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Zwischen Oper, Wald und Bergen


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Camping, Cars & Caravans - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 14.06.2022

6 CAMPS

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Bildquelle: Camping, Cars & Caravans, Ausgabe 7/2022

Ganz im Westen Österreichs in Vorarlberg, angrenzend an Deutschland, die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein, zwischen dem Bodensee und mehr als 3.000 Meter hohen Bergen, liegt die Region „Bregenzerwald“. Sie wird von rund 32.000 „Wäldern“ bewohnt – wobei die meisten davon in der Landeshauptstadt Bregenz leben. Die übrigen verteilen sich auf 23 Dörfer, eines schöner als das andere.

Wer den Bregenzerwald bereist, wird sofort spüren, dass hier irgendetwas anders ist als im übrigen Land: Es ist eine einzigartige Mischung aus Tradition und Moderne, die sich auf den ersten Blick vor allem in der besonderen Architektur zeigt. Ob Bushaltestelle oder Hotel, Supermarkt oder Wohnhaus, Kapelle oder Kindergarten: Hier wird traditionell und gleichzeitig in auffallend modernem Stil gebaut – mit klaren Linien, Glas und heimischen Hölzern. Die Gebäude schmiegen sich in die schöne Landschaft, als wären ...

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... sie hier ganz natürlich gewachsen. Die Dörfer wirken aufgeräumt, gemütlich, anheimelnd und trotzdem lichterleicht.

Aber nicht nur in Handwerk und Baukunst spiegelt sich der Sinn für Nachhaltigkeit, Schönheit und Kultur, sondern auch in der Kulinarik, für welche die Wälder ebenfalls berühmt sind. In urigen Wirtshäusern und gepflegten Restaurants zaubern Köchinnen und Köche Kreationen aus regionalen Zutaten auf die Teller. Meistens stammen die Produkte von Bauernhöfen aus der Umgebung.

Eine der bekanntesten Spezialitäten ist der würzige Bergkäse. Wer die hiesige Käsekultur kennenlernen will, hat dazu auf vielfältige Weise Gelegenheit – beim Schaukäsen, im Käsehaus in Andelsbuch, auf einer der Almen oder direkt bei einem der Bauernhöfe.

Bregenz: Festspielstadt, Kunst und Architektur

Weltberühmt ist Bregenz vor allem wegen der Opernfestspiele, die in den Sommermonaten auf der spektakulären Seebühne in Szene gesetzt werden. In diesem Jahr ist es Madame Butterfly. Und auch hier gibt es in der Altstadt für Architekturinteressierte schon einiges zu entdecken: zum Beispiel die Reste der Stadtmauern und das Wahrzeichen der Stadt, den Martinsturm mit seiner barocken Zwiebelhaube. Herausragend sind auf jeden Fall auch zeitgenössische Bauten wie das Vorarlbergmuseum, das Festspielhaus und das Kunsthaus. Letzteres wurde von dem bekannten Schweizer Architekten Peter Zumthor entworfen und zählt zu den architektonisch und programmatisch herausragenden Ausstellungshäusern für die zeitgenössische Kunst in Europa.

Wortwörtlich ein Höhepunkt jedes Bregenzbesuchs ist ein Ausflug auf den Pfänder, den Bregenzer Hausberg. Oben angekommen eröffnet sich ein großartiger Ausblick über das Ostufer des Bodensees und die Stadt. Wer schon müde ist vom Stadtbummel, nutzt die Pfänderbahn. Sie bringt ihre Gäste in sechs Minuten von der Altstadt zur Bergstation auf etwa 1.000 Meter über dem See.

Wer nur einen Zwischenstopp plant, checkt auf einem der drei Campingplät- ze ein. Der von mir in Augenschein genommene Seecamping liegt schön, grün und relativ ruhig circa zehn Radminuten entfernt am westlichen Stadtrand. Allerdings ist der Platz für das, was er bietet, mit gut 40 Euro pro Nacht überteuert.

Der Norden mit Berg und Tal

Im Uhrzeigersinn soll der Bregenzerwald erkundet werden. Erstes Ziel ist Krumbach. Mein Lieblingsort wird hier die Lourdeskapelle Salgenreute. Der österreichische Architekt Bernardo Bader hat sie auf Initiative der Gemeindebewohner wieder aufgebaut aus Holz und Stein mit einer Schindelfassade – schlicht in ihrer Erscheinung, berührend in ihrer Ausstrahlung: Wer innere Einkehr und Stille sucht, kann sich hier niederlassen und an der Heiligen Maria vorbei durch hohe, klare Sichtfenster ins Grüne gucken.

In Krumbach lassen sich noch weitere architektonische Wunderwerke bestaunen: Renommierte Architekten aus Russland, Norwegen, Belgien, Spanien, Chile, Japan und China haben hier sieben „Wartehüsle“ (Bushaltestellen) gestaltet.

