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ZWISCHEN LIEBE UND SCHULDGEFÜHL


Für Sie - epaper ⋅ Ausgabe 22/2019 vom 23.09.2019

Wenn Mutter oder Vater nicht mehr alleine zurechtkommen, stellt sich die Frage nach familiärer Pflege. Doch sind wir verpflichtet, uns aufzuopfern? Was Expertinnen sagen und wie drei betroffene Frauen die Situation erleben


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Bildquelle: Für Sie, Ausgabe 22/2019

War Mama schon immer so klein und lief so gebeugt? Und hatte Papa früher auch diese Aussetzer beim Erzählen und suchte verzweifelt nach bestimmten Worten? Für jeden von uns, der seine Eltern bis ins höhere Erwachsenenalter hinein erleben darf, kommt früher oder später die Erkenntnis: Jetzt werden Mutter und Vater wirklich alt. Nicht einfach nur ein bisschen gesetzter oder gemütlicher, ...

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... sondern alt mit allen Konsequenzen, die die stetig wachsende Lebensspanne mit sich bringt. Eingeschränkte Beweglichkeit, Schmerzen, chronische Krankheiten, Vergesslichkeit, in den schlimmsten Fällen vollständige Bettlägerigkeit oder Demenz. „Obwohl das Altern der eigenen Eltern ein ganz natürlicher Prozess ist und unausweichlich ansteht, trifft es viele wie ein Schock“, weiß Birgit Lambers, Coach und Familientherapeutin, die Seminare für Angehörige gibt (www.lambers-training.de). „Bis ein Schlaganfall oder ein Oberschenkelhalsbruch das Thema von eben auf aktuell machen, scheint die Pflegebedürftigkeit von Mutter oder Vater unvorstellbar. Umso wichtiger finde ich es, sich gedanklich frühzeitig mit möglichen Szenarien und Optionen auseinanderzusetzen, um besser vorbereitet zu sein.“

Kommen die Eltern altersbedingt nicht mehr alleine zurecht, stellt das alle Betroffenen vor große Herausforderungen. Wie es nun weitergeht? Mit diesen Überlegungen sollte niemand auf sich alleine gestellt sein, findet Diplom-Psychologin Imke Wolf. Sie leitet eine psychologische Beratungsstelle (www.pflegen-und-leben.de), die pflegende Angehörige kostenfrei unterstützt. „Schließlich geht es da um eine weitreichende und sehr komplexe Entscheidung, die im Idealfall auch die Pflegebedürftigen mit einbezieht, sofern sie dazu in der Lage sind.“ So individuell der Pflegezustand im Seniorenalter sein kann, so unterschiedlich fallen auch die Handlungsmöglichkeiten von Töchtern und Söhnen aus. Viele grundsätzliche Fragen müssen vorab geklärt werden, etwa was zeitliche, räumliche und finanzielle Umstände betrifft. Der wichtigste Punkt aber vor allen anderen Aspekten: Traue ich mir körperlich und mental zu, Mutter oder Vater selbst zu pflegen? Laut Statistischem Bundesamt werden zwar über ´70 Prozent aller Hilfebedürftigen zu Hause betreut, die geschätzte Zahl liegt bei 4,5 Millionen Betroffenen. Die Gründe sind nicht nur finanzieller Natur, sondern oft einfach die Liebe zu den Eltern. Wir möchten nicht das Gefühl haben, sie „abzuschieben“, und auch die alten Menschen weigern sich oft, in ein Heim zu ziehen.

Trotzdem kann nicht jedes Kind für die eigenen Eltern ganz selbstverständlich in die Rolle des Pflegenden schlüpfen. „Selbst wenn Menschen den moralischen Anspruch an sich haben, diese Aufgabe zu erfüllen, müssen viele erkennen: Damit komme ich an meine Grenze, ich schaffe es nicht!“, hat Imke Wolf erfahren.


Auch wenn wir den inneren Anspruch an uns haben, die Pflege zu übernehmen: Nicht jeder ist auch wirklich dafür geeignet


Warum gerade Töchter und Schwiegertöchter (Frauen übernehmen noch immer viel häufiger Pflegeaufgaben als Männer) von sich selbst erwarten, dieser schwierigen Rolle gewachsen zu sein, das erklärt Expertin Lambers mit dem Erbe eines innerfamiliären Generationenvertrags. „In früheren Zeiten war es völlig normal, dass die jüngere Generation sich um die ältere kümmerte – und zwar in den eigenen vier Wänden; da gab es keine Alternative.


