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ABENTEUER KAZA Mit dem Geländewagen durch Kavango-Zambesi


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Reisefieber - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 14.09.2022
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Bildquelle: Reisefieber, Ausgabe 1/2023

1: In den Weiten der afrikanischen Wildnis erleben wir ein ums andere Mal traumhafte Sonnenuntergänge.

Die Land-Rover-Experience-Tour führt unseren Reporter Norbert Eisele-Hein von den Victoriafällen an der Grenze Simbabwes zu Sambia durch die Nationalparks Hwange und Chobe bis nach Kasane am Rande des Okavango-Deltas in Botswana. Das ist eine Traumtour und ein unvergessliches Abenteuer im südlichen Afrika – nicht nur für Offroader. Ein Abenteuer der ganz besonderen Art!

Immer geradeaus!

„Okay Leute, wir folgen jetzt der ,Cutline‘ – 180 Kilometer schnurgerade Piste durch die Wildnis. Unsere Richtgeschwindigkeit ist 60 Stundenkilometer, wir hören uns also in drei Stunden wieder. Over and out.“ Drei Stunden langweilig geradeaus fahren? Ha, das wäre wohl ein Sakrileg auf einer Land-Rover-Experience-Tour. Denn wie hatte es uns unser Expeditionsleiter Dag Rogge am Vorabend am Lagerfeuer eingetrichtert: „Lasst euch auf diesem Abschnitt nicht einlullen. Da kommen aus heiterem Himmel Schlaglöcher, in denen ...

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„Okay Leute, wir folgen jetzt der ,Cutline‘ – 180 Kilometer schnurgerade Piste durch die Wildnis. Unsere Richtgeschwindigkeit ist 60 Stundenkilometer, wir hören uns also in drei Stunden wieder. Over and out.“ Drei Stunden langweilig geradeaus fahren? Ha, das wäre wohl ein Sakrileg auf einer Land-Rover-Experience-Tour. Denn wie hatte es uns unser Expeditionsleiter Dag Rogge am Vorabend am Lagerfeuer eingetrichtert: „Lasst euch auf diesem Abschnitt nicht einlullen. Da kommen aus heiterem Himmel Schlaglöcher, in denen sich ein Elefant baden könnte. Wer da erst einmal ungebremst reingerauscht ist, dessen Auto müssen wir vom Laster bergen lassen. Abgesehen davon, dass hier unzählige Elefanten, Giraffen, Antilopen und auch Löwen ohne jeglichen Sinn für die Straßenverkehrsordnung die Piste queren.“ LET – auf den Spuren der „Camel Trophy“ Die alle zwei Jahre stattfindende „LET“ steht in der Tradition der einst in den 80ern so erfolgreichen „Camel Trophy“. Nachdem Tabakwerbung aber verboten wurde, hat Land Rover dieses kongeniale Marketinginstrument sozusagen „smoke-free“ weiterentwickelt. Und auch wenn viele Geländewagenliebhaber mit diesen Arbeitspferden nur die Kids zur Kita schaukeln – auf den „LETs“ in Bolivien, Jordanien und Island werden die Fahrzeuge stets ihrer wahren Bestimmung zugeführt. Annähernd 30 000 Offroadenthusiasten bewerben sich für die Teilnahme an dieser Tour. Nur sechs davon wurden über diverse Auswahlverfahren, die nicht nur das Fahrkönnen, sondern auch Geschicklichkeit, rasche Auffassungsgabe und soziale Komponenten wie Teamfähigkeit abfragen, für die Gratisteilnahme an der „LET“ ausgewählt.

Dazu kommen eine Handvoll Journalisten, ein siebenköpfiges Medienteam, das unter anderem eine Dokureihe für den Fernsehsender DMAX dreht, und Boris Korioth, ein erfahrener Tropenmediziner. Einige Instruktoren, allesamt Afrika-Spezialisten, und Dag Rogge mit seinem Land Rover Defender, der Offroadexperte und Vater der „LETs“ – das ergibt einen stattlichen Tross von insgesamt 18 Fahrzeugen.

Der Startschuss ertönt in Simbabwe, genauer gesagt direkt bei den Victoriafällen. So mancher kann es kaum erwarten, beim ersten Anblick der im Expeditionsstil ausgestatteten Land-Rover-Discovery-Modelle so richtig auf das Gaspedal zu treten, doch es wäre ein Frevel, diesem UNESCO-Weltkulturerbe nicht gebührend Zeit zu widmen. Der schottische Forscher und Missionar David Livingstone war höchstwahrscheinlich der erste Weiße, der am 16.11.1855 vom Kololo-Häuptling Sekeletu mit dem Einbaum zu den „Mosi-oa-Tunya“ – dem „Donnernden Rauch“ –, diesen gewaltigen Wasserfällen, gebracht wurde. Die Victoriafälle, wie sie Dr. Livingstone sofort in guter kolonialer Manier und obendrein passend zu ihrem aufbrausenden Wesen nach seiner Königin taufte, zählen zu den größten Wasserfällen der Welt, sind doppelt so hoch und erheblich breiter als die Niagarafälle Nordamerikas. Somit ist der Sambesi mit einer Fallhöhe von 108 Metern und einer Breite von 1688 Metern die größte einheitlich herabstürzende Wassermasse der Welt.

Naturwunder Victoriafälle

Bei Hochwasser im Frühjahr bescheren die Wassermassen ein wildes Spektakel. Die unglaublichen 600 Millionen Liter Wasser pro Minute lassen die Gischt mehrere Hundert Meter hoch aufsteigen. In der Trockenzeit im November und Dezember sind es „nur“ 20 Millionen Liter Wasser. Dann sind die wasserärmeren Fälle in einzelne Kaskaden zerteilt und geben den Weg zum Devil‘s Pool frei – ein haarsträubendes Erlebnis. Vor der Tour gibt es ein kurzes Briefing durch die bewaffneten Guides: „Nach ein paar Minuten auf dem Schnellboot müssen wir einen knappen Kilometer laufen. Das Gebiet ist der natürliche Lebensraum der Hippos und Krokodile, bleibt bitte zusammen.“ Die Teufelspfütze selbst ist ein rund 30 Quadratmeter großes natürliches Becken direkt am Abgrund. Es sind nur ein paar Schwimmzüge, aber die kosten gewaltig Überwindung. Schon liegen wir bäuchlings am Beckenrand. Wir blicken den über 100 Meter jäh hinabstürzenden Wassermassen hinterher, die bei Sonnenschein immer von einem kolossalen, formvollendeten Doppelregenbogen umrahmt werden. Hin und wieder wird das laute „Wow“, „WTF“ und „Oh my god“ auch von spitzen Schreien übertönt, die den Guides immer ein spitzbübisches Lachen um die Mundwinkel zaubern. Es sind nur handtellergroße Barsche, die die mutigen Badegäste gerne mal in die Füße zwicken, aber insgeheim fürchtet jeder, es könnte doch ein kleines Krokodil im Pool herumschwimmen.

Von den Victoriafällen nach Deteema Springs Los geht's: 313 Kilometer in acht Stunden mit einem Gefälle von 60 Prozent offroad erwarten uns. Im Konvoi cruisen wir uns ein und gewöhnen uns auch erstmal an den Rechtsverkehr. Bei der Grenzstation zu Sambia stauen sich einige Sattelschlepper mit schwerem Gerät. Meerkatzen wagen sich aus dem Geäst und turnen frech auf den Trucks herum. Frauen in farbenfrohen Gewändern balancieren große Schüsseln, gefüllt mit Obst und Gemüse, auf dem Kopf vom nahen Markt nach Hause. Unsere erste Station ist die „Painted Dog Conservation“ bei Dete. „Der afrikanische Wildhund zählt leider zu den massiv vom Aussterben bedrohten Arten. Die bunt gesprenkelten Rudeltiere verenden häufig in Fangschlingen aus Draht. Die Wildhunde sind dabei ein Zufallsopfer. Die zum Teil sehr arme Bevölkerung will mit diesen Schlingen eigentlich Antilopen fangen, um den Speisezettel kostengünstig aufzubessern. Landet ein Wildhund in dieser tödlichen Falle, versuchen die äußerst sozialen Rudeltiere, dem Artgenossen aus der Patsche zu helfen und landen dann in weiteren Drahtfallen“, erklärt uns Tuvala Shakara, 26 Jahre alt und vom Volk der Ndebele, während ihrer eindrucksvollen Führung durch das Infozentrum und Freigehege. Wir verlassen den Asphalt und düsen auf Schotter und Sand weiter in den 14 600 Quadratkilometer großen Hwange-Nationalpark – das größte Schutzgebiet Simbabwes.

