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Zwei Inseln – drei Höhepunkte


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segeln - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 18.05.2022
Artikelbild für den Artikel "Zwei Inseln – drei Höhepunkte" aus der Ausgabe 6/2022 von segeln. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Segeln entlang der Südküste von Mílos.Ein traumhafter Segelwind!

Es gibt zwei Arten von Seglern: Die „Bewahrer“ und die „Entdecker“. Der Bewahrer freut sich am Ende eines Törns schon auf den nächsten:

Im selben Revier, möglichst auf derselben Route, abends in denselben Kneipen. Er erwartet, dass ihn die Wirte wiedererkennen und ihm dieselben Gerichte und den gleichen Wein wie beim letzten Mal servieren. Wehe, es hat sich etwas geändert! Der Entdecker hingegen macht sich schon nach dem letzten Schlag im Jahr auf die Suche nach dem ihm noch Unbekannten. Oder nach dem schon wieder Unbekannten, weil Vergessenem. So musste ich in meinen Logbüchern fast vierzig Jahre zurückblättern, bis ich auf Mílos und Sífnos stieß. Und selbst damals waren die beiden Inseln nur Stationen auf einem Törn in die Türkei und nach Zypern gewesen.

Seither tauchten ihre Namen immer wieder in meinen Törnplänen auf, doch irgendwie war es sich nie ausgegangen. Auch weil es nach Mílos – von den ...

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... damaligen Charterbasen aus – ein weiter Weg war und mir der Schlag zurück (im Sommer fast immer gegen den Meltemi) wohl noch viel weiter vorgekommen wäre. Sífnos hingegen gehörte zu den nordwestlichen Kykladen. Also einem Revier, in dem ich oft gesegelt bin. Doch irgendwie war da für einen einwöchigen Törn immer eine Insel zu viel gewesen. Eben die südlichste: Sífnos. Das sollte sich in diesem Jahr ändern, auch weil sich mit der Kiriacoulis-Charterbasis in Páros die Voraussetzungen geändert hatten. Nun waren es von Parikiá nach Sífnos nur noch zwanzig Meilen. Wobei ich hin mit halbem Wind rechnen durfte und mich auf dem Weg zurück (im schlimmsten Fall) ein harter Anlieger erwarten würde.

Meist kommt es beim Segeln anders als geplant

Doch wie so oft beim Segeln, kommt manches anders als geplant. Statt vom Meltemi gepeitscht, liegt die Ägäis am ersten Segeltag so flau vor dem Bug unseres Schiffes, dass alles auf einen Motortag hinweist. Die Flaute hat auch ihr Gutes. So brauchen wir den Kurs nur um einige Grad zu ändern, und schon peilen wir Sífnos‘ einstige Hauptstadt an. Von den Spaniern war Kástro zur Festung ausgebaut worden, doch erst unter den Venezianern wurde sie zu jener Perle, die heute Scharen von Touristen anlockt. Rod Heikell ist der weit offene Ankerplatz am Fuße des Festungsberges zwar die Bezeichnung „cove“ wert, doch meint er (und das wohl zu Recht), dass die Bucht gerade mal „suitable in calm weather“ wäre. Heute ist ihr weit offenes Rund aber nicht nur geeignet, sondern sogar ideal.

Und so wird es nicht viele Segler geben, die behaupten können, in ihr so friedlich vor Anker gelegen zu haben wie wir. Obwohl Kástro die Ehre, Hauptstadt von Sífnos zu sein, an Kamáres abtreten musste, wäre der geschichtsträchtige Ort, dessen Mauern so verlockend weiß vom Festungshügel herableuchten, einen Besuch wert. Doch leider ist der Segeltag für uns noch nicht zu Ende. Obwohl wir an Fáros und Platí Gialós wegen offensichtlicher Reizlosigkeit vorbeisegeln und selbst die wesentlich reizvollere Bucht von Fikiáda ignorieren, steht die Sonne schon tief im Westen, als wir in die Bucht von Vathí einlaufen. Den kleinen Steg, an den wir unser Boot römisch-katholisch legen, dürfte es vor vierzig Jahren noch nicht gegeben haben, denn im Logbuch steht, dass ich in der Bucht geankert hätte und das Manöver sogar unter Segel gefahren wäre. Wer täte sich das heute noch an? Abends raffen wir uns nicht mal zu einem Spaziergang durch den immer noch überschaubaren Ort auf. Grund dafür ist das Restaurant gleich an Backbord. Unter weit ausladenden Bäumen stehen die Tische im Sand, nicht weit entfernt von den an den Strand plätschernden Wellen. Die Speisekarte ist irgendwo zwischen Tradition und Moderne angesiedelt, die Preise sind hingegen schon voll im 21. Jahrhundert angekommen. Was uns nicht daran hindert, dem griechischen Wein jene Ehre zu erweisen, die er sich verdient. Die Bucht von Vathí ist nur nach Westen offen, sollte also sicher sein. Doch um 2 Uhr morgens holen mich das Knarren der Heckleinen und Rucken der Ankerkette aus meinen weinseligen Träumen. Durch das Cockpit fächert nur ein Lüftchen.

