Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Zwei Schwestern erobern New York


blickpunkt musical - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 29.01.2019

»Wonderful Town« an der Volksoper Wien


Artikelbild für den Artikel "Zwei Schwestern erobern New York" aus der Ausgabe 1/2019 von blickpunkt musical. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: blickpunkt musical, Ausgabe 1/2019

Die zwei Schwestern Eileen (Olivia Delauré) und Ruth (Sarah Schütz) Sherwood aus Ohio halten auch in New York zusammen)


Anlässlich des 100. Geburtstags des legendären US-amerikanischen Komponisten Leonard Bernstein präsentiert die Wiener Volksoper in Kooperation mit der Staatsoperette Dresden »Wonderful Town«. Das Stück, mit einem Buch von Joseph Fields und Jerome Chodorov nach ihrem Drama »My Sister Eileen« (1940) und Gesangstexten von Betty Comden und Adolph Green, wird hier in einer deutschen Übersetzung von Roman Hinze präsentiert, die 2016 an der Staatsoperette ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von blickpunkt musical. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2019 von … kurz vorweg. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
… kurz vorweg
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Brillante Tanzkunst mit französischem Flair. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Brillante Tanzkunst mit französischem Flair
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Die mit dem Teufel tanzt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die mit dem Teufel tanzt
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Das TfN reist in die Unterwelt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Das TfN reist in die Unterwelt
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Das Netz ist allgegenwärtig. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Das Netz ist allgegenwärtig
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Briefe an einen Unbekannten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Briefe an einen Unbekannten
Vorheriger Artikel
Ein Lied geht um die Welt
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Vielseitige Talente in einem antiken Stück voller Witz
aus dieser Ausgabe

... Dresden Erstaufführung feierte. Die Uraufführung des Musicals fand bereits am 19. Januar 1953 in New Haven statt. Am Broadway wurde es am 25. Februar 1953 im Winter Garden Theatre erstmals gezeigt. Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 9. November 1956 an der Wiener Volksoper statt (damals in einer Fassung von Marcel Prawy).

Das Stück erzählt die Geschichte der Schwestern Ruth und Eileen Sherwood, die von Ohio nach New York ziehen. Ruth, gespielt von Sarah Schütz, träumt von einer Karriere als Schriftstellerin, während Eileen, gespielt von Olivia Delauré, mit ihrer Naivität eher für Ärger sorgt.

Im ersten Akt sehen wir, wie die beiden Schwestern in New York ankommen, eine schäbige Unterkunft beim Künstler Appopolous finden und neue Bekanntschaften schließen, unter anderem mit dem Redakteur Robert Baker, gespielt von Publikumsliebling Drew Sarich. Ruth lernt Baker kennen, als sie ihn eines Tages in seinem Büro besucht, um sich mit den Geschichten, die sie geschrieben hat, als Journalistin zu bewerben. Zunächst scheint er desinteressiert zu sein und wirkt eher ablehnend, doch dann liest er sie. Das ist sehr witzig inszeniert: Während er die Geschichten liest, werden diese in kurzen Szenen gespielt. Daraufhin versucht er, Ruth in ihrer Wohnung zu besuchen, um ihr zu sagen, dass sie Talent hat, findet aber nur Eileen vor. Diese lädt ihn zum Abendessen ein, wo er dann auch Gelegenheit findet, mit Ruth über ihre Geschichten zu reden. Leider endet dies in einem Streit, weil er ihr rät, über das zu schreiben, was sie kennt und wirklich erlebt hat. Letztendlich verlieben sich beide Schwestern in Robert Baker, aber da Eileen ohnehin mehr Verehrer hat, gibt sie ihrer Schwester den Vorrang und so kommt es, dass Ruth und Robert am Ende ein Paar sind und sie sich mit einem Artikel aus dem Leben einen Job als Journalistin erschreibt.

Dramaturgisch betrachtet, erscheint alles relativ logisch, auch wenn für ein Musical eher wenige Musiknummern vorkommen. Der zweite Akt beginnt damit, dass Eileen im Gefängnis sitzt, von allen Polizisten bedient wird und offensichtlich ihre Zeit hinter Gittern sehr genießt. Allerdings ist nicht klar, weshalb sie festgenommen wurde. Das kam nämlich im ersten Akt nicht vor. Trotz dieser kurzen Verwirrung erklären und entwirren sich die Zusammenhänge am Ende und beide Schwestern finden ihr Glück: Eileen im Nachtclub »Village Vortex« und Ruth in ihrer Beziehung zu Robert Baker und ihrer Anerkennung als Journalistin.

