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Lesen Sie das Editorial von LinuxUser - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift LinuxUser - epaper die aktuelle Ausgabe 2/2019 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Lindows?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wer sich gelegentlich auch in englischsprachigen Medien über Linux und quelloffene Software informiert, der kennt unvermeidlich das Kürzel sjvn: Steven J. Vaughan-Nichols liefert seit Jahrzehnten technische Hintergrundinformationen und spitzzüngige Meinungsstücke über das Open-Source-Umfeld. Wo sein Name auftaucht, lese auch ich immer gern einmal hinein, auch wenn ich nicht immer derselben Meinung mit ihm bin. In seinem jüngsten Kommentar für den Branchendienst Zdnet.com orakelte svjn Mitte Dezember, er halte es durchaus für möglich, dass Microsoft schon in absehbarer Zeit ein „Lindows“ oder „MS Linux“ vorstellen könnte, also einen Desktop auf Linux-Basis ?. Für diese auf den ersten Blick recht steile These trägt er in seinem Kommentar eine ganze Reihe von Argumenten vor, die durchaus Hand und Fuß haben.

Dazu zählen nicht zuletzt die Erfahrungen von Microsoft mit seiner Cloud- Computing-Plattform Azure. Darauf laufen inzwischen mehr Linux- als Windows- Instanzen, Tendenz steigend. Mit Azure Sphere und Azure Cloud Switch gibt es dafür auch schon zwei Linux-basierte Microsoft-„ Distributionen“. Schon vor Langem hat Redmond seinen SQL-Server auf Linux portiert, und mit dem Windows Subsystem for Linux (WSL) unterstützt der Software-Gigant mittlerweile offiziell das Ausführen von Linux-Distributionen unter Windows. Seit Oktober gehört Microsoft dem Open Invention Network an, und sichert damit zu, keine Patentansprüche mehr gegen Linux oder damit in Verbindung stehende Software geltend zu machen. Auf der anderen Seite, so argumentiert Vaughan-Nichols, hat Microsoft mit Windows 10 nichts als Schwierigkeiten: Dessen Weiterentwicklung koste Microsoft zwar noch immer Milliarden, das Produkt bringe aber immer weniger Umsatz. Hinzu kämen völlig verkorkste Update-Releases wie das vom Oktober 2018. Wenn Microsoft jetzt schon seinen Webbrowser Edge über die Klinge springen lasse, um ihn durch Chromium zu ersetzen ?, was solle es dann daran hindern, den sperrigen und teuren eigenen Betriebssystemkern gegen einen Linux- Kernel auszutauschen? Die darauf aufsetzende Software jedenfalls stelle kein Hindernis dar, denn schließlich mache in der einen Richtung WSL und in der anderen Wine/ Crossover vor, was mit API-Mapping alles möglich sei. Wird 2019 also das Jahr des Lindows- Desktops? Wieder einmal goutiere ich zwar durchaus Steven Vaughan-Nichols’ Argumente, erlaube mir aber trotzdem, anderer Meinung zu sein: Es gibt schlicht keinen Use Case dafür. Dass Microsoft in der Cloud nicht um Linux herumkommt, steht außer Frage. Wer aber einen Linux- Desktop haben will, der kann ihn schon seit mehr als 20 Jahren nutzen, wie Sie und ich bestens wissen. Wer immer noch mit Windows herumlaboriert, der ist ohnehin so leidensfähig, dass ihn weder vermurkste Software noch das laufende Abgreifen von Daten noch abschrecken können. Ein MS Linux dürfte uns also erspart bleiben – sowohl 2019 als auch darüber hinaus.

Herzliche Grüße,
Jörg Luther, Chefredakteur

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Steckbrief von LinuxUser - epaper

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Ausgabe 2/2019 vom 17.01.2019
Erscheint monatlich , 12 Ausgaben pro Jahr
Sprache Deutsch
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Kategorie Computerzeitschriften, Tabletmagazine und Smartphonemagazine
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