Worte haben Power

Begriffe sind mehr als Schall und Rauch

Markus Schöberl Blog Leave a Comment

Von einem guten Verkäufer sagt man, dass er selbst einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen könne. Das wird ihm aber nur dann gelingen, wenn er im Verkaufsgespräch die richtigen Worte findet. Das Thema der richtigen Worte und Begriffe führt kurioserweise zurück zu den Eskimos.

Wie wichtig Begriffe und Wörter sind, das ist der Kerngedanke einer (höchst umstrittenen) sprachwissenschaftlichen Theorie: der Sapir-Whorf-Hypothese. Vereinfacht ausgedrückt sagt diese: nur wofür wir Wörter haben, das können wir auch denken. Weil die Hopi-Indianer in Ihrer Grammatik keine Zeitformen kennen, verfügten sie auch nicht über das gleiche gedankliche Verständnis von Zeit, wie unsere Gesellschaft.

Und umgekehrt soll sich die Bedeutung des Themas ‘Schnee’ für Eskimos in deren Sprache in Form einer ungewöhnlichen Begriffsvielfalt niedergeschlagen haben. (Beide Behauptungen stammen wie die ganze Theorie aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts und sind wohl sachlich nicht korrekt.)

Wenn an dieser Hypothese etwas dran wäre, dann sollte man vermuten, dass die Vertriebs- und Abomarketingverantwortlichen in Verlagen einen ganzen Blumenstrauß an Begriffen für die Angebotsformen in der Abonnementwerbung entwickelt haben. Haben Sie aber nicht. Ein Probeabo, das sich am Ende des Testzeitraums in ein reguläres Abo umwandelt, wenn der Kunde nicht aktiv widerspricht, heißt im Fachjargon stets “Negativoption”. Kein Wunder, dass sich da bei vielen Verantwortlichen keine positiven Assoziationen und oft auch keine Geschäftsphantasien einstellen wollen.

Nach zahlreichen Telefonaten in Sachen Angebotsform habe ich den Eindruck gewonnen, dass dieser Begriff tatsächlich das Denken prägt. Er trägt seinen Teil dazu bei, eine per se ganz sicher nicht unseriöse Angebotsform bei vielen Vertriebsexperten zur No-Go-Area zu machen.

Aber wie auch immer ein Verlag sich bei diesem Thema positioniert: der Grund dafür darf nicht die bloße Tatsache sein, dass die Angebotsform nur unter einem sehr hässlichen Namen bekannt ist.

Wie wäre es mit einem Kreativwettbewerb mit dem Ziel, dem hässlichen Entlein “Negativoption” einen stolzen Namen zu verpassen? Ich werfe in den Ring:

  • “Serviceabo” (‘Sie müssen am Ende der Laufzeit nichts tun…’)
  • “open end Probe”
  • und für die verrückte Startup-Namen gewohnte Generation: “your choiz-Abo”

 

Bildquelle: Aysezgicmeli/Shutterstock.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.