Die beiden Hauptdarstellerinnen Sarah Schütz und Olivia Delauré sind die einzigen, die aus Dresden »mitgenommen« wurden, alle anderen Darsteller sind ausschließlich aus dem Ensemble der Volksoper oder wurden eigens für die Vorstellungen in Wien engagiert. Sarah Schütz als Ruth begeistert nicht nur mit einer starken Bühnenpräsenz, sondern auch mit schauspielerischem Talent. Des Weiteren zeigt sie ihr Können als Tänzerin. Wie es Partitur und Besetzungsprofil für Ruth vorsieht, singt Schütz mit Belttechnik. Dabei har-monisiert ihre eher spezielle Stimme in ›Ohio‹ stimmlich mit Olivia Delauré, die Eileen überzeugend und ebenfalls profilgerecht mit ihrer klassischen Stimme singt. Delauré spielt die jüngere Schwester Eileen naiv, kindlich sowie sehr weiblich und beweist auch schauspielerisches Talent.

In die Rolle des Redakteurs Robert Baker schlüpft kein Geringerer als Drew Sarich. Obwohl auf den ersten Blick diese Rolle eher ungewöhnlich für den gebürtigen Amerikaner scheint, zeigt er sich hier von seiner gefühlvollen Seite, ganz speziell in der Nummer ›Stilles Girl‹. Er präsentiert sich im Lauf des ganzen Stücks sowohl stimmlich als auch schauspielerisch in Topform. Bei der Rolle des »The Wreck« Loomis musste leider kurz vor der Premiere umbesetzt werden, da sich der geplante Peter Lesiak verletzt hatte und deshalb nicht spielen konnte. Er wurde durch Marcus Günzel ersetzt, der diese Rolle mit solidem Schauspiel, aber einer eher schwachen Gesangsstimme spielt. Die Freundin des Footballspielers, Helen, wird von Juliette Khalil gespielt. Diese hat diesmal nur eine Sprechrolle, punktet aber mit ihrem schauspielerischen Können. Zwei Darsteller müssen hier gleich in mehrere Rollen schlüpfen: der eine ist Christian Graf, der als Chick Clark und als Trent Farraday zu sehen ist. In der Rolle des Trent Farraday versucht er mit allen Mitteln, das Herz von Eileen zu erobern, und bezahlt sogar einen Redakteur, damit dieser Ruth einen Auftrag gibt, sodass er mit Eileen alleine sein kann. Hier wirkt er zwar arrogant, aber es ist ein echtes Vergnügen, ihn mit Olivia Delauré zusammen spielen zu sehen. Der zweite ist Oliver Liebl, der gleich in drei Rollen schlüpfen muss: Frank Lippencott, einen Fremdenführer und den 1. Redakteur. Als Frank Lippencott will auch er Eileens Herz erobern und beweist dabei sein stimmliches Können.

Die Regie übernahm Matthias Davids. Er, der zuletzt am Haus mit »Sweeney Todd« einen Riesenerfolg hatte, sorgt hier für ein komödiantisches Timing, dass im Laufe des Abends immerzu spürbar ist. Für das Bühnenbild arbeitete er erneut mit Mathias Fischer-Dieskau zusammen, der ein eher aufwendiges Bühnenbild auf mehreren Ebenen geschaffen hat. Für die zeitgenössischen Kostüme ist Judith Peter verantwortlich. Melissa King, die ebenfalls bereits des Öfteren mit Davids gearbeitet hat, zeichnet für die Choreographien verantwortlich, die schwungvoll und anspruchsvoll sind. Ein Beispiel dafür ist die aufwendige Tanzszene der Nummer ›Conga‹mit der brasilianischen Marine, bei der auch Sarah Schütz beweist, dass sie eine großartige Tänzerin ist.

Mit »Wonderful Town« hat man ein Stück, das musikalisch von den Orchestrierungen (Musikalische Leitung: James Holmes) zwar wunderschön ist, aber wenige eingängige Nummern beinhaltet. Doch dank der pointierten Regie von Matthias Davids, den tollen Choreographien von Melissa King und einem starken Ensemble ist es durchaus einen Besuch an der Volksoper wert.

1. Die vielseitige Sarah Schütz zeigt als Ruth Sherwood (Mitte) ihr Können, mit dem Wiener Staatsballett


2. ›Verliebt‹ – Drew Sarich zeigt sich als Robert Baker von seiner gefühlvollen Seite


3. Ein tolles Duo: Eileen (Olivia Delauré) und Trent (Christian Graf)


4. Ruth (Sarah Schütz, r.) versucht ihr Glück als Journalistin, sie stellt sich bei Robert Baker (Drew Sarich, 2.v.l.) und den Redakteuren (Oliver Liebl, Jakob Semotan) vor


Foto: Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Fotos (4): Barbara Pálffy / Volksoper Wien