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Zwischen Orient und Okzident


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segeln - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 09.11.2022

Top-Reviere Türkei

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Die Ortaköy-Moschee liegt gleich am Wasser des Bosporus

In keinem anderen Mittelmeerland sind die Segelreviere so unterschiedlich wie in der Türkei. Man vergleiche nur die seglerisch kaum erschlossenen Küsten des Schwarzen Meeres mit den ausgereizten Revieren zwischen Bodrum und Marmaris. Dazwischen liegt mit dem Güllük Körfezi ein Seegebiet, das sich, wie es scheint, aus dem Bewusstsein der Segler verabschiedet hat. Lykiens Küsten konnten sich viel von dem erhalten was sie schon immer so liebenswert gemacht hat; mit ein Grund könnte sein, dass die Pfade zwischen Göcek und Antalya zu wenig ausgetrampelt und Charterseglern daher suspekt sind. Was dahinter folgt, ist ein touristischer Gräuel. Segler hingegen haben dieses Revier zwischen Side und Alanya noch nicht für sich entdeckt; von dem, was sich dahinter bis zur syrischen Grenze erstreckt, gar nicht zu reden. Dabei ist gerade dieser Teil der Küste ein Traum für alle, die die Türkei ...

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... noch so erleben möchten, wie das Revier einst war: Gastfreundschaft wird großgeschrieben, Herzlichkeit gratis mitgeliefert; die Küsten triefen vor Kultur, das Segelrevier geizt nicht mit Reizen. Bis hinunter nach Samandağ! Von dessen Hafen kann dann in einem Nachttörn nach Zypern segeln, dessen Nordküste die Reviere der Türkei effektvoll abrunden würde.

1 Marmarameer – Istanbul: Zwischen Harem und Serail

Istanbul ist wohl die einzige Millionenmetropole der Welt die auf zwei Kontinenten liegt. Ein Traum für Segler, sollte man meinen. Doch leider gibt es da diesen Schlag nordwärts, meist gegen den Wind und in den Dardanellen auch immer gegen einen Strom, der vier Knoten und mehr erreichen kann. So gesehen ist der „Hellespont“, wie die Wasserstraße in der Antike (nach einem der zahlreichen Ableger von Zeus‘ außerehelichem Liebesleben) benannt worden war, eigentlich ein Fluss, der immer nur in eine Richtung strömt: südwestwärts. Bergwärts sollte man sich daher nahe ans Ostufer halten.

Nur so kann man dem Strom halbwegs und dem Schiffsverkehr (der hier absolute Priorität hat!) am besten entgehen. Yachten finden in der Enge nur wenig Schutz. Çanakkale‘s Hafen bietet gerade so viel an Sicherheit, dass man unbesorgt mit dem Bus zu den Ausgrabungsstätten nach Troja fahren kann. Nahe der engsten Stelle, an der Leander Nacht für Nacht zu seiner Hero geschwommen sein soll, kann man ebenso ankern wie in der Bucht bei Gelibolu, die sich auch gut zum Übernachten eignet. Dort liegt man schon nahe der Einfahrt ins Marmara Meer. Zu früh freuen sollte man sich allerdings nicht: Zwar läuft der Strom nur noch mäßig gegenan, dafür bekommt man den Meltemi nun voll auf die Nase. Beide bremst man am besten mit einer Strategie der kleinen Schritte aus. Dabei lernt man so unverdorbene Reviere kennen wie Kapidağ und die sie umgebende Inselwelt. Auch die Ankerplätze der Avşa Inseln und Paşalimani bieten sich an, ebenso wie der stimmungsvolle Hafen von Marmara Adasi mit seinem zutiefst türkischen Ort. Einige Häfen am Festland und die Ankerplätze zwischen den Princes Inseln runden das Angebot ab. Nun ist es nicht mehr weit bis Istanbul. In der Ataköy Marina liegt man sicher und zudem nahe an einem Altstadtviertel, in dessen Restaurants man noch mit Köstlichkeiten aus der türkischen Küche verwöhnt wird. Auf einen Raki als Aperitif und auf Wein zum Essen muss man allerdings verzichten, denn hier hält man sich noch an die Verbote des Propheten. Nicht so wie dort, wo sich die Touristen drängen: in den Moscheen, der Hagia Sophia, dem Topkapı Palast. Will man im Bazar fotografieren, verlangen manche schon ein Bakschisch, und auf der Brücke über das Goldene Horn kann man sich der Schlepper kaum erwehren. Um den Zauber dieser Stadt zwischen Orient und Okzident einzufangen, bedürfte es mehr Zeit als Segler üblicherweise haben. Freuen darf man sich auf den Schlag zurück in die Ägäis, denn nun schiebt der Strom. Nun fliegt das Boot vor dem achterlichen Wind übers Wasser, nicht selten bis hin zum British War Memorial im Süden der Gallipoli-Halbinsel, wo man im Anit Limanı über das Glück philosophieren sollte, dass uns derart unsinnige Schlachten in noch unsinnigeren Kriegen erspart geblieben sind.

