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Alternative Haarfarben: Tarnfarben


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2016 vom 28.04.2016

Allergisierend, krebserregend, erbgutschädigend: Chemische Haarfarben stehen in der Kritik. Kunden suchen deshalb nach Alternativen – doch manche davon haben gravierende Deklarationsmängel oder enthalten sogar verbotene Stoffe. Manche hätten so gar nicht verkauft werden dürfen.


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Wer ergraut, möchte sich damit nicht immer abfinden und sucht einen Weg, die Zeichen der Zeit zu überdecken. Zahlen des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel (IKW) zeigen: Rund 70 Prozent der deutschen Frauen färben sich die Haare. Männer stellen mit gerade einmal drei Prozent einen verschwindend ...

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... geringen Teil der Anwender. Ob es der Strahlkraft alternder Hollywoodstars wie George Clooney oder Richard Gere geschuldet ist, denen trotz ihrer silbrig-grauen Mähne die Damenwelt zu Füßen liegt? Immerhin halten laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK fast zwei Drittel der Befragten jene Männer, denen man ihr Alter ansieht, sogar für attraktiver. Hingegen waren fast 60 Prozent der Meinung, dass Frauen im Alter deutlich an Attraktivität verlieren. Ein bedenklicher Trend, der jedoch verdeutlicht, warum der Haarfarbenmarkt so gezielt auf Frauen ausgerichtet ist: Denn immerhin die Hälfte färbt sich die Haare selbst, statt den Friseur zu bemühen. Dauerhafte chemische Haarfarben sind jedoch in den vergangenen Jahrzehnten in Verruf geraten. Viele Färbestoffe haben sich als krebserregend und extrem allergisierend erwiesen. Und auch nachdem der Gesetzgeber zahlreiche Substanzen verboten und Grenzwerte festgelegt hat, sind sie noch immer alles andere als gesund. Pflanzenhaarfarben etablieren sich hier immer mehr als Alternative.

Der Tenor der Hersteller zertifizierter Colorationen: Analog zum allgemeinen Wachstum der Naturkosmetikbranche ist eine deutlich gestiegene Nachfrage nach pflanzlichen Haarfarben zu verzeichnen. Der Geschäftsführer der Firma Khadi Naturprodukte, Heinrich Jacob, führt das unter anderem auf die stetige Weiterentwicklung der Pflanzenhaarfarben zurück: „So können Kunden nun auch in den Bereichen von Blond, Rot, Braun und Schwarz sehr gute haltbare Resultate erreichen.“ Neben der verbesserten Deckkraft sieht Ralph Luther von Amarantus, die 2014 ihre Radico-Produkte auf dem europäischen Markt etabliert haben, auch die steigende Anzahl der Unverträglichkeiten auf chemische Inhaltsstoffe als Grund dafür, dass viele Anwenderinnen auf Pflanzenfarben umgestiegen sind: „Immer mehr Menschen wenden sich mit Allergien – juckende, brennende, teilweise sogar aufgeplatzte Kopfhaut – an uns und möchten einen anderen, natürlichen Weg der Haarfärbung gehen.“


Ganze 70 Prozent der Frauen in Deutschland färben sich die Haare


Dennoch hält sich das Vorurteil hartnäckig, dass pflanzliche Farben in Sachen Haltbarkeit nicht mit den chemischen Pendants mithalten können und vor allem bei der Grauabdeckung kläglich versagen. Auch beim Anwendungskomfort haben die Zwei-Komponenten-Systