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Die Migration der Monarchen


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Terra Mater - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 09.06.2022
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Sonnentankstelle Ein Schwarm von Monarchfaltern wärmt sich an einem Oktobernachmittag im Westen von Texas. Am nächsten Tag werden die Falter weiterflattern in Richtung Südwest: Vor ihnen liegt noch eine Strecke von tausend Kilometern bis zu ihrem Winterquartier in Mexiko.

IN EINEM SCHMALEN HINTERGARTEN IM NEW YORKER STADTTEIL QUEENS BEGINNT neuerdings eine der eindrucksvollsten Tiermigrationen der Welt. Robyn Elman lebt hier mit ihrem Mann, und über die vergangenen drei Sommer hat sie 3.077 Monarchfalter herangezogen, aus Eiern, die sie von Gräsern und Kräutern am Straßenrand gezupft hatte. Elman pflegt die Raupen und füttert sie, bis sie sich verpuppen und schließlich als Schmetterlinge schlüpfen. Dann lässt sie die Insekten davonfliegen.

Der Monarchfalter ist eine zierliche leuchtend orange Schönheit und wiegt so viel wie eine halbe Rosine. Trotzdem legt die Art jedes Jahr eine fast 5.000 Kilometer lange Wanderung zurück.

Im Herbst machen sich Scharen von Monarchfaltern von den Wiesen und Gärten in den USA und bis hinauf nach Kanada auf in Richtung Süden. Sie fliegen über Wälder und Prärien, Seen und Meeresbuchten, navigieren durch Großstädte und queren ...

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... Autobahnen, überfliegen den Rio Grande und sammeln sich in einem Gebirge in Zentralmexiko zum gemeinsamen Überwintern.

Ein paar hundert Millionen Falter unternehmen diese strapaziöse Reise. Das klingt enorm, ist aber nur noch ein schwacher Abglanz im Vergleich zu früher. In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl um gut 80 Prozent eingebrochen. Die große Schmetterlingsmigration der USA droht zu verschwinden. Und die Frage ist: Können Menschen wie Robyn Elman was dagegen ausrichten?

Erstmals berichtete ein Schmetterlingsfreund im Jahre 1857 von der Wanderung der Monarchen.

Die Falter flögen in solch großen Scharen durch das Tal des Mississippi, „dass ihre Wolken die Sonne verdunkeln“, schrieb er. Aber niemand wusste, wohin die Tiere zogen.

Dem kanadischen Zoologen Fred Urquhart und seiner Frau Norah Roden Urquhart ließ das keine Ruhe. 1937 begannen sie, die Falter systematisch zu beobachten. Sie motivierten hunderte Freiwillige als Helfer und fanden heraus, dass die meisten Insekten im Spätsommer und Herbst auf verschiedenen Routen nach Texas flogen. Dort allerdings verloren die Forscher ihre Spur.

Also suchten sie auch in Mexiko nach Helfern und entdeckten Kurioses. Denn in Mexiko wiederum verstand man nicht, woher die vielen Schmetterlinge kamen, von denen die ersten alljährlich derart pünktlich um den „Tag der Toten“ genannten Feiertag Anfang November eintreffen, dass viele in der Region glaubten, die Tiere brächten die Seele von Verstorbenen zu einem Besuch.

1972 erfuhren die Mexikanerin Cathy Aguado und der Kanadier Kenneth Brugger von der Suche der Urquharts. Die beiden Amateurnaturforscher besorgten sich einen Campingbus und fuhren los. Drei Jahre später, im Jänner 1975, fanden sie schließlich auf einem Cerro Pelón genannten Gipfel, was sie gesucht hatten: Millionen von Schmetterlingen, die Bäume und Boden bedeckten. Cathy und Kenneth mussten die Insekten vorsichtig beiseiteschieben, um ihre Rucksäcke abstellen zu können. Ein Jahr später kamen auch die Urquharts – und so endete auch für sie eine Suche, die 38 Jahre zuvor begonnen hatte.

Bis heute sammeln sich die Falter in so großen Trauben in den Bäumen im Gebirge namens Sierra Volcánica Transversal, dass sich deren Kronen orange färben und bisweilen die Äste unter dem Gewicht der Falter brechen. Das schläfrige Flattern der Millionen von Flügeln raschele wie Regen auf Herbstlaub, beschreiben Beobachter.

Weckt die Wärme des Frühjahrs die Falter aus ihrer Winterstarre in den Bäumen auf, brechen sie wieder in Richtung Norden auf. Viele schaffen es noch bis nach Texas, wo sie Eier für die erste Sommergeneration legen. Wenn sie dann sterben, sind sie acht bis neun Monate alt. Ihre Nachkommen setzen den Weg nach Norden fort, legen unterwegs Eier für die nächste Generation, die jedoch nur vier bis fünf Wochen alt wird. So verbreiten sich die Monarchfalter über nahezu die gesamte USA und bis ins kanadische Ontario.

