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ZWEI WEGE, EIN ZIEL


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Auto Bild allrad - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 03.11.2022
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Porsche Cayenne Turbo GT

205 003 Euro

Aston Martin DBX707

238 500 Euro

wDer monströse Kühlungsbedarf der Vierliter-V8 will befriedigt werden. Das Resultat: zweiBreitmaulfrösche

FOTO: RONALD SASSEN

ES KOMMT UNS FAST VORwie die ewigen Duelle auf der Nürburgring-Nordschleife um die Rundenzeit-Krone in diversen Pkw- und Sportwagenklassen – nur nun eben eine Etage höher. Wer hat das stärkste, das schnellste SUV? Einst trug diesen Titel der Bentley Bentayga Speed, dann brachte sich der Lamborghini Urus in die Poleposition. Zwischendurch grüßte noch der 720 PS starke Dodge Durango Hellcat aus seiner Nische und sagte: „Moment, ich bin auch noch da.“ Nur um kurz darauf vom Markt genommen zu werden und aller Voraussicht nach 2023 ein Comeback zu feiern. Verwirrend? Keine Angst, das geht uns genauso. Und mitten in diesen Leistungswahnsinn preschen unsere beiden Kandidaten des heutigen Tages: der Porsche ...

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... Cayenne Turbo GT und der Aston Martin DBX707.

Der Zuffenhauser setzt dabei nicht auf die maximal mögliche Leistung, sondern sieht seine Trumpfkarte eher in der Kategorie Fahrdynamik. Mit 640 PS ist er zwar beileibe nicht untermotorisiert, und auch seine 300 km/h Topspeed können sich im Autoquartett sehen lassen, andere haben hier aber noch mehr die Muskeln aufgepumpt. So etwa auch der extrovertierte Brite: Namensgebende 707 PS und 310 km/h Vmax machen ihn zum schnellsten je gebauten Serien-SUV – zumindest auf der geraden Strecke. Kommen Kurven dazwischen, ist der 67 PS schwächere Cayenne der ultimative Gegner. Hier auf dem Lausitzring haben wir ihn zwar noch nicht gemessen, aber auf unserer Hausstrecke, dem Sachsenring, nimmt er dem Urus immerhin 1,89 Sekunden pro Runde ab. Wir lehnen uns mal aus dem Fenster und behaupten, dagegen wird auch der bärenstarke DBX nichts ausrichten können. Dabei sind Rundenzeiten bei einem Fünf-Meter-SUV immer so eine Sache: Sie sind zwar „nice to have“ und eine Machtdemonstration hinsichtlich dessen, was moderne Reifen- und Fahrwerkstechnik mittlerweile der Physik entgegenzusetzen haben, doch auf den Trackdays unserer Rennstrecken sieht man die 2,2-Tonnen-Koffer eher selten.

Also nähern wir uns den beiden mal unvoreingenommen. Auf den ersten Eindruck kommt es schließlich an. Und der ist beim DBX von der extremen Sorte. Schon als Normalversion nicht gerade zurückhaltend, legt er als 707 einen Großteil seiner Eleganz zugunsten einer aggressiven Formensprache ab. Ein massiger Schlund von Grill an der Front, gegen den sämtliche der viel gescholtenen Audi-Singleframes reichlich blass aussehen. Und darunter haben die Designer noch einen weiteren Lufteinlass verbaut. Spötter nennen ihn Doppelkinn, uns erinnert er mehr an den grinsenden Joker aus den „Batman“-Filmen. Auch am Heck macht der 707 auf die dickstmögliche Hose. Gleich dreistöckig ist die Luftleit-Einheit aufgebaut. Oben der bekannte, elegant in die Dachrundung integrierte Spoiler – hier noch mal mit einem Carbonelement nach hinten verlängert. Unter der Heckscheibe sitzt jener vom normalen DBX bekannte Bürzel, der auch die Form der Heckleuchten vorgibt, und unter der brutal klingenden Vierrohranlage prangt ein Diffusor, der so weit aus dem Hinterwagen herausragt, dass manch einer der Betrachter schon einen integrierten Fahrradträger vermutete.

Da hatten wir dem Turbo GT seinerzeit schon extrovertierte Geschmacks-Fragwürdigkeiten vorgeworfen – und jetzt das. Dagegen wirkt der stärkste Verbrenner-Cayenne fast schon dezent. Wobei natürlich auch er seine besonderen Akzente hat. Als Erstes fallen die 22-Zoll-Räder in der Sonderfarbe Neodyme ins Auge. Oder auch die beiden kohlefasernen Endplatten des Dachkantenspoilers. Auch der ausfahrbare Flügel am Heck bekommt eine zusätzliche Abrisskante. Unten kommt der Diffusor technischer und weniger aufdringlich rüber, dafür drängt sich die blau schimmernde Doppelrohranlage aus Titan in den Vordergrund – nicht nur akustisch.

