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Lesen Sie das Editorial von Spektrum der Mediation - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift Spektrum der Mediation - epaper die aktuelle Ausgabe 74/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser
unser Leitthema erinnert mich an die Grenzziehung des Philosophen Ludwig Wittgenstein: Für ihn sind Sprache und Denken unauflösbar miteinander verbunden. Also müsse das Denken – wie beispielsweise die Philosophie – in erster Linie Sprachanalyse sein. Probleme (und damit Konflikte) lassen sich nur lösen, wenn man die Sprache und ihre Funktionsweise versteht. Grenzen sieht und zieht er dort, wo die Sprache die Logik ihrer Verbindungen in der Wirklichkeit nicht mehr abbilden kann. Sein berühmter Satz: »Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen« hat auch für unsere beratenden, mediativen Tätigkeiten Bedeutung.

Wo liegen die Grenzen der Mediation? Sollen diese Grenzen begrenzt werden? Diesen Fragen gehen unsere HeftpatInnen Katty Nöllenburg und Dr. Wilfried Kerntke nach (S. 9). Auf die Notwendigkeit von Grenzen und Abstand, auf die Regulierung von Nähe und Distanz in der Mediation weist Prof. Dr. Alexander Redlich hin (S. 10). Katty Nöllenburg und Thomas Fickel untersuchen Mediationsgrenzen bei Diskriminierungen gegenüber Religionsausübungen. Sie stellen die Frage: Können die Grenzen der klassischen, mediativen Praxis für erfolgreiche Lösungen überschritten werden (S. 14) ? Scham und damit verbundene Schuldgefühle berühren MediatorInnen ebenso wie das Mediandensystem. Dr. Harald Pühl mahnt daher, den Blick für grenzüberschreitende Beschämungen offen zu halten (S. 18). Astrid Wichmann fokussiert den Blick auf Menschen mit Traumatisierungen: Ihre eingeschränkte Wahrnehmung verhindert den vollen Zugang zu persönlichen Ressourcen. Dies sollten MediatorInnen erkennen und zu geeigneten Hilfen oder Alternativen ermutigen (S. 22).

Kommen MediatorInnen aus unterschiedlichen Kultur- oder Berufskreisen, wird ihnen vorschnell eine fremde Rolle unterstellt. Dies kann Mediationsprozesse durchaus erschweren. Beram Mahmoud hat bekannte ExpertInnen nach ihren Strategien gegen derartige Begrenzungen befragt (S. 25). Mediation ist kein Allheilmittel, betont Susanne Fest. Sie demonstriert, wie das Potenzial des Verfahrens ausgeschöpft und zugleich Grenzen beachtet werden können (S. 28). Monia Ben Larbi verwendet das Bild von SlacklinerInnen für den »Grenztanz« in Mediationen zwischen Komfort und Panik (S. 32). Der Umgang mit körperlichen Phänomenen wird unter dem Begriff »Embodiment« in Beratungsberufen intensiv diskutiert: Carla van Kaldenkerken interviewt dazu einen renommierten Experten (S. 35). In unserer Sonderserie vergleicht der Münchner Konfliktforscher Dr. Karl Kreuser die Mediation mit den innovativen Maximen der Agilität – insbesondere Scrum – und erkennt Parallelen im agilen Konfliktmanagement. Einen Praxisfall über eskalierte Teamkonflikte stellt Dr. Bettina Janssen vor: Nicht immer ist die Teammediation das geeignete Mittel für eine nachhaltige Lösung (S. 39). In unserer Serie »Lernen von den MeisterInnen« konnten Christoph C. Paul und Sybille Kiesewetter mit Jutta Lack-Strecker eine Pionierin der Mediation zur Supervision befragen (S. 43). Über die Entwicklung der Mediation in Belarus, der Ukraine und in Polen berichten Dagmar Lägler und Swetlana von Bismarck (S. 46).

An das Vermächtnis des verstorbenen Konfliktforschers Prof. Dr. Peter Heintel erinnern die Münchener Mediationsexperten Dres. Gisela und Hans-Georg Mähler (S. 49). Kommen Sie, liebe LeserInnen, mitunter zu schnell an Ihre Grenzen? Dann lassen Sie sich vom schwedischen Regisseur Ingmar Bergman ermuntern: »Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt.«

Es grüßt Sie herzlich.
Jürgen Heim, Chefredakteur
Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift Spektrum der Mediation - epaper die aktuelle Ausgabe 74/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen. …
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Kategorie Wirtschaftsmagazine und Politikmagazine

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