermäßigte Preise.

Sich engagieren

Etwas Gutes tun und dabei unter Menschen kommen — das fühlt sich doppelt richtig an. Am besten bei einer Organisation vor Ort fragen (z. B. beim Naturschutzverein, im Tierheim, beim Roten Kreuz) oder online informieren (z. B. unter )

Alte Freunde anrufen

Sich bei der Schulfreundin melden, die man lange nicht mehr gesehen hat, oder dem Freund aus Studienzeiten schreiben: Das kann alte Bande neu knüpfen. Die meisten freuen sich, wenn man auch nach Jahren der Funkstille noch an sie denkt.

Die Nachbarn treffen

Warum in die Ferne schweifen — wenn man schon nette Menschen in der Nachbarschaft hat? Fassen Sie sich ein Herz und bringen Sie doch mal ein Stück Kuchen oder ein paar Blumen vorbei. ...

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... Selbst wenn daraus keine enge Freundschaft entsteht, wird die Beziehung zu Ihren Nachbarn dadurch bestimmt aufblühen.

Online gehen

Menschen aus der Umgebung kennenzulernen klappt auch übers Internet — das gilt nicht nur für die Partnersuche. Auf Plattformen wie oder www. freizeit60plus.com kann man Mitstreiter für Unternehmungen finden. In vielen Orten gibt es auch regionale „Facebook“- oder „Nebenan.de“-Gruppen (einfach mal googeln).

Sich einen Hund zulegen

Studien zeigen: Wer einen Hund hat, kommt schneller mit anderen ins Gespräch. Gleichzeitig gibt ein Haustier dem Alltag Struktur und tut der Seele gut. Trotzdem: Ein Tier besitzen sollte nur, wer sicher ist, dass er sich langfristig darum kümmern will.

6 TIPPS So finden Sie neue Freunde

Alleinauf der Couch ein Buch lesen Aber mit dem Alleinsein ist es wie mit dem Salz in der Suppe: Zu viel davon verdirbt den Genuss. Dann ist die Wohnung zu still und die – das kann schön sein.

Tage ziehen sich in die Länge wie Kaugummi. Juliane Lürken weiß, wie bedrückend es sich anfühlt, zu viel Zeit für sich selbst zu haben. Früher war die 68-Jährige fast immer unter Menschen: tagsüber in der Arbeit, am Abend bei ihrem Mann oder bei guten Freunden. Doch dann ging die Ehe in die Brüche. Und ihren Beruf musste Juliane Lürken wegen einer Erkrankung aufgeben.

Wenn einen das Alleinsein runterzieht Also begann sie mit knapp 60 noch mal von vorn. Sie zog aus dem Haus aus, das für fast 25 Jahre ihr Zuhause war, und richtete sich allein in einer Münchner Wohnung in ihrem neuen Leben als Rentnerin ein. Aber der Neustart war schwieriger als gedacht. Fast alle alten Kontakte brachen nach und nach weg. Juliane Lürken verbrachte zu viel Zeit allein. „Irgendwann hat es mich runtergezogen. Da musste ich etwas unternehmen.“

Ihr fiel ein altes Hobby ein: das Fahrradfahren. „Radtouren mit Freunden fand ich schon als junge Frau toll.“ Die Münchnerin suchte im Internet nach Fahrradvereinen in ihrer Umgebung. Kurz entschlossen meldete sie sich für eine Radtour beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in München an.

Im Alltag Kontakte zu knüpfen stellt für viele Menschen eine Herausforderung dar. Und Verbündete zu finden ist einfacher, wenn man sich für die gleiche Sache begeistert. „Der erste Schritt ist, sich zu überlegen, was man selbst gern machen möchte. Das kann ein altes Hobby sein oder auch etwas, was man schon immer mal ausprobieren wollte“, sagt Stefan Woinoff, Psychotherapeut aus München. Der zweite Schritt ist dann, sich eine Gruppe zu suchen, die diese Leidenschaft mit einem teilt (weitere Tipps unten). Dann fehlt eigentlich nur noch eine Sache: ein wenig Mut.

