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GARMISCH- PARTENKIRCHEN


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Clever reisen! - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 05.07.2022

TOURTIPP DEUTSCHLAND

Stadt, Land und Berge: Garmisch-Partenkirchen ist Teil der gewaltigen Kulisse mit Blick auf die Alpen. Dem satten Grün der Felder folgen die malerischen Häuser und die kahlen Gipfel der 2000erSpitzen, die aus den Wolken ragenBilder: depositphotos,Zugspitzbahn „Excuse me, please. Where is bavaria? Entschuldigen Sie bitte. Wo ist denn Bayern?“ Die Frage meines asiatisch aussehenden Gegenübers auf dem Flughafen von München machte mich zugegeben sprachlos. Aus meinem Mund kam nur ein gestammeltes „here, hier“ heraus. Die Antwort war selbstverständlich falsch. Der Airport im Niemandsland vor den Toren der Isarmetropole hat nichts, aber auch gar nichts mit Bayern zu tun. Wenn Sie hier mit Dirndl oder in Lederhose an Bord gehen wollen, werden Sie verstehen, was ich meine.Die richtige Antwort wäre gewesen: Garmisch-Partenkirchen, Ludwigstraße 45. Nichts ist in Bayern ...

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Stadt, Land und Berge: Garmisch-Partenkirchen ist Teil der gewaltigen Kulisse mit Blick auf die Alpen. Dem satten Grün der Felder folgen die malerischen Häuser und die kahlen Gipfel der 2000erSpitzen, die aus den Wolken ragen
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... bayerischer als das „Rassen“, offiziell „Gasthof zum Rassen“, das sich hinter der Adresse verbirgt. Gleich gegenüber der Pfarrkirche gibt es alles, was der Lederhosen-Romantiker sucht. Eine gute Maß Bier, natürlich. Eine historische Schankstube mit der das Hofbräuhaus in München nur schwer mithalten kann. Vor allen Dingen ist es hier authentisch. Eine perfekt gegrillte Schweinshaxe oder Böfflamott, das eigentliche traditionelle Fleischgericht am Alpenrand, findet man neben anderen Schmankerln auf der Speisekarte. Das „Rassen“ beheimatet aber auch die Bühne des heimischen Bauerntheaters, auch eine bayerische Besonderheit. Das „Rassen“ liegt ganz nebenbei in der wohl schönsten Straße von Bayern, mit imponierenden Malereien auf den Fassaden. Die sogenannte Lüftlmalerei hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert und ist typisch für diese Teil Bayerns.Bevor wir zu sehr ins Detail gehen, sollte sich Garmisch-Partenkirchen erst einmal vorstellen. Der Doppelname ist durchaus berechtigt. Die Kreisstadt besteht aus zwei ganz unterschiedlichen Teilen, die eigentlich nicht zusammenpassen. „Wir waren in Garmisch“, sagt der Snob, wenn er wieder nach Hause kommt. Garmisch ist der eher mondäne Stadtteil. Partenkirchen dagegen bewahrt die Tradition. Hier wurde früher das letzte Gebet gesprochen, bevor sich die Bauern mit ihren Ochsenkarren auf zur Alpen- überquerung Richtung Italien machten. Wer im Urlaub nichts Schöneres zu tun hat, kann auf Schusters Rappen auch bis nach Meran wandern und sich von den Bergen und ihrer Natur in den Bann ziehen lassen. Das sind rund 200 Kilometer oder über 80 Stunden reine Laufzeit.Man kann seine Zeit aber auch erlebnisreich in und um Garmisch-Partenkirchen herum verbringen. Die Stadt gilt eigentlich als Wintersportmetropole, aber auch in den anderen drei Jahreszeiten hat sie ihren ganz speziellen Reiz. Und wenn es keinen Schnee gibt, dann sind die Übernachtungen auch günstiger. Die Doppelstadt liegt am Fuße der Zugspitze, auf der immer Schnee liegt. Deutschlands höchster Berg muss heute nicht mehr erklommen werden. Die bequeme Fahrt mit dem Zug oder der Seilbahn endet auf dem Gipfel des Massentourismus und wird durch einen bombastischen Ausblick belohnt. Wenn sich der Berg allerdings in Nebel hüllt, ist der Fahrpreis rausgeschmissenes Geld. Als Alternative bietet sich aber auch der Blick von unten auf die Zugspitze an. Rund sieben Kilometer lang ist der Weg um den malerischen Eibsee in Grainau am Fuß des Alpengiganten, direkt neben der Talstation der Seilbahn. Die mit Schnee bedeckte Zugspitze ist ständig im Blickwinkel und spiegelt sich im See wider. Es ist ein atemberaubender Blick, der sich dem Spaziergänger bietet. Der Rundweg des Sees ist selbst für Kinderwagen geeignet. Und am Ende lockt noch