Die Erwartung, dass Töchter sich kümmern, stammt noch aus einer anderen Zeit


Unbewusst haben wir diesen Anspruch übernommen, obwohl sich die äußeren Bedingungen stark verändert haben.“ Zum einen lebt man nicht mehr automatisch im direkten Umfeld der Eltern oder Schwiegereltern, hat den Heimatort durch Studium, Beruf oder Partnerschaft häufig weit hinter sich gelassen. Zum anderen übernehmen nur noch wenige Frauen die reine Hausfrauenrolle und verbringen einen Großteil des Tages im Job. „Und während die Pflegephase früher meist zeitlich überschaubar war, bringt das steigende Lebensalter heute eine durchschnittliche Pflegezeit von fast neun Jahren in Deutschland mit sich“, ergänzt Birgit Lambers, die auch Autorin eines Ratgebers mit dem Titel „Wenn die Eltern plötzlich alt sind“ (Kösel Verlag) ist. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebten beispielsweise Väter und ihre erwachsenen Kinder im Schnitt nur etwa fünfzehn bis zwanzig gemeinsame Jahre. Heute, rund hundert Jahre später, ist die gemeinsam verbrachte Lebenszeit auf fünfzig bis sechzig Jahre angewachsen. Eine Tatsache, die für uns natürlich auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, den Eltern beim Schwinden ihrer Kräfte beistehen zu müssen.

Was beide Expertinnen jeden Tag im Gespräch mit Angehörigen erfahren: Der Druck, den erwachsene Kinder sich selbst machen, ist riesig. Die einen fühlen sich wie Rabentochter oder -sohn, wenn sie die Eltern nicht zu Hause pflegen. Die anderen, die Mutter oder Vater bei sich aufgenommen haben, hadern mit Wutausbrüchen, die durch ständige Streitereien mit den oft gar nicht so pflegeleichten Patienten ausgelöst werden. Bemerkungen von Bekannten oder Freunden wie „Die Nachbarstochter schafft das doch auch ohne Probleme, was jammerst du?“ tun ein Übriges. Laut Pflegereport 2018 der Barmer Ersatzkasse klagt etwa die Hälfte der pflegenden Angehörigen über Rückenschmerzen und depressive Symptome, 40 Prozent leiden unter Schlafmangel, und 30 Prozent fühlen sich in ihrer Rolle geradezu gefangen. Dass die Pflege eines Elternteils die Angehörigen überdurchschnittlich stark belastet, gibt auch Psychologin Imke Wolf unumwunden zu. Und doch: „Niemand muss die rosarote Brille aufsetzen. Dennoch möchte ich Betroffenen Mut machen, auch das Wertvolle und Erfüllende in einer solchen Aufgabe zu sehen.“ Oft gelingt es erst in dieser späten Lebensphase, gemeinsam mit Mutter oder Vater die Vergangenheit zu reflektieren und einen ganz neuen Zugang zueinander zu finden.

ZWISCHEN LIEBE UND SCHULDGEFÜHL

Früher hat Mutter alles für uns getan, war immer für uns da. Leitet sich daraus die Pflicht ab, im Alter ebenso für sie zu sorgen?

Fällt die Entscheidung für die Pflege in den eigenen vier Wänden, sollte unbedingt für jedes Familienmitglied weiterhin Privatsphäre möglich sein. Und: Man kann bei aller Liebe von niemandem verlangen, dass er die Körperpflege von Vater oder Mutter übernimmt – auch wenn die Eltern selbst diese Aufgaben einst bei ihren Kindern klaglos erledigt haben. „Es geht eben nicht darum, einfach so die Rollen zu tauschen, dafür gibt es keinerlei Verpflichtung“, sagt Birgit Lambers. „Manche Eltern lehnen es rundheraus ab, von Tochter oder Sohn gewaschen und gewindelt zu werden. Und manche Kinder sind schlicht nicht in der Lage, dieses Tabu, mit dem Intimbereich und Ausscheidungen belegt sind, zu durchbrechen.“ Ein Modell muss her, mit dem alle so gut wie möglich leben können. Aufopferung jedenfalls ist nicht die Lösung, davon ist auch Imke Wolf überzeugt. „Niemand kann 24 Stunden am Tag eine solche Last tragen, gerade wenn der Pflegeaufwand sehr hoch ist.“ Sie rät dazu, ein Netzwerk aus Unterstützern aufzubauen, am besten eine Mischung aus professioneller Hilfe, etwa durch den ambulanten Pflegedienst, und informeller Entlastung, beispielsweise in Form von Freunden und Verwandten, durch Nachbarschaftshilfe oder ehrenamtliche Kräfte. Was Birgit Lambers noch allen Angehörigen mit auf den Weg geben möchte, ganz egal, ob sie ihre alten Eltern im Alltag unterstützen, sie bei sich zu Hause betreuen oder sie im Heim besuchen: „Versuchen Sie, hinter die gealterte Fassade zu blicken. Dann wird klar: Hier steht ein Mensch vor Ihnen, der sich keinesfalls unnütz oder bevormundet fühlen möchte. Und der sein ganzes Leben bis hierhin mit großer Kompetenz und Stärke gemeistert hat.“


