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TEST Antischimmelmittel: Gefährliche Mitbewohner


ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben - epaper ⋅ Ausgabe 11/2013 vom 15.11.2013

Hohe Luftfeuchtigkeit führt in Wohnungen häufig zu Schimmel. Die auf dem Markt erhältlichen Antischimmelmittel sind aber keine Lösung. An der Beseitigung der Ursache führt kein Weg vorbei.


Artikelbild für den Artikel "TEST Antischimmelmittel: Gefährliche Mitbewohner" aus der Ausgabe 11/2013 von ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben, Ausgabe 11/2013

In Ecken, hinter Schränken und an Fensterleibungen tummeln sich die Übeltäter. Viele kennen das Problem, weshalb auch viel über Schimmelpilze und die Ursachen geschrieben wird, und darüber, was man so alles tun und lassen sollte. Zudem wird über die Schuldfrage gestritten: Trägt der Bewohner die Verantwortung durch ein falsches Nutzerverhalten oder sind es doch bauliche Mängel, gegen die man trotz größter Sorgfalt ...

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... nicht ankommt?


Pilzsporen können Schleimhäute reizen und Allergien auslösen


Schimmelpilze vermehren sich mittels Sporen. Und diese sind mit zig Tausenden von Arten letztlich überall um uns herum vorhanden. Solange sie nicht überhandnehmen, ist das auch kein Problem, damit kann der Körper umgehen. Wenn die Schimmelpilze aber gute Wachstumsbedingungen vorfinden, dann breiten sie sich aus und können uns gesundheitlich zusetzen, vor allem wenn wir sie einatmen. Die Pilzsporen können Schleimhäute reizen und Allergien auslösen, damit einher gehen häufig Atemwegserkrankungen und Müdigkeit. Und vor allem geschwächte Menschen werden anfälliger für Infektionen. Einige Schimmelpilzarten sind besonders gefährlich, weil sie giftige Stoffwechselprodukte bilden. Und das Schlimme: Auch getötete Partikel von Schimmelpilzen und Sporen können noch Allergene in die Raumluft abgeben.

Zum Wachsen brauchen Schimmelpilze in erster Linie Feuchtigkeit sowie organische Nährstoffe, die aber fast überall vorhanden sind. Wo Schimmel in der Wohnung auftritt, ist es also schlichtweg zu feucht. Das wiederum kann ganz viele Ursachen haben. Im Extremfall gibt es undichte Stellen, an denen Wasser eintritt, zum Beispiel im Bereich von Balkonanschlüssen oder Übergängen von Wand und Dach. Das leuchtet jedem ein. In den meisten Fällen ist die Ursachenforschung aber komplizierter. Denn unterschätzt wird häufig, wie viel Feuchtigkeit wir durch bloßes Bewohnen an die Raumluft abgeben. In einem Drei-Personen-Haushalt summiert sich das auf etwa sechs bis zwölf Liter pro Tag. Und in manchen Wohnungen gibt es überdurchschnittlich viele Feuchtigkeitsquellen, zum Beispiel durch viele Pflanzen, Aquarien, durch häufiges Kochen und feuchte Wäsche auf der Leine. Um das Wasser abzuführen, muss die gesamte Innenraumluft mehrfach am Tag komplett ausgetauscht werden. Das heißt: lüften, lüften, lüften. In hoch gedämmten Neubauten geht das nicht mehr ohne Lüftungsanlagen.

Ansonsten schlägt sich die Feuchtigkeit an den kältesten Stellen des Raums nieder. Denn kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit aufnehmen als warme Luft, sodass sich an den kühleren Flächen Kondenswasser bildet und die Gefahr für Schimmel zunimmt. Kalt oder kühler ist es zum Beispiel dort, wo insgesamt schlecht gedämmt oder eine Wärmebrücke vorhanden ist, also eine unzureichend gedämmte Stelle. Aber auch Gebäudeecken und Übergänge von Wand zu Decke oder Boden zu Wand sind normalerweise kälter als der Rest der Wand. In Altbauwohnungen mit einfach verglasten Fenstern sind oft die Glasflächen die kältesten Stellen. Hier kann das Kondenswasser nur vergleichsweise geringe Schäden anrichten. Durch neue Fenster verlagert sich das Problem nun an andere Stellen, vor allem wenn nicht auch die Wände lückenlos gedämmt werden. Auch die Fensterleibung wird häufig zur Schwachstelle: Wenn ein Fenster lange Zeit gekippt ist, kühlt die sich anschließende Wand stark aus. Sehr gefährdet sind auch Außenwände hinter Kleiderschränken; da kommt die Raumwärme einfach gar nicht hin.

