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TEST Fieberthermometer: Heißes Eisen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2016 vom 28.12.2015

Für Eltern ist ein Fieberthermometer wertvolles Hilfsmittel, denn die Kleinen haben häufig Temperatur. Die meisten Produkte im Test lieferten gute Messergebnisse und haben kein größeres Problem mit Schadstoffen. Ein Ausreißer fällt allerdings durch .


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2016

Wenn Eltern beurteilen wollen, wie schwer ihr fieberndes Kind erkrankt ist, spielt der Allgemeinzustand des kleinen Patienten grundsätzlich eine wichtigere Rolle als dessen exakter Temperaturwert. Das haben alle Kinderärzte betont, die wir nach Ratschlägen zum kränkelnden Nachwuchs gefragt haben. Gleichwohl ist Fieber nach wie vor eines der wichtigsten ...

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... Symptome für bakterielle Erkrankungen, Virusinfektionen oder etwa auch Immundefekte. Ein möglichst genaues Thermometer gehört deshalb als medizinische Basisausstattung in jeden Haushalt. Das geeignete Modell auszuwählen, mag aber auf den ersten Blick schwerfallen, weil sich der Markt für Fieberthermometer in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt hat: Klassische analoge Quecksilberthermometer sind wegen ihres giftigen Inhalts seit 2009 in der EU verboten. Neben analogen Modellen mit Gallium und den weit verbreiteten digitalen Kontaktthermometern drängen vermehrt die deutlich teureren Infrarotthermometer auf den Markt. Letztere zeigen am Menschen in der Regel nicht direkt den Temperaturwert der gemessenen Stelle an, sondern berechnen beispielsweise noch die Umgebungstemperatur mit ein. Manche sind so konstruiert, dass sie den Wert für eine andere Körperstelle anzeigen als die gemessene, etwa den Referenzwert im Mund. Um zu sehen, was das eigene Infrarotthermometer tatsächlich ausgibt, lohnt sich also ein genauer Blick in die Gebrauchsanweisung. Auch digitale Kontaktthermometer geben nicht gleich direkt eine gemessene Temperatur aus, sondern errechnen aus den erfassten Messergebnissen binnen Sekunden den angezeigten Wert. Grundsätzlich lassen sich mit verschiedenen Messmethoden gute Ergebnisse erzielen.


Manche Thermometer zeigen absichtlich nicht den Wert für die gemessene Stelle an


Kontaktthermometer

Im Po (rektal): „Vor allem für kleine Kinder und Säuglinge ist die Rektalmessung nach wie vor, auch nach internationalem Standard, die beste Methode“, sagt Professor Michael Weiß, Kinderarzt und Ärztlicher Direktor des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße in Köln. Ärzte empfehlen, das Baby in Rückenlage zu bringen und seine Beine nach oben zu heben. Etwas Creme kann helfen, das Thermometer einzuführen. Bei Widerstand sollten Eltern keine Kraft anwenden. Kindern ist die Messung häufig unangenehm, für Eltern erfordert sie Übung.

Die Messungim Mund (oral) hängt wesentlich von der Reife des Kindes ab. Das Thermometer muss lange genug im geschlossenen Mund links oder rechts hinten unter der Zunge liegen, dann ist die orale Messung eine gute Alternative zur rektalen. Bei Säuglingen und Kleinkindern verbietet sich die Messung im Mund, sie ist zu gefährlich. Eine Ausnahme bilden Schnullerthermometer, doch auch hier gilt: Ist der Mund während der Messung nicht fest geschlossen, können Werte verfälscht werden.

Unter der Achsel (axillar) kann die Temperatur relativ weit unterhalb der Körperkerntemperatur liegen. Auch aufgrund der besseren Alternativen ist diese Methode nicht zu empfehlen.

Infrarotthermometer

Im Ohr: „Ohrthermometer, die wir anfangs kritisch gesehen haben, haben ihren Härtetest bestanden“, sagt Dr. Jürgen Grulich-Henn, Kinderarzt und Oberarzt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Die Messung funktioniert schnell und präzise – allerdings nur, wenn sie von geübter Hand ausgeführt wird und der Patient stillhält. Der Trichter muss präzise in den Gehörgang eingeführt werden, damit der Sensor das Trommelfell anpeilen kann. Zielt man daneben, können sich Werte verfälschen, ebenso durch Ohrschmalz. Tipp: Das Ohr nach hinten oben ziehen, das begradigt den Gehörgang und kann die Messung erleichtern.