ein malerischer Biergarten. Zwischendurch kann man sich mit einem Sprung in das kristallklare Wasser erfrischen. Baden ist offiziell erlaubt. Obwohl der See in Privatbesitz ist: Eintritt wird hier nicht genommen. Es fällt nur die Parkgebühr an. Das ist im Ahornboden ein wenig anders. Von Vorderriß aus führt eine Mautstraße durch das Karwendeltal. Ganz am Ende befindet sich ein großzügiger Parkplatz und auch ein Alpengasthof mit Käse aus der eigenen Käserei. Das reicht eigentlich schon als Grund für einen Ausflug aus. Über die Grenzen Bayerns bekannt ist der Ahornboden durch den Baum, der dem Tal den Namen gab. Rund 2200 Exemplare dieser Riesen sind hier zu bewundern. Sie sind teilweise 600 Jahre alt. Bäume haben dagegen in der Partnach-Klamm keine Chance. Bis zu 80 Meter tief hat sich das gleichnamige Flüsschen hier in den Felsen gebohrt. Der 700 Meter lange Weg, das reißende Wasser immer im Auge, ist ein überschaubares Abenteuer. Wer ohne Probleme ans Ende kommen möchte, sollte sich mit tauglichem Schuhwerk ausrüsten. Tennisschuhe oder Sandalen sind überall in den Bergen ungeeignet. In den Sommermonaten gibt es als Alternative die Höllentalklamm. Im Winter werden die Brücken auf dem Weg durch die Schlucht aus Sicherheitsgründen abgebaut. Aber auch in den warmen und trockenen Monaten fordern Sturzfluten immer wieder Todesopfer. Im Gegensatz zur Partnach-Klamm ist die Höllental-Klamm nicht mit dem Auto, sondern nur zu Fuß zu erreichen. Wobei das Wandern in und um Garmisch-Partenkirchen herum eigentlich die typische Art der Fortbewegung ist. Wer per Pedes unterwegs sein möchte, der sollte sich auf jeden Fall von seinem Gastgeber oder dem Touristenbüro beraten lassen. Es gibt leichte Touren, die man sogar mit Kinderwagen oder im Rollstuhl bewältigen kann. Es gibt aber auch schwere Touren, die selbst den Profi fordern. Wer den falschen Weg einschlägt, der hat keinen Spaß an seinem Ausflug. Er ist entweder unter- oder überfordert. Natürlich gibt es auch die unterschiedlichsten Wege für Mountain-Biker oder Nordic-Walker. Überall findet der Wanderer einen typischen Gasthof oder eine Almhütte, die sich für eine Pause anbieten. In Bayern heißt das: Eine „Jausen“ zu sich nehmen. Die besteht im Ursprung aus Speck und Brot. Mittlerweile ergänzen die Wirte die Teller mit Käse und Wurst aus der Region. Es lohnt sich auch, Garmisch-Partenkirchen selbst nicht links liegen zu lassen. Dabei werden die Unterschiede zwischen den beiden Ortsteilen bei einem Rundgang deutlich. Garmisch besitzt ein Spielcasino und Modegeschäfte sowie Juwelierläden, in denen der Kunde nicht auf den Euro schauen darf. In der Fußgängerzone zwischen Marien- und Richard-Strauss-Platz sind fast alle Geschäfte auf Touristen ausgerichtet. Wer nicht nur in die Schaufenster, sondern auch in die Gassen hineinblickt, der entdeckt als Kulisse die Bergriesen, die Garmisch-Partenkirchen zum Wintersport-Mekka machen. Wer etwas auf sich hält, der macht einen Zwischenstopp auf den Terrassen des Cafés Krönner. Beim Schlürfen eines Cocktails werden hier die Menschen beobachtet. Das ist Pflicht. Und man will natürlich gesehen werden, sich für den Abend verabreden. Krönner ist bekannt für die selbstgemachte Schokolade, die verführerischen Torten und herzhaften Gerichte. Bilder: depositphotos Wer keine Stärkung benötigt, der findet in der großzügigen Fußgängerzone sogar im geschäftigen Treiben ein altes Bauernhaus mit dem entsprechenden Garten und Ruhebänken. Die Bahnhofstraße verbindet Garmisch mit Partenkirchen. Vorbei geht es an Reindls Partenkirchner Hof, dem traditionsreichen Hotel. Die Küche ist so vielseitig wie das Zimmerangebot. Es gibt traditionelle bayerische Kost, aber auch die moderne Küche. Es gibt im Stammhaus Stuben mit Balkon zur Straße und im Neubau Zimmer mit dem zweckmäßigen Charme von heute. In Partenkirchen ist alles ein wenig enger, gemütlicher, ruhiger und origineller als in Garmisch. Selbst in der Ludwigstraße kann es sich der Aussteiger noch leisten, ein Kaffeebude oder eine winzige, plüschige Piano-Bar zu eröffnen. Erdrückt werden sie allerdings von den gewaltigen Gaststätten mit ihren gepflegten Fassadenbemalungen. Die Bilder zeigen eine prunkvolle Bauernhochzeit oder den Erzengel Gabriel, der über die Bewohner wacht. Augen also immer nach oben richten. In der Ludwigstraße gibt es aber auch Metzger, die echt bayerische Wurstspezialitäten herstellen und Goldschmiede, die einzigartige Schmuckstücke aus der eigenen Werkstatt anbieten. Naschkatzen kommen nicht an der Chocolaterie Amelie vorbei. Dort werden auch Kurse angeboten. Und in beiden Stadtteilen laden Kirchen und Kapellen zu einem Augenblick der Ruhe ein.Im Sommer nicht so begehrt sind die Wintersportanlagen der Stadt in der Nähe vom Riessersee. Jeweils samstags gibt es allerdings Führungen. Erwachsene zahlen 12 Euro und bekommen dafür den Eindruck, wie sich ein Skispringer fühlt, wenn er auf dem 149 Meter hohen Schanzentisch mit Blick auf die Stadt steht. Da kann einem Laien am Schauplatz des Neujahrsspringens schon der Atem stocken. An der benachbarten Bobbahn gibt es einen Weg an den Kurven entlang.Wer dann noch nicht genug Adrenalin im Blut hat, für den bietet sich ein Besuch auf der Aussichtsplattform „Alpspix“ am Osterfelderkopf an. Nur ein paar Schritte von der Bergstation der Alpspitzbahn entfernt ragt die Glasfläche über den Felsen hinaus. Unter den Füßen ist erst einmal tausend Meter nichts. Garmisch-Partenkirchen ist darüber hinaus der zentral gelegene Ausgangspunkt für Ausflüge zu den schönsten und beeindruckendsten Punkten Bayerns. Murnau, Oberammergau, Mittenwald und auch der Tegernsee sind nur den berühmten Steinwurf entfernt. Österreich ist schon zu sehen. Überall in den Tälern verbergen sich kleine Bergseen, die zum Schwimmen einladen. Alle aufzuzählen ist einfach unmöglich. König Ludwigs Traumschloss Neuschwanstein liegt genauso in greifbarer Nähe wie das Benediktiner-Kloster Ettal. Der Ehrfurcht einflößende Bau zeigt deutlich, wie einst die katholische Kirche ihre Macht gegenüber den Menschen demonstrierte. Heute verkaufen die Mönche keine Ablasszettel mehr, sondern Souvenirs die Urlauber daran erinnern: Wir waren im einzig wahren Bayern. Also nichts wie los. Es ist schon etwas dran, an der bayerischen Gemütlichkeit. „Auffi“, sonst wird die Maß noch warm. Text: Klaus Bröking GUT ZU WISSEN Garmisch-Partenkirchen #Böfflamott ist eigentlich kein typisch bayerisches Gericht. Das Rezept dafür kam mit Napoleon als „Boeuf a la mode“ (Rindfleisch nach modischer Art) an den Alpenrand. Es ist ein Schmorbraten, der sich mit dem Rheinischen Sauerbraten vergleichen lässt. #Der deutsche Schriftsteller Michael Ende wurde 1929 in Garmisch-Partenkirchen geboren. Er verfasste Welterfolge wie „Momo“,„Die unendliche Geschichte“ und„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Der Kurpark in Garmisch wurde nach dem berühmten Sohn der Stadt benannt. Der Park ist aber weder so phantasievoll, geschweige denn so spektakulär wie die Werke von Michael Ende. #Die Fahrt auf die Zugspitze und zurück kostet im Sommer satte 63 Euro pro Erwachsenen. Das Ticket ist für die Zahnradbahn, die Seilbahn und die Gletscherbahn gültig. Die Zahnradbahn zur Zugspitze fährt direkt ab dem Bahnhof von Garmisch-Partenkirchen von einem Sondergleis aus. Zustiegsmöglichkeit ist aber unter anderem noch am Eibsee. #Der Eintritt in die Höllentalklamm kostet 5 Euro. In die Partnachklamm öffnen sich die Pforten für 6 Euro pro Erwachsenen. Natürlich gibt es die üblichen Vergünstigungen für Gruppen, Kinder usw. #Das berühmte Benediktiner Weißbier wird heute nicht mehr im Kloster Ettal gebraut, sondern bei der Licher Brauerei in Hessen. Es schmeckt trotzdem gut. #Etwas versteckt – im Hinterhof der Garmischer Fußgängerzone – liegt das Restaurant „Zum Wildschütz“. Was die Familie Platte auf den Teller zaubert, ist bayerische Kochkunst der Extraklasse. Reservierungen sind deshalb ratsam: www.wildschuetz-gap.de. #Wer sich ein Dirndl oder eine Lederhose für das Oktoberfest daheim als Souvenir mitbringen möchte, der muss nicht in den noblen Boutiquen zuschlagen. Qualität und gute Beratung gibt es auch beim Discounter wie Daller-Trachten auf dem Weg von Garmisch-Partenkirchen nach Oberammergau: Oberau, Münchner Straße 10 d. Davor, Werdenfelser Straße 28, ist noch ein kleines Outlet unter anderem mit Trigema und Birkenstock. #Das Fremdenverkehrsbüro von Garmisch-Partenkirchen im Internet unter www.gapa-tourismus.de

