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Zuschnitte – frei nach PYTHAGORAS


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selbermachen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 03.12.2021

MULTIFUNKTIONSTISCH IM EIGENBAU

Artikelbild für den Artikel "Zuschnitte – frei nach PYTHAGORAS" aus der Ausgabe 1/2022 von selbermachen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: selbermachen, Ausgabe 1/2022

„So bohren Sie präzise wie eine CNC-Maschine und sparen eine Menge Geld!“

Ralf Glaser, Technikredakteur bei selber machen

Z ugegeben: Für die hier gezeigte Arbeitsweise beanspruchen wir kein Urheberrecht. Für die Anwendung auf Multifunktionstischen stünde dies wohl am ehesten dem britischen Tüftler Peter Parfitt zu. Schließlich brachte dieser vor gut zehn Jahren das „Parf-Guide-System“ auf den Markt, mit dessen Hilfe sich ein 20-mm- Lochraster exakt winklig und wiederholgenau herstellen lässt. Doch auch Herr Parfitt stand bei seiner Innovation auf großen Schultern. Schließlich hatte schon Pythagoras vor gut 2.500 Jahren seinen berühmten Satz zum rechtwinkligen Dreieck formuliert, den jedes Schulkind als „A Quadrat plus B Quadrat gleich C Quadrat“ kennt. Und auch dessen praktische Anwendung als „3-4-5-Prinzip“ (siehe Kasten) dürfte schon den alten Ägyptern geholfen ...

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... haben, Pyramiden mit exakten Winkeln zu konstruieren.

Parfitts System basiert im Wesentlichen auf zwei Stahllinealen mit Bohrungen im Abstand von 96 Millimetern – dem Standard-Lochraster für Multifunktionstische. Dafür muss man keine 260 Euro ausgeben. Und statt der beim Parf-Guide-System mitgelieferten Bohrlehren lässt es sich mit einem mobilen Bohrständer genauso gut oder sogar besser arbeiten. Umso mehr, als ein solcher auch bei anderen Arbeiten immer wieder gute Dienste leisten wird.

Bleibt die Frage: Warum muss ein Lochraster überhaupt penibel im Winkel sein? Nun, wenn Sie Ihren Multifunktionstisch nutzen, um Zwingen durch die Löcher zu stecken und Werkstücke zu spannen, können Sie getrost weiterblättern. Mit einem winkligen Raster spielt der „Mufti“ aber seine Stärken aus: Dann nämlich lässt er sich als Zuschnitttisch nutzen und erlaubt präzise Gehrungsschnitte, die jede Kappsäge in den Schatten stellen.

BOHRSCHABLONE FERTIGEN

Das Lochraster wird nur so präzise wie die Bohrschablone, auf der es beruht. Hier kommt es auf absolute Maßhaltigkeit an – messen führt in eine Sackgasse. Doch mit einer kleinen Hilfskonstruktion klappt es!

1 Die beiden auf 1.200 mm abgelängten Flachprofile werden mit Abdeckband beklebt.

2 Reißen Sie mit einem Streichmaß auf den ersten 15 cm die Mitte der Profile an. Dann die ersten zwei Bohrungen anzeichnen.

Nun mit Sekundenkleber bündig kleben. So lassen sich die Profile nach dem Bohren leicht lösen

FÜR AUFSTEIGER

PROJEKTLISTE

► Aufwand

ca. eine Stunde (Schablone) ca. drei Stunden (Tischplatte)

► Material

Alu-Flachprofil 2.600 x 30 x 2 mm (ablängen auf 2x 1200 mm)

Aluminium-Rundstab Ø 4 mm (4x Pins ablängen mit 3x 30 mm, 1x 15 mm)

Zuschnitt MDF (ggf. schwarz durchgefärbt) 1.200 x 800 x19 mm

► Werkzeuge

Standbohrmaschine oder stationärer Bohrständer | mobiler Bohrständer | Akkubohrschrauber | Oberfräse | Fasefräser 45° | Metallbohrer Ø4mm | Forstnerbohrer Famag, Staketen-Bormax Serie 1624, Ø20mm| Streichmaß | Meßwerkzeug | Metallsäge | Metallfeile

► Kosten

etwa 60 Euro (Multifunktions-Tischplatte + Bohrschablone)

3 Jetzt die Pins einspannen und eine Fase anfeilen. Schleifen Sie das Eloxal ab, bis der Durchmesser exakt 3,95 mm beträgt.

4 Aus einem Brett und zwei Leisten improvisieren Sie eine Führung. Diese auf den Mittenanriss ausrichten und einspannen.

Lochraster-Layout

Die linke Tischhälfte erlaubt Winkelschnitte mit 30° und 60°, rechts gehen 45° und 90°. Passen Sie das Lochraster auf Ihre Arbeitsweise an!

5 Bohren Sie das erste Loch. Damit der Bohrer nicht verläuft, bohren Sie langsam und mit möglichst geringer Drehzahl.

6 Verschieben Sie das Profil zum zweiten Anriss. Dann per Hand durch das erste Loch in die Grundplatte bohren.

7 In dieses Hilfsloch wird der kurze Pin eingeklebt. Der Grund der Fase sollte etwa1mm über der Grundplatte stehen.

8 Das bereits gebohrte Loch auf den Pin stecken, dann das nächste Loch bohren. So werden die Abstände gleichmäßig.

9 Die Bohrlöcher müssen exakt fluchten. Etwaige Abweichungen sollten unterhalb von 1/10 mm Toleranz bleiben.

10 Auch die Abstände der Bohrungen müssen präzise sein. Sonst wird das Lochraster später schief und krumm.

DAS RASTER SETZEN

Der schwierigste Teil des Projekts ist jetzt schon bewältigt! Wenn die beiden Bohrlehren präzise sind, gerät das Anfertigen des Lochrasters fast schon zum Kinderspiel!

