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Als die GWUP noch „ASUPO“ hieß


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skeptiker - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 16.09.2022

skeptiker magazin

GWUP:Wenn wir von Messiasgestalten und Wunderheilern wie Bruno Gröning im Nachkriegsdeutschland und in der frühen Bundesrepublik 1absehen, nahmen Übersinn- liches und Pseudowissenschaften ihren großen Aufschwung in den späten 1960er- und vor allem in den 1970er-Jahren. Dänikens Bestseller „Erinnerungen an die Zukunft“ erschien 1968, Uri Geller trat 1974 im ZDF auf, im selben Jahr wurde „Das Bermudadreieck“ von Charles Berlitz veröffentlicht, 1976 erregte der Exorzismus von Klingenberg weltweit Aufsehen und 1978 brachte Johannes von Buttlar „Das Ufo-Phänomen“ heraus. Eigentlich hätte die GWUP bereits zu dieser Zeit gegründet werden müssen, oder?

Amardeo Sarma: Eigentlich schon. Aber man wird ja auch nicht als Skeptiker geboren. Genauso wie viele andere Zeitgenossen hatte ich die Bücher von Däniken und Berlitz mit großem Interesse gelesen – und fälschlicherweise für wissenschaftlich ...

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Bildquelle: skeptiker, Ausgabe 3/2022

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... gehalten. Das änderte sich erst, als mein Bruder mir „The Bermuda Triangle Mystery – Solved“ von Lawrence Kusche schenkte. Kusche, ein amerikanischer Fluglehrer und Bibliothekar, zeigt darin akribisch, dass es gar keine Rätsel im Bermudadreieck gibt. Ich fühlte mich von Berlitz und seinen Epigonen betrogen und ärgerte mich zugleich darüber, dass Autoren wie Kusche deutlich fundiertere Bücher schreiben, aber viel weniger davon verkaufen als die Sensationssucher. Außerdem erschien die deutsche Übersetzung 2von „The Bermuda Triangle Mystery – Solved“ erst 1980 im Rowohlt-Verlag – also lange nachdem sich der Mythos Bermudadreieck bereits fest etabliert hatte. Zu diesem Zeitpunkt nahm ich mir vor, mich dafür einzusetzen, dass kritische Informationen früher und breiter verfügbar sind.

Martin Mahner: Das war mein Erstkontakt mit der Organisation. Ich hatte zwar auch schon auf der Einladungsliste der CSICOP-Abonnenten für Darmstadt gestanden, konnte den Termin im Februar aber nicht wahrnehmen. Ich lebte zu dieser Zeit in Berlin und schrieb dort 1985 meine erste Staatsexamensarbeit über Kreationismus. Daher kam mein Interesse – die Auseinandersetzung mit pseudowissenschaftlichen Thesen im Fach Biologie, insbesondere mit dem christlichen Kreationismus, wie er seinerzeit etwa von Arthur Ernest Wilder-Smith propagiert wurde.

Aus der ASUPO wurde also im Herbst 1987 die GWUP e.V.?

Sarma:Ja, nachdem wir gemerkt hatten, dass es in Deutschland gar nicht so einfach ist, mit einer Gruppe gemeinsam aktiv zu werden, wenn man keine Rechtsform hat. Schon die Eröffnung eines Bankkontos setzte einen „e.V.“ und eine Satzung voraus. Bei dem zweitägigen Treffen in Bonn waren rund 30 Personen anwesend, 18 davon haben als Gründungsmitglieder die Vereinssatzung unterschrieben. Zu unserer Präsidentin wählten wir die Medizinprofessorin Irmgard Oepen von der Universität Marburg, die zu diesem Zeitpunkt bereits harte Kämpfe gegen Quacksalberei und Scharlatanerie im Medizinbereich ausfocht und für Verbündete sehr dankbar war. Vizepräsident wurde der Psychologe Professor Robert König von der Uni Gießen. Ich selbst fungierte als Geschäftsführer der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, kurz GWUP.

Wieder ein ziemlicher sperriger Name.?

Mahner: Darüber ist nicht groß diskutiert worden. Man hat einfach versucht, sich am Kürzel von CSICOP – also des Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal – zu orientieren. An Marketingaspekte oder Öffentlichkeitswirksamkeit dachten wir damals noch nicht. Eine Abweichung von CSICOP nahmen wir allerdings vor. Bei uns heißt es „Parawissenschaften“ statt „paranormal“. Vor allem Professor König war strikt dagegen, den Begriff „paranormal“ zu verwenden oder uns gar „Gesellschaft zur Untersuchung von Paraphänomen“ zu nennen, weil wir uns ja nicht bloß auf paranormale Phänomene beschränken, sondern auch Themen wie Kreationismus, Präastronautik, Ufos oder Yeti behandeln wollten, die mit dem „Paranormalen“ erst mal nichts zu tun haben. Ferner wies König darauf hin, dass man sehr wohl Parawissenschaften untersuchen kann, nämlich unter anderem mit den Mitteln der Psychologie und Sozialwissenschaften.

Sarma: Es stand allenfalls im Raum, dass wir uns „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Pseudowissenschaften“ nennen. Aber die Titulierung unseres Untersuchungsgegenstands als „Pseudowissenschaften“ hätte von vornherein impliziert, dass es sich dabei um Unsinn handelt – warum sollte man sich dann überhaupt noch damit beschäftigen? Deshalb haben wir uns für „Parawissenschaften“ entschieden, was zumindest die Möglichkeit einer Belegbarkeit offenlässt.

Mahner:Dieser alte Begriff „Parawissenschaft“ war allerdings anomalistisch inspiriert. Eine aktuellere Begriffsbestimmung 3„Parawissenschaft – Pseudowissenschaft“ findet sich auf der GWUP-Homepage 4.