„Excuse me, please. Where is bavaria? Entschuldigen Sie bitte. Wo ist denn Bayern?“ Die Frage meines asiatisch aussehenden Gegenübers auf dem Flughafen von München machte mich zugegeben sprachlos. Aus meinem Mund kam nur ein gestammeltes „here, hier“ heraus. Die Antwort war selbstverständlich falsch. Der Airport im Niemandsland vor den Toren der Isarmetropole hat nichts, aber auch gar nichts mit Bayern zu tun. Wenn Sie hier mit Dirndl oder in Lederhose an Bord gehen wollen, werden Sie verstehen, was ich meine.

Die richtige Antwort wäre gewesen: Garmisch-Partenkirchen, Ludwigstraße 45. Nichts ist in Bayern bayerischer als das „Rassen“, offiziell „Gasthof zum Rassen“, das sich hinter der Adresse verbirgt. Gleich gegenüber der Pfarrkirche gibt es alles, was der Lederhosen-Romantiker sucht. Eine gute Maß Bier, natürlich. Eine historische Schankstube mit der das Hofbräuhaus in München nur schwer mithalten kann. Vor allen Dingen ist es hier authentisch. Eine perfekt gegrillte Schweinshaxe oder Böfflamott, das eigentliche traditionelle Fleischgericht am Alpenrand, findet man neben anderen Schmankerln auf der Speisekarte. Das „Rassen“ beheimatet aber auch die Bühne des heimischen Bauerntheaters, auch eine bayerische Besonderheit. Das „Rassen“ liegt ganz nebenbei in der wohl schönsten Straße von Bayern, mit imponierenden Malereien auf den Fassaden. Die sogenannte Lüftlmalerei hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert und ist typisch für diese Teil Bayerns.