Allerdings aus West! Wenn das schon einen solchen Sog verursachen kann, wie sieht es dann hier aus, wenn es aus dieser Richtung mal so richtig bläst?Plötzlich kommt mir die Bucht gar nicht mehr so sicher vor.

Beginnt Griechenland seine Identität zu verlieren?

Der um diese Jahreszeit eher ungewöhnliche Westwind hat auch sein Gutes. Als ich letztes Mal entlang von Kímolos segelte, stand der Meltemi so auf die Küste, dass wir nicht in die Prassonnísi-Bucht einlaufen konnten. Heute ist das kein Problem und das Liegen darin ein wahres Badevergnügen. Auch die Ansteuerung von Psáthi steht uns offen. Nicht jedoch der Hafen selbst, denn der ist von Ausflugskatamaranen bis zum letzten Platz besetzt. Für uns bedeutet das, dass wir den geplanten Aufstieg zur Chóra streichen müssen, bevor wir noch den ersten Schritt getan haben. Nun sind wir unserem Törnplan einen Tag voraus und wenig später schon auf direktem Kurs nach Mílos. Anfangs ist der Wind flau, dann frischt er auf. Aus West! Die Bolzerei endet erst am Kap Akra Lakida. Die letzten Meilen im Órmos Mílou können wir raumschots unter Segeln genießen. Wenig Genuss versprechen die Liegeplätze an der Außenmole von Adámas‘ Hafen. Die dort liegenden Yachten rollen so, dass sich die Tops ihrer Masten gefährlich nahekommen. Tiefster Frieden herrscht hingegen im Schutz der Mole. Plätze wären auch frei. Doch dann: Ein Pfiff! Ein Arm – vermutlich der des Hafenmeisters – dessen krei-

INFO

Charterfirma: Kiriacoulis Mediterranean, 7. Alimou, 17455

Alimos, Griechenland.Tel.: +30 210 9886187, Fax: +30 210 9844529, E-Mail: charter@kiriacoulis.com, Internet: www.kiriacoulis.com.

Schiffe & Preise:

Angeboten werden Einrümpfer von 32 bis 54

Fuß, zu Preisen von 1.200 bis 9.500 Euro, sowie Katamarane von 36 bis 50 Fuß, zu Preisen von 2.300 bis 14.000 Euro.

Revier: Ein schöner Teil eines der reizvollsten Reviere der Welt: der Ägäis.

Seekarten: Griechische Pilot-Chart PC4. Nautische

Literatur: Rod Heikell: „Greek Waters Pilot“.

Wind & Wetter:

In den Sommermonaten kann der Meltemi Ansprüche an Skipper und Crew stellen, wenn er mit Windstärke 5 bis 7 und manchmal auch mehr aus NNW bis NNE weht. In der Vor-und Nachsaison können Fronten (SW bis W) und der Schirokko (SE) für nicht immer willkommene Abwechslung sorgen.

Wetterberichte: Erhielten wir über die Windfinder-App aufs Handy.

Leuchtfeuer & Seezeichen:

Das Revier ist gut betonnt und befeuert. Viele der Ankerplätze sollte man nachts aber nur anlaufen, wenn man über die nötige Ortskenntnis verfügt.

Gezeiten & Strom:

Der Tidenhub ist gering; der Oberflächenstrom setzt mit 0,5 Knoten südwärts, kann aber zwischen den Inseln einen Knoten erreichen.

Navigation: Terrestrisch. Trotzdem ist der Plotter immer eine willkommene Hilfe.

Beste Zeit:

Juni bis September: Sehr reizvoll können auch der Mai und selbst der Oktober noch sein.

Anreise: Aegean bietet Flüge über Athen nach Paros an. Einreise & Zoll:

EU-und Schengen-Land.

Sprache: Griechisch. Englisch wird überall gut verstanden.