2 Güllük Körfezi: Das vergessenen Revier

Es gibt wohl nur wenige Segler, denen der „Güllük Körfezi“ überhaupt etwas sagt. Was auch kein Wunder ist, denn im Gegensatz zu dem Revier zwischen Datça und Fethiye, in dem die Dichte an Charteryachten schon beängstigende Ausmaße angenommen hat, verirren sich nur wenige in dieses Revier nördlich von Bodrum. Wer es näher kennen lernen möchte, dem bietet sich die südlich des Güllük Körfezi gelegene Port Bodrum Yalıkavak Marina als Ausgangspunkt an. Von hier muss man gegen einen meist kräftigen Meltemi in den weiträumigen Golf bis dorthin kreuzen, wo er sich in vier kleinere Buchten verzweigt. So mancher, der im Asin, Çam, Kazıklı und Akbük Körfezi gesegelt ist, war davon begeistert. Manche fanden das Revier sogar „spektakulär“. Das lag wohl daran, dass es so unspektakulär ist. Daher sind diese „Körfezi“ auch nur etwas für Segler die einsame von bewaldeten Hügeln gesäumte Buchten lieben, die bereit sind sich abends mit einer Kneipe am Strand zu begnügen und sich an friedvollen Nächten vor Anker erfreuen können. Restaurants mit Anlegern vor gedeckten Tischen sucht man hier vergebens. Man darf sich auch nicht daran stoßen, dass immer größere Ferien-Resorts an den Ufern, ebenso wie Fisch- und Muschelzuchtanlagen in den Buchten, hier noch üppiger gedeihen als anderswo an den Küsten der Türkei. Trotz der Abgeschiedenheit braucht man im Güllük Körfezi nicht auf Kultur zu verzichten. So kann man die Überreste von Bargylia und Iassos besuchen, die in der Antike wohlhabende von wehrhaften Mauern beschützte und von ihrer Akropolis gekrönte Städte waren. Schöner an Kariens Küsten ist nur noch Didyma, eine Apoll geweihte Tempel Anlage. Während man durch diese nach Delphi größte Orakelstätte schlendert, sollte das Schiff schon in der Didim Marina liegen, in der die meisten Törns durch den Güllük Körfezi enden. Oder auch beginnen!