Bevor wir zu sehr ins Detail gehen, sollte sich Garmisch-Partenkirchen erst einmal vorstellen. Der Doppelname ist durchaus berechtigt. Die Kreisstadt besteht aus zwei ganz unterschiedlichen Teilen, die eigentlich nicht zusammenpassen. „Wir waren in Garmisch“, sagt der Snob, wenn er wieder nach Hause kommt. Garmisch ist der eher mondäne Stadtteil. Partenkirchen dagegen bewahrt die Tradition. Hier wurde früher das letzte Gebet gesprochen, bevor sich die Bauern mit ihren Ochsenkarren auf zur Alpen- überquerung Richtung Italien machten. Wer im Urlaub nichts Schöneres zu tun hat, kann auf Schusters Rappen auch bis nach Meran wandern und sich von den Bergen und ihrer Natur in den Bann ziehen lassen. Das sind rund 200 Kilometer oder über 80 Stunden reine Laufzeit.

Man kann seine Zeit aber auch erlebnisreich in und um Garmisch-Partenkirchen herum verbringen. Die Stadt gilt eigentlich als Wintersportmetropole, aber auch in den anderen drei Jahreszeiten hat sie ihren ganz speziellen Reiz. Und wenn es keinen Schnee gibt, dann sind die Übernachtungen auch günstiger.

Die Doppelstadt liegt am Fuße der Zugspitze, auf der immer Schnee liegt. Deutschlands höchster Berg muss heute nicht mehr erklommen werden. Die bequeme Fahrt mit dem Zug oder der Seilbahn endet auf dem Gipfel des Massentourismus und wird durch einen bombastischen Ausblick belohnt.

Wenn sich der Berg allerdings in Nebel hüllt, ist der Fahrpreis rausgeschmissenes Geld.

Als Alternative bietet sich aber auch der Blick von unten auf die Zugspitze an. Rund sieben Kilometer lang ist der Weg um den malerischen Eibsee in Grainau am Fuß des Alpengiganten, direkt neben der Talstation der Seilbahn. Die mit Schnee bedeckte Zugspitze ist ständig im Blickwinkel und spiegelt sich im See wider. Es ist ein atemberaubender Blick, der sich dem Spaziergänger bietet. Der Rundweg des Sees ist selbst für Kinderwagen geeignet. Und am Ende lockt noch ein malerischer Biergarten. Zwischendurch kann man sich mit einem Sprung in das kristallklare Wasser erfrischen. Baden ist offiziell erlaubt. Obwohl der See in Privatbesitz ist: Eintritt wird hier nicht genommen. Es fällt nur die Parkgebühr an.

Das ist im Ahornboden ein wenig anders.

Von Vorderriß aus führt eine Mautstraße durch das Karwendeltal. Ganz am Ende befindet sich ein großzügiger Parkplatz und auch ein Alpengasthof mit Käse aus der eigenen Käserei. Das reicht eigentlich schon als Grund für einen Ausflug aus. Über die Grenzen Bayerns bekannt ist der Ahornboden durch den Baum, der dem Tal den Namen gab. Rund 2200 Exemplare dieser Riesen sind hier zu bewundern. Sie sind teilweise 600 Jahre alt.

Bäume haben dagegen in der Partnach-Klamm keine Chance. Bis zu 80 Meter tief hat sich das gleichnamige Flüsschen hier in den Felsen gebohrt. Der 700 Meter lange Weg, das reißende Wasser immer im Auge, ist ein überschaubares Abenteuer. Wer ohne Probleme ans Ende kommen möchte, sollte sich mit tauglichem Schuhwerk ausrüsten.

Tennisschuhe oder Sandalen sind überall in den Bergen ungeeignet. In den Sommermonaten gibt es als Alternative die Höllentalklamm. Im Winter werden die Brücken auf dem Weg durch die Schlucht aus Sicherheitsgründen abgebaut. Aber auch in den warmen und trockenen Monaten fordern Sturzfluten immer wieder Todesopfer. Im Gegensatz zur Partnach-Klamm ist die Höllental-Klamm nicht mit dem Auto, sondern nur zu Fuß zu erreichen.