1 Zeichnen Sie das erste Loch auf der Tischplatte an. Bei beiden Rastern ist die erste Lochreihe parallel zur Tischkante.

2 Die Bohrlehre wird auf den Anriss des ersten Lochs und parallel zur Tischkante ausgerichtet und dann festgezwungen.

3 Damit der Bohrständer nicht kippelt, kleben Sie Reststücke des Profils auf. Dann die erste Lochreihe mit 4 mm bohren.

4 Mithilfe der Pins werden die Bohrlehren auf der Tischplatte fixiert und dem 3-4-5-Prinzip folgend ausgerichtet.

5 Mit Hilfe der Bohrlöcher der senkrechten Lochreihe werden die Schablonen für die zweite Außenreihe ausgerichtet.

6 Sind beide Außenreihen gebohrt, wird eine Schablone mit Pins fixiert und das Lochraster Schritt für Schritt geschlossen.

DAS 60°-LOCHRASTER

Ein Lochraster mit 60°-Winkeln bohrt man nicht nach Pythagoras, sondern nach dem Prinzip des gleichschenkligen Dreiecks. Davon einmal abgesehen, ist die Vorgehensweise praktisch dieselbe.

1 Da die Grundreihe bereits gebohrt ist, lassen sich die Schablonen leicht ausrichten. Die Pins werden auf allen drei Seiten ins jeweils sechste Loch gesteckt.

Von den sich kreuzenden Diagonalen ausgehend, lassen sich nun auch einige der waagerechten Lochreihen bohren.

DAS „3-4-5- PRINZIP“

TIPP

Diesem einfachen Prinzip folgend wird der Satz des Pythagoras seit Jahrtausenden im Handwerk praktisch angewendet. Hierfür definiert man die Längen der beiden Katheten A und B eines Dreiecks als drei respektive vier identische Einheiten (in unserem Fall wären das 3x beziehungsweise 4x 96 mm). Richtet man die beiden Katheten nun so aus, dass die Länge der Hypothenuse fünf dieser Einheiten entspricht, so ergibt sich ein exakter rechter Winkel.

Rechnen Sie es gerne nach:

3² + 4² = 5². Die Geometrie lügt nicht.

3 In der Mitte des Tisches arbeiten Sie mit versetzten Diagonalen. Legen Sie auch hierfür gleichschenklige Dreiecke aus.

4 Schließen Sie das Lochraster so Schritt für Schritt. Wählen Sie die Abstände zwischen den Pins so weit wie möglich.

RASTER AUF 20 MM WEITEN

Das Lochraster ist gelayoutet, nun müssen die Löcher mit einem speziellen Forstnerbohrer auf 20 mm Weite aufgebohrt werden. Arbeiten Sie mit Atemschutz, denn das Bohren in MDF produziert sehr viel Staub!

1 Stellen Sie die Anschläge des Bohrständers auf 16 mm Bohrtiefe ein. 3 mm MDF sollten also stehen bleiben!

2 Sind alle Löcher geweitet, drehen Sie die Platte um und vollenden die Löcher von der Rückseite. Das verhindert Ausrisse.

3 Mit einem 45°-Fräser spendieren Sie nun jedem Loch eine etwa 1mm tiefe Fase an dessen Ober-und Unterseite.

4 Für einen besseren Kantenschutz wird auch den Tischkanten an der Ober-wie Unterseite eine Fase angefräst.

FERTIG

Als Unterbau des Tisches leisten mobile Sägeböcke gute Dienste. So lässt sich der „Mufti“ kompakt verstauen

STAKETEN- BOHRER

TIPP

Der Famag Bormax prima Serie 1624 ist ein Forstnerbohrer mit einer wechselbaren Zentrierspitze mit 4 mm Durchmesser. Dieser eignet sich perfekt, um das bestehende Lochraster auf jeweils 20 mm Durchmesser aufzubohren.

GENAUIGKEIT TESTEN

Ein präzises Lochraster ist kein Selbstzweck. Die darauf geschnittenen Winkel müssen exakt sein. Ob das gegeben ist, testet man „am lebenden Objekt“.

1 Mit drei Bench Dogs und einer Führungsschiene gelingen sofort präzise rechtwinklige Schnitte.

Zweimal 45 ergibt 90°. An der Gehrung und zum Winkel sollte kein noch so kleiner Lichtspalt zu sehen sein

2 Damit die Führungsschiene nicht kippelt, sollten Sie diese mit Abschnitten gleicher Materialstärke unterfüttern.

3 Um die linke Tischseite zu testen, sägen Sie an unterschiedlichen Positionen kleine Abschnitte mit 30° und 60°.

FERTIG

Wenn sich die Spitzen in der Mitte treffen und keinerlei Lichtspalte zu sehen sind, haben Sie alles richtig gemacht!

BENCH DOGS

TIPP

Die liebevoll „Bench Dogs“ getauften Bankhaken werden in die Tischfläche gesteckt und dienen als Anschlag für Werkstück und Führungsschiene.

Empfehlenswert ist zum Beispiel das Vario-Bench-System des Sautershop aus magnetischem Edelstahl.