3 Gökova Körfezi: Zwischen Schlachtfeld und Liebesnest

Kleopatra und Marc Anton turtelten im antiken Dedrae, Alexander der Große besiegte die Perser bei Halikarnassos. Dessen Überreste findet man nahe Bodrums Hafen, der sich als Ausgangspunkt für einen Törn im Gökova Körfezi anbietet. Der erste Schlag sollte an die Südspitze der Datça-Halbinsel führen. Von der Stadt, die in der Antike als Zentrum der Heilkunst und Hort der Wissenschaften galt, ist zwar nicht mehr viel erhalten, doch die Bucht von Knidos bietet Yachten noch immer jenen Schutz, den sie schon den Handelsschiffen der Antike gewährt hatte. Abends kann man in dem (leider nicht immer geöffneten) Restaurant von jenen Zeiten träumen, als hier der Leuchtturm von Alexandria (immerhin eines der sieben Weltwunder) geplant worden war. Tags darauf muss man sich ein Stück nach Luv erkämpfen, bevor man abfallen und sich vom Meltemi in jenes Segelrevier blasen lassen kann, das sich vom antiken Schlachtfeld bis hin zum ebenso antiken Liebesnest erstreckt. Schon die Yedi Adalari sind ein Höhepunkt. Nachdem man in die von vier der sieben Inseln umschlossenen Bucht eingelaufen ist, sollte man sich nach Backbord halten, denn brauchbare Ankertiefen finden Yachten nur in der Ecke im Nordosten der Lagune. Für die nun folgenden zwanzig Meilen bräuchte man vor allem was uns allen heute am meisten fehlt: Zeit. Buchten über Buchten fressen sich in die Küstenlinie hinein, eine ist schöner als die andere. Wer hier nicht eine Woche versacken möchte, sollte es halten wie mit Pralinen: immer nur die besten herauspicken. Diese haben nur den Nachteil, dass sie auch bei den Gulets und ihren trinkfreudigen Gästen beliebt sind. Ein Bad im Kargilibük Liman, ein Abend in einer der Buchten des Değirmen Bükü oder eine Nacht in Söğüt sollte man sich aber schon gönnen, bevor man weiter zu Kleopatras und Marc Antons Liebesnest segelt. Das befand sich auf der heute Şehir Adasi benannten Inselgruppe, innerhalb der man zwar offen aber doch gut geschützt liegt. Ob man weiter nach Akbük segelt, hängt von den Launen des Meltemi ab. Lässt der mit pfeifenden Fallböen aus 900 Metern Höhe grüßen, kann der Aufenthalt dort recht ungemütlich werden. Bei solchen Bedingungen setzt man den Kurs besser nach Cökertme ab, wo die Nachfahren des Käpt’n Ibrahim vielleicht noch jenes Restaurant betreiben, an dessen Steg das Schiff so sicher liegt, dass man auch mal – mit einem Raki zum Einstimmen oder der einen oder anderen Flasche Wein zum Fischessen – gegen das Nüchternheitsgebot des Propheten verstoßen darf. Glücklich wer dann noch die Zeit findet, sich die eine oder andere Bucht aus dem reichlichen Angebot herauszupicken, bevor der Törn nahe jenem Halikarnassos endet, vor dessen Mauern sich schon abzeichnet hatte, dass aus Alexander einmal „der Große“ werden könnte.

Ob man weiter nach Akbük segelt, hängt von den Launen des Meltemi ab.

4 Hisarönü & Yeşilova Körfezi: Mehr Restaurants als Buchten

Die heiße Phase des Törns im Hisarönü und Yeşilova Körfezi beginnt in Datça mit dem Kampf um die letzten freien Liegeplätze am Kai. Die Skipper der Gulets zeigen, wie’s gemacht wird: Eisen rein und dann voll zurück in die Parklücke. In Datça‘s Hafen wird, anders als in dem biederen Städtchen, Seglern für wenig Geld richtig was geboten; Wasser und Strom miteingeschlossen. Das lockt bereits am frühen Nachmittag die ersten Yachten an. Wer da zu spät kommt muss sich mit einem Liegeplatz in der zweiten Reihe begnügen oder vor dem Hafen ankern. Entlang der Südküste der Datça-Halbinsel laden viele Buchten zum Verweilen ein. Der einen oder anderen könnte man widerstehen, nicht jedoch dem Bençik Limani, der sich für eine Kaffeepause geradezu anbietet. Grün bewaldet sind die Hügel, die ihn säumen, ein Problem die großen Wassertiefen, die eine Landleine notwendig machen. Ob man den Golf bis zu seinem östlichen Ende ausreizt oder schon vorher in den Keçi Bükü abzweigt, muss jeder für sich entscheiden. Ziegen gibt es zwar in dieser „Ziegen-Bucht“ keine mehr, dafür aber jede Menge Restaurants. Auf ihren Terrassen lässt sich nachts, mit etwas Glück sogar von einem türkischen Halbmond beschienen, ein türkisches Mahl so richtig genießen. Am nächsten Tag braucht man nur zweimal ums Eck zu segeln und schon öffnet sich vor dem Bug der Selimiye Koyu. Hier sollte man sich für ein Restaurant entscheiden, das Mooring-Leinen anbietet, denn die Ankertiefen sind groß und man kann sich nie darauf verlassen, dass der – hier meist quer einfallende Meltemi – sich auch mit der Sonne verabschiedet. Es wäre doch zu schade, wenn das unvergleichliche Fischessen abends durch Sorgen um das Schiff geschmälert würde. Mit dem Überangebot an Ankerbuchten ist es im Yesilova Körfezi vorbei. Dafür bietet sich Bozburun an, dessen Hafen abends meist gerammelt voll ist. Doch das scheint an der Männerwelt des Städtchens bisher spurlos vorübergegangen zu sein. So wie schon seit Altväter Zeiten, schlagen sie auch heute noch mit Karten, Würfeln und Dominosteinen die Zeit tot. Eigene Frauen sind dabei nicht erwünscht, die der Besucher werden im Lokal geduldet. Aber der Çay wird erst dem Skipper serviert! Ganz frei nach Goethe: „Hier ist er noch Mann, hier darf er’s noch sein!“