Anfangs lässt sich der Schimmel nicht unbedingt erkennen. Denn die Pilze bilden in der Wachstumsphase Zellfäden, die meist farblos und mit dem bloßen Auge nicht zu sehen sind. Erst die Sporen sind gefärbt, sodass der Befall durch schwarze oder gelbe Flecken sichtbar wird. Dann ist guter Rat teuer. In einem sind sich alle Fachleute einig: dass man die Ursache für die feuchten Stellen finden und beseitigen muss. Sonst wird man das Schimmelproblem nie in den Griff kriegen. Wichtig ist auch, bei der Beseitigung darauf zu achten, dass Pilze und Sporen nicht aufgewirbelt und im ganzen Raum verteilt werden, und man sie erst recht einatmet.

Falls bereits größere Flächen von mehr als einem halben Quadratmeter betroffen sind, gehört die Sanierung in die Hände von Fachleuten, die mit aufwendigen Schutzmaßnahmen befallene Flächen und Bauteile ausbauen und entsorgen. Meist ist in solchen Fällen auch eine bauliche Sanierung notwendig, um konstruktive Schwachstellen zu beseitigen oder um eine Zwangslüftung einzubauen. Nur bei kleinen Flächen sollten Sie selbst Hand anlegen. Falls die Ursachen vollkommen unklar sind, führt möglicherweise kein Weg an einem Sachverständigen vorbei.

Um zu vermeiden, dass es zu größeren Schimmelausbreitungen kommt, sollte man schnellstmöglich handeln. Von der Industrie werden Mittel mit unterschiedlichen Wirkstoffen angeboten. Wir haben 18 Antischimmelmittel in Baumärkten eingekauft, die für verschiedene Untergründe im Wohnbereich wie Tapetenund Putzflächen gedacht sind. Dazu noch zwei bekannte Hausmittel, ein 70-prozentiger Alkohol aus der Apotheke und eine Essigessenz aus dem Supermarkt. Wir ließen die Wirkstoffe begutachten und die Mittel im Labor untersuchen. Außerdem haben wir uns die Deklaration genau angeschaut.

Kleinere Flächen kann man noch selbst vom Schimmel befreien. Wichtig dabei ist, Handschuhe und Atemmaske zu tragen und die Ursache des Schimmelbefalls zu bekämpfen!


Das Testergebnis

▀ Antischimmelmittel sind nicht zu empfehlen. Denn die aufgesprühten Desinfektionen belasten die Raumluft und bergen gesundheitliche Risiken. Oft ist das bereits an den Gefahrstoffhinweisen auf der Verpackung zu sehen. Die Schimmelpilzsporen können durch das Sprühen möglicherweise sogar aufgewirbelt werden. Deshalb heißt das beste Antischimmelmittel: Ursache beseitigen und für trockene Oberflächen sorgen.

▀ Produkte gegen Schimmel sind Biozidprodukte ohne Wenn und Aber. Sie müssen von Gesetzes wegen mit ihren Wirkstoffen beim Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) registriert werden; deshalb tragen sie auch eine Registriernummer – mit einer Ausnahme: Den Volvox Alpinkalk Schimmelentferner hat Hersteller Ecotec Naturfarben nicht registrieren lassen. Dass das aber notwendig wäre, darüber bestehen laut Dr. Matti Sander, Jurist der Biozidzulassungsstelle der Baua, keine Zweifel. Deshalb ist das Produkt nicht verkehrsfähig.

▀ Alle Wirkstoffe in den Testprodukten gelten als fungizid, das heißt sie haben in Laborversuchen bewiesen, dass sie Schimmelpilze töten. Aber nur zwei Wirkstoffe, Natriumhypochlorit und Wasserstoffperoxid, können auch die Sporen bekämpfen, was unbedingt nötig ist, damit der Schimmel nicht gleich wieder neu aufkeimt. Wasserstoffperoxid wirkt langsamer und dadurch weniger effektiv. Dennoch ist die Wirkung aller Stoffe in der Praxis umstritten. Viele Sachverständige für Schimmelprobleme halten sie unter praktischen Bedingungen und angesichts der zahlreichen verschiedenen Schimmelpilze eher für wirklungslos.

▀ Alle Wirkstoffe sind in irgendeiner Form reizend oder gar ätzend und bedürfen deshalb besonderer Vorsicht. Äußerst gefährlich ist jedoch die Chemikalie Natriumhypochlorit, eine Chlorverbindung. Bei Produkten mit diesem Wirkstoff wird deshalb oft auch der Gehalt des wirksamen Chlors angegeben, des Aktivchlors. Achtung: Wer den Schimmel mit zwei verschiedenen Mitteln bekämpft, geht ein-großes Risiko ein. Denn Natriumhypochlorit reagiert gern mit andere Stoffen und setzt dann oft gefährliche Gase frei. Zusammen mit Salzsäure entsteht beispielsweise giftiges Chlorgas, mit Ammoniak bilden sich explosive Gemische. Eine solche Chemikalie muss für Normalverbraucher tabu sein. Aber auch Produkte mit Wasserstoffperoxid sind gefährlich, wenn sie in Kontakt mit Augen und Haut kommen.

