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Allergiemittel im Überblick


ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund - epaper ⋅ Ausgabe 2/2012 vom 10.02.2012

Die Pharmaindustrie bietet rezeptfreie und-pflichtige Medikamenten an, die gegen die lästigen Beschwerden bei Heuschnupfen und anderen Allergien helfen können.


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Foto: ALK

Antihistaminika

Wirkungsweise: Der Botenstoff Histamin wird vom Körper als Reaktion auf Allergene wie Pollen oder Milbenkot gebildet und führt zu den typischen allergischen Symptomen. Die Antihistaminika blockieren die Andockstellen für Histamin im Gewebe und mildern so die allergischen Beschwerden – allerdings nicht vollständig, weil auch noch andere Botenstoffe allergische Symptome auslösen. Eingenommen werden sie meist als Tabletten, ...

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Wirkungsweise: Der Botenstoff Histamin wird vom Körper als Reaktion auf Allergene wie Pollen oder Milbenkot gebildet und führt zu den typischen allergischen Symptomen. Die Antihistaminika blockieren die Andockstellen für Histamin im Gewebe und mildern so die allergischen Beschwerden – allerdings nicht vollständig, weil auch noch andere Botenstoffe allergische Symptome auslösen. Eingenommen werden sie meist als Tabletten, die über den Blutkreislauf auf den ganzen Körper wirken. Je nach Wirkstoff und Dosierung sind eine, zwei oder drei Tabletten notwendig. Die Wirkung tritt bei den meisten Mitteln nach etwa einer halben Stunde ein. Einige Wirkstoffe finden auch in Augentropfen, Nasensprays und Gels Anwendung.

Wirkstoffe der ersten Generation: z. B. Doxylamin, Meclozin, Clemastin, Dimetinden, Diphenhydramin, Hydroxyzin.
Risiken und Nebenwirkungen: Diese älteren Antihistaminika machen so müde, dass man nach der Einnahme nicht mehr Auto fahren darf. Doxylamin und Diphenhydramin werden sogar als Schlafmittel eingesetzt, Meclozin in Mitteln gegen Übelkeit. Zudem können diese Wirkstoffe den Augeninnendruck gefährlich steigen lassen und bei Männern mit vergrößerter Prostata die Beschwerden beim Wasserlassen verstärken. Als Tabletten sind diese Wirkstoffe nicht mehr zeitgemäß.
Gängige Handelspräparate: Fenistil (Wirkstoff Dimetinden), Tavegil (Clemastin), Atarax und AH 3 (beide mit dem Wirkstoff Hydroxyzin).

Wirkstoffe der zweiten Generation: Zu diesen, seit den 1980er-Jahren entwickelten Substanzen gehören Loratadin, Cetirizin, Levocabastin, Azelastin, Mizolastin, Desloratadin, Levocetirizin, Fexofenadin, Olopatadin und Ebastin. Bei Desloratadin, und mit Einschränkung bei Levocetirizin und Fexofenadin, sprechen Allergologen häufig auch von Wirkstoffen der dritten Generation. Diese sollen bei einmal täglicher Gabe über 24 Stunden auf alle Symptome eines allergischen Schnupfens wirken, nicht müde machen, keine Nebenwirkungen an Herz, Leber und Niere zeigen.
Risiken und Nebenwirkungen: Alle genannten Wirkstoffe lösen nur noch bei ein bis drei Prozent der Patienten Müdigkeit aus und sind im Allgemeinen gut verträglich. Cetirizin, Levocetirizin und Levocabastin sind für Patienten mit schweren Nierenerkrankungen nicht empfehlenswert.

Weil bei den neu entwickelten Wirkstoffen wie Desloratadin, Ebastin, Fexofenadin und Mizolastin nur wenige Erfahrungen vorliegen, sollten sie von Kindern unter zwölf Jahren nicht als Tabletten eingenommen werden. Schwangere sollten in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft keine Antihistaminika einnehmen und später nur in Absprache mit dem Arzt.

Nicht empfehlenswert ist der Wirkstoff Terfenadin, weil er ein deutlich höheres Risiko für Herzrhythmusstörungen aufweist.
Gängige Handelspräparate: Cetirizin Hexal, Cetirizin Stada, Cetirizin ratiopharm, Zyrtec (alle Cetirizin), Lisino, Lorano, Loratadin-ratiopharm, Loratadin Stada (alle Loratadin), Zolim, Mizollen (beide Mizolastin), Telfast (Fexofenadin), Aerius (Desloratadin), Xusal (Levocetirizin), Allergodil (Azelastin), Opatanol (Olopatadin).

