Morgendämmerung Bezahlkultur

Dawn of the Dollar

Markus Schöberl Blog Leave a Comment

Nein, es geht in dieser Kolumne nicht um Finanzmärkte und nicht um die relative Stärke des Dollar. Die US-Währung dient hier nur als stabreimbarer Platzhalter für ‘Geld’ in der an einen bekannten Filmtitel angelehnten Überschrift. ‘Morgendämmerung für Bezahlangebote’ ist gemeint, klingt aber nicht so gut.

Es klingt außerdem zu sehr nach dem berühmten ‘Silberstreif am Horizont’, der gerne bemüht wird, wenn man in pechschwarzer Nacht ein unverbindliches Hoffnungssignal ausmachen möchte. Aber genau wie im Zombie-Streifen Dawn of the Dead die Untoten ganz unaufhaltsam die Erde erobern, sahen wir zuletzt eine auffällige Häufung von Hinweisen, dass neben der digitalen Gratiskultur derzeit ganz unaufhaltsam eine Paid Content-Welle ins Rollen kommt.

Youtube scheint kurz davor zu stehen, seinen Nutzern eine werbefreie Alternative anzubieten, für die eine monatliche Abogebühr fällig wird.

Der Guardian lässt sich zwar weiterhin öffentlich nicht darin beirren, dass seine digitalen Angebote gratis nutzbar sein sollen. Aber ihr Geld verdient auch die englische Zeitung vor allem mit dem Vertrieb (Print, Apps und seit einem Jahr auch ‘Mitgliedschaften’). Der für diese Bereiche verantwortliche Manager wurde nun in die Geschäftsleitung beordert. Das Thema Endkundenerlöse wird damit deutlich aufgewertet.

Während Youtube und der Guardian [vorerst] auch weiterhin kostenlos nutzbar bleiben, haben die deutschen Krautreporter im vergangenen Monat angekündigt, ihre Inhalte nun doch hinter eine Paywall zu stellen. Mit dem vorangegangenen Mitgliedschaftsmodell bei gleichzeitiger Gratis-Website waren nicht genug Bezahler zu gewinnen.

Die chronisch unterbepreisten US-Zeitschriften sind zwar nicht gratis, aber sie verdienen wegen ihrer extrem hohen Aborabatte kaum etwas am Vertrieb. Nun will Esquire hier mit einem bezahlpflichtigen Archiv-Angebot etwas ändern. Kurioserweise mit einem höheren Abo-Preis für die Archivnutzung als für die jeweils aktuellen Hefte.

Und Google –das ist wahrscheinlich nur den Spezialisten aufgefallen – änderte im September seine ‘First-Click-Free’-Philosophie. Statt mindestens fünf Gratisartikeln ‘müssen’ Google-gelistete Nachrichtenwebsites zukünftig nur noch drei Artikel pro Tag zur kostenlosen Lektüre vorhalten.

Das sind fünf völlig verschiedene, aber jeweils auf ihre Art sehr plakative Beispiele für das erstarkende Vertrauen in eine kommende Bezahlkultur. Und sie stammen aus nur einem Monat. Das ist mindestens eine Morgendämmerung.

Bildquelle: Rawpixel.com/Shutterstock.com

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