Entsetzt über ständige Push-Nachrichten

Hilfe! Meine Zeitung spricht mit mir.

Markus Schöberl Blog Leave a Comment

Dienstleister, die Services rund um das In-App-Messaging erbringen, haben herausgefunden: Push-Nachrichten in Apps erhöhen die Nutzerbindung und die Nutzungsintensität. Das ist zwar nicht falsch, nur weil der Absender der Botschaft von der Nachricht profitieren möchte. Aber als App-Nutzer wissen wir auch: nicht alle Push-Nachrichten sind ein geschätzter Service. Manche nerven bis hin zur De-Installation der App.

Wie alle Kommunikation, so können auch Push-Nachrichten eine soziale Bindung genauso gut befördern wie beenden. Und wie bei aller Unternehmenskommunikation stellt sich darum die Frage: wer kommuniziert?

Und, wichtiger, was wird wie kommuniziert?

Wenn Medien, die aus der Print-Welt kommen, kommunizieren, dann gibt es mindestens zwei Seiten, die hier den Finger heben können. Die Chefredaktion, die zu Recht sagt: wir sind die Stimme der Zeitung/Zeitschrift. Und den Vertrieb, der ein Experte für den Dialog mit den Kunden sein sollte.

Bei In-App-Nachrichten funktioniert die traditionelle Verlagsorganisation nicht mehr. Klassische Marketingbotschaften (“Nutze Mich! JETZT!”) dürften der direkte Weg zur Verärgerung der Nutzer sein.

Aber welche redaktionellen Botschaften stattdessen wann und in welcher Form am besten platziert sind, das lässt sich nur mit systematischen Tests und deren Bewertung anhand endkundenorientierter Kennzahlen ermitteln. Eine Kernkompetenz der Vertriebsexperten und alles andere als ein Heimspiel für die Journalisten.

Redaktionen sind Experten im Sprechen, aber nicht im Zuhören.

Dialogmarketer hören zu, indem sie zählen. Und sie sind es gewohnt, Massen-Kommunikation zu personalisieren und zu individualisieren. Das gilt übrigens zum Beispiel auch für die langsam sich entwickelnde Idee, das inhaltliche Angebot von Apps und Websites abhängig vom Nutzerverhalten zu individualisieren.

Die gläserne Mauer zwischen Redaktion und Verlag kann im digitalen Bereich nicht funktionieren. Push-Kommunikation und nutzerindividuelle Ausgestaltung der redaktionellen Angebote machen ganz konkret deutlich, dass die Digitalisierung tatsächlich eine radikale Neu-Organisation von (Presse-)Unternehmen erfordert. Um erfolgreich mit ihren Lesern zu sprechen, müssen Zeitungen und Zeitschriften auch lernen, mit sich selber in den intensiven Dialog zu treten.

Bildquelle: PathDoc/Shutterstock.com

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