Wobei das Wandern in und um Garmisch-Partenkirchen herum eigentlich die typische Art der Fortbewegung ist. Wer per Pedes unterwegs sein möchte, der sollte sich auf jeden Fall von seinem Gastgeber oder dem Touristenbüro beraten lassen. Es gibt leichte Touren, die man sogar mit Kinderwagen oder im Rollstuhl bewältigen kann. Es gibt aber auch schwere Touren, die selbst den Profi fordern. Wer den falschen Weg einschlägt, der hat keinen Spaß an seinem Ausflug. Er ist entweder unter- oder überfordert.

Natürlich gibt es auch die unterschiedlichsten Wege für Mountain-Biker oder Nordic-Walker. Überall findet der Wanderer einen typischen Gasthof oder eine Almhütte, die sich für eine Pause anbieten. In Bayern heißt das: Eine „Jausen“ zu sich nehmen.

Die besteht im Ursprung aus Speck und Brot. Mittlerweile ergänzen die Wirte die Teller mit Käse und Wurst aus der Region.

Es lohnt sich auch, Garmisch-Partenkirchen selbst nicht links liegen zu lassen.

Dabei werden die Unterschiede zwischen den beiden Ortsteilen bei einem Rundgang deutlich. Garmisch besitzt ein Spielcasino und Modegeschäfte sowie Juwelierläden, in denen der Kunde nicht auf den Euro schauen darf. In der Fußgängerzone zwischen Marien- und Richard-Strauss-Platz sind fast alle Geschäfte auf Touristen ausgerichtet. Wer nicht nur in die Schaufenster, sondern auch in die Gassen hineinblickt, der entdeckt als Kulisse die Bergriesen, die Garmisch-Partenkirchen zum Wintersport-Mekka machen.

Wer etwas auf sich hält, der macht einen Zwischenstopp auf den Terrassen des Cafés Krönner. Beim Schlürfen eines Cocktails werden hier die Menschen beobachtet. Das ist Pflicht. Und man will natürlich gesehen werden, sich für den Abend verabreden.

Krönner ist bekannt für die selbstgemachte Schokolade, die verführerischen Torten und herzhaften Gerichte.

Wer keine Stärkung benötigt, der findet in der großzügigen Fußgängerzone sogar im geschäftigen Treiben ein altes Bauernhaus mit dem entsprechenden Garten und Ruhebänken.

Die Bahnhofstraße verbindet Garmisch mit Partenkirchen. Vorbei geht es an Reindls Partenkirchner Hof, dem traditionsreichen Hotel. Die Küche ist so vielseitig wie das Zimmerangebot. Es gibt traditionelle bayerische Kost, aber auch die moderne Küche.

Es gibt im Stammhaus Stuben mit Balkon zur Straße und im Neubau Zimmer mit dem zweckmäßigen Charme von heute.

In Partenkirchen ist alles ein wenig enger, gemütlicher, ruhiger und origineller als in Garmisch. Selbst in der Ludwigstraße kann es sich der Aussteiger noch leisten, ein Kaffeebude oder eine winzige, plüschige Piano-Bar zu eröffnen. Erdrückt werden sie allerdings von den gewaltigen Gaststätten mit ihren gepflegten Fassadenbemalungen. Die Bilder zeigen eine prunkvolle Bauernhochzeit oder den Erzengel Gabriel, der über die Bewohner wacht. Augen also immer nach oben richten.

In der Ludwigstraße gibt es aber auch Metzger, die echt bayerische Wurstspezialitäten herstellen und Goldschmiede, die einzigartige Schmuckstücke aus der eigenen Werkstatt anbieten. Naschkatzen kommen nicht an der Chocolaterie Amelie vorbei.

Dort werden auch Kurse angeboten. Und in beiden Stadtteilen laden Kirchen und Kapellen zu einem Augenblick der Ruhe ein.

Im Sommer nicht so begehrt sind die Wintersportanlagen der Stadt in der Nähe vom Riessersee. Jeweils samstags gibt es allerdings Führungen. Erwachsene zahlen 12 Euro und bekommen dafür den Eindruck, wie sich ein Skispringer fühlt, wenn er auf dem 149 Meter hohen Schanzentisch mit Blick auf die Stadt steht. Da kann einem Laien am Schauplatz des Neujahrsspringens schon der Atem stocken. An der benachbarten Bobbahn gibt es einen Weg an den Kurven entlang.