Doch wenn im Frühherbst die letzte Generation des Jahres schlüpft, fliegt diese – unterbrochen nur von ausreichend Fress- und Rastpausen – wochenlang durch bis nach Mexiko.

Dass sich die verstreut über einen Kontinent lebenden Monarchfalter jährlich in einer kleinen Bergregion in Zentralmexiko versammelten, sei „unergründlich“, schreibt der Ökologe Anurag Agrawal von der Cornell University.

Nicht nur das: Keiner der Falter, der im Herbst nach Mexiko zieht, war je zuvor dort. Wie die Insekten dennoch so genau ans Ziel finden, ist rätselhaft. Vermutlich haben sie eine Art angeborenen Kompass, der sich am Sonnenstand, einer inneren Uhr und anderen Faktoren orientiert.

Fest steht aber: Immer weniger Monarchen kommen erfolgreich in Mexiko an. Vor 25 Jahren bedeckten die winterschlafenden Falter 20 Hektar im Hochland. Im Winter 2013/14 waren es nur noch 0,67 Hektar. Seither haben sich die Zahlen etwas erholt, doch in den meisten Jahren kommen die Falter nicht über gut zweieinhalb Hektar hinaus, etwa so viel wie fünf Fußballfelder.

Im Westen der USA, wo eine gesonderte Population von Monarchfaltern von der Küste Kaliforniens nach British Columbia, Utah und zurück pendelt, sind noch mehr Schmetterlinge verschwunden. Im Winter 2020/2021 wurden hier kaum 2.000 Falter gezählt – 99 Prozent weniger als ein paar Jahrzehnte zuvor.

Schuld scheinen verschiedene Faktoren, für die meist der Mensch verantwortlich ist. In Mexiko roden Avocado-Farmer illegal Wälder. In den USA zerstören Neubaugebiete und Städte Lebensräume. Und überall sorgt der Klimawandel für Wetterkapriolen und Stürme, die Nektarpflanzen verdorren lassen und Schmetterlinge töten.

Die Falterf lüsterin

Insektenfreunde wie die New Yorkerin Roby n Elman sorgen dafür, dass Monarchfalter eine bessere Zukunft haben.

Bei den Monarchfaltern kommt dazu: Die Weibchen legen ihre Eier nur auf sogenannten Seidenpflanzen ab, einer Klasse von giftigen und bei Bauern ungeliebten „Unkräutern“. Dank immer stärkerer Pestizide ist dieses einst weitverbreitete Gewächs mittlerweile von vielen Feldern, Weiden und Wiesen fast komplett verschwunden.

Wo es noch wächst, etwa an Straßenrändern, wird es oft abgemäht, auch in der Fortpflanzungszeit der Schmetterlinge. Die Monarch-Spezialistin Robyn Elman sieht das überall. „Es kam schon vor, dass ein Weibchen auf einem abgeschnittenen Seidenpflanzen-Halm gelandet ist, den ich in der Hand hielt, und anfing, Eier zu legen, weil es offensichtlich so verzweifelt war“, sagt die ehemalige Tierpflegerin, die heute einen Haustier-Sitter- und -Ausführservice betreibt. Sie sammelte erstmals 2019 Monarchfalter-Eier entlang der Straßen bei sich im Umkreis. „Dann macht man immer weiter, weil man weiß: Mit jedem Ei, das man aufsammelt, rettet man einen Schmetterling.“

Elman beherbergt die Eier und Raupen in luftigen Stoffvolieren im Garten, die sie täglich reinigt – „Monarchfalter-Raupen kacken sehr viel“ – und mit frischem Futter bestückt. Es dauert rund vier Wochen, bis sich der Schmetterling entwickelt. Im Hochsommer, wenn Elman hunderte von Raupen auf einmal betreut, braucht sie pro Tag sieben Stunden, um alle zu versorgen und dazwischen noch Eier sammeln zu gehen: „Ich stehe bei Sonnenaufgang um fünf Uhr auf, weil mir sonst die Zeit ausgeht.“

Seit die Bedrohungen für die Monarchfalter-Migration publik wurden, pflanzen viele Naturfreunde gezielt Seidenpflanzen im Garten an.

Doch paradoxerweise schadet das mitunter mehr, als es hilft. Denn: Viele Schmetterlingsfans holen sich das Gewächs aus dem Baumarkt oder Gärtnereien, wo zumeist eine Sorte angeboten wird, die in den USA eigentlich gar nicht heimisch ist. Diese sogenannte Indianer-Seidenpflanze oder Asclepias curassavica blüht hübsch orange. Anders als die heimischen Versionen stirbt sie aber in den wärmeren Gefilden der USA im Winter nicht ab, sondern blüht das ganze Jahr über weiter.