Der Turbo GT ist mit Abstand der auffälligste Cayenne, nur eben nicht gegen den DBX707. Auch innen, denn wo der Aston mit üppigem Leder verwöhnt, gerät der Porsche-Innenraum eher sachlich technokratisch: gerade Linien, viel Racetex, Mittenmarker am Lenkrad, brillantes Infotainment – der Turbo GT zeigt in jeder Lebenslage, dass er seine Sache ernst meint. Bei seinem britischen Gegner merkt man das spätestens, wenn man einmal beherzt aufs Gas steigt. Der DBX bäumt sich auf, sein Sportgestühl verschluckt einen gefühlt, die Arme werden lang, die Augen groß. 3,3 Sekunden für 0 bis 100 gibt Aston an – wir glauben das mal. Den Nachweis seiner Leistungsfähigkeit bleibt uns der DBX noch schuldig. Warum, das zeigt eine ambitionierte Landstraßenpartie: Klar, ihr Gewicht können beide nicht verstecken – gerade in mittelschnellen Kurven –, doch der Cayenne wirkt stets einen Tick verbindlicher, weniger eintauchend, intuitiver mit dem Asphalt verbunden. Genaueres müsste eine schnelle Runde mit dem 707 zeigen.

! Der eine ist’s, der andere möchte es gern sein: das sportlichste SUV. Wer macht am Ende das Rennen?

Der Cayenne hat die schon hinter sich gebracht. Die angegebenen 3,3 Sekunden auf Tempo 100 hat er bei einer früheren Messung um eine Zehntel geknackt, und selbst unser Redaktions-Zeitenjäger Guido Naumann war begeistert: „Dieser Porsche Cayenne Turbo GT fährt schlicht besser, als es eigentlich sein dürfte“, resümierte er am Ende seiner Testfahrten.

Bleibt zum Schluss noch das Herunterbrechen auf den schnöden Mammon: Porsche ruft für seinen Über-Cayenne 205 003 Euro auf. Dafür sind aber das adaptive Luftfahrwerk mit PASM, die äußerst effiziente Wankstabilisierung, die Hinterachslenkung, Keramikbremsen und die Titan-Sportabgasanlage serienmäßig an Bord.

Im Hause Aston Martin gönnt man dem Kunden – bis auf die schier endlosen Individualisierungsmaßnahmen – auch quasi „volle Hütte“: Eine adaptive Luftfederung, ebenfalls mit Wankausgleich, ist genauso Serie wie die Keramikbremsanlage mit 420 mm vorn hinter 22 Zoll großen Alufelgen. Ausstattungsseitig herrscht also nahezu Gleichstand, was die Komfort-Extras angeht, vielleicht sogar mit minimalem Vorteil für den Briten. Das lässt sich Aston Martin entsprechend bezahlen. 238 500 Euro verlangen die Herrschaften aus Gaydon mindestens für das stärkste Serien-SUV auf dem Markt.

Aston Martin DBX707

ASTON MARTIN DBX707

MotorV-Achtzylinder, Turbobenziner, vorn längs Hubraum 3982 cm 3Leistung bei1/min520 kW (707 PS) bei 6000/min Drehmomentbei1/min900 Nm bei 2600/min Abgasnorm Euro 6d Radaufhängung Einzelrad/Luftfedern Reifengröße v. 285/40 R 22, h. 325/35 R 22 Getriebe Neunstufenautomatik mit Kupplung Allradantrieb/Kraftverteilung v:hsemipermanent über el. geregelte Lamellenkupplung/0:100 – 50:50 L/B/H 5039/1998/1680 mm Radstand 3060 mm Bodenfreiheit 235 mm Ladevolumen638 l Leergewicht 2245 kg Anhängelast gebr./ungebr.2700/750 kg 0–100 km/h3,3 s Spitze 310 km/h Normverbrauch14,2 l Super Plus/100 km Tankgröße 85 l Norm-CO 2-Ausstoß334 g/km Preis 238 500 Euro

Und wohin entwickelt sich das hochbeinige Kräftemessen noch? Im Falle des Lamborghini Urus hin zum Performante, der mit 666 PS Teuflisches im Sinne führt. Auch er spurtet in 3,3 Sekunden auf 100, rennt aber „nur“ 306 km/h Topspeed. Aus diesem Fahrvergleich ließe sich also hervorragend ein Dreikampf machen. Wir wären bereit.

Porsche Cayenne Turbo GT

PORSCHE CAYENNE TURBO GT

MotorV-Achtzylinder, Turbobenziner, vorn längs Hubraum 3996 cm 3Leistung bei1/min471 kW (640 PS) bei 6000/min Drehmomentbei1/min850 Nm bei 2300/min Abgasnorm Euro 6d Radaufhängung Einzelrad/Luftfedern Reifengröße v. 285/35 R 21, h. 315/30 R 21 Getriebe Achtstufen-Wandlerautomatik Allradantrieb/Kraftverteilung v:hsemipermanent über el. geregelte Lamellenkupplung/0:100 – 50:50 L/B/H 4942/1995/1636 mm Radstand 2895 mm Bodenfreiheit 224 mm Ladevolumen549 l Leergewicht 2220 kg Anhängelast gebr./ungebr.– /– kg 0–100 km/h3,3 s Spitze 300 km/h Normverbrauch14,1 l Super Plus/100 km Tankgröße 90 l Norm-CO 2-Ausstoß319 g/km Preis 205 003 Euro

FAZIT

Alexander Bernt

Dem ersten Eindruck nach setzt der 707 vor allem auf Längsdynamik, während der Turbo GT seinem Namen durch Kurventalent gerecht werden möchte. Dass er auch eine fantastische Zeit setzen kann, muss uns der DBX noch beweisen.