Infobox

Reisedokumente: Personalausweis, besser Reisepass. Österreicher benötigen Pass und Visum. Währung: 1 € = 10 TL. Die türkische Lira wurde in den letzten Jahren stark abgewertet, der Kurs schwankt. Daher empfiehlt es sich, Lira erst vor Ort aus dem Bankomat zu holen. Kreditkarten: In der Türkei wird überwiegend mit Bankomat- und Kreditkarten bezahlt. Alle gängigen Karten werden akzeptiert. Notruf: Ambulanz 112, Polizei 155, Feuerwehr 110. Sprache: Im Südosten wird oft nur Türkisch gesprochen. Sonst wird vor allem Englisch – in den Touristengebieten aber auch Deutsch – gut verstanden. Zeitunterschied: MESZ + 1 h, MEZ + 2 h. In der Türkei gibt es keine Zeitumstellung. Gesundheitsrisiko: gering. Sicherheit: gut bis sehr gut. Essen & Trinken: 8 bis 25 Euro. In Istanbul und zum Teil auch in den Touristenhochburgen an der Südküste bis 35 Euro. Ambiente: Das Revier ist – ausgenommen der Abschnitt zwischen Side und Alanya – ein Erlebnis für jeden, der die Türkei von ihrer schönsten und ursprünglichsten Seite kennenlernen möchte. Seekarten: Die für das jeweilige Revier angebotenen Imray-Karten sollten reichen. Für den äußeren Südosten und Zypern empfehlen sich die entsprechenden türkischen Karten. Auch die britischen sind sehr genau. Nautische Literatur: Rod Heikell: „Turkish Waters & Cyprus Pilot“.

Wind & Wetter: Im Marmara-Meer kann man noch früh im Juni und spät im September von Schlechtwetter überrascht werden. In allen anderen Revieren kann man zwischen Ende Mai und Anfang Oktober mit gutem Segelwetter rechnen. Im Südosten, besonders an den Küsten um Adana, sind die Sommer unerträglich heiß. Dafür kann man dort bis Anfang November segeln.

Wetterberichte: Sehr zuverlässige Berichte bekommt man über sowie über https://seaman.wetterwelt.de.

Leuchtfeuer & Seezeichen: Das Revier ist gut betonnt und befeuert. Unbefeuert sind hingegen viele der Ankerbuchten, weshalb man sie nachts nicht anlaufen sollte.

Tidenhub: Um die 0,2 m. In den Dardanellen bis zu 0,5 m

Navigation: Mit Ausnahme der Überfahrt nach Zypern ausschließlich terrestrisch. Der Plotter ist immer eine willkommene Hilfe.

Einreise & Zoll: Wer in der Türkei ein Boot chartert, muss nur noch darauf achten, die Fäkalientanks seines Bootes in den Häfen zu entleeren und sich dies auch bestätigen zu lassen. Wer mit dem eigenen Schiff in türkischen Gewässern segeln möchte, muss auf kürzestem Weg einen Einklarierungshafen ansteuern. Die Prozedur ist fast immer umständlich, zeitraubend und auch nicht billig. Die gewährte Aufenthaltsdauer darf nicht überschritten werden; am Ende muss man ordnungsgemäß ausklarieren. Verstöße gegen diese Auflagen oder Pendeln zwischen der türkischen Küste und den griechischen Inseln kann teuer kommen, ein Einreiseverbot bewirken und sogar dazu führen, dass das Boot beschlagnahmt wird. Auch sollte man türkische Beamte nicht mit EU-Flaggen reizen.

Restaurants: Das Essen in der Türkei unterscheidet sich beträchtlich von dem, was man hier in den Döner-Buden vorgesetzt bekommt. Schon ein türkisches Frühstück kann ein Erlebnis sein, von einem Abendessen, samt der großen Auswahl an Vorspeisen, gar nicht zu reden. Außerhalb der Tourismusgebiete wird üblicherweise kein Alkohol serviert. Ausgenommen in der Zollfreizone Nord-Zypern. Hier kann man vom Bier bis zum Raki alles zu sehr günstigen Preisen kaufen.