Ein Modell muss her, mit dem alle leben können: Sich zu opfern ist keine Lösung


SABINE KOHL (55), PHYSIOTHERAPEUTIN
„Meine Mutter lebt jetzt im Pflegeheim“


Am schlimmsten ist dieser Blick aus weit aufgerissenen Augen und die Frage: „Schade, musst du schon gehen?“ Dann plagt Sabine Kohl manchmal doch das Gefühl, sie müsste ihre Mutter häufiger im Pflegeheim besuchen, obwohl sie neben eigener Familie und Arbeit regelmäßig zweimal die Woche vorbeikommt. „Grundsätzlich ist es die beste Entscheidung für alle, aber natürlich tut man sich manchmal schwer mit der Situation.“ Nach zwei Schlaganfällen und einigen Jahren in einer betreuten Wohneinheit mit Hausnotruf verschlechterte sich der Zustand ihrer heute 83-jährigen Mutter innerhalb kürzester Zeit. „Sie war nicht mehr in der Lage, ihren Haushalt alleine zu führen, wurde körperlich immer schwächer und stürzte nachts häufig“, erzählt die Tochter. Der Umzug in die Pflegeeinrichtung wurde unausweichlich, da weder Sabine Kohl noch ihre beiden Brüder in der Lage waren, die Ganztagspflege zu übernehmen. „Überraschend für mich kam, dass meine Mutter sich regelrecht auf die Einrichtung freute“, so die Physiotherapeutin. Anfangs lief die Seniorin noch mit dem Rollator umher, ließ sich auch mal mit dem Taxi zum Friseur bringen. Doch nach einem Sturz und einer komplizierten Hand-OP liegt sie heute die meiste Zeit über bis auf kurze Phasen im Rollstuhl. „Seit etwa einem Jahr ist die Demenz so stark, dass sie längere Gespräche fast unmöglich macht.“ Sabine Kohl versucht dennoch, die Besuchszeit so schön wie möglich zu gestalten. Sie erzählt ihrer Mutter von den Enkelkindern, geht mit ihr spazieren oder in ein Straßencafé, bestellt ihr ab und zu einen geliebten Aperol Spritz. Dann schaut sich die alte Dame aufmerksam die Passanten an, genießt die frische Luft und wirkt vollständig entspannt. „Als ihr bewusst wurde, dass ihre geistigen Kräfte nachlassen, hatte sie eine aggressive Phase und war unverschämt gegenüber dem Pflegepersonal. Das konnte ich immer nur schwer aushalten, ich habe mich sehr für sie geschämt. Inzwischen empfinde ich sie aber als dankbar und liebevoll, das macht es viel leichter.“

Gut zu wissen: Das richtige Pflegeheim finden

Natürlich will man die Eltern bestens versorgt wissen, wenn man schon die schwere Wahl trifft, sie in eine Einrichtung zu bringen. Darauf sollten Sie bei der Suche achten:

Wie ist die allgemeine Atmosphäre bei der Besichtigung? Sprechen Sie ruhig auch Bewohner und Gäste an und erkundigen Sie sich nach üblichen Abläufen, nach den Pflegekräften und dem Freizeitprogramm.

Ist die Pflegedienstleitung zu einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen bereit?

Wird Ihnen das Erstellen eines individuellen Pflegeplans für Ihren Angehörigen angeboten?

Gibt es die Möglichkeit zum Probewohnen und -essen?

Liegt das Heim verkehrsgünstig, sodass Besuche gut und unkompliziert zu organisieren sind?

Dürfen eigene Möbel mitgebracht werden? Unter pflege-navigator.de bietet die AOK nach Postleitzahlen-Suche Informationen zu rund 30000 unterschiedlichen Pflege-Einrichtungen und -Diensten