Faszination Simbabwe

Giraffen schauen neugierig über das Dickicht auf uns herab, Elefanten schlendern – wohlwissend um ihre magische Aura – gemütlich über die Piste. Wunderschöne Nyalaantilopen und grazile Impalas springen in gewaltigen Sätzen durch das Buschwerk. Ein Waran wackelt hüftschwingend über den Schotter. Warzenschweine mit kapitalen Hauern sausen neben den Fahrzeugen her. „Radio Simbabwe“, kommentiert Gerard van Meygaarden, 38 Jahre alt, am Mikrofon. „Beim Laufen richten sie ihre Schwänze wie Funkantennen in die Höhe.“ Gerard wurde von seinem Vater mit dem Land-Rover-Virus infiziert. „Mein Dad hatte ein 1964er-Modell 2, mit dem ich auf unserer Farm in Südafrika schon als Junge fahren durfte. Nach meinem Nature-Conservation-Studium, das ist so etwas wie Biologie mit Schwerpunkt Artenschutz, habe ich dann bei Land Rover Namibia meinen Traumjob gefunden“, plaudert er aus dem Nähkästchen. Gerard führt heute den Konvoi an und bei seinen Kommentaren zu Flora und Fauna spitzen alle die Ohren: „Da oben auf dem Baum seht ihr einen afrikanischen Fischadler. Zu erkennen ist er an seiner weißen Brust. Auf drei Uhr beim Wasserloch seht ihr einen Marabu, einen Sattelstorch und sogar einen ausgewachsenen Sekretär. Mit seinen knöchernen Stelzenbeinen entwickelt er eine enorme Schnellkraft und erlegt mit gezielten Kicks vorwiegend Schlangen, seine Lieblingsnahrung.“ Mit diesem Livekommentar zirkeln wir zwischen Schlaglöchern durch dieses Wildparadies. An einem Wasserloch können wir eine Elefantenherde bei der Körperpflege beobachten. Elefantenbullen gönnen sich eine ausgiebige Rüsseldusche. Babyelefanten unternehmen erste tapsige Schwimmversuche und suhlen sich mit Vorliebe und ausgiebig im Schlamm. Die Elefantenkühe umsorgen die Kleinen sehr aufmerksam und schubsen sie wieder in Richtung Böschung, wenn sie in tiefere Gewässer abdriften. Nach der Wäsche gibt es noch ein ausgiebiges Sandbad – sozusagen das Antiinsektenmittel der Dickhäuter.

Wir passieren ein paar Landstriche, in denen die Bäume arg zersaust aussehen. „In KAZA und vor allem hier im Hwange leben an die 300 000 Elefanten, gut zwei Drittel aller afrikanischen Elefanten. Die Tiere mit einem Gewicht zwischen fünf und zehn Tonnen benötigen täglich 200 Kilogramm Pflanzennahrung. Diese gewaltige Überpopulation stellt mit ihrem immensen Hunger eine ernsthafte Gefahr für das ökologische Gleichgewicht dar“, gibt Gerard zu bedenken. „Experten denken schon wieder über eine Aufhebung des Jagdverbots oder auch über eine Art Antibabypille nach, um die Bestände zu regulieren.“