Jeder von ihnen hat dafür mit Architekten und Handwerkern aus Vorarlberg zusammengearbeitet. Entstanden sind originelle und funktionale Bauwerke, eine weitere Attraktion für Touristen.

Als Basislager bietet sich Riefensberg an. Camping Hochlitten ist ein schöner Platz in toller Lage, aber er bietet nur sehr wenige Touristenplätze. Die Ausstattung ist gut und von hier ist man schnell durch eine lieblich-hügelige Landschaft in Lingenau, eine der ältesten Siedlungen der Region und ein ausgesprochen hübscher Ort. Nicht umsonst wurde er schon mehrmals zur „schönsten Blumengemeinde Vorarlbergs“ gewählt. Gleich im Zentrum des 1.500-Einwohner-Dörfchens sticht die Pfarrkirche ins Auge. Sie wurde vor wenigen Jahren renoviert und gleich mit einem Architekturpreis für ihr Innenleben geehrt – da steht nämlich unter anderem ein echter Olivenbaum. Sehenswert ist auch die denkmalgeschützte Geschwendtobel-Brücke über dem Fluss Subersach aus dem Jahr 1834. Die gedeckte Holzbrücke gilt noch heute als Meisterwerk der Ingenieurs- und Zimmermannskunst.

Planer war der Südtiroler Alois Negrelli, der auch als geistiger Vater des Suezkanals gilt. Die Lingenauer Hochbrücke ist dagegen eine moderne, 370 Meter lange Stahlbeton- Bogenbrücke, die zu den größten Brücken Mitteleuropas zählt.

Alternativ wäre da noch der sehr schön gelegene Camping Feurstein, der allerdings auch nur wenige Plätze für Touristen bietet – daher bitte unbedingt vorher anrufen.

Der nächste Höhepunkt wartet etwa sechs Kilometer weiter südlich in Andelsbuch, genauer gesagt, auf dem 1.700 Meter hohen Hausberg: die „Niedere“ mit ihren herrlichen Wanderwegen. Von oben genießt man bei schönem Wetter einen grandiosen Blick über das Allgäu, die Schweizer Alpen, den Bodensee und den Bregenzerwald. Einige der Wege führen direkt zu Alpen, auf denen der traditionelle Bergkäse hergestellt wird, also mitten rein in die Bregenzerwälder Lebenskultur.

Gleich neben der Talstation der Doppelsesselbahn befindet sich die Flugschule mit dem SB-Restaurant und der Dachterrasse. Ein perfekter Ort, um den Paraglidern und Drachenfliegern, die man oben von der Bergstation aus hat abheben sehen, beim Landen zuzuschauen – fast wie in einem Open-Air-Kino. Aber auch unten im Ort gibt es einiges zu erleben.

Das Werkraumhaus, auch ein Bau des Architekten Peter Zumthor, dient als Schaufenster für die hiesige Handwerksund Gestaltungskultur, übrigens auch der größte Arbeitgeber im Bregenzerwald. Rund 40 Prozent aller Erwerbstätigen sind in der Handwerksbranche beschäftigt. Das Werkraumhaus beherbergt einen Shop sowie eine Wirtschaft und zeigt wechselnde Ausstellungen wie „Handwerk + Form“. Alle drei Jahre präsentiert sie nach einem vorangehenden Wettbewerb Stücke, die hiesige Handwerker gemeinsam mit Designern aus aller Welt entworfen haben.

Täglich geöffnet hat außerdem das Käsehaus Andelsbuch. Hier guckt man dem Senner über die Schulter, kostet verschiedene Käsesorten und deckt sich mit regionalen Spezialitäten ein.

Nur einen Katzensprung entfernt, auf der anderen Seite des Andelsbucher Hausbergs, liegt Bezau. Der Ort schmiegt sich auf einen weiten, lieblichen Talboden in 650 Metern Höhe. Früher war hier die Endstation der Bregenzerwaldbahn, die Bregenz mit dem Bregenzerwald verbunden hat. Heute ist man hier mit dem Bus unterwegs – oder im Sommer mit dem „Wälderbähnle“, einer restaurierten Nostalgiebahn zwischen Bezau und Andelsbuch. Auch in Bezau lässt es sich herrlich urlauben.

Direkt am Ortseingang und oberhalb der Bregenzerache liegt der rund ums Jahr geöffnete Campingplatz. Schwim- men kann man im Freibad nebenan. Im Winter schwingen Skifahrer und Tiefschneefahrer über die Pisten und Hänge im Skigebiet Niedere-Andelsbuch-Bezau.