Gebühren Ankerplätze: Manche Kommunen kassieren auch fürs Ankern ab. Man sollte sich unbedingt eine Rechnung geben lassen.

Klima / Kleidung: Während im Marmarameer oft bis in den Sommer hinein gemäßigte Temperaturen herrschen, wird es im Südosten, besonders in der Çukurova und im Golf von Iskenderun, oft schon sehr warm, in den Sommermonaten dann unerträglich heiß. In den Revieren zwischen diesen Extremen, kann man mit üblichen mediterranen Temperaturen rechnen. Im Norden und überall dort, wo der Meltemi all seine Kraft ausspielen kann, sollte ein Ölzeug immer mit an Bord sein. An Land reicht übliche Sommerkleidung. Frauen sollten sich darüber klar sein, dass die Türkei ein überwiegend moslemisches Land ist.

5 Golf von Fethiye:

Man getraut sich kaum den Fethiye Körfezi als Segelrevier anzubieten. Schon gar nicht für eine Woche. Erst nachdem man sich mit den 18 Seiten (mit den Randgebieten sind es sogar über 20) im Segelführer auseinandergesetzt hat, begreift man, welch ein Schatz an Buchten und Ankerplätzen sich hier auf kleinstem Raum anbietet. Deshalb sollte in diesem Golf, der im Norden von Göçek und im Osten von der eigentlichen Bucht von Fethiye begrenzt wird, jeder sein Glück finden. Ausgenommen jene, für die ein Törn Meilen fressen bedeutet. Noch vor wenigen Jahren war Göçek ein kleiner Ort; Bedeutung erlangte er erst, nachdem er sich ganz dem Yachttourismus verschrieben hatte. Mittlerweile muss man den Hafen durch eine zwischen all den davor ankernden Yachten mühsam freigehaltene Fahrrinne ansteuern. Dabei gäbe es in Göcek sechs Marinas. Doch selbst die reichen nicht, um all jene Yachten aufzunehmen, deren Crews sich ins Vergnügen stürzen möchten. Wer vom Trubel an Land genug hat, braucht nicht weit zu segeln: Schon ein paar Meilen südlich davon bieten sich so viele Buchten an, dass einem die Wahl schwerfällt, in welcher man den Anker fallen lassen soll. In wenigen gibt es ein Restaurant, die meisten haben nur einsame Ufer anzubieten. Da nur einige von Land aus zugänglich sind, bleiben Segler in ihnen weitgehend unter sich. Auch Fethiye ist ein beliebtes Ziel. Dabei hat die Stadt, an deren Rand einige Felsengräber des antiken Telmessos für einen Hauch von Kultur sorgen, nur wenig zu bieten. Schuld daran sind zwei Erdbeben, die alles, was hier einmal reizvoll war, zerstört haben. Die Altstadt ist nicht viel mehr als ein Touristenviertel, in dem man allerdings gut essen kann. Auch wer Spaß am Shoppen hat und sich nicht daran stößt, mit allen nur erdenklichen Tricks in die Läden gelockt zu werden, sollte hier auf seine Rechnung kommen. Vor allem Familien werden, trotz mancher Schattenseiten, wie übervolle Buchten und überteuerte Restaurants, im Golf von Fethiye ein ideales Revier vorfinden. Und wenn es ihnen hier mal zu eng werden sollte, dann bieten sich sowohl östlich als auch westlich davon einige Buchten mit durchaus attraktiven Ankerplätzen an.

