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Lesen Sie das Editorial von Schulverpflegung - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift Schulverpflegung - epaper die aktuelle Ausgabe 1/2018 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Frisch gekocht ist halb gewonnen
Eine Umfrage zur Schulverpflegung belegte, dass dort wo frisches Essen auf den Tisch kommt, auch die Akzeptanz dafür am größten ist und es dafür die besten Noten gab. Am weitesten verbreitet ist derzeit dennoch die Anlieferung von warm gehaltenem Essen. Der große Nachteil dabei ist, dass keine Bildungswirkung angestrebt wird. Organisatorische und monetäre Gesichtspunkte regieren die Prozesse und Bildungsinteressen werden vernachlässigt. Mit der Ausschreibung und Vergabe der Versorgungsaufgabe an Cateringunternehmen glaubt man die Probleme zu lösen. Die Bildungschance der Schulverpflegung wird verkannt. Dies ist letztlich nur durch eine Mahlzeitenproduktion möglich, die täglich vor Ort erfolgt. Stellt man die Vor- und Nachteile der verschiedenen Produktionsformen gegenüber, so gewinnt aus der Sicht des DNSV nur die Frischküche. Dies belegte auch der 11. Deutsche Kongress für Schulverpflegung, der erstmalig auch in der Hauptstadt stattfand.

In Auswertung der sehr gut besuchten Veranstaltung in der Alten Börse in Berlin- Marzahn hat sich das DNSV nun mit klaren Forderungen für das Jahr 2018 an die Öffentlichkeit gewandt. „Essen in der Schule – Bildungsort Schulrestaurant“, so die zentrale Lösung, die mit einer Reihe von grundlegenden Forderungen – in Bilanz der vergangenen Jahre Schulverpflegungspolitik – untersetzt wird. Dabei geht es um gesunde Schulen in gesunden Städten und Dörfern, in denen das Schulrestaurant ein Bildungsort ist und Essen und Kochen an Schulen zum Lebensmittelpunkt gemacht wird, genauso wie um das immer noch hochaktuelle Thema, die Abschaffung der 19 % MwSt.-Besteuerung auf die Schulverpflegung und die aktive Einbindung der Schüler in den Produktionsprozess der Schulverpflegung. Die Devise kann nur lauten: Essen in der Schule muss demokratisch sein. Basis dafür soll ein von Bund-Länder-Kommunen getragener Schulverpflegungssozialpakt sein, für die soziale Infrastruktur aller Schulen, denn der Kopf braucht optimale Schulverpflegung, d. h. jeder Schule ein Schulrestaurant und eine Küche. Vor Ort gekochte Speisen haben einen wesentlich geringeren ökologischen Fußabdruck als warm angeliefertes und warm gehaltenes Essen. Die Warmhalteküche ist nicht mehr zu akzeptieren. Diesem Thema wird sich auch der 12. Deutsche Kongress für Schulverpflegung stellen, der am 9. November im Schulzentrum der Integrierten Gesamtschule Oyten / IGS Oyten, stattfinden soll und sich dem Thema: Essen in Kita- und Schule – Bildungsort Schulrestaurant & die tägliche Frischküche, stellt. Das DNSV freut sich auf Ihre Teilnahme! Netzwerken Sie bis dahin fleißig und machen Sie der Politik Druck für eine optimale Schul- und Kitaverpflegung!

Michael Polster
1. Vorsitzender Deutsches Netzwerk Schulverpflegung e.V. (DNSV) vorsitzender@schulverpflegungev.net

Die Mischung macht‘s
Frisch vor Ort gekocht klingt toll. Und ist es auch – vorausgesetzt die Rahmenbedingungen passen. Doch oft ist das Ganze nicht umsetzbar, sei es aus Platzgründen, personell bedingt und nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. Nicht nur Eltern kämpfen in den Schulferien damit, ihre Kinder irgendwo unterzubringen, auch Caterer müssen das wochenlang brachliegende Geschäft bestmöglich überbrücken. Für eine eigenständige, einzelne Frischküche vor Ort wirtschaftlich eine unglaubliche Herausforderung. Ich glaube nicht, dass „die eine“ Schulverpflegungslösung darin liegt, allen eine „Frischküche“ zu verordnen. Das scheitert bereits daran, dass der Begriff Frischküche auch ein dehnbarer ist. Frische Komponenten müssen vor Ort aber auf jeden Fall angeboten werden, daran führt kein Weg vorbei. Ich kenne aber einige professionelle, vorbildliche und erfolgreiche Mischkonzepte, die genau das tun: eine zentrale Cook & Chill-Produktion kombiniert mit einem kleinen Bereich vor Ort, in dem frische Komponenten ergänzt werden und auch auf Sonderwünsche der Kinder eingegangen werden kann.

Bestes Beispiel ist der Betrieb unserer GV-Managerin des Jahres 2017 in der Kategorie Education, Jana Heise. Biond in Kassel produziert 5.200 der 7.000 Kita- und Schulessen zentral per Cook & Chill. Dank 100%iger Bio-Ware, einem geringen Fleischanteil, regionalen Lieferanten und einer nicht tagtäglichen Anlieferung kann Biond sogar hinsichtlich des CO2-Fußabdrucks gegenüber einem konventionellen Lieferanten punkten. Darüber hinaus geht Biond beispielhafte Wege in Sachen Ernährungsbildung junger Gäste. Die Köche bringen alles mit, damit sie auch ohne Komplettküche vor Ort mit den Kindern gemeinsam kochen können. Zusammen mit Blindverkostungen wurden so schon viele Kinder durchs Hintertürchen von „gesundem“ Essen überzeugt.

Frischküche hin oder her, was ich ebenfalls nicht gut finde, sind stundenlang warm gehaltene Speisen. Diese landen leider oft matschig, farblos und vitaminarm auf den Tellern der Kinder. Muss man sich da noch wundern, wenn die Essensbeteiligung und das Image der Schulverpflegung nicht stimmen?!
Claudia Kirchner
Schulverpflegung
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