Rekord-Reisen in der Insektenwelt

Wie weit Motten, Falter und Grillen für Wärme, Futter und Fortpf lanzung fliegen.

Braunrückige Reiszikade Nilaparvata lugens

Verbreitet in China und Südostasien.

Die vier Millimeter kleinen Insekten fliegen Reisfelder an, ihre Nachkommen haben keine Flügel. Erst die übernächste Generation fliegt weiter.

+200

Zwergkrähe Euploea tulliolus

Durchquert Taiwan in Nord-Süd-Richtung.

Wenn die Schwärme unterwegs sind, stellen die Behörden große Netze entlang der Hauptstraßen auf, um die Falter vor dem Überfahrenwerden zu schützen.

350

Amerikanische Königslibelle Anax junius

Heimisch von Alaska bis Mexiko.

Exemplare aus Alaska wurden in Mexiko beim Ablegen ihrer Eier beobachtet.

880 bis 2.880

Reisblattwalze Cnaphalocrocis medinalis

Wechselt von Chinas Jiangxi-Provinz im Norden bis zur Südküste.

Was für Navigatoren: Eine große Population überwintert regelmäßig auf einer kleinen Insel im Golf von Bohai, 40 Kilometer von der Küste entfernt.

bis zu 1.000

Bogong-Falter Agrotis infusa

Fliegt vom Hinterland Brisbanes in die Berge.

Im Frühling beginnt die Reise über 1.000 Kilometer in die Australischen Alpen. Gefressen wird unterwegs nichts, geflogen wird in der Nacht. Nach viermonatiger Rast geht es wieder zurück ins Brutgebiet.

über 1.000

Spodoptera frugiperda

Überwintert in Florida, fliegt dann Richtung Norden bis nach Kanada.

Die Raupen treten oft massenweise auf und schädigen Maiskulturen. Deshalb heißen sie Herbst-

Heerwürmer. Für den Falter fand sich bisher kein einprägsamer Name.

1.700

Monarchfalter Danaus plexippus

Fliegt von Mexiko bis Kanada.

Die Falter pflanzen sich entlang des Weges fort, die Nachkommen erreichen das Ziel. Kein Tier schafft in seinem Leben die ganze Runde von Mexiko nach Kanada und zurück.

bis zu 3.600

Wüstenheuschrecke Schistocerca gregaria

Von der Sahara bis in die Karibik.

Die Landung der afrikanischen Insekten auf Santa Cruz im Jahr 1988 war einmalig. Doch Wanderungen aus Nordafrika über das Rote Meer oder bis Kenia passieren regelmäßig.

4.500

Distelfalter Vanessa cardui

Fliegt, wohin der Wind ihn trägt – und das über tausende Kilometer.

Überquert alljährlich das Mittelmeer. Neuere Untersuchungen fanden Falter in drei Kilometer Höhe von Afrika bis Island fliegend. Einige kamen sogar wieder zurück.

7.000 bis 14.000

Wanderlibelle Pantala flavescens

Weltweit unterwegs.

Sie erreichen abgelegene Inseln, regelmäßig fliegen Schwärme 2.500 Kilometer über offenes Meer von den Malediven bis Ostafrika. Mehr-Generationen-Migrationen sollen Reisen von bis zu 18.000 Kilometern schaffen.

2.500 bis 18.000

Fatalerweise scheint dies vielen Monarchfaltern die Motivation zur Wanderschaft zu nehmen. In Regionen, in denen die Indianer-Seidenpflanzen mittlerweile gehäuft wächst – wie in Südflorida – bleiben viele der Schmetterlinge nun das ganze Jahr vor Ort.

Aber schlimmer noch ist etwas anderes. Auf den immergrünen Blättern der Indianer-Seidenpflanze tritt ein Parasit auf, ein Einzeller namens Ophryocystis elektroscirrha oder kurz OE. Die Monarchfalter-Raupen verleiben sich den Schmarotzer ein, wenn sie die Blätter der Pflanze fressen.

Schlüpfen sie dann später als Schmetterlinge, haben viele der Nachkommen deformierte Flügel oder sind anderweitig geschwächt.

