Ein langer, blutiger Weg

Spiegel Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 25.09.2018 ⋅ Seiten 36-41 ⋅ Lesedauer ca. 12 Min.

Ein langer, blutiger Weg

DerErste Kreuzzug verlief chaotisch. Keiner der bewaffneten Pilger ahnte, welche Strapazen bevorstanden. Nur wenige schafften es bis nach Jerusalem – die Stärksten und Brutalsten.

Im Jahr 1095 stand das Ende der Welt bevor. Daran konnte es keinen Zweifel geben, die Zeichen waren eindeutig. Am Himmel wurde ein Komet gesichtet, dessen Schweif wie ein Schwert aussah. Eine Mondfinsternis tauchte die Erde in Dunkelheit. Beobachter erzählten von Wolken in der Farbe von Blut. Ein Priester namens Siggerius sah zwei himmlische Reiter am Firmament, einer von ihnen erschlug den anderen mit einem gigantischen Kreuz.

Nicht nur am Himmel, auch auf der Erde mehrten sich die Vorzeichen. Eine Frau gebar nach zweijähriger Schwangerschaft ein sprechendes Kind. Ein Baby kam mit vier Armen und Beinen zur Welt, ein anderes mit zwei Köpfen. Erdbeben schüttelten den Boden, Seuchen und Hungersnöte wüteten. Tausende fielen dem Antoniusfeuer zum Opfer, einer Vergiftung durch Mutterkorn.

Ein Gerücht eilte von Ort zu Ort, dass Karl der Große von den Toten zurückgekehrt sei, um sein ...

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