Bei der Thementagung am 10. Oktober in Bonn, einen Tag vor der Gründungsversammlung, ging es neben Ufos, Paramedizin und Okkultismus um das Wünschelruten-Phänomen – genauso wie bei dem besagten Treffen in Gießen, und auch im ersten Mitteilungsblatt der ASUPO vom Mai 1987 ?

waren Wünschelruten das mehrseitige Hauptthema. Aus welchem Grund? Sarma: Das erste große Thema beziehungsweise daraus folgend die erste große Aktion der GWUP mussten wir in der Tat nicht lange suchen. Im selben Jahr unserer Vereinsgründung finanzierte das damalige Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) eine Studie „Untersuchungen zum Problemkreis Erdstrahlen und ihre Auswirkungen auf Menschen“. Dafür wurden 400 000 D-Mark zur Verfügung gestellt. Schon in der ersten ASUPO-Pressemitteilung und im ersten Mitteilungsblatt machten wir darauf aufmerksam, dass aus dem Studiendesign eine „erschreckende Gutgläubigkeit“ der Verantwortlichen zu ersehen ist und überhaupt das ganze Projekt „die wissenschaftliche Vorgehensweise auf den Kopf stellt“. Durchgeführt wurden die Wünschelrutenexperimente trotzdem, mit angeblich hochsignifikanten positiven Ergebnissen. Im Skeptiker4/1989 veröffentlichten 5wir dazu eine kritische Stellungnahme. Sechs Jahre später bestätigte 6ein US-Wissenschaftler, dass wir Recht gehabt hatten mit unseren Einwänden. Im November 1990 organisierten wir in Kassel, auf dem Gelände des Hessischen Rundfunks, einen eigenen großangelegten Test von 20 Rutengängern 7, bei dem keiner der Probanden seine vermeintlichen Fähigkeiten beweisen konnte.

Körkel: Das war eine tolle Aktion, bei der wir auch James Randi kennenlernten, der persönlich zu den Tests angereist war. Spannend fand ich außerdem, mit den Kandidaten zu reden, die fest daran geglaubt hatten, dass sie mit ihrer Wünschelrute die eigens verlegten Wasserleitungen im Boden finden würden. Einige waren ernsthaft erschüttert, andere erfanden Ausreden und versuchten, ihr Scheitern irgendwie wegzuerklären. So ist es im Grunde auch heute noch bei den PSI-Tests der GWUP.

Sie sind bis heute GWUP-Mitglied geblieben?

Körkel: Ja, solange der Kurs halbwegs gehalten wird und ich nicht plötzlich seltsame Sachen im Skeptiker finde, bin ich auch weiterhin dabei. Das vorige Heft [2/2022] fand ich wieder sehr gelungen, vor allem die Titelgeschichte über Psychoanalyse. Auch in den Geisteswissenschaften gibt es unglaublich viel Schwurbel, darüber könnte ruhig öfter berichtet werden. Roß: Ich lese den Skeptiker nach wie vor gern, wenn auch nicht jede Ausgabe gleich verschlungen wird. Manches interessiert mich mehr, manches weniger. Ich sehe die GWUP genauso wie vor 35 Jahren primär als Informationsdienstleister. Wenn es uns nicht mehr gäbe, würde ein wichtiger Akteur der öffentlichen Meinungsbildung wegfallen, vor allem im Bereich Pseudomedizin.

Mahner: Viele Themen aus unserer Anfangszeit haben stark an Bedeutung verloren, aber der ganze Bereich Pseudomedizin ist uns in der Tat erhalten geblieben. Das wird wohl auch künftig der Hauptstrang der GWUP bleiben, der zugleich die größte gesellschaftliche Bedeutung hat, weil es dabei nicht selten um Leben und Tod geht – und andere Organisationen, auch medizinische Fachgesellschaften, sich hier nur sehr zaghaft oder gar nicht zu Wort melden. Außerdem sind wir überhaupt die einzigen, die noch regelmäßig eine gedruckte Zeitschrift zu diesen Themen veröffentlichen. Ich sehe derzeit keine Alternative zu unserer Arbeit.

Sarma: Ich auch nicht. So etwas wie die GWUP muss es immer geben.

Interview: Bernd Harder

1

2 Lawrence David Kusche: „Die Rätsel des Bermudadreiecks sind gelöst“, Rowohlt, Reinbek 1980 3 Siehe auch Skeptiker 4/2009, Seite 186-190 4 5 https://gwup.org/regionalgruppen/pfalz-nordbaden/147-wurzel/archivzeitschrift-skeptiker/1524-zeitschrift-skeptiker-04-1989 6 https://www.spiegel.de/wissenschaft/kurzes-glueck-a-b311173d-

0002-0001-0000-000009222349?context=issue 7

Amardeo Sarma

studierte Elektrotechnik in Delhi und Darmstadt. Von 1987 bis 2008 war er Geschäftsführer der GWUP, seit 2008 bis heute ist er der Vereinsvorsitzende.

Dr. Martin Mahner

ist Biologe und hat in Zoologie mit Nebenfach Wissenschaftstheorie promoviert. Seit 1999 leitet er das Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP in Roßdorf.

Dr. Manfred Körkel

studierte Nachrichtentechnik in Darmstadt und promovierte später im Bereich Operations Research über mathematische Optimierungsverfahren.

Dr. Carl Heinz Roß

ist promovierter Chemiker. Er lebt nach Tätigkeit in der Pharmaindustrie heute im Ruhestand. Bis zu einer Auslandstätigkeit 1993 arbeitete er am Skeptiker redaktionell mit. Später war er lange im Vorstand der GWUP bis 2021 aktiv.