ANKE SCHÖNBERGER* (57), SACHBEARBEITERIN:„Meine Hilfe reicht nicht mehr“

Früher kannte Anke Schönberger die Wohnung ihrer Mutter, mit der sie gemeinsam ein Zweifamilienhaus bewohnt, nur blitzsauber. „Man hätte vom Fußboden essen können! In letzter Zeit lässt das deutlich nach, ihr wird alles zu viel. Und in Gesprächen wechselt sie manchmal abrupt das Thema oder wiederholt sich.“ Da die Sachbearbeiterin bereits bei ihrem verstorbenen Vater erleben musste, wie sehr eine fortschreitende Demenz einen Menschen verändert, hofft sie sehr darauf, dass ihre Mutter nicht zu schnell geistig abbaut. „Ich erkläre mir ihr schlechtes Gedächtnis auch damit, dass sie einfach sehr viel alleine ist, wenig spricht und geistig kaum gefordert wird.“ Da die 85-Jährige zwar in den eigenen vier Wänden noch einigermaßen zurechtkommt, aber das Haus nicht mehr allein verlässt, stehen viele gemeinsame Mutter-Tochter-Unternehmungen an, ob Arztbesuch oder der große Wocheneinkauf am Samstag. „Im Supermarkt muss ich mich schon beherrschen, ihr nicht reinzu reden: Warum kaufst du zwei große Packungen Toastbrot und dreimal Marmelade? Das ist viel zu viel! Aber ich möchte sie nicht bevormunden, sie soll selbst entscheiden dürfen.“ Wenn Anke Schönberger sich ausmalt, wie es weitergehen wird, macht ihr das schon Sorgen. Sie überlegt, etwas früher in Rente zu gehen und sich Unterstützung zu suchen, falls die Mutter unselbstständiger wird. Was sie am meisten belastet? „Vor allem tut mir leid, dass Mama so wenig Besuch bekommt und regelrecht vereinsamt. Natürlich schaue ich jeden Tag rein, ich wohne ja nur eine Treppe höher. Aber es wäre wirklich schön, wenn öfter mal Freunde oder andere Verwandte vorbeikämen.“

*Nachname geändert

GABI BEYER-NIGGEMANN (45), SELBSTSTÄNDIG:„Ich zog zurück ins Elternhaus“

Manchmal fühlt es sich fast an, als hätte ich wieder ein Baby im Haus. Nur dass ich das problemlos überallhin mitnehmen konnte.“ Gabi Beyer-Niggemann ist vor einigen Monaten samt Ehemann, 9-jährigem Sohn und Hund wieder in ihr Elternhaus gezogen, um ihren bettlägerigen Vater zu pflegen. Der 82-Jährige hatte im Februar ein Organversagen und einen sechsminütigen Herzstillstand erlitten, lag wochenlang im künstlichen Koma. „Die Ärzte meinten: Entweder stirbt er oder er wacht auf, ist aber nicht mehr wie vorher. Mir war gleich klar: Wenn er es schafft, bin ich für ihn da, egal in welchem Zustand“, erzählt die 45-Jährige. Inzwischen hat sich die Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft gut eingelebt, etwas beengt, aber mit einem eigenen Reich für jeden. Zugute kommt Gabi Beyer-Niggemann, dass sie schon seit Jahren im Untergeschoss des Hauses ein Geschäft für Kinderkleidung betreibt. Die Wege sind also kurz, sie kann häufig nach dem Vater schauen und ihm Mittagessen kochen. „Der Hausarzt sagte zu mir: Niemand wird es Ihnen übelnehmen, wenn Sie in einem halben Jahr sagen, dass es Ihnen zu viel wird! Doch es funktioniert gut, mein Vater ist freundlich, im Kopf wieder ganz klar. Er genießt es, im eigenen Zimmer oder auf der Terrasse zu sein.“ Bei der Körperpflege hat sie Unterstützung durch einen mobilen Pflegedienst, der immer mittags kommt. Und beim Aufheben aus dem Bett morgens zum Frühstücken packt ihr Mann mit an. Sie träumt davon, stundenweise die Verantwortung abzugeben und wieder mit ihrem Mann tanzen zu gehen.

Gut zu wissen:: Zu Hause pflegen: Welche Unterstützung steht Ihnen zu?

Zum Glück wird häusliche Pflege gefördert. Die wichtigsten Leistungen:

Pflegegeld: Je nach Einstufung des Pflegegrads, die ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen bei einem Hausbesuch vornimmt, zahlt die Pflegeversicherung monatlich bis 900 Euro.

Pflegesachleistungen: Sie umfassen z. B. Kosten für die Inanspruchnahme eines Pflegedienstes oder Hilfen bei der Haushaltsführung. Im höchsten Pflegegrad 5 liegt der Betrag bei rund 2000 Euro.

Urlaubs- & Krankheitsvertretung: Nach sechs Monaten häuslicher Pflege besteht für den Pflegenden Anspruch auf eine Vertretung für Urlaube oder im Krankheitsfall – für sechs Wochen im Jahr. Infos: bundesgesundheitsministerium.de


Fotos: action press (2), Getty Images (2), iStock (2), mauritius images, privat