Restaurants: Wer griechische Kneipen liebt, wird oft lange suchen müssen. Es gibt sie aber noch!

Klima: Mediterran. Für angenehme Temperaturen – vor allem auf See – sorgt von Juni bis September der Meltemi. Ohne ihn kann es unerträglich heiß werden. Im Sommer 2021 wurden 47° C gemessen.

Kleidung: Im Sommer reicht leichte Baumwollkleidung. Das Ölzeug sollte immer mit an Bord sein.

Gesundheit & Impfungen:

Bis auf Weiteres ist ein Nachweis einer Corona-Impfung vorgeschrieben.

Fischfang: Wieder mussten wir feststellen, dass die Ägäis leergefischt ist.

Sicherheit: Griechenland gilt als eines der sichersten Reiseländer der Welt.

Reiseführer: Eberhard Fohrer: „Kykladen“, im Michael Müller Verlag. Foto: Shutterstock / Peter Hermes Furian

KURZINFO

Linienflug: 400 Euro / Reisepapiere: Personalausweis / Devisen: Euro-Land /

Notruf: 112 / Zeitunterschied: MEZ / MESZ + 1h / Essen & Trinken: 20 Euro / Kosten Liegeplatz: 15 Euro (incl. Strom & Wasser) / Tidenhub: 0,2 m / Hafenschutz 4P / Ambiente 6P / Windvorkommen 5P.

DAS SOLLTE MAN GESEHEN HABEN

Große Höhepunkte darf man in diesem Revier nicht erwarten, aber Auszeiten vom Bordleben könnten sich lohnen in:

Mílos: Kurze Busfahrt nach Pláka, weil es ein nettes Städtchen ist.

Fußmarsch hoch nach Kástro, wegen des schönen Rundumblicks.

Ein Besuch des römischen Theaters nahe Tripití. Alles an einem Tag zu machen.

Kímolos: Ein Besuch (Abendessen?) in Chorió, das vom Hafen Psáthi aus zu Fuß zu erreichen ist.

Sífnos: Ein Besuch von Apollonía und der alten Inselhauptstadt Kástro. Den Reiz der Insel machen aber die zahlreichen Buchten aus, die unter allen Bedingungen Schutz bieten.

Corona-Bestimmungen

Im September 2021 konnte auf die griechischen Inseln nur einreisen wer geimpft oder genesen war. Der entsprechende Nachweis musste vorgelegt werden. Erforderlich war auch die „Passenger Locator Form“, eine Anmeldung, die man im Internet unter www.travel.gov.gr aufrufen und ausfüllen konnte. Mitzunehmen war es auf dem Handy oder in Papierform. Wer diesen Nachweis nicht erbringen konnte, wurde nicht in das Flugzeug gelassen.

Seit dem 15. März 2022 muss die Vorabanmeldung nicht mehr durchgeführt werden. Bei der Einreise gilt allerdings noch der 3G-Nachweis, der vorgezeigt werden muss.

RESTAURANTS: Die Zeiten sind wohl vorbei, als in griechischen Restaurants griechische Küche zu erschwinglichen Preisen angeboten wurde. Zwei Jahre nach meinem letzten Törn waren die Preise um bis zu 70 Prozent „angepasst“ und die Gerichte internationaler geworden. Wirklich empfehlen kann ich nach diesem Törn nur das „Trapatselis“ an der Uferpromenade südöstlich des Hafens von Adámas in Mílos.

Literatur: Als Urlaubslektüre bieten sich die Bücher von Pétros Márkaris an. Besonders beliebt – weil spannend und unterhaltsam – sind seine Krimis mit Kommissar Kostas Charitos. sende Bewegung mit einem Fingerzeig zum Ende der Hafenmole endet. Das heißt wohl: Haut ab!

