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Alles ist möglich


ÖKO-TEST Spezial Schönheit & Pflege - epaper ⋅ Ausgabe 11/2008 vom 24.05.2008

Vielen Frauen in der Lebensmitte geht es richtig gut. Sie sind finanziell unabhängig, stehen erfolgreich im Beruf und regeln gekonnt ihren Alltag. Gleichzeitig gibt es aber kaum ein anderes Lebensalter, das so tief greifende Veränderungen bringen kann.


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Foto: irisblende.de

Nach einer repräsentativen Umfrage des Gewis-Instituts empfinden viele Frauen die Jahre ab 40 als ihre besten. Die Meinungsforscher hatten 1.021 Frauen im Alter zwischen 40 und 59 Jahren nach ihrem Lebensgefühl befragt. Fast die Hälfte von ihnen fühlte sich wohler als mit 20 Jahren. 65 Prozent sagten, „Mein Körper passt zu mir“ und ...

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Nach einer repräsentativen Umfrage des Gewis-Instituts empfinden viele Frauen die Jahre ab 40 als ihre besten. Die Meinungsforscher hatten 1.021 Frauen im Alter zwischen 40 und 59 Jahren nach ihrem Lebensgefühl befragt. Fast die Hälfte von ihnen fühlte sich wohler als mit 20 Jahren. 65 Prozent sagten, „Mein Körper passt zu mir“ und deutlich mehr als ein Drittel sind laut Studie „stolz auf das, was sie geleistet haben“. Tatsächlich geht es „Frauen um die 40 heute so gut wie noch nie“, sagt Professor Dr. Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psy chiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin. Viele von ihnen sind wirtschaftlich unabhängig und etabliert, wenn sie auch im Job noch nicht so gut bezahlt werden wie ihre männlichen Kollegen. Erfolgreiche Frauen in den 40ern haben außerdem ein gutes Gesundheitsbewusstsein. „Sie sind körperbewusst, treiben Sport, ernähren sich gesund und nehmen sich viel Zeit für die Pflege ihres Körpers. Sie sind fit und sehen jünger aus“, sagt Professor Heuser

Ein prickelndes Lebensgefühl: Viele Frauen drehen in ihren Vierzigern richtig auf.


Foto: DAK

Dabei stecken sie mitten in einer turbulenten Lebensphase, die anfangs nicht von allen durchweg positiv empfunden wird. Menschen auf der ganzen Welt erleben in diesem vierten Jahrzehnt, in dem man nicht mehr ganz jung ist und noch nicht alt, einen emotionalen Durchhänger.

Turbulenzen inklusive

Einer aktuell veröffentlichten Studie zufolge verläuft die generelle Lebenszufriedenheit bei allen Menschen U-förmig, mit Mitte 40 fällt sie auf den Tiefpunkt. Das haben Forscher aus den USA und Großbritannien, die statistische Daten von Menschen aus 72 Ländern von allen Kontinenten ausgewertet haben, herausgefunden. Der Abschwung der Stimmungskurve beginnt meist im mittleren Lebensalter, unabhängig von der Einkommens- und Bildungsschicht, egal ob man Mann ist oder Frau, verheiratet, geschieden, kinderlos oder Single. Aus allen Daten haben die Forscher das Alter bestimmt, in dem die Stimmung am schlechtesten ist. Weltweit scheinen demnach Menschen mit 44 Jahren besonders unglücklich zu sein. In Deutschland lag das Durchschnittsalter für die Krisenzeit bei 42,9 Jahren. Warum es bei fast allen Menschen in dieser Lebensspanne zu diesem Phänomen kommt, wissen die Forscher nicht. Wobei prinzipiell manche weniger, andere mehr leiden. Die Gefahr in eine Depression zu rutschen, ist jetzt besonders groß.

Mittvierzigerinnen, die in die psychologische Sprechstunde von Frau Professor Heuser an die Berliner Charité kommen, nehmen professionelle Hilfe in Anspruch, weil sie alleine keinen Weg aus der Lebenskrise finden. Mitte 40 sind in den meisten Familien die Kinder schon weitgehend selbstständig, das Haus ist gebaut und der Mann oder frau selbst ist beruflich etabliert und finanziell abgesichert. Empty-Nest-Syndrom nennen Psychologen dieses Vakuum im Lebensplan, das mühsam aufgebaute Nest wird leer. „Die gesetzten Ziele sind erreicht, viele Menschen werden wieder auf ihr Inneres zurückgeworfen.“ Wer auf eine lebendige, stabile Partnerschaft bauen kann, dem gelingt es dann besser, sich neu zu defi- nieren. Doch erfahrungsgemäß verlieren sich viele Paare in den hektischen Jahren zwischen 25 und 45, sagt Professor Heuser, „die inneren starken Bande die diese Lebensphase getragen haben, sind aufgezehrt“. Insbesondere in der wohlhabenden oberen Mittelschicht kommt es oft zu einem weiteren Phänomen: Häufig wendet sich der Mann einer jüngeren Frau zu, gründet vielleicht sogar noch mal eine Familie, in der trügerischen Hoffnung, damit jung zu bleiben. „In dieser Lebensphase spüren die Frauen, dass sie älter werden und beispielsweise keine Kinder mehr bekommen können. Das ist eine maximale Kränkung, eine persönliche Entwertung, die sehr tief sitzt“, sagt Isabelle Heuser, die ein Buch („Meine Glücksmacher “, Ullstein-Verlag) darüber geschrieben hat, wie Frauen in der Lebensmitte Krisen bewältigen und neue Lebenslust entdecken können.