Eine erhöhte Körpertemperatur kann auch von einer warmen Umgebung oder viel Bewegung herrühren. „Ist das Kind unruhig oder apathisch, weint es viel oder will nicht trinken, sollte man Fieber messen“, rät Dr. Annette Lingenauber.


An der Stirn: „Mit dieser Methode haben wir keine Erfahrungen, wir verlassen uns auf die bewährten Messungen in After, Mund oder Ohr“, berichtet Michael Weiß für das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße in Köln. Andere Mediziner äußerten sich ähnlich. Voraussetzung für eine erfolgreiche Messung ist, dass Patienten stillhalten und dass die Gebrauchsanweisung genau befolgt wird. Dies kann Übung erfordern.

ÖKO-TEST hat mehrere Kontakt- und Infrarotthermometer eingekauft und auf Funktionalität und Schadstoffe in verschiedenen Laboren testen lassen.

Das Testergebnis

Die meisten sind empfehlenswert. 12 von 16 Thermometern schneiden mit „sehr gut“ oder „gut“ ab. Mit dem „mangelhaften“ Nuk Baby Thermometer 2 in 1 gelang es den Probanden nicht, unter Praxisbedingungen wiederholbare Ergebnisse zu erzielen. Das Domotherm Junior Digitales Fieberthermometer möchte man seinem Kind nicht in den Mund stecken, es stinkt und schmeckt auffallend streng.

Unterschiede in Preis und Messdauer: Während Kontaktthermometer etwa zwischen 3,50 Euro und 6 Euro zu haben sind, kosten viele Infrarotthermometer rund 30 Euro oder mehr. Dafür müssen sie nicht in den Mund oder den Po gesteckt werden und funktionieren einige Sekunden schneller als digitale Kontaktthermometer. In der Praxis ließ ÖKO-TEST die Ohr-Stirn-Thermometer im Ohrmodus untersuchen, der auch in Kliniken angewandt wird. Die beiden Schnullerthermometer im Test haben keine wechselbaren Batterien und müssen über eine Minute in Babys Mund bleiben. Das Glasthermometer Geratherm Classic zeigte im Labor schon nach 30 Sekunden die Temperatur an, sollte laut Anbieter aber mindestens vier Minuten lang messen.

Manche sind komfortabler. Das Aponorm Ohr-Thermometer Comfort 3 und das Braun Thermoscan 7 Ohr- Thermometer verfügen über eine praktische Displaybeleuchtung. Doch auch an den anderen Digitalthermometern lässt sich die Temperatur gut ablesen – auch wenn manches Display im Vergleich deutlich kleiner ist als das der Konkurrenz. Manche Modelle warnen ab einer gewissen Temperatur sowohl akustisch als auch optisch. Gar nicht verbraucherfreundlich ist hingegen die winzige Schrift der Anleitung des Chicco Digitalthermometer Digi Baby.

Grade richtig: Alle Produkte erreichten in der Präzisionsmessung im exakt temperier- ten Wasserbad bei 36, 40 und 42 Grad Celsius jeweils eine Messgenauigkeit von weniger als 0,3 Grad Abweichung. Die im Labor verwendete Methode überprüft, ob ein Thermometer einen vorgegebenen Temperaturwert präzise wiedergeben kann. Ohr-Stirn- Thermometer wurden jeweils mit Ohraufsatz getestet.

Kaum Schadstoffe: Brom wies das Labor auf jeder untersuchten Platine nach, es spielt in elektronischen Geräten als bromiertes Flammschutzmittel eine unrühmliche, weil umweltschädliche Rolle. Das werten wir unter „Weitere Mängel“ genauso ab wie umweltschädliche chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Abgesehen von diesen beiden müssen wir aber keine bedenklichen oder umstrittenen Stoffe bemängeln. Kein Produkt schneidet deshalb im Testergebnis Inhaltsstoffe schlechter ab als mit „gut“.

So reagierten die Hersteller

▀ Laut AnbieterMapa erreichte das Nuk Baby Thermometer 2 in 1 in einer klinischen Studie eine deutlich bessere Reproduzierbarkeit als in unserem Test. Die Studie liegt ÖKO-TEST nicht vor. Zudem übermittelte der Anbieter einen Prüfbericht, laut dem das Thermometer keine verbotenen bromierten Flammschutzmittel enthält. Es wurde eine andere Charge getestet als bei ÖKOTEST.