Nach dieser griechisch-höflichen Aufforderung bleibt uns wohl nichts anders übrig, als die Nacht über in der Bucht zu ankern. Am nächsten Morgen ist der Wind flau und der Ton in der Marina freundlicher geworden. Für den Liegeplatz samt Wasser und Strom zahlen wir einen Spottpreis. Von Spottpreisen weit entfernt sind hingegen die Restaurantpreise. Noch weiter scheint sich nur noch der Inhalt der Speisekarten mancher Lokale von der Küche Griechenlands entfernt zu haben. Bereits in Parikiá war ich wegen der Bestellung meines geliebten „Spanakópita“ (Spinatstrudel) zum Frühstück belächelt worden. Stattdessen stellte man mich vor die Entscheidung: „Continental or American Breakfast?“ Abends im Restaurant dann mein nächster Fauxpas: Wagte ich es doch einen Retsína zu bestellen! Die hochgezogenen Augenbrauen der Bedienung sagten mehr noch als die unausgesprochenen Worte: „Wer, bitte, trinkt denn heute noch so was?“ Míkis Theodorákis, der Griechenland eine musikalische Seele gegeben hatte, ist schon seit geraumer Zeit tot; Brot, das es bisher gratis zum Essen gab, hat mittlerweile einen oft hohen Preis. Der letzte Tiefschlag hatte uns eben in Vathý ereilt, als man uns statt eines Ouzo einen Grappa undefinierbarer Herkunft als Absacker servierte. Lord Byron war nach Hellas gekommen, „um das Land der Griechen mit der Seele zu suchen“. Um wie viel bescheidener bin da ich. Ich, dem es schon reichen würde, wenn er (und sei es auch nur für kurze Zeit) mal in eine andere Lebensart eintauchen und in diesem etwas Anderssein mit der Seele baumeln darf. Ist das wirklich zu viel verlangt?

Wie können einem Segelführer bloß solche Ankerplätze entgehen?

Nach einem Tag auf Mílos, an dem Beinevertreten in der Pláka, ein Aufstieg zum Kástro-Hügel und Kultur zwischen den Überresten des römischen Theaters nahe Tripití angesagt war, bummeln wir an dessen reizloser Westküste entlang. Doch dann öffnet sich eine Bucht: Was da schemenhaft hinter einer Huk auftaucht, gleicht erst einer Fata Morgana. Doch dann wird das vermeintliche Trugbild realer und steilt sich zu senkrechten Mauern auf, die mit den in ihrem oberen Bereich weit überhängenden Felsen eine Höhle bilden. Eine riesige Höhle!

So groß ist sie, dass die Yachten, die in ihrem grauen Schatten auf türkisem Wasser ankern, klein wirken. Wie konnte dem Segelführer bloß ein solcher an Dramatik nicht zu überbietender Ankerplatz entgehen? Und: Wer möchte sich da nicht dazulegen? Doch leider: Die wenigen Ankerplätze sind belegt, und einige Yachten befinden sich bereits in der Warteschleife. Zudem ist unsere Zeit knapp. Alswir aus dem Reiseführer erfahren, dass wir soeben die berühmte Sykiá-Höhle kennenlernen durften, steuern wir mit Kléftiko bereits den nächsten Höhepunkt an. Zahlreiche Ankerplätze mit türkisem Wasser über sandigem Grund erwarten uns dort, schlanke Pfeiler teilen und Höhlen verbinden sie.

Gerne würde ich Kléftiko als Geheimtipp anpreisen. Doch leider: Bei diesem Andrang von Kleinbooten und Jachten kann von geheim wahrlich keine Rede mehr sein. Als wir den dritten Höhepunkt dieses Segeltages ansteuern, steht die Sonne schon tief im Westen und lässt die Felswände, die über dem südwestlichen Ankerplatz der Insel Polýagos aufragen, in feurigem Rot glühen. Deshalb wirken sie noch imposanter als jene von Mílos. Der Ankerplatz vor den Felsfluchten ist weit offenen. Nachts würden wir ihn wohl mit keiner anderen Yacht teilen müssen. Auch die Verhältnisse wären ideal. Doch bleiben sie es auch? Der „Windfinder“ verspricht uns eine Flaute, die bis 3 Uhr morgens halten soll. Dann schieben sich von Nordnordwest Windpfeile heran, die erst gelb, dahinter aber schon orangerot drohen. In der Anzeige für 6Uhr morgens sind die Pfeile tiefrot. Einen solchen Wetterbericht darf man als Segler nicht ignorieren.

Schon gar nicht auf einem so offenen Ankerplatz.

Deshalb buddelt sich wenig später der Anker unseres Bootes tief in den Sandgrund der Süd-Bucht von Kímolos. Sicherer als hier könnten wir nicht liegen. Vielleicht ist es ja das letzte Mal? Denn die letzten Segeltage dürften ungemütlich werden, uns Kurse hart am Wind und einen Norder mit bis zu 35 Knoten bescheren. Hinzu soll noch dichte Bewölkung kommen. Die erinnert uns daran, dass in der Ägäis Nordwind nicht immer gleich Meltemi sein muss.

Text: Carl Victor