6 Lykien:Querab liegt die Antike

Die Lykier geben uns noch immer Rätsel auf. Homer hatte sie schon in seiner Ilias erwähnt, doch wer heute entlang der nach ihnen benannten Küste segelt, den erinnern nur noch steinerne Sarkophage an dieses mystische Volk. Mit etwas Glück wird man vom Meltemi, vorbei an den Yedi Burunlar, bis Kalkan geblasen. Mit dessen Hafen sollte sich jeder Segler anfreunden können, die sehr touristische Atmosphäre des Ortes ist hingegen nicht jedermanns Sache. Wer hier Lokalkolorit vermisst, kann sich in Kaş dafür entschädigen lassen. Aber nur, wenn er die Marina meidet und sich im Hafen mit einem nicht selten abenteuerlichen Liegeplatz am Fuße der heimeligen Altstadt begnügt, die sich viel von ihrem Flair bewahren konnte. Der nächste Schlag endet bereits im Üçağiz Limani, auf einem völlig vom Land umschlossenen Ankerplatz. Wem abends die Wahl des Restaurants schwerfällt, sollte im Zweifel auf Altbewährtes setzen und sich im „Hassan“ mit türkischen Spezialitäten verwöhnen lassen. Seitdem die Restaurants in Kale Köy Liegeplätze an eigenen Stegen anbieten, entscheiden sich aber immer mehr Segler für diesen kleinen Ort zu Füßen eines venezianischen Forts. Wer gut zu Fuß ist, sollte sich abends zu dessen Ruinen hinaufmühen und, nachdem er von dort den Sonnenuntergang genossen hat, den Weg zurück durch die Nekropole mit ihren Sarkophagen aus lykischer Zeit wählen. Die schönste Bucht des Törns, der Gökkaya Limani, liegt gleich um die Ecke. Ein Leckerbissen! Doch den spart man sich besser für den Rückweg auf: Dann kann man seine Atmosphäre unbeschwerter genießen und auch länger davon zehren. Finike hat wenig Atmosphäre, dafür aber einen Hafen dem man sein Schiff anvertrauen kann, wenn man die antiken Stätten von Myra oder Demre besuchen möchte. Die meisten Yachten runden jedoch Taşlik Burnu und legen vielleicht noch einen Badestopp vor Sulu Ada ein, bevor sie die Nacht im Çineviz Limani, umgeben von einer spektakulären Bergwelt, vor Anker verbringen. Wenn die Spitzen der umliegenden Berge von der Sonne rosig gefärbt werden, sollte man aber schon wieder unterwegs sein. Denn vieles, was einen Besuch lohnt, liegt an diesem Tag vor dem Bug. Schon nach wenigen Meilen gibt es die Ruinen von Olympus zu erkunden, und gleich dahinter wartet mit Chimaira ein Ort, dessen „ewige Flammen“ keine Chimäre sind, sondern von austretendem Erdgas gespeist werden. Genießen kann man diese Ausflüge aber nur bei besten Verhältnissen, denn die Buchten, in denen man das Schiff sich einige Zeit selbst überlassen muss, sind nur weit offene Ankerplätze. Nicht so in Phaselis. Hat man die versunkene Mole des antiken Handelshafens an Steuerbord gelassen, ankert man inmitten antiker Stätten, die nicht zuletzt deshalb so geschichtsträchtig sind, weil Alexander der Große von 334 auf 333 vor Christus hier überwintert hatte. Die Bucht ist aber nicht nur stimmungsvoll, sie eignet sich auch gut zum Übernachten. Viele Yachties zieht es jedoch abends nach Kemer, weil sie von dessen Hafen aus mit wenigen Schritten bei den Tischen der Restaurants mit ihren oft hervorragenden türkischen Gerichten sind.

Die schönste Bucht des Törns, der Gökkaya Limani, liegt gleich um die Ecke. Ein Leckerbissen!