Nicht um jeden Preis: Gegen die Zeichen des Alters helfen auf Dauer auch keine teuren Cremes und Wässerchen.


Foto: Annemarie Börlind

Foto: irisblende.de

Problematisches Schönheitsideal

Viele Frauen erfahren jetzt deutlich, dass sie vor allem nach ihrem Aussehen beurteilt werden. „Jung ist schön“, sagt Professor Heuser, „das gilt in unserer Gesellschaft nach wie vor als Ideal.“ Dagegen kommt selbst ein optimal gepflegtes Äußeres nicht an. Denn in den 40ern werden aus Fältchen Falten, vereinzelte graue Härchen addieren sich zu Strähnen. Lachfältchen werden tiefer. Der Körper verändert sich, die Wechseljahre kündigen sich an. Gegen die Folgen des Alterns hilft keine noch so teure Creme, – auch wenn die Kosmetikindustrie das mit faltenlosen Models glauben machen möchte. Offensichtlich möchten die Kunden auch gerne daran glauben, denn Anti-Aging-Produkte boomen. „Uns wird in Fernsehen, Film und Werbung ständig eingeredet, dass wir etwas gegen das Altern tun können“, sagt Professor Heuser. Dabei können die Cremes, Gele, Ampullen und Fluids bestenfalls kleine Fältchen aufpolstern, zumindest so lange die Produkte angewendet werden. In tiefe Hautfalten, wo sich Mimikfalten entwickeln, dringt eine kosmetische Creme nicht vor. Das darf sie auch gar nicht, sonst wäre sie ein Medizinprodukt. Wer Geld hat, verlässt sich deshalb nicht allein auf die Versprechen einer Creme. Wirkungsvoller sind Eingriffe, die der Hautarzt und plastische Chirurg vornimmt, etwa mit dem Laser, Botox, medizinischen Peelings oder Skalpell. Laut Marketing-Informationsunternehmen ACNielsen erwägt bereits jede vierte deutsche Frau eine Schönheitsoperation. Ästhetische Chirurgie sei heutzutage sozial akzeptiert und finanziell machbar, meint Michaela Hockenberger, Director Marketing bei ACNielsen Deutschland. „Wenn sich Schönheits-OPs tatsächlich als Anti-Aging-Lösung durchsetzen, könnte in zwanzig Jahren der Gang zum plastischen Chirurgen für viele Menschen genauso normal sein wie der Gang zum Friseur.“

Wunsch oder Wirklichkeit? Wer partnerschaftliche Beziehungen realistisch einschätzt, der hat mehr davon.


Foto: Klosterfrau Gesundheitsservice

Zufrieden mit sich

Die besten Chancen, die kritische Umbruchphase in den 40ern gut zu überstehen, haben Frauen, die mit sich selbst zufrieden sind. Sie wissen wo sie stehen im Leben, haben für sich herausgefunden, was geht und was nicht gut funktioniert. Sie haben ein realistisches Bild von Partnerschaften und meist auch von sich selbst. Und sie stellen sich Problemen und wachsen daran. „Selbstbewusste Frauen erleben zwar auch, dass das Leben sich in dieser Phase verändert, alte Ziele wegbrechen und sie sich neu orientieren müssen. Aber sie überwinden das Tief besser“, sagt Heuser. Ein wichtiger Rettungsanker in dieser Zeit ist die beste Freundin. Frauenfreundschaften gewinnen in den 40ern an Bedeutung, was ein guter Grund dafür ist, sie in den Jahren davor zu pflegen. Gelingt es, die Krise zu überwinden und dem Leben einen neuen Sinn zu geben, gehen Frauen gestärkt und zufrieden aus dieser Umbruchsphase hervor. Das liegt auch daran, dass vor den heute Vierzigjährigen statistisch noch viele gute Jahre liegen. Vor einhundert Jahren waren die Menschen mit 40 dem Tod näher als dem Leben und körperlich verbraucht. Anfang des 20. Jahrhunderts lag die Lebenserwartung eines neugeborenen Mädchens bei 48 Jahren, heute errechnen Statistiker in entwickelten Ländern für Frauen eine Lebenserwartung von fast 82 Jahren. Wer mit 40 eine noch mal so lange Spanne vor sich sieht, traut sich auch in der zweiten Lebenshälfte nach dem Glück zu greifen und wagt eher einen neuen Lebens entwurf. Deshalb kommt es in dieser Zeit oft zu radikalen Veränderungen: Manche Frauen bekommen noch spät Kinder, andere sind froh, dass die Kinder aus dem Haus sind und sie sich endlich „eigennützigen“ Zielen zuwenden können. Andere lösen sich aus den Zwängen ihrer Ehe und verlieben sich neu, wieder andere wagen einen beruflichen Wechsel oder beginnen ein neues Hobby.

Die turbulente Zeit des Um bruchs bietet eine große, zwei te Chance. Zumal es heute kaum noch einschränkende, gesellschaftliche Konventionen gibt. Wir haben die Freiheit, das zu tun, was wir für unsere Entwicklung für wichtig halten.