Bei Dämmerung erreichen wir das befestigte Deteema-Springs-Camp. Die meisten Teilnehmer stellen im Nu ihre stabilen Zelte und bequemen Feldbetten auf. Der Rest darf „glampen“. Alle Achtung: Die Panoramazelte auf erhöhten Holzterrassen sind mondän eingerichtet und verfügen sogar über luxuriöse Badezimmer. Das offen gehaltene Hauptdeck mit Restaurant und top sortierter Bar gibt einen umwerfenden Blick auf die Savanne und das nahe Wasserloch frei. Und während die Holzkohle für das „Braai“, den traditionellen afrikanischen Grillabend, angefeuert wird, genießen wir bei einem doppelten Gin Tonic ein tierisches Feierabendtheater: Eine Herde Büffel folgt einer Gruppe Elefanten ans Wasserloch. Schon schlägt eine Horde Paviane in den nahen Baumriesen Alarm, weil ein Rudel Löwen plötzlich aus der Deckung auftaucht. Die Großkatzen warten geduldig, bis die Elefanten das Wasserloch freigeben. In diesen Breiten fällt die Sonne im Nu hinter dem Horizont hinunter. Ratzfatz ist es stockfinster. Doch Dag Rogge hat ein paar Nachtsichtgeräte dabei, mit denen wir die Löwen trotz der Dunkelheit noch weiter beobachten können. Über eine App lassen sich sogar Schnappschüsse auf das Smartphone überspielen – ein Hoch auf die Technik. Die Kakofonie der Affenbande verstummt allmählich, weil das Löwenmännchen seinen sonoren Bass erschallen lässt. Der Rudelboss brüllt, dass es uns spätnachts – trotz einer gepflegten Dosis Gin Tonic – immer noch die Nackenhaare aufstellt.

Von Hwange zum Elephant-Sands-Camp Über 251 Kilometer führt uns diese Etappe in acht Stunden mit einem Gefälle von 80 Prozent offroad zum nächsten Camp. Obwohl die Sonne strahlt, ist die Wettervorhersage wankelmütig. Heute haben wir zwei Optionen. Möglichkeit eins ist die normale Piste mit einem Leckerbissen für hartgesottene Offroader, die sogenannte Hunter’s Road, mit steinig, stufigem Gelände, schwer zu kalkulierenden Bachläufen, wo vielleicht auch mal die Seilwinde ran muss. Reifenprobleme sind hier an der Tagesordnung und das Durchkommen ist stark wetterabhängig. „Zu Beginn der Regenzeit sind Prognosen ohnehin sehr schwierig“, meint Stefan Auer aus dem österreichischen Montafon. Stefan gewann 1997 die „Camel Trophy“ in der Mongolei. Seitdem ist er als Senior-Instructor mit von der Partie. Die Fraktion der jungen Wilden schreit nach Action und entscheidet sich für die Hunter's Road, die im besten Fall in vier Stunden und im Worst-Case-Szenario schier unmöglich zu bezwingen ist.

Die eher genussorientierten Offroader entscheiden sich für die zweite Option, denn sie wollen lieber etwas früher im Elephant-Sands-Camp sein, um dort die Elefanten aus nächster Nähe beobachten zu können. Wir fahren kaum eine Stunde Richtung Nordosten, als sich der Himmel urplötzlich schwarz verfärbt und eine Sintflut losbricht. Im Stakkato der Scheibenwischer ist die „normale“ Savannenpiste bereits ein heftiges Unterfangen, die uns jede Menge Konzentration abverlangt. Erst kurz vor der Grenze zu Botswana beruhigt sich der Wolkenbruch etwas. Grenzübertritte in Afrika sind häufig ein heikles und zeitraubendes Unterfangen, aber dank des KAZA-Abkommens und der akribischen Vorbereitung des „LET“-Teams können wir die Grenze relativ schnell hinter uns lassen. Artig präsentieren wir unsere Papiere. Danach stapfen wir alle durch ein kleines Becken mit einer zweifelhaften Brühe zur Desinfizierung der Schuhe. Eine besonders eifrige Inspektorin lässt uns auch noch weitere Schuhe aus den Untiefen des Laderaums kramen, um diese ebenso chemisch zu behandeln. Auch die Autos müssen durch eine Wanne mit der Desinfektionssuppe fahren. Schon geht der Schlagbaum nach oben.