▀ AuchBeurer teilte uns für Babydream Express Fieberthermometer, Sanitas Multifunktions- Thermometer SFT 65 und Beurer Schnuller- Thermometer BY20 mit, dass deren Platinen keine verbotenen bromierten Flammschutzmittel enthielten. Aus den übersandten Prüfberichten geht nicht hervor, dass dieselben Chargen getestet wurden wie bei ÖKO-TEST.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben 16 Fieberthermometer für den Hausgebrauch zu Preisen von 3,45 Euro bis knapp 48 Euro eingekauft. Digitalthermometer zum Messen in Mund oder Po sind ebenso vertreten wie Infrarotthermometer für Ohr und Stirn. Auch ein Glasthermometer mit Gallium landete im Einkaufskorb. Weil manche Eltern für ihre Kinder auf Schnullerthermometer zurückgreifen, haben wir auch zwei dieser Modelle getestet.

Die Praxisprüfung

Im Labor wurde die Messgenauigkeit der Thermometer in einem genau temperierten Wasserbad beziehungsweise Hohlraumstrahler festgestellt. Außerdem wollten wir wissen, wie gut sich in der Praxis Messergebnisse wiederholen lassen. Dafür haben wir mehrmals die Temperaturen im Mund beziehungsweise für Infrarotthermometer im Ohr messen lassen: von Krankenpflegeschülern gegenseitig, von einer Laborexpertin an ihren beiden Kindern. Die Schnullerthermometer wurden zudem an Kleinkindern getestet. Auch die Messdauer der Thermometer und die Gebrauchsanweisungen haben wir berücksichtigt.

Die Inhaltsstoffe

Aus den Thermometern könnte sich Nickel lösen, das wiederum Allergien auslösen kann, deshalb haben wir darauf geprüft. Auch wurden verdächtige Produkte auf hormonell wirksame oder organschädigende Weichmacher untersucht – und auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen manche Krebs erzeugen. Die Platinen der Thermometer ließen wir auf Brom testen, da Hersteller sie gern mit bromierten Flammschutzmitteln ausrüsten, die ein Umweltproblem darstellen. Ebenfalls ein Umweltproblem und auf unserem Prüfplan: chlorierte Verbindungen wie PVC.

Die Bewertung

Mit 70 Prozent fließt die Praxisprüfung, für die Messgenauigkeit und Wiederholbarkeit die größte Rolle spielen, in das Gesamturteil ein. Immerhin noch 30 Prozent machen die Inhaltsstoffe aus, schließlich kommen Thermometer direkt mit dem Körper in Kontakt und sollten schadstofffrei sein.

Präzisionsmessung: Im exakt temperierten Wasserbad mussten die Thermometer ihre Genauigkeit beweisen.


Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf S. 124.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Brom auf der Platine. 2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 3) Weiterer Mangel: keine Informationen zur Entsorgung des Thermometers bzw der Batterien. 4) Das Produkt ist ein Ohr-/Stirnthermometer, den Werten in den Bereichen Messdauer, Messgenauigkeit und Reproduzierbarkeit in der Praxis liegen Messungen im Ohrmodus zugrunde. 5) Laut Anbieter wurde die Produktion direkt nach der beanstandeten Charge geändert. Ab Chargennummer 15/16 rieche das Thermometer nicht mehr auffällig.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Testergebnis Praxisprüfung: Das Testergebnis Praxisprüfung setzt sich aus folgenden Ergebnissen zusammen: 1. Messgenauigkeit: In den Punkt Messgenauigkeit fließen ein die Messgenauigkeit im Labor sowie die Reproduzierbarkeit in der Praxis. Messgenauigkeit im Labor: Abweichung von 0,2 Grad Celsius oder weniger = sehr gut = „in Ordnung“. Es wurde jeweils kaufmännisch gerundet. Reproduzierbarkeit in der Praxis: Abweichung von weniger als 0,5 Grad Celsius = sehr gut = „in Ordnung“. Zur Abwertung um 9 Noten führt: eine Abweichung in der Reproduzierbarkeit in der Praxis von 0,5 Grad Celsius oder mehr (in Tabelle: „ungenau in der Praxis“). 2. Sonstige Mängel: Zur Abwertung um jeweils 5 Noten führen: a) Kontaktthermometer riecht und schmeckt auffallend unangenehm; b) Batterie nicht wechselbar. Zur Abwertung um 3 Noten führt: Gebrauchshinweise auffallend schwer lesbar. Die einzelnen Abwertungen werden addiert. Das Teilergebnis Praxisprüfung ergibt sich aus der Summe der Abwertungen: 0 bis 2 Noten = sehr gut; 3 bis 4 Noten = gut; 5 bis 6 Noten = befriedigend; 7 bis 8 Noten = ausreichend; 9 bis 10 Noten = mangelhaft; 11 Noten oder mehr = ungenügend.
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: keine Informationen zur Entsorgung des Thermometers oder der Batterien. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Nachweis von Brom auf der Platine.
Das Gesamturteil beruht zu 70 Prozent auf dem Testergebnis Praxistest und zu 30 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Es kann aber nicht besser sein als das Testergebnis Praxistest. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe (chlorierte Verbindungen in der Verpackung und/oder Brom auf der Platine) bzw das Testergebnis Praxisprüfung (mangelhafte Informationen zur Entsorgung) um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unterwww.oekotest.de → Suchen → „M1601“ eingeben.Einkauf der Testprodukte: September/Oktober 2015.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronischen Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