„Durch meine Touren habe ich viele nette Menschen kennengelernt

Juliane Lürken erkundet mit zwei Fahrradclubs die Münchner Umgebung

Am Tag der geplanten Radtour ins Münchner Hinterland ist das Wetter perfekt – trotzdem muss sich Juliane Lürken überwinden, zum Treffpunkt zu fahren. „Ich war sehr aufgeregt. Aber ich sagte mir: Gib dir einen Ruck, du hast ja nichts zu verlieren.“ Lürken traut sich – und genießt es. Zusammen mit den anderen Radlern fährt sie am Isarufer entlang, vorbei an sattgrünen Wiesen mit Blick auf die Alpen, die zum Greifen nah scheinen. Später kehrt die Gruppe in einer Gaststätte ein. „Es war eine wunderbar gesellige Runde. Ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß wie an diesem Tag“, erzählt sie rückblickend.

An diesem Abend verspricht sie sich selbst, dass das nicht die letzte Radtour war. Und sie hält Wort. Inzwischen ist Juliane Lürken sogar mit zwei Fahrradclubs unterwegs. Und sie hat sich noch mehr getraut: eine achttägige Reise mit 20 anderen Radbegeisterten an die Côte d’Azur, von Südfrankreich über St. Tropez bis nach Italien.

„Es war traumhaft. Durch meine Touren habe ich nette, aufgeschlossene Menschen kennengelernt. Das ist jetzt meine Welt.“

Für Juliane Lürken hat sich eine ganz neue Welt erschlossen – für Günther Montag stürzte die Welt, wie er sie bisher kannte, vor zwei Jahren ein. Seine Frau Jutta, mit der er 33 Jahre verheiratet war, starb an Krebs. „Nach ihrem Tod habe ich erst mal nur funktioniert“, sagt der 61-jährige Arzt aus dem bayerischen Mering. Das hieß zu diesem Zeitpunkt auch, die Renovierungsarbeiten an dem Haus weiterzuführen, das seine Frau und er vor einiger Zeit gekauft hatten. „Die Solaranlage fehlte, es mussten Rohre verlegt und die Fassade verputzt werden. Ich habe fast alles selbst gemacht. Das hat mir geholfen, die Zeit der Trauer zu überstehen.“

Wohngemeinschaft auf Zeit

Nur abends, wenn der Arzt allein am Küchentisch saß, wurde die Stille unerträglich. „Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich mir in meinem Alter noch einen Mitbewohner suchen soll.“

Ein paar Tage später meldet sich zufällig ein alter Freund, der lange im Ausland gelebt hatte und nun in Deutschland eine Bleibe suchte. Günther Montag schlägt ihm vor, es mit einer Wohngemeinschaft auf Zeit zu versuchen. Von da an sitzen die beiden Männer fast jeden Abend zusammen und reden. „Wir hatten uns sehr lange nicht gesehen. Unsere Verbindung war aber immer noch da.“

„Nach dem Tod meiner Frau habe ich unser Haus weiter renoviert. Die Arbeiten halfen mir dabei, die Zeit der Trauer zu überstehen

Günther Montag, seine Ehefrau starb an Krebs

Je länger der letzte Kontakt zurückliegt, desto schwerer fällt es vielen Menschen, sich wieder bei alten Freunden zu melden. Doch diese Scheu haben wir zu Unrecht – das zeigt eine Studie der Universität von Pittsburgh in den USA: Die meisten freuen sich über einen unverhofften Anruf. „Wir sind alle soziale Wesen, die sich nach Austausch und Verbundenheit sehnen“, weiß der Psychotherapeut Stefan Woinoff. Inzwischen ist belegt, dass Freundschaften die körperliche und seelische Gesundheit stark beeinflussen: Sie schützen vor Stress, fördern guten Schlaf und stärken das Immunsystem. Grund hierfür ist das Bindungshormon Oxytocin, das immer dann unseren Körper flutet, wenn wir mit Menschen zusammen sind, die wir mögen. Dann beruhigt sich der Herzschlag, der Blutdruck sinkt und wir entspannen uns. In Großbritannien können Ärzte sogar „soziale Kontakte“ verschreiben – denn sich mit anderen verbunden zu fühlen wirkt manchmal besser als Medizin.