Mastzellstabilisatoren

Wirkungsweise: Die Wirkstoffe reichern sich in den Mastzellen des Gewebes an und hindern sie daran, Histamin und andere Entzündungsstoffe freizusetzen. Eingesetzt werden sie in Augentropfen und Nasensprays. Die Mittel wirken nicht sofort, sondern müssen bereits 14 Tage vor dem Pollenflug regelmäßig, meist drei- bis viermal täglich, eingenommen werden. Die Behandlung dauert an, solange allergieauslösende Pollen in der Luft sind.
Wirkstoffe: Cromoglicinsäure, Nedocromil und Lodoxamid.
Risiken und Nebenwirkungen: Wenn sie versehentlich in den Rachen gelangen, schmecken die Wirkstoffe unangenehm bitter, sind aber gut verträglich. In Einzelfällen können Augen oder Nase kurz brennen oder Kopfschmerzen und Schwindelgefühle auftreten. Bei der Cromoglicinsäure kann es gelegentlich zu Nasenbluten kommen. Wer sich Mastzellstabilisatoren in die Augen tropft, sieht für fünf bis zehn Minuten etwas schlechter und sollte in dieser Zeit kein Fahrzeug lenken. Auf Kontaktlinsen am besten verzichten. Falls dies nicht möglich ist, stabile Linsen verwenden und diese erst eine Viertelstunde nach der Anwendung der Tropfen wieder einsetzen. Weiche Linsen sind ungeeignet. Für schädliche Wirkungen während der Schwangerschaft gibt es bei keinem der drei Wirkstoffe Anhaltspunkte. Nedocromil sollte nicht bei Kindern unter sechs Jahren angewendet werden.
Gängige Handelspräparate: Allergo-COMOD, Cromoratiopharm, Cromohexal, Vividrin (alle Cromoglicinsäure), Irtan (Nedocromil), Alomide (Lodoxamid).

Foto: ABDA/Gust

Pollenschutzsalbe oder -spray

Wirkungsweise: Das Allergoprävent-Gel wird rund um die Nasenlöcher aufgetragen. Beim Einatmen soll der größte Teil der Pollen am Gel hängen bleiben. Arzneimittelhersteller Bionorica vertreibt das Allergopret protect Spray. Es besteht aus einem mikrofeinen Cellulosepuder mit Pfefferminzaroma, der in die Nase gesprüht wird. Dort soll der Puder mit der Feuchtigkeit der Nase einen hauchdünnen Schutzfilm gegen Pollen auf der Schleimhaut bilden. Für Allergopret protect Spray liegen immerhin kleinere Studien vor, die eine gewisse Linderung der Symptome andeuten, allerdings sind sie wenig überzeugend. Für Allergoprävent-Gel fehlen hingegen belastbare klinische Studien.
Wirkstoffe: Eine Mischung elektrostatisch wirksamer Polymere bei Allergoprävent. Puder aus Cellulose bei Allergopret protect.
Risiken und Nebenwirkungen: Beide Hersteller geben an, dass Nebenwirkungen nicht bekannt seien. Das Spray ist nicht geeignet für Kinder unter sechs und bei Überempfindlichkeit gegen Menthol oder Cellulose. Das Allergoprävent-Gel enthält einen Formaldehyd abgebenden Konservierungsstoff und andere für Kosmetika bedenkliche Inhaltsstoffe. Da zudem die Wirkung nicht nachgewiesen ist, raten wir von dem Mittel ab.
Gängige Handelspräparate: Allergoprävent, Allergopret protect.

Schnupfensprays

Wirkungsweise: Einige Allergiesprays enthalten – wie Sprays gegen herkömmlichen Virusschnupfen – Alphasympathomimetika. Die lassen lediglich die Schleimhäute abschwellen, greifen aber nicht in das allergische Geschehen ein.
Wirkstoffe: Zum Beispiel Phenylephrin, Naphazolin, Tetryzolin, Xylometazolin und Oxymetazolin.
Risiken und Nebenwirkungen: Bei Dauergebrauch droht eine dauerhaft verstopfte Nase, da die Schleimhaut schwer geschädigt werden kann. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten diese Stoffe nicht eingenommen werden. Auch die Kombination von Alphasympathomimetika mit Cromoglicinsäure ist unsinnig, weil Cromoglicinsäure präventiv über einen längeren Zeitraum eingesetzt wird, Alphasympathomimetika sollten dagegen nur bei akuten Allergieanfällen eingenommen werden.
Gängige Handelspräparate: Otriven, Olynth (beide Xylometazolin), Tetrilin (Tetryzolin), Nasivin (Oxymetazolin).

