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Zwei Fäuste und kein Halleluja


Bild am Sonntag Gesamtausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 34/2021 vom 22.08.2021

Bei diesem Wahlkampf-Auftakt darf nichts schiefgehen: Die Umfragewerte der Union sind im Keller, die Kampagne von Kanzlerkandidat Armin Laschet (60, CDU) hat auch noch nicht so recht gezündet.

Vom „Start in die heiße Wahlkampf-Phase“ gestern im Berliner Tempodrom soll daher die Botschaft ausgehen: Geschlossenheit, Kampfgeist, Optimismus.

Bei diesem Wahlkampf- Auftakt kann auch nichts schiefgehen, denn das Publikum (coronabedingt begrenzt auf 100 Personen) „wird gestellt von CDU und Junger Union Berlin sowie Mitarbeitern des Konrad-Adenauer-Hauses“, wie es im internen Ablaufplan heißt.

Es sind vor allem drei Reden, die den per Video zugeschalteten Wahlkämpfern der Union den nötigen Schwung für die letzten 35 Tage bis zur Bundestagswahl geben sollen.

Angela Merkel (67, CDU), „für die das Wort Bundeskanzlerin überhaupt erst erfunden wurde“, wie Moderatorin Rebecca Mir (29, „Let’s Dance“) sagt, blickt auf die 16 Jahre ihrer Amtszeit zurück. Die Zahl der Arbeitslosen habe sich fast halbiert, sagt sie, räumt mit Blick auf die Afghanistan-Krise aber auch Fehler ein: „Wir haben die Widerstandskraft der afghanischen Armee falsch eingeschätzt.“

Dann ist CSU-Chef Markus Söder (54) an der Reihe, der gleich mit Klartext loslegt: „Lasst uns auch einen Moment ehrlich sein: Es wird knapp. Es ist der schwerste Wahlgang seit 1998.“ Es gehe nicht darum, wie und mit wem die Union regieren werde, sondern „ob“ sie überhaupt regieren werde. Und: „Ich habe keinen Bock auf Opposition.“

Söder weiß, dass jeder Satz von ihm als stille Konkurrenz mit Laschet gehört wird. Und er macht Dampf: „Lasst uns endlich vernünftigen Wahlkampf ma-chen. Klare Linie, klare Führung!“ Und damit das nicht als kritische Forderung an Laschet stehen bleibt, schiebt er nach: „Die klare Führung kann nur die Union mit Armin Laschet an der Spitze“. Methode: Unangreifbar angreifen.

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Kanzlerin Angela Merkel und Kanzlerkandidat Armin Laschet (beide CDU) posieren für ein Gruppenbild

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Laschet und Merkel vor dem großen Auftritt

Immer wieder nennt Söder „Armin“ beim Namen, signalisiert Geschlossenheit und bleibt doch bei der Forderung nach Steuersenkungen und Aufstockung der Mütterrente hart. 15 Minuten sollte Söder reden, gut 30 werden es am Ende.

Doch auch Laschet gibt diesmal sichtlich Gas, spricht kraftvoll, in schnellem Stakkato und geht die Mitbewerber offen an: „Ich erwarte auch von unserem Außenminister, dass er sich etwas einfallen lässt und den Menschen in Afghanistan hilft.“

Laschet verspricht, gegen Clan-Kriminalität und Kindesmissbrauch hart durchzugreifen und in den ersten 100 Tagen als Kanzler „Planungsbeschleunigungspakete“, damit Großprojekte schneller genehmigt werden.

„Es ist nicht egal, wie diese Wahl ausgeht“, warnt Laschet. „Wir werden kämpfen, ich werde kämpfen, mit allem, was ich kann, dass dieses Land nicht von Ideologen übernommen wird.“

Am Ende hat er länger gesprochen als Söder. Die Anklatscher haben immer wieder für Szenenapplaus gesorgt, am Ende gibt es jubelnden Beifall im Stehen mit „Armin, Armin“-Rufen. Es konnte nicht viel schiefgehen bei diesem Wahlkampf-Auftakt.

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Zwei Fäuste begegnen sich. Aber es gibt für die Christdemokraten und Christsozialen aktuell keinen Grund, vor Freude Halleluja zu rufen. Und nur einer zeigt zum Start der heißen Wahlkampf-Phase sein Gesicht

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