Der Einstieg in die Skibus-Haltestelle ist nur 300 Meter entfernt. Für Langläufer gibt es schöne Loipen. Die Betreiberfamilie ist sehr nett, alles ist gepflegt und sauber. Einziger Wermutstropfen: Der Platz ist klein und auch hier gibt es nur wenige Touristenplätze. Es empfiehlt sich, vor der Anreise anzurufen. Ich lasse die Küche aber kalt und entscheide mich für einen Abendspaziergang und eine Verkostung der lokalen Küche im Ort (siehe Tipp der Autorin).

Der Süden mit den hohen Bergen In Au liegt der schöne Campingplatz Austria, der sich als Basislager für Ausflüge zum Diedamskopf über Schoppernau oder Radtouren entlang der Argen anbietet – aber auch für Ziele außerhalb des Bregenzerwaldes. Beispielsweise zum Arlberg mit den berühmten Wintersportorten Warth und Lech oder ins Große Walsertal.

Die als Biosphärenpark geschützte Region beeindruckt mit einer herrlichen Landschaft, mit Schluchten, Wildbächen, bunten Alpwiesen. Über die Passstraße nach Damüls komme ich nach Faschina, dem Übergang ins Große Walsertal. An dessen Verlauf liegt in Raggal ein toller Campingplatz. Auf Camping Großwalsertal bekomme ich ohne Reservierung zumindest für eine Nacht einen Platz in der ersten Reihe – vor mir nur noch Berge, Weite und das Bachrauschen aus dem Tal – herrlich. Im Sommer verwöhnen die netten Gastgeber ihre Besucher auch noch mit einem gepflegten Schwimmbad.

Wer wandern und zur Ruhe kommen will, kann sich kaum einen besseren Platz dafür aussuchen.

Den Süden begrenzt das Walgau. Das breite Tal der Ill ist die Hauptverkehrsachse. Die Gemeinde Düns mit ihren 425 Einwohnern liegt auf etwa 750 Metern einladend auf dem „Sonnenbalkon des Walgau“. Neben einem Fischweiher und einer alten Mühle mit Wasserrad verleihen die schmucken Altbauten aus dem 17. Jahrhundert dem Ort ein einladendes Flair. Eine Besonderheit: Der vor rund einhundert Jahren in Vergessenheit geratene Weinbau wird seit einigen Jahren wieder von Privatpersonen kultiviert. Ein gemütlicher Ort für ein paar entspannte Tage in einer schönen Kulturlandschaft.

Um die Bregenzerwald-Runde abzuschließen, geht es über Dornbirn, mit fast 50.000 Einwohnern die größte Stadt in Vorarlberg mit etlichen Sehenswürdigkeiten, zurück ins Rheintal. Ich beschränke mich für dieses Mal auf einen Bummel über den architektonisch interessanten Marktplatz. Er vereint Baustile aus dreieinhalb Jahrhunderten, vom 17.

Jahrhundert bis in die Neuzeit. Samstags kaufen Einheimische und Gäste hier auf dem Wochenmarkt ein.

Fazit der Bregenzerwald-Tour: Für dieses leckere Fleckchen Erde reicht ein einziger Besuch mit Sicherheit nicht aus.

Mit dem passenden Campingplatz können aber gezielt Schwerpunkte gesetzt und besichtigt werden.

Tipp der Autorin

Kulinarisches Wandern: Frisch, regional und raffiniert: Ob auf der Alm, im urigen Wirtshaus oder im ausgezeichneten Restaurant – auf gutes Essen legt man im Bregenzerwald großen Wert. Viele der Spezialitäten stammen von Bauernhöfen oder aus kleinen Manufakturen. Vor allem der Bergkäse mit jahrhundertelanger Alptradition hat der Region große Beliebtheit bei Feinschmeckern eingebracht: Für Käsekenner ist der Bregenzerwald so etwas wie das Bordeaux für Weinliebhaber. Einblicke in die Genusskultur geben vielfältige Programme und Veranstaltungen, von der Alpwanderung bis zum Sennkurs. Mehrere Angebote kombinieren kulinarische Genüsse mit Bewegung: von der E-Bike-Tour auf eine Alpe im Sommer bis zu abwechslungsreichen Touren beim „Kulinarisch Wandern“. Selbstverständlich kann man aber auch auf eigene Faust losziehen und sich von den einladenden Speisekarten inspirieren lassen. Beim Gasthaus Engel in Bezau kann ich die köstlichen Spinatknödel empfehlen. Kontakt: Wirtshaus Engel, Platz 29, A-6870 Bezau, Tel.: 0043-5514/2203, www.gasthaus-engel.at

INFO

Bregenzerwald Tourismus GmbH, Gerbe 1135, A-6863 Egg, Tel.: 0043-5512/2365 www.bregenzerwald.at