▀ Die Wirkstoffe der Antischimmelmittel gelangen am Ende auch ins Abwasser, denn die Reste der Schimmelpilze und Sporen müssen abgewaschen und die Arbeitsmittel gereinigt werden. Gar nicht glücklich sind wir über die Gruppe der quartären Ammoniumverbindungen, zu denen unter anderem Benzalkoniumchlorid gehört. Sie sind biologisch schlecht abbaubar, sehr giftig für Wasserorganismen und reichern sich in der Umwelt an, auch in der Nahrungskette und letztlich im menschlichen Organismus, da sie fettlöslich sind. Im Hausstaub werden sie praktisch gar nicht abgebaut. Sie können die Schutzschicht der Haut zerstören und diese durchlässiger für Schadstoffe machen. „Auf die Verwendung von Produkten, die quartäre Ammoniumverbindungen enthalten, sollte verzichtet werden“, so Professor Carmen Genning vom Institut für Biotechnologie und Umweltforschung der Hochschule Ostfalia in Braunschweig/ Wolfenbüttel.

▀ Bleiben noch die Hausmittelchen: Relativ wirkungslos ist das Hausmittel Essigsäure. Im schlimmsten Fall begünstigt sie eine neue Schimmelbildung. Denn mit der Essigessenz gelangt ein Nährstoff auf das gereinigte Material, das dem Schimmelpilz als Nährboden dienen kann. Daher müssen mit Essig behandelte Flächen gut mit Wasser gespült werden. Dies führt aber wiederum zu feuchten Stellen. Außerdem entsteht durch Essigsäure ein saures Milieu, das ebenfalls das Schimmelwachstum begünstigt. Dann verwendet man doch besser hochprozentigen Alkohol. Mit ihm kann man wohl keine Sporen bekämpfen, aber er eignet sich zumindest zum Abwischen und Desinfizieren von kleineren befallenen Stellen. Achtung: Brandgefahr. Und auch keine größeren Mengen aufbringen, denn sonst besteht sogar Explosionsgefahr.

So reagierten die Hersteller

Ecotec Naturfarben ging gar nicht auf die fehlende Registrierung als Biozidprodukt ein. Der Hersteller ließ uns lediglich wissen, dass auf dem Etikett des Volvox Alpinkalk Schimmelentferners unter Inhaltsstoffe irrtümlich kein Wasser angegeben sei, was korrigiert werden würde.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: DDAC = Didecyldimethylammoniumchlorid. MHD = Mindesthaltbarkeitsdatum. > größer, > kleiner.
Anmerkungen: 1) Wirkstoff nicht eindeutig als solcher deklariert, sondern unter „Zusammensetzung“ angegeben. 2) Laut Anbieter wird das Produkt künftig mit geänderten Etiketten ausgeliefert werden, „um eine missverständliche oder irreführende Information der Verbraucher/ innen auszuschließen“. 3) Laut Anbieter wurde im Jahr 2012 eine veränderte Rezeptur auf den Markt gebracht mit geringerer Wirkstoffkonzentration. Der empfohlene Preis für die neue Rezeptur betrage 8,59 Euro für 450 Milliliter. 4) Laut Anbieter wurde das Etikett zwischenzeitlich verändert; Wirkstoff und -konzentration würden nun explizit angegeben, ebenso das MHD. 5) Da Wirkstoffkonzentration (Aktivchlor) nur unpräzise mit < 5 % angegeben ist, geht ÖKOTEST bei der Einschätzung von einer Wirkstoffkonzentration von 4–5 % aus.
Legende: Produkte mit dem gleichen Fazit sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Testmethoden, Anbieterverzeichnis und Glossar finden Sie unter: → Suchen → „T1311“ eingeben.
Bereits veröff entlicht: ÖKO-TEST-Magazin 2/2013. Aktualisierung der Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

ÖKO-TEST rät

▀ Um Schimmel und Sporen dauerhaft loszuwerden, muss die Ursache der Feuchtigkeitsbildung behoben werden. Dann ist auch keine Desinfektion nötig.

▀ Bei kleinen befallenen Flächen unter einem halben Quadratmeter können Sie selbst Schimmel und Sporen beseitigen: mit einem leicht feuchten Tuch abwischen und die Fläche eventuell mit 70-prozentigem Alkohol aus der Apotheke oder mit dem Leinos Schimmel- Exx desinfizieren. Allergiker und sensible Menschen sollten die Hände davon lassen.

▀ Egal mit welchem Mittel sie umgehen: Tragen Sie in jedem Fall Handschuhe und Atemschutzmaske, am besten auch Schutzbrille. Gleichzeitig gut lüften!


Foto: ViktoriaMakarova/fotolia.com

Foto: VPB e.V.