• 12 Produkte, darunter sowohl Kontakt- als auch Infrarotthermometer, haben in unseren Tests mit „gut“ oder „sehr gut“ abgeschnitten. Sie können also unter den verschiedenen Anwendungsformen diejenige wählen, die für Sie am unkompliziertesten ist.

• Insbesondere der Umgang mit Infrarotthermometern kann einige Übung erfordern. Deshalb ist es sinnvoll, sie schon im gesunden Zustand einmal auszuprobieren. So ist auch die „Normaltemperatur“ an der jeweiligen Körperstelle bekannt und kann als Basis für spätere Messungen dienen.

• Ein Thermometer, bei dem die Batterie nicht auswechselbar ist, landet zwangsläufig im Müll. Auch wenn die zwei betroffenen Produkte im Test recht billig sind: besser eine umweltfreundlichere Alternative auswählen.

Kompakt

Wann spricht man von Fieber?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ab einer Körpertemperatur von 38,5 Grad Celsius oder mehr. Bei einzelnen Kindern könnten schon Temperaturen zwischen 38 und 38,5 Grad Celsius auf eine Erkrankung hinweisen.

Wann muss das Kind zum Arzt?

Wenn sich zusätzlich zum Fieber sein Allgemeinzustand klar verschlechtert, es etwa angestrengt oder teilnahmslos wirkt, viel weint, schneller atmet oder das Trinken verweigert. „Steigt das Fieber über 38,5 Grad Celsius und man weiß nicht warum, sollte man auch zum Arzt gehen“, rät Kinderarzt Professor Michael Weiß. Andersherum sollten Eltern auch auf Unterkühlungssymptome wie kalte Füße achten: „Säuglinge mit schweren Infektionen können auch Untertemperatur haben, da darf man nicht auf Fieber warten, bis man zum Arzt geht“, sagt Michael Weiß.

Notfälle: „Ein Neugeborenes mit Fieber gehört ärztlich angesehen und auch in den ersten sechs Monaten sollte ein Kind ab 38,5 Grad Celsius Körpertemperatur zum Arzt“, sagt Dr. Annette Lingenauber, Kinderärztin und Sprecherin im Landesverband Hamburg des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Fieberkrämpfe mit Bewusstseinsverlust und Muskelzuckungen sind laut DGKJ in der Regel harmlos. Dennoch sollte ein Notarzt verständigt werden.

Wann fiebersenkende Mittel?

„Fieber ermöglicht dem Körper, den Erreger abzuwehren – es ist Unsinn, das sofort zu bekämpfen“, sagt Annette Lingenauber. „Wenn nicht aufgrund anderer Symptome ein Arztbesuch geboten ist, sollten Eltern von Kleinkindern ab circa 39 Grad Celsius fiebersenkende Mittel anwenden, vor allem, damit sich das Kind besser fühlt.“ Neben genug Flüssigkeit können lauwarme Wadenwickel helfen. Paracetamol und Ibuprofen gibt es als Saft, Tabletten oder Zäpfchen.

Experte

Nichts aufschlagen, nichts abziehen

„Wer geübt im Po, im Mund oder im Ohr misst, dem rate ich den Wert so zu nehmen, wie er ist und nichts aufzuschlagen oder abzuziehen. Ab 38 Grad Celsius sollte man aufmerksam sein – egal wo man misst. Wichtiger als der genaue Temperaturwert ist der Allgemeinzustand des Patienten und wie schnell das Fieber steigt.“

Professor Michael Weiß ist Kinderarzt, Ärztlicher Direktor des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße in Köln und Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).


Foto: Robert Byron/Hemera/Thinkstock

Foto: imago/emil umdorf

Foto: Labor

Foto: privat