7 Südosttürkei:Neuland zu entdecken!

Wo im Mittelmeer gibt es noch Weite statt Enge, wo findet man noch Einsamkeit statt Gedränge? Es mag ja noch einige solcher Segelreviere geben, doch nur wenige sind so schön und wohl keines wirkt so vergessen wie die Südostküste der Türkei. Angelockt von der reizvollen Altstadt, schaffen es manche Segler bis Antalya. Doch wer tut sich schon den Schlag entlang endloser Sandstrände bis Side oder gar bis Alanya an? Wo doch beide Stätten touristisch ausgereizt sind und selbst Side – trotz seiner Ausgrabungen – nicht viel mehr als einen Kurzbesuch wert ist? Erst was dahinter folgt ist ein Erlebnis: eine Reise zurück in jene Zeit, als im Mittelmeer noch Fahrtensegeln angesagt war. Schon entlang der Küste des „wilden“ Kilikiens, wird man nur selten einer anderen Yacht begegnen. Keine Bucht schneidet hier tief in die felsige Küste ein, Fallböen pfeifen von den Ausläufern des Taurus-Gebirges herab; die Ankerplätze sind offen, fast immer hat man sie für sich allein. Erst nachdem man Kap Anamur gerundet hat, öffnen sich wieder weite Buchten mit Stränden aus feinstem Sand. Vor Anamurium, der Ruinenstadt aus römischer Zeit, kann man ebenso ankern wie vor der Kreuzritterfestung, dem Mamure Kalesi. Dazwischen liegt mit Anamur die erste ausschließlich türkische Stadt, von deren herbem Flair man sich auf das einstimmen lassen kann, was einem auf dem weiteren Törn erwartet. Dort warten mit Bozyazi, Aydincik und Yesilovacik Häfen, die alle sichere Liegeplätze und Orte mit eigenem Reiz bieten. Doch müssen es immer Häfen sein? Die Doppelbucht von Soğuksu bietet ebenso Schutz wie die Buchten von Ovacik, wenn auch nicht so guten wie diese Traumbucht von Ağalimani. Nicht so sicher liegt man in der Bucht von Kizkalesi: Doch wer würde sich schon das Erlebnis entgehen lassen, vor den weißen aus dem tiefblauen Meer aufragen Mauern dieser Festung zu ankern? Dahinter erstreckt sich die Çukurova. In den Marinas von Kumkuyu oder Mersin liegt das Boot sicher, wenn man eine Auszeit nehmen und das Hinterland erkunden möchte. Darunter befinden sich so geschichtsträchtige Orte wie Tarsus, wo sich Kleopatra und Marc Anton kennen gelernt und der Apostel Paulus gepredigt haben soll. Es lohnt sich auch, weiter über Karatas nach Ayaş zu segeln. Von diesem kleinen Hafen sollte man sich (nach einem Frühstück mit den hier so unvergleichlichen Börek) verabschieden und quer über den sonst reizlosen Golf direkt nach Iskenderun segeln; auch wenn dessen Hafen schlechter als versprochen ist, so ist die Stadt doch viel besser als ihr Ruf. Antakya (das geschichtsträchtige Antiochia der Bibel) besucht man aber besser von Samandağ aus. In dessen Hafen liegt das Schiff nicht nur sicher, man könnte von ihm auch in einem Nachttörn hinüber nach Zypern segeln.

8 Zypern-Nord:

Der Norden Zyperns gilt für fortgeschrittene Segler und abenteuerlustige Aussteiger auf Zeit als eines der reizvollsten Reviere im Mittelmeer. Es hat auch nicht darunter gelitten, dass man heute in Girne mit einem „Merhaba!“ begrüßt wird und nicht mit „Kalimära!“, wie es üblich war, als Zyperns Perle noch Kyrénia hieß. So mancher, der aus der Türkei kommt, segelt in den Golf von Morfou und lässt sich erst dann, von dem im Sommer vorherrschenden Westwind, weiter zum Einklarieren nach Girne blasen. (Was nicht ganz korrekt ist!) Dort ist es mit der Ruhe, die das Revier sonst ausstrahlt, erst mal vorbei. Denn die Stadt pulsiert. Wem es gelingt, im alten Hafen einen Liegeplatz zu ergattern, wird dies nicht überhören können. Dort – und mit Abstrichen auch in der Delta-Marina im Handelshafen – liegt das Schiff sicher. Was man von den nun folgenden Meilen nicht behaupten könnte. Zwar bieten sich auch in diesem Teil der Küste Buchten an, doch die sind alle nach Nord weit offen. Da in den Sommer Monaten der Wind meist aus West weht, findet sich aber immer ein Winkel oder ein Kap, hinter dem man sich verkriechen kann. Häfen gäbe es zwar auch, doch die sind für Yachten meist zu klein und ihre Einfahrten neigen obendrein zum Versanden. Einzig die Karpaz Gate Marina bietet perfekten Schutz und zudem einiges an Komfort. Mit der Nordküste der Karpaz Halbinsel liegt nun ein naturbelassenes Juwel und der wohl schönste Teil des Törns vor dem Bug. Der muss nicht am nordöstlichen Kap enden; auch die Kilometer langen Sandstrände der Südküste sind lohnende Ziele. Obwohl: Auch hier bieten sich kaum schützende Buchten an. Da man während der Sommermonate hier aber im Lee der Insel liegt, kann man überall unbesorgt ankern. Und sollte das Wetter doch mal verrücktspielen, kann man sich immer noch in den Hafen von Famagusta flüchten. Der liegt am Rande einer so verschlafenen Altstadt, dass man zwischen all den Relikten aus venezianischer Zeit jenes „Willkommen auf Zypern!“ zu vernehmen meint, mit dem Shakespeares Mohr von Venedig hier einst begrüßt worden war.

Text: Carl Victor