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Schlagzeilen ÖKOJAGD - epaper Ausgabe 1/2017
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Lesen Sie das Editorial von ÖKOJAGD - epaper

Mit diesem Editorial leitet der/die Herausgeber/in oder die Chefredaktion der Zeitschrift ÖKOJAGD - epaper die aktuelle Ausgabe 1/2017 ein. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders lesenswert sind oder woher die Anregungen dazu kamen.

Liebe Leserinnen und Leser,

dem Ökologischen Jagdverband und seinen VertreterInnen war es auf allen Ebenen von Anbeginn an sehr wichtig, die Zukunftsfähigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz der Jagdausübung in unseren Zielsetzungen und Positionen besonders im Fokus zu haben.

Damit befasst sich auch der sehr beachtenswerte und fundierte Beitrag von Dirk-Roger Eisenhauer und seinen Mit-AutorInnen zum Projekt „Rotwildmanagement pro Waldumbau“ in Sachsen. Sie stellen berechtigterweise fest: „Die ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Bewirtschaftung des Staatswaldes ist nicht verhandelbar. In diesem Zusammenhang ist es von herausragender Bedeutung, waldökologisch begründete Risiken für die Stetigkeit von landschaftsökologisch bedeutenden Ökosystemleistungen zu vermeiden bzw. die Wirkungen von funktionalen Einbrüchen als Folge von Kalamitäten zu puffern.“ Dabei kommt dem jagdlichen Umgang mit den ihren Lebensraum potentiell verändernden und beeinträchtigenden Schalenwildarten besondere Bedeutung zu.

Als übergeordneter Aspekt wird in dem Artikel auch angesprochen: „Noch weitaus bedeutender ist die Tatsache, dass eine Ausdünnung der Rotwildpopulation, wie sie waldökologisch und für eine kompromisslose Umsetzung der waldbaulichen Ziele notwendig wäre, zwar keinesfalls die Existenz einer vitalen Rotwildpopulation in Frage stellen, aber von breiten Teilen der Bevölkerung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht akzeptiert werden würde.“

Dazu eine Begegnung anlässlich eines Vortrags von mir 2012 im Rahmen einer Veranstaltung des Bund Naturschutz in Bayern zum Thema „Rotwild im Spessart. Zu viel – zu wenig? Der Wald wird’s zeigen“. Bei der langen Fahrt durch ein kaum besiedeltes, bewaldetes Tal in das abseits gelegene Veranstaltungslokal war für den Taxifahrer zum Thema Hirsche nur die enorme, besonders nachts relevante, Kollisionsgefahr im Straßenverkehr präsent – von romantischen Beobachtungswünschen zur erhabenen Brunft des „Königs der Wälder“ war keine Rede. Nur die auf der Veranstaltung vertretenen Jagdpächter und weiteren hirsch-(heißt trophäen-)orientierten Jagdausübenden reagierten verschnupft auf den Versuch, den Waldkönig vom Thron zu stoßen. Auch eine empirische Untersuchung eines Mitarbeiters des Bundesamts für Naturschutz im Rahmen eines Rotwildsymposiums 2004 in Bonn zeigte, dass Rotwild als touristisches Produkt marginal, ein „kaum wahrnehmbares, sehr spezielles Nischensegment“ ist. Die wichtigsten Ergebnisse einer schlaglichtartigen, nicht repräsentativen Umfrage in Bad Godesberg waren die Nennung des häufigsten Stichworts „Hirschgeweih“ als stereotypes Erkennungsmerkmal, aber auch als Trophäe. Neben der Zuschreibung „Groß und kräftig“, die als „scheint vorwiegend von Bildern, nicht aus eigenem Erlebnis zu stammen, ist also eher virtuell“ beurteilt wurde, wird häufig auch Waldtier genannt. Eine nicht zu vernachlässigende Erwähnung fand das Stichwort „Hirschbraten“, wobei bemerkt wird „Die Männer geben sich mit Hirschgulasch zufrieden, den Frauen fallen raffiniertere Gerichte ein“. Die Studie kommt zu der Bestandsaufnahme: Das Bewusstsein der Bürger vom Rothirsch ist vorwiegend geprägt von einem Klischee – auch der röhrende Hirsch auf dem Ölbild im Schlafzimmer wurde spontan mehrfach erwähnt. Sie kommt zu dem Schluss: „Der Hirsch ist ein virtueller, teils ein toter Hirsch, wie das Hirsch-Wappen an der Gaststätte und das Hirschragout auf ihrer Speisekarte“.

Das könnte für einen pragmatischen Umgang mit dem Rotwild als natürlichem, aber nicht glorifizierend überhöhtem, Bestandteil von Wald-, aber auch Offenlandökosystemen, hilfreich sein. Schon Horst Stern propagierte 1971: „Es ist an der Zeit, das Rothirschgeweih als Statussymbol zu entzaubern. Wenn die Renommierjäger mit ihren Knochenschauen an Herrenzimmer- und Kegelbahnwänden … endlich niemandem mehr Eindruck machen, weil alle Welt weiß, dass diese Geweihe sehr oft von halbdomestizierten Krippenfressern gewonnen wurden, dann ist endlich das Schussfeld frei für die biologische Jagd.“ Diese mit Unterstützung fundierter Theorien und pragmatischer, objektiver Forschungsansätze umzusetzen, sind alle Mitglieder und Förderer des ÖJV einst angetreten und werden sich auch weiterhin konsequent dafür engagieren.

Herzlichst Ihre Elisabeth Emmert

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Kategorie Naturzeitschriften, Landwirtschaftszeitungen und Umweltmagazine

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29.04.2017  
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29.04.2017  
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28.04.2017