Die Liebe zum Gärtnern

Bei Günther Montag war es nicht nur das Wiedersehen mit einem Freund, sondern auch eine alte Leidenschaft, die ihm half, seine Einsamkeit zu überwinden: die Liebe zum Gärtnern. Die hatte er schon mit seiner Frau geteilt. Früher nahm das Paar zusammen mit anderen Hobby-Gärtnern an Selbstversorger-Seminaren teil. Sein Mitbewohner machte ihm Mut, allein hinzufahren. „Das war ein großer Schritt für mich, weil viele dort nicht wussten, dass meine Frau verstorben war.“

17 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich einsam — das ist fast jeder Fünfte

Quelle: Splendid Research im Auftrag des Deutschen Bundestags

Trotz seiner Zweifel fährt Günther Montag hin, im Gepäck seine Gitarre, die ihn seit seiner Jugend auf Reisen begleitet. Das Wiedersehen wird für ihn sehr emotional – aber auch befreiend. „Es tat gut, Menschen zu treffen, die meine Frau gekannt hatten und etwas über sie erzählen konnten.“

Austausch macht lebendig

Tagsüber tauschte sich der Arzt über das Selbstziehen alter Tomatensorten aus – am Abend saß er mit anderen Seminar-Teilnehmern am Lagerfeuer, sang und spielte Gitarre. Und fühlte sich zum ersten Mal seit dem Tod seiner Frau wieder lebendig. „Dieses Treffen hat mir gezeigt, dass ich nicht allein bin – weder mit meinen Interessen noch mit dem, was ich erlebt habe“, erinnert er sich.

Dem Herzen folgen – das war auch der Weg für Christiane Müller aus München. „Als mein Mann starb, war ich lange unfassbar traurig. Aber irgendwann wurde mir klar, dass es ein Geschenk ist, am Leben zu sein. Mein Mann hätte gewollt, dass ich etwas finde, was mir Freude bereitet“, sagt die 59-Jährige. Ihr fiel ein, wie sie als junge Frau mit dem Rucksack nach Südafrika flog. Zusammen mit einer Reisepartnerin, die sie über eine Zeitungs-Annonce gefunden hatte, erkundete sie damals Kapstadt und den Tafelberg.

Ferne Länder zu entdecken, das reizte die Diplom-Ingenieurin schon immer. Ihrem Mann zuliebe hatte sie lange darauf verzichtet. Christiane Müller entschied, dass die Zeit reif war, um wieder zu reisen. Auch das Ziel stand schnell fest: Neuseeland. „Dort wollte

Hallo Wlt!

„Mich reizte es schon immer, ferne Länder zu entdecken

Christiane Müller hat noch viele Reisepläne

Die Koffer sind gepackt und ein neues Abenteuer kann beginnen ich schon immer mal hin. Am liebsten für acht Wochen, um ganz in das Land und die Kultur einzutauchen.“ Also gab Christiane Müller zum zweiten Mal in ihrem Leben ein Inserat auf, mit dem sie eine weibliche Reisebegleitung suchte – diesmal auf der Internet-Plattform „“, auf der sich Reisebegeisterte kostenlos finden können. „Ich wollte nicht allein in den Urlaub fahren, denn es ist doch viel schöner, die Erlebnisse zu teilen. Auf mein Inserat haben sich fast 50 Frauen gemeldet“, erzählt Christiane Müller.

Mit ihrer Favoritin telefonierte sie noch am gleichen Tag. Ein paar Wochen später trafen sich die Frauen auf einen Kaffee. Beide sind ungefähr im gleichen Alter, haben einen etwa 20-jährigen Sohn und leben seit einigen Jahren allein. Schnell war klar: Die Chemie stimmt. Schon beim ersten Treffen planten die Frauen wichtige Eckdaten ihres gemeinsamen Urlaubs. Beispielsweise, dass sie ein Auto mieten und in Hostels übernachten wollen, statt mit einem Wohnmobil zu reisen.

Doch wie kann eine zweimonatige Reise gelingen, wenn man sich fast nicht kennt? „Wenn das gemeinsame Erleben im Vordergrund steht, dann ist man auch eher bereit, über Kleinigkeiten hinwegzusehen, die nicht rundlaufen“, findet die 59-Jährige.

Geteilte Zeit ist die schönste Zeit Mittlerweile sind die beiden Frauen aus ihrem Urlaub zurück. Christiane Müller hat jeden Tag genossen – und sich entschieden, möglichst bald wieder zu verreisen. „Meine nächsten Ziele sind Hawaii und Costa Rica.“

Juliane Lürken zieht es gerade nicht in die Ferne. Viel lieber erkundet sie mit dem Fahrrad die Münchner Umgebung. Inzwischen hat sie einige Bekannte, die sie auf ihren Touren begleiten. Wenn sie dann am Abend zurück in ihre Wohnung kommt, kann sie auch das Alleinsein wieder genießen – denn sie weiß, dass bereits morgen eine neue Tour vor ihr liegt, mit Menschen, die jetzt die schönsten Momente des Tages mit ihr teilen.

Elisabeth Bauer, Lisa Priller-Gebhardt Weiteres