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Zwei, die sich grün sind


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Donna - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.10.2022

Paarporträt

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Er sei ein Sehnsuchtstyp, der nach Hause komme, weil er es brauche, hat Robert Habecks Frau mal über ihn gesagt

1 Das Paar 2001 vor dem Haus der Familie in Großenwiehe 2 Der Grundkonsens sei, „den kleinen Scheiß nicht überzubewerten”, so Habeck über die Beziehung 3 2012, als er grüner Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein war

Wer den ersten Schritt in ihrer Beziehung gemacht hat? Andrea Paluch sagt: er. Robert Habeck sagt: sie. Augenrollen bei beiden, dann lachen sie offen und unverstellt. Vielleicht muss man nicht viel mehr über dieses Ehepaar wissen, möchte es dann aber natürlich doch. Schließlich ist Robert Habeck, 53, nicht nur grüner Wirtschaftsminister, sondern auch fast so etwas wie everybody’s darling, der dem Land in Krisenzeiten wohlformulierten Klartext zumutet. Daneben wirkt Kanzler Olaf Scholz wie der Kassenwart eines Gesangvereins. Natürlich interessiert man sich da ein bisschen dafür, wer die Frau ist, die diesem, ja, doch spürbar großen Ego in einer Ehe standhält. ...

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Fragt man nach der Beziehung, widersprechen sie einander konsequent – und müssen dann beide lachen

Seit 26 Jahren sind Andrea Paluch, 52, und Robert Habeck verheiratet. Sie haben zusammen vier erwachsene Söhne und gemeinsam mehrere Bücher geschrieben. Wie ihnen das gelungen ist, darüber reden sie selten öffentlich. Andrea Paluch und Robert Habeck sind keine Menschen, die sich in Talkshows setzen, um über Privates zu sprechen. Es gibt kaum gemeinsame Auftritte. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Interview, in dem sie unter anderem gefragt wurden, wer den ersten Schritt gemacht hätte. 2016 fand das spielerische Gespräch mit den Kieler Nachrichten statt. Man kann es auf Youtube abrufen. Das Video zeigt Habeck, damals noch Umweltminister in Schleswig-Holstein, Rücken an Rücken mit seiner Frau. Die beiden sollen sich einschätzen, ohne zu wissen, was der andere sagt. Bei den meisten Fragen klappt das nicht. Die beiden widersprechen einander konsequent und scheinen es ziemlich amüsant zu finden. Es wirkt, als pflege man im Hause Paluch-Habeck eine wohlwollend gesunde Debattierkultur.

Nicht mal darüber, wie sie zusammenkamen, gibt es eine offizielle Übereinkunft. Bekannt ist, dass beide im dänischen Roskilde studiert haben. Anfang der 1990er-Jahre besuchen sie dann die Uni in Freiburg, wo sie gemeinsam in einer Theatergruppe spielen. Man probt Dürrenmatts „Die Panne“ – Habeck, einziger Mann in der Gruppe, gibt den Angeklagten, Andrea Paluch seinen Henker. Es habe damals eine Abmachung zwischen ihnen gegeben, sagt er: „Wir hatten vereinbart, wenn einer von uns beiden nach Italien reist, muss der andere mitkommen.“ Als Andrea Paluch schließlich nach Pisa reist, trampt Habeck ihr hinterher, nervös und dem Scheitern nahe. „Stundenlang hielt kein Auto“, erzählt der gebürtige Lübecker einmal öffentlich, „da sah ich mein Glück schon schwinden.“

Andrea Paluchs Version geht etwas anders. In einem der seltenen TV-Interviews, die sie bislang gegeben hat, in dem es eigentlich vor allem um ihr Schaffen als Romanschriftstellerin gehen soll, kommentiert sie die Erinnerungen ihres Mannes lakonisch: „Na ja, das ist Roberts Geschichte, die darf er gerne erzählen. Wir haben uns halt in Freiburg kennengelernt, ganz normal.“ Fakt ist: Sie sind schließlich zusammen in Pisa, verlieben sich ineinander und ziehen nach dem Ende ihrer geografisch bewegten Studienzeiten – Roskilde, Freiburg, Hamburg, Kopenhagen – gemeinsam nach Großenwiehe, einem Dorf in der Nähe von Flensburg. Da sind beide bereits promoviert: Andrea Paluch mit einer Dissertation über zeitgenössische britische Lyrik, das Thema von Robert Habecks Doktorarbeit ist die Frage, welche Wirklichkeit Literatur hervorbringt.

Auf dem Land in Schleswig-Holstein haben sie keinen rechten Plan, was sie mit ihren akademischen Abschlüssen machen sollen. Also beginnen sie, gemeinsam Bücher zu schreiben. Gemeinsam bedeutet unter anderem, dass sie sich an jedem einzelnen Wort abarbeiten. „Wir haben mit der Übersetzung von englischer Lyrik begonnen“, so Habeck, „und als das funktionierte, haben wir versucht, ein eigenes Buch zu schreiben – unser Lektor fand auch das gut.“ Ihr Debüt erscheint 2001, heißt „Hauke Haiens Tod“ und ist angelehnt an Theodor Storms „Der Schimmelreiter“. Dass ihr Roman mehr als 20 Jahre später verfilmt wird mit Detlev Buck als Titelheld und dass Robert Habeck die Filmpremiere als Wirtschaftsminister der Bundesrepublik begleiten wird, ist damals nicht abzusehen.