Monarchfalter fliegen auf ihrer Wanderschaft 40 bis 50 Kilometer pro Tag – oder auch hunderte, wenn der Wind gut steht. OE-kränkliche Schmetterlinge schaffen das nicht und sterben vermutlich beim Versuch, längere Distanzen zurückzulegen. Eine Studie ergab jüngst, dass bereits rund 10 Prozent der Monarchfalter in den USA mit OE infiziert sind. In Regionen wie Südflorida sind es sogar fast 100 Prozent. „Die Menschen wollen den Faltern helfen, erreichen aber das Gegenteil“, sagt Andy Davis, ein Ökologe an der Universität von Georgia und Mitautor der Untersuchung.

Im Bundesstaat New York, wo Elman ihre geretteten Eier zu Faltern aufzieht, haben die frostigen Winter bisher eine starke OE-Ausbreitung verhindert. Dennoch testet sie ihre geschlüpften Falter stichprobenhaft auf einen Befall. „Ich drücke ein Stück Klebeband leicht auf ihren Körper und dann auf ein weißes Stück Papier.“ Trägt ein Schmetterling die Parasiten am Körper, zeigt sich das an dunklen Schuppen auf dem Papier.

Bisher hat Elman noch keinen OE-kranken Monarchen gefunden, aber gelegentlich schlüpft ein Falter mit durch andere Krankheiten oder Parasiten deformierten Flügeln. Um ihnen unnötiges Leid zu ersparen, schläfert Elman diese Falter ein. „Ich stecke sie in eine kleine Tüte und lege sie in den Gefrierschrank. Als kaltblütige Tiere schlafen sie dann einfach ein. Das ist schmerzlos, aber trotzdem traurig.“

Doch es gibt auch Dinge, die Hoffnung machen. Die Winterquartiere der Monarchfalter in Mexiko stehen heute unter Schutz – und obwohl weiter illegal gerodet wird, ist es längst nicht mehr so viel wie einst.

In den USA beginnen Naturschutzgruppen, die natürlichen Lebensräume der Falter wiederherzustellen, und das gewaltige Infrastrukturpaket, das US-Präsident Joe Biden im Herbst 2021 verabschiedet hat, sieht immerhin zehn Millionen Dollar für Blühpflanzen für Bestäuber entlang von Highways vor. Zudem wissen immer mehr Menschen um die Gefahren des Indianer-Seidenkrauts und vermeiden es.

Die Fotografin: Karine Aigner

Geht sie auf Bilderjagd, dann sind Tiere ihre Beute. Um einer Boa in den Rachen zu knipsen, legte Aigner sich sogar auf eine afrikanische Schotterpiste. Die Bilder der weltreisenden Amerikanerin erscheinen in den besten Magazinen; ihre Langzeitbeobachtung einer Luchsfamilie schaffte es in die Auswahl zum „Wildlife Photographer of the Year“.

Und vor allem ist der Monarchfalter zäh. Das zeigte sich erst jüngst wieder in Kalifornien, wo die beinah schon tot geglaubte Population unerwartet einen Aufschwung erlebte.

Im Winter 2021/22 zählten Naturbeobachter 247.237 Monarchfalter in den kalifornischen Überwinterungsquartieren – mehr als das Hundertfache als im Jahr zuvor und so viele wie schon lange nicht mehr. „Wir wissen nicht, was das ausgelöst hat“, sagt Cheryl Schultz, eine Biologin an der Washington State University, „aber es verschafft uns etwas Luft.“

Unterdessen versuchen Enthusiasten weiterhin, die Flugrouten der Schmetterlinge genauer zu erkunden. Dazu fangen sie die Tiere vorsichtig ein und fixieren kleine Auf kleber an der Unterseite der Flügel. Darauf befindet sich eine Buchstaben-Zahlen-Kombination. Derjenige, der diese Markierung anbringt, notiert das aktuelle Datum und den Ort in einer landesweit zugänglichen Datenbank. Wird das Tier dann später wieder irgendwo gesichtet, kann aufgrund des Codes seine Herkunft ermittelt werden. Die Falter, die Elman großzieht, sind Exemplare der vierten Generation – sie gehen also auf Wanderschaft. Auch Elman markiert im Frühherbst manche Schmetterlinge dieser Generation, bevor sie die Tiere freilässt – und sie sich nach Mexiko aufmachen.

Dass Schmetterlingsflügel bei der kleinsten Berührung ihre Schuppen verlieren und die Insekten dann nicht mehr fliegen können, ist übrigens ein Mythos. Elman hantiert dennoch vorsichtig mit den Tieren, wenn sie den kleinen Sticker anbringt. Einmal tauchte ein von ihr markierter Falter in New Jersey wieder auf – er hat also eine Flugstrecke von 15 Kilometern zurückgelegt.

In Mexiko dümpelt die Zahl der überwinternden Falter weiter auf niedrigem Stand. Doch noch fliegen die Monarchfalter. In ein paar Wochen werden die ersten in New York eintreffen und Eier legen. Robyn Elman ist bereit.