Foto: Doris Heinrichs/Fotolia.com

Foto: Image Source

Glukokortikoide

Wirkungsweise: Diese entzündungshemmenden Wirkstoffe sind dem natürlichen Hormon Kortison ähnlich. Eingesetzt werden sie in Nasen- und Asthmasprays. Die Wirkung setzt erst nach einigen Stunden ein, sodass sie zur Vorbeugung, nicht aber für akute Allergieanfälle geeignet sind.
Wirkstoffe: Zum Beispiel Beclometason, Budesonid, Flunisolid, Mometason, Triamcinolon, Fluticason.
Risiken und Nebenwirkungen: Da sich die Wirkstoffe in der Nasenschleimhaut anreichern und praktisch nicht in den Blutkreislauf gelangen, ist das Risiko von typischen Kortisonnebenwirkungen gering. Weil sie einer Verlagerung der Entzündung in die Bronchien und damit der Entstehung von Asthma vorbeugen, sind kortikoidhaltige Nasensprays neben Antihistaminika zum Einnehmen für Allergologen „Therapeutika der ersten Wahl“ – bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern ab sechs Jahre. Bei mehrmonatiger Daueranwendung als Nasenspray können Glukokortikoide die Nasenschleimhaut austrocknen und schädigen. Gleichzeitig schwächen sie die körpereigene Abwehr. Während eines gewöhnlichen Schnupfens sollten diese Mittel deshalb nicht eingesetzt werden.
Als Mittel zum Inhalieren gehören Glukokortikoide zur Standardtherapie bei Asthma. Die eingesetzte Dosis ist niedriger als bei Kortisontabletten und wirkt nur lokal in den Bronchien. Deshalb treten die vom Kortison her bekannten Nebenwirkungen wie beispielsweise Wasseransammlungen, schlecht heilende Wunden oder erhöhter Blutzucker in der Regel nicht auf. Relativ häufig sind allerdings Pilzinfektionen (Soor) im Mund.
Gängige Handelspräparate: Nasonex (Mometason), Rhinisan, Nasacort (Triamcinolon), Beclorhinol, Beclometason-ratiopharm (Beclometason), Budes, Pulmicort (Budesonid), Syntaris (Flunisolid), Flutide (Fluticason).

Kompakt

Umstrittene Asthmamittel

Ein Gutachtergremium hat der US-Arzneimittelbehörde FDA schon im Dezember 2008 empfohlen, die Medikamente Serevent und Foradil bei Asthma bronchiale zu verbieten. Sie sollen das Risiko schwerer Asthmakomplikationen oder asthmabedingter Todesfälle erhöhen – vermutlich aufgrund von Verwechslungen durch Patienten. Denn die Mittel sind Monopräparate mit lang wirksamen Betaagonisten, die nicht bei akuten Asthmaanfällen helfen. Dagegen bieten Fixkombinationen von Betaagonisten mit Glukokortikoiden auch akute Hilfe. Die FDA hat inzwischen mehrere klinische Studien angefordert, um dem Verdacht nachzugehen.

Wer zahlt was?

■ Verschreibungspflichtige Antihistaminika werden – bis auf die übliche Zuzahlung in der Apotheke – erstattet. Dazu gehören die Wirkstoffe Mizolastin, Desloratadin, Levocetirizin, Fexofenadin und Ebastin.
■ Nasensprays mit Glukokortikoiden werden erstattet.
■ Rezeptfreie Antihistaminika muss der Patient selbst zahlen. Ausnahme: Präparate mit Loratadin und Cetirizin zahlen die Kassen bei schwerem Heuschnupfen, wenn Nasensprays mit Glukokortikoiden nicht ausreichen, um die Beschwerden zu lindern.
■ Bei Kindern bis zwölf Jahre zahlen die Kassen auch für rezeptfreie Medikamente.

Kompakt

Gefährliche Nebenwirkung
Das Asthmamittel Singulair (Wirkstoff Montelukast) hemmt die entzündungsfördernde Wirkung des Botenstoffes Leukotrien. Es kann in seltenen Fällen zu psychischen Störungen wie Albträumen und Angstzuständen führen, depressiv machen und die Selbstmordgefahr erhöhen. Die zuständige US-Behörde hat deshalb eine Warnung veröffentlicht. Ein Hinweis steht inzwischen im Beipackzettel.

Teure Alternative
Omalizumab heißt ein gentechnisch hergestellter Antikörper, der unter dem Namen Xolair vertrieben wird. Er bindet das im Blut zirkulierende Immunglobulin-E (IgE), sodass weniger allergische Reaktionen auftreten. Zugelassen ist das Mittel jedoch nur für schwere Asthmafälle, die auf die üblichen Medikamente nicht ansprechen. Denn die Behandlung kostet bis zu 2.500 Euro monatlich.

Hilfreiche Pestwurz
In klinischen Studien erwies sich ein Extrakt aus Pestwurzblättern als ebenso wirksam wie die Antihistaminika Cetirizin und Fexofenadin. Gegenüber Desloratadin zeigte sich das Extrakt überlegen. In puncto Nebenwirkungen schnitt die Pestwurz besser ab. In der Schweiz sind Pestwurzpräparate unter den Namen Tesalin und Pollivita zugelassen, aber verschreibungspflichtig. In Deutschland besteht keine Zulassung.