Laut Andrea Paluch sind diese ersten Jahre in Großenwiehe sehr symbiotisch, „wir waren eigentlich 24 Stunden am Tag zu-sammen“. Heute scheint es schwer vorstellbar, dass sich der sendungsbewusste Charismatiker Habeck damals über zehn Jahre mit der kleinen Privatbühne im äußersten Norden Deutschlands zufriedengibt. Auf solche privaten Einblicke angesprochen, lächelt er meistens und schweigt. Man darf aber davon ausgehen, dass er sich in seinem ersten Leben nicht gelangweilt hat, was auch an seiner Frau gelegen haben dürfte. Sie dürften sich so manches interessante intellektuelle Gefecht geliefert haben, auch nachdem Robert Habeck den Grünen beitrat. 32 war er da, in kleinen Schritten übernahm er Posten, machte Parteikarriere. Er habe wohl einen größeren Kampfplatz als den Schreibtisch gesucht, hat Andrea Paluch rückblickend gemutmaßt, ohne Groll – „eines Tages war mein Mann weg. Plötzlich hatte ich einen einsamen Beruf.“

Bei ihren Büchern rangen sie um jedes Wort. Später suchte er einen größeren Kampfplatz, sagt sie ohne Groll

Man muss ergänzen: Robert Habeck suchte nicht Hals über Kopf das Weite, um seine Frau und die vier Söhne Jakob, Konrad, Anton und Oskar auf dem Dorf zurückzulassen. Noch 2008 lehnte er Karriere ab: „Ich wollte nicht vier Kinder in die Welt setzen und mich aus dem Staub machen, um Parteivorsitzender zu werden.“ Dass er dann irgendwann sogar als Kanzler im Gespräch war, amüsiert seine Gattin, die über ihren Mann auf die gleiche fast tastende Weise spricht wie über sich selbst und ihre Arbeit. Sich selbst zu überhöhen lehnt sie ab, ohne dabei kokett zu wirken. „Im Geiste bin ich ein Kind geblieben“, hat sie einmal über sich gesagt. Falls das stimmt, ist ihr das auf erstaunlich reife Weise gelungen, uneitel nämlich und zuweilen auch resolut – sie sei nicht so der diplomatische Typ, drückt sie es selbst aus. Wäre ihr Mann Kanzler geworden, hätte sie auf Joachim Sauer gemacht, hat sie in einem Interview gut gelaunt erklärt, und man glaubt sofort, dass sie ihr Leben nicht im Schatten ihres Mannes geführt hätte.

Als Robert Habeck begann, sich immer mehr der politischen Karriere zu widmen, ging Andrea Paluch mutig und kreativ ihren eigenen Weg. Wurde mit Mitte 30 Sängerin einer Rockband, in der sie zehn Jahre blieb, spielte auch wieder mehr Querflöte – mit dem Instrument hatte sie zu Studienzeiten als Straßenmusikantin Geld verdient. Sie machte und macht, was eine umtriebige Romanautorin tut, die am Leben interessiert ist und immer bereit, die inzwischen in der Welt verteilten vier Söhne zu besuchen. „Ich besuche sie und reise dann schnell wieder ab, damit meine Kinder weiter ungestört großartig sein können“, kommentiert sie das mit dem ihr eigenen Humor. Ihre Angst, übergriffig zu sein, sei größer als ihre Unfähigkeit loszulassen. Das lässt sich irgendwie auch auf das Verhältnis zum eigenen Mann übertragen.

Andrea Paluch besucht Robert Habeck in Berlin so oft wie möglich. Aber nicht weil sie Angst um ihn hätte oder glaubt, an albernen Boulevard-Gerüchten über Affären sei etwas dran. Über so was kann sie lachen. Sie kommt, um am Hauptstadtrummel teilzunehmen. „Ich finde Berlin kulturell total stimulierend“, sagt sie und lacht. Auch sonst scheint sie mit sich und ihrem Leben im Einklang. Das Haar trägt sie inzwischen offen grau, weil sie irgendwann nicht mehr über ihren grauen Haaransatz „hinwegmogeln“ mochte. Eine Frau, die nicht mit dem Leben hadert und auch nicht mit der Beziehung zu ihrem in der Öffentlichkeit stehenden Mann – wieder ein Paarklischee, das nicht auf diese beiden zutrifft. Eines erfüllen sie dann aber doch: Sie ist am Herd besser als er. Darin waren sie sich schon 2016 einig, als sie einander und die Beziehung einordnen sollten. Es scheint der einzige Punkt zu sein, in dem Andrea Paluch und Robert Habeck den üblichen Frau-Mann-Vorurteilen entsprechen.