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Zwei alte Italiener: Dovi & Rossi


Top in Sport MotoGP - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 11.10.2019

Zwei Italiener (weit) jenseits der 30 cruisen noch ganz unbekümmert durch die Welt der MotoGP. Soweit so gut, so oft erzählt. Doch stimmt das wirklich? Wie dauerhaft sind Andrea Dovizioso und Valentino Rossi noch konkurrenzfähig, wenn man den Klang ihrer glanzvollen Namen und ihre vorigen Erfolge einmal beiseite lässt? Ihr Kampf gegen den Zahn der Zeit – und Marc Marquez.


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Bildquelle: Top in Sport MotoGP, Ausgabe 6/2019

S eit 1996 fährt Valentino Rossi nun schon in der Motorrad-WM um Punkte. Zum Vergleich: Erst elf Jahre später kam das erste iPhone auf den Markt. Zweifelsohne ist der „Doktor“ nicht nur mit neun Weltmeistertiteln der erfolgreichste ...

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S eit 1996 fährt Valentino Rossi nun schon in der Motorrad-WM um Punkte. Zum Vergleich: Erst elf Jahre später kam das erste iPhone auf den Markt. Zweifelsohne ist der „Doktor“ nicht nur mit neun Weltmeistertiteln der erfolgreichste Sportler seiner Zunft, sondern hat auch Generationen von Fans für die MotoGP begeistert. Diesen Stellenwert im Motorradsport kann ihm keiner mehr nehmen, er ist schon jetzt eine Legende – und das zu Recht. Doch nüchtern betrachtet muss konstatiert werden, dass sein letzter großer Triumph bereits ein Jahrzehnt zurückliegt: 2009 fuhr Rossi, beflügelt von einem exzellenten Saisonstart mit acht Podestplätzen (darunter vier Siege) in den ersten neun Rennen am Ende 306 Punkte ein und verbannte damit seinen Teamkollegen Jorge Lorenzo auf den zweiten Rang. Damals standen zwei Yamaha-Piloten ganz oben in der Fahrerwertung und Rossi lächelte sein neuntes „Weltmeisterlächeln“. Die Titel-Zweistelligkeit wird „Il Dottore“ aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreichen. Zu sehr haben Mensch und Motorrad in den vergangenen Jahren an Konkurrenzfähigkeit eingebüßt, gewiss auf einem hohen Niveau, auf dem nur kleine Nuancen den Unterschied machen.

Rossis Yamaha-Krux

Seit Rossis Triumph 2009 ging der Konstrukteurstitel in der höchsten Rennklasse nur noch zweimal an Yamaha, siebenmal an Honda und mit noch fünf verbleibenden Rennen geht die Tendenz zu einem achten Titel für Honda. Yamaha ist in diesem Ranking in der laufenden Saison momentan gar der Ducati unterlegen. Haben sich Mensch und Maschine gemeinsam schleichend von der absoluten Spitze verabschiedet? Fest steht zumindest in Bezug auf Rossi, dass dieser mit der YZR-M1 nicht mehr so konkurrenzfähig ist wie noch vor wenigen Jahren. Waren in der Periode 2014 bis 2016, als VR46 im Gesamtklassement dreimal hintereinander den zweiten Rang belegte, noch Platzierungen an vorderster Front drin (2014 zwei Siege und insgesamt 13 Podestplätze, 2015 vier Siege und insgesamt 15 Podestplätze und 2016 zwei Siege und insgesamt zehn Podestplätze), ist dieser Umstand aktuell eher Wunsch denn Realität. Stand Rossi in genannter Dreijahresperiode in sagenhaften 70 Prozent seiner Rennen auf dem Podium, sind dies seit der Saison 2017 nur noch 26 Prozent (13 Podestplätze in 49 Rennen), wobei die laufende Fahrzeit noch Potenzial für eine Steigerung bereithält. Doch der Unterschied ist frappierend.

Rossis Blick in die Zukunft reicht nicht mehr allzu weit voraus.


Fragt sich nur, ob Rossi schwächer oder die Konkurrenz schlicht stärker geworden ist? Als VR46 seinen letzten WM-Titel holte, fuhr Marc Marquez beispielsweise noch in der damaligen 125er Klasse. Gleichzeitig pilotiert „der Doktor“ nach 14 Rennen in dieser Saison nicht die beste Yamaha – Teamkollege Maverick Vinales liegt direkt vor ihm auf dem fünf ten Platz der Gesamtwertung. Zwar trennen die beiden nur zehn Punkte, doch Vinales holte im Sommer beim Dutch TT in Assen den ersten Yamaha-Sieg in dieser Saison. Genau zwei Jahre zuvor sah letztmalig ein Pilot auf dem Bike des japanischen Herstellers als Erster die schwarz-weiß gestreifte Zielflagge. Dies war (wie sollte es auch anders sein) „Vale“. Es deutet sich eine Wachablösung im Yamaha-Werksteam an. Zumal auch Rookie Fabio Quartararo vom Petronas-Satellitenteam nur wenige Punkte hinter Rossi rangiert und schon vier Podestplätze aufweist, Rossi derer zwei. Doch der „alte“ Italiener besticht aktuell noch durch eine gewisse Konstanz, die sich sicherlich auch aus der jahrelangen Erfahrung speist. Rossi fährt aktuell noch zu regelmäßig unter die Top 6, bald aber könnte der Franzose des malaysischen Privatteams ihm mehr als nur auf den Fersen sein.