Elefanten und Antilopen stehen Spalier

Die letzten 60 Kilometer legen wir auf der asphaltierten Hauptstraße zurück. Kurioserweise stehen Dutzende Elefanten, jede Menge Antilopen und auch Warzenschweine am Straßenrand. Es dämmert bereits, als wir das Elephant-Sands-Camp erreichen. Normalerweise tummeln sich die Dickhäuter hier in Scharen. Heute steht nur ein besonders mächtiger alter Bulle mit im Kampf abgebrochenen Stoßzähnen mitten im Camp und posiert für die Kameras. Im Licht der Scheinwerfer und Stirnlampen tanken wir als Erstes unsere Autos. Es gibt keine Zapfsäule – mithilfe einer Handpumpe befördern wir den Diesel direkt aus Fässern in die Tanks. Zwei Stunden später trifft Gruppe zwei von der Hunter's Road ein. Sie mussten nach Reifenpannen umkehren, weil die Piste im Nu zum Sturzbach wurde. Ein Kameramann flucht leise vor sich hin, denn er hat seine GoPro-Reifenkamera mit tollem Filmmaterial in der Aufregung verloren.

Das Braai und der obligatorische Gin Tonic hellen unsere Laune wieder auf. Die Gruppe Bagaka Ba Koma führt nach dem Essen noch spannende Tänze mit Gesang und rhythmischem Klatschen auf. Es geht um Jagdszenen und Brautwerbung. Die Künstler von der ethnischen Gruppe der Bakalaka singen in den Sprachen Setswana und Sekalaka mit vielen Klicklauten. Danach hält Herr Tafa Tafa vom Tourismusministerium Botswana, der extra von Gaborone angereist ist, um uns herzlich willkommen zu heißen, eine fabelhafte Rede in blendendem Englisch. Wir sind beeindruckt, fallen aber trotzdem bald in unser bequemes Bett, während in der Nacht Regentropfen lautstark auf die Zeltdächer trommeln.

Viele abgelegene Orte auf unserer Tour sind sonst nur mit dem Buschflugzeug zu erreichen.