Wer dann noch nicht genug Adrenalin im Blut hat, für den bietet sich ein Besuch auf der Aussichtsplattform „Alpspix“ am Osterfelderkopf an. Nur ein paar Schritte von der Bergstation der Alpspitzbahn entfernt ragt die Glasfläche über den Felsen hinaus. Unter den Füßen ist erst einmal tausend Meter nichts.

Garmisch-Partenkirchen ist darüber hinaus der zentral gelegene Ausgangspunkt für Ausflüge zu den schönsten und beeindruckendsten Punkten Bayerns. Murnau, Oberammergau, Mittenwald und auch der Tegernsee sind nur den berühmten Steinwurf entfernt. Österreich ist schon zu sehen. Überall in den Tälern verbergen sich kleine Bergseen, die zum Schwimmen einladen.

Alle aufzuzählen ist einfach unmöglich.

König Ludwigs Traumschloss Neuschwanstein liegt genauso in greifbarer Nähe wie das Benediktiner-Kloster Ettal.

Der Ehrfurcht einflößende Bau zeigt deutlich, wie einst die katholische Kirche ihre Macht gegenüber den Menschen demonstrierte. Heute verkaufen die Mönche keine Ablasszettel mehr, sondern Souvenirs die Urlauber daran erinnern: Wir waren im einzig wahren Bayern.

Also nichts wie los. Es ist schon etwas dran, an der bayerischen Gemütlichkeit. „Auffi“, sonst wird die Maß noch warm.

Text: Klaus Bröking

GUT ZU WISSEN Garmisch-Partenkirchen

#Böfflamott ist eigentlich kein typisch bayerisches Gericht. Das Rezept dafür kam mit Napoleon als „Boeuf a la mode“ (Rindfleisch nach modischer Art) an den Alpenrand. Es ist ein Schmorbraten, der sich mit dem Rheinischen Sauerbraten vergleichen lässt.

#Der deutsche Schriftsteller Michael Ende wurde 1929 in Garmisch-Partenkirchen geboren. Er verfasste Welterfolge wie „Momo“,„Die unendliche Geschichte“ und„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Der Kurpark in Garmisch wurde nach dem berühmten Sohn der Stadt benannt. Der Park ist aber weder so phantasievoll, geschweige denn so spektakulär wie die Werke von Michael Ende.

#Die Fahrt auf die Zugspitze und zurück kostet im Sommer satte 63 Euro pro Erwachsenen. Das Ticket ist für die Zahnradbahn, die Seilbahn und die Gletscherbahn gültig. Die Zahnradbahn zur Zugspitze fährt direkt ab dem Bahnhof von Garmisch-Partenkirchen von einem Sondergleis aus. Zustiegsmöglichkeit ist aber unter anderem noch am Eibsee.

#Der Eintritt in die Höllentalklamm kostet 5

Euro. In die Partnachklamm öffnen sich die Pforten für 6 Euro pro Erwachsenen. Natürlich gibt es die üblichen Vergünstigungen für Gruppen, Kinder usw.

#Das berühmte Benediktiner Weißbier wird heute nicht mehr im Kloster Ettal gebraut, sondern bei der Licher Brauerei in Hessen. Es schmeckt trotzdem gut.

#Etwas versteckt – im Hinterhof der Garmischer Fußgängerzone – liegt das Restaurant „Zum Wildschütz“. Was die Familie Platte auf den Teller zaubert, ist bayerische Kochkunst der Extraklasse. Reservierungen sind deshalb ratsam: www.wildschuetz-gap.de.

#Wer sich ein Dirndl oder eine Lederhose für das Oktoberfest daheim als Souvenir mitbringen möchte, der muss nicht in den noblen Boutiquen zuschlagen. Qualität und gute Beratung gibt es auch beim Discounter wie Daller-Trachten auf dem Weg von Garmisch-Partenkirchen nach Oberammergau: Oberau, Münchner Straße 10 d. Davor, Werdenfelser Straße 28, ist noch ein kleines Outlet unter anderem mit Trigema und Birkenstock.

#Das Fremdenverkehrsbüro von Garmisch-Partenkirchen im Internet unter www.gapa-tourismus.de