Rossi (links) und Dovi (rechts) tun sich schwer, Marquez Paroli zu bieten.


Mit „Il Dottore“ ist zwar noch immer zu rechnen, durch die stärkere menschliche (vor allem Marquez als derzeitiges Maß aller Dinge) wie technische (Hondas Vorsprung auf Yamaha) Konkurrenz hat der Kult-Fahrer jedoch Schwierigkeiten und seinen Zenit mittlerweile wohl überschritten.

Desmo-Dovis Reifeprüfung

Die Parallelen zwischen Valentino Rossi und Andrea Dovizioso gehen weit über ihre Landeszugehörigkeit hinaus. „Dovi“ steht dort, wo Rossi in seiner Periode 2014-2016 war: An zweiter Stelle, und das gleich dreifach. Sowohl 2017 als auch in der vergangenen Saison wurde der Italiener auf seiner Ducati im Gesamtklassement zweiter und musste jeweils „MM93“ den Vortritt lassen. Auch in der aktuellen Fahrzeit zeichnet sich selbiges Szenario ab. Mit 300 Punkten hat sich der Spanische Dominator einen großen Vorsprung vor Andrea Dovizioso (202 Zähler) herausgefahren. Der Ducati-Pilot liegt wiederum fast 50 Punkte vor dem Drittplatzierten Alex Rins. Andrea Dovizioso wird somit wohl den unrühmlichen „Vize-Hattrick“ Rossis wiederholen.
Der 33-Jährige Italiener gehört nicht mehr zu den Grünschnäbeln in der MotoGP und erlebt im Moment die besten Jahre seiner Karriere. Die vergangen beiden Fahrzeiten waren gar die stärksten seiner zehn Jahre in der höchsten Rennklasse. 261 respektive 245 Zähler fuhr „Dovi“ ein. Nach dem dritten Rang 2011 war Dovizioso im gehobenen Mittelfeld der PS-stärksten Rennklasse verschwunden, ehe er vor zwei Jahren begann, sich in der Spitze zu etablieren. Auf Dovi trifft das Bild mit dem alternden Wein wohl am ehesten zu: Der Werkspilot ist der stärkste Ducatisti im Feld. Die jüngste Aufholjagd beim GP von Aragon, als sich seine Ducati von zehnter Startposition auf P2 vorschob und dabei schon nach vier Runden Rossis Yamaha links liegen ließ, zeigt, dass er an guten Tagen das Zeug hat (fast) alle anderen Fahrer hinter sich zu verbannen. Vor allem das bessere Reifenmanagement sorgte hinten raus für verhältnismäßig leichtes Überholen. Doch trotz der grandiosen Leistung des Italieners bleibt für den Italiener ein Problem: Marquez. Denn da dieser sich den Sieg holte, ließ der Spanier den Abstand auf „Dovi“ wieder ein bisschen wachsen. Punkt für Punkt entrann Dovizioso, dem ersten Marquez-Verfolger, in dieser Saison die Titelchance wie dahinrieselnder Sand. „Gegenüber Marc ist es schlechter geworden, aber auf den dritten Rang bezogen besser, des- halb bin ich zufrieden“, urteilte Dovizioso diplomatisch nach dem Ara- gon-Rennen. Aber: Kann er dem Dominator in der kommenden Saison erneut Paroli bieten? Wenn nicht er, wer dann? Do lautet die simple Schlussfolgerung.
Rossi scheint seinen Zenit überschritten zu haben. Die größte Hoffnung auf einen Durchbruch der MM93-Dominanz ist deshalb der andere „alte“ Italiener auf seiner Ducati. Im kommenden Jahr steht deshalb die Reifeprüfung an. Vielleicht ist der Pilot der italienischen Maschine dann endlich eine ganze Saisonlänge auf Augenhöhe mit dem Spanier. Dafür muss die Desmosedici im Winter weiter perfektioniert werden und „Dovi“ an seine Grenzen gehen.

Dovi schielt immer noch nach oben.



Ronny Lekl (2)

Ronny Lekl (1), Picture Alliance (1), Imago (1)

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