Unterwegs zu den Khwai Safari Grounds

Diese anstrengende Tour über 307 Kilometer führt uns vom Elephant-Sands-Camp in ungefähr acht Stunden mit einem Gefälle von 100 Prozent offroad zum Khwai Safari Ground. Früh am Morgen ist der Regenspuk vorbei und der seit vielen Wochen ausgetrocknete Boden ist im Nu wieder strohtrocken. Die Sonne brennt vom Firmament herunter. Der Blick auf die Karte und das GPS machen es amtlich: Von der Abzweigung an der Hauptstraße geht es schnurstracks westwärts. Das Grinsen von Henning Lüke ist noch nicht aus seinem Gesicht verschwunden, da knistert es wieder im Äther. „Tiefes Schlagloch rechts.“ Und kurz darauf: „Angespülte Äste links umfahren.“ Der Konvoi lauscht den wichtigen Ansagen des ersten Fahrzeugs. Nach gut der Hälfte der Strecke ragt mitten in der Piste ein Baobab-Gigant aus dem Erdreich. Der Baum muss weit über 1000 Jahre alt sein. Die „Cutline“ fungiert eigentlich als Brandschneise, soll also im Katastrophenfall das Überspringen von Waldbränden verhindern, aber scheinbar haben es die Inspektoren nicht übers Herz gebracht, diesen monumentalen Zeitzeugen zu fällen. Im Schatten des Giganten machen wir Pause. Der zu einer mobilen Küche umgebaute Land Rover fährt vor und wirft die eingebauten Kaffeemaschinen an. Es gibt Sandwiches und Cookies – mitten auf der breiten Straße im Niemandsland, direkt unter den mächtigen Ästen des Ehrfurcht einflößenden Baobabs. David Livingstone berichtete seinerzeit bereits von Baobabs, in deren hohlen Stämmen 20 bis 30 Leute hausten. Die Bäume wurden sogar schon als Postschalter, Gefängnisse und Buschpubs genutzt. Kaum haben wir uns die letzten Brösel aus den Mundwinkeln gewischt, formieren sich in der Mittagshitze wieder apokalyptische Wolken. Sie bescheren uns aus dem Nichts einen infernalischen Regenschauer. Im Nu wird die Piste wieder zu einem teigigen Schlammbad. Jetzt können die Land Rover wieder zeigen, was sie draufhaben. Die 306 PS starken Drei-Liter-Turbodiesel wühlen sich mit einem irren Drehmoment aus dem knietiefen Schlamm. Ein unter der temporären Wasseroberfläche verkeilter Ast zwingt uns zu einem Reifenwechsel im strömenden Regen. Das ganze Team packt sofort mit an. Schon donnert es direkt über uns ohrenbetäubend, als Blitze durch das bedrohliche Schwarzgrau über uns zucken. Kaum legt der Konvoi wieder los, geleitet eine riesige Elefantenkuh ihr Kleines über die „Cutline“. Mit lautem Tröten und aufgeklappten Ohren macht sie uns unmissverständlich klar, dass sie uns allesamt von der Piste rammt, wenn wir auf die Vorfahrt bestehen. Nach weiteren 50 Kilometern ist diese Wetterkapriole auch wieder Geschichte. Schon schlucken wir wieder den Staub der voranfahrenden Fahrzeuge. Nach 180 Kilometern – ohne jeglichen Gegenverkehr – zweigt die Piste nach Norden auf eine Urwaldstraße mit grandiosen Bodenwellen zum Abheben ab. Die Bewaldung wird wieder üppiger. Nahe einer Streusiedlung der Babukahwe tummeln sich Hippos und Krokodile am Fluss. Zum Finale schlängelt sich eine gerade mal achsbreite, tief ausgefahrene Piste wild durch den dichten Wald. Die Sonne ist längst zurück und taucht die Ausläufer des Okavango-Deltas in ein magisch-goldenes Licht. Über Funk hören wir, dass sich die Fahrzeuge vor dem Camp stauen. Instruktor „XY“ – der Name bleibt geheim – meint: „Ja, dann wollen wir uns nicht aufdrängen.“ Schon klappt er mitten auf der Piste die Ladepritsche nach unten und reicht uns Tonic aus der Kühlbox. Er lässt uns austrinken und füllt die Büchse direkt mit Gin auf. Noch nie schmeckte Gin Tonic ohne Eiswürfel so gut! Schon steht das Camp auch ohne unsere Hilfe. René Linke, unser Chefkoch, hat in renommierten Sternehäusern, unter anderem im „Schiffchen“ und im „Stemberg“, gelernt und gearbeitet. Er dreht mächtig auf und zieht einen riesigen Konvektomaten aus seinem Land Rover und bereitet damit Kartoffeln und Gemüse zu. In einem Erdloch, das er mit glühender Holzkohle auffüllt, bäckt er in einem gusseisernen Topf ein fast schon nach Karamell duftendes Brot. Zum Finger abschlecken. Auf dem Grill brutzeln dicke Rindersteaks. Zum Dessert bäckt er noch einen Kuchen und kredenzt Mousse au Chocolat. Seine Campingküche hat locker einen Stern verdient. Es ist unser letzter gemeinsamer Abend.

Dag Rogge und das Filmteam von DMAX rollen eine Leinwand hoch und zeigen einen schnell mal im Busch geschnittenen Trailer. Eine Vorschau, die für uns zur emotionalen Rückschau wird. Der Applaus übertönt sogar die lautstark im Fluss grunzenden Hippos. Ein letztes Mal kreisen unsere Gespräche um tierische Begegnungen, Tech-Talk und Malariaprophylaxe – schon gesellt sich zum Wermut auch Wehmut. Dag Rogge sitzt auf der Motorhaube seines Defenders und blickt gedankenverloren in den Himmel. „Das geht alles nur mit einem eingespielten Team, ich bin echt stolz auf diese Mannschaft. Klar gefällt so eine Tour den 4x4-Freaks, aber wir hatten auch schon äußerst elegante Damen von berühmten Modemagazinen mit dabei… Die waren auch hellauf begeistert.“ Am nächsten Morgen fliegt uns ein Buschpilot mit seiner zweimotorigen Maschine zurück nach Kasane. Unter uns fräst sich die „Cutline“ bis zum Horizont durch – geradeaus wie mit dem Laser geschnitten, aber garantiert nicht langweilig.

Fazit: Abenteuer KAZA

Die Land-Rover-Experience-Tour ist nach rund 2000 Kilometern durch eine der faszinierendsten Regionen unseres Planeten am Ziel. „KAZA“, der Kavango-Zambezi-Nationalpark im südlichen

Afrika, bot mit einer unfassbar reichen Tier- und Pflanzenwelt sowie mit einmaligen Naturschönheiten eine einzigartige Kulisse für die 13. Auflage der legendären Abenteuertour der britischen Allradmarke. Mit nach Hause nehmen die Teilnehmer dieser Land-Rover-Experience-Tour eine Fülle von Eindrücken sowie eine Vielzahl unvergesslicher Begegnungen und Momente. Die Faszination Afrika ist übrigens für jedermann buchbar. Diese Land-Rover-Experience-Reisen führen unter anderem auch nach Namibia und Botswana – zwei der Länder, die Teil des KAZA-Naturschutzgebiets sind.

Die Land-Rover-Experience-Tour ist im Kavango-Zambezi-Nationalpark klimaneutral unterwegs, denn Kraftstoffpartner Shell kompensiert die CO2-Emissionen durch das globale NBS-Programm (Nature-Based Solutions). Dabei unterstützen Land Rover und Shell klima- und umweltfreundliche Projekte wie Aufforstungen oder die Förderung von nachhaltigen Biogasanlagen. Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit bilden ohnehin den Kern der Land-Rover-Experience-Tour. Bei ihrer Runde durch das südliche Afrika zeigte sich das etwa mit einem Abstecher zum „Painted Dog Conservation Center” der Organisation Tusk, einem langjährigen Land-Rover-Partner. Die Tierschützer von Tusk kümmern sich in Namibia um den Schutz des stark bedrohten Afrikanischen Wildhunds. Die Land-Rover-Experience-Tour hatte für die Wissenschaftler Equipment und Forschungsgeräte der Uni München im Laderaum. Im größten grenzüberschreitenden Naturschutzgebiet des ganzen afrikanischen Kontinents leben Hundertausende Tiere – die Teilnehmer können sich immer wieder behutsam in die Nähe von Elefanten, Zebras, Giraffen oder Flusspferden wagen. Auch Begegnungen und Beobachtungen von Geiern, Geparden oder Löwen zählen zu den Highlights der Reise. Nicht zu vergessen ist die einzigartige Natur, die durch Attraktionen wie die mehr als 1,7 Kilometer breiten Victoriafälle ohne Frage zu den größten touristischen Höhepunkten zählt – selbst in der Trockenzeit ist der „größte Wasservorhang der Erde“, den der Sambesi hier herabstürzen lässt, überaus imposant. Darüber hinaus erleben die Abenteurer endlose Weiten und breite Ströme, beschauliche Dörfer sowie nicht zuletzt Menschen, ihre Kulturen und Traditionen.

Abenteuerflair lässt sich übrigens auch bei den Land-Rover-Experience-Reisen für jedermann erleben. Seit vielen Jahren werden Reisen für Neugierige und Abenteurer zu den schönsten Gebieten der Welt organisiert. Die detaillierte Planung der lokalen Guides garantiert die besten Wege zu den Naturschönheiten – und ermöglicht zudem, in engen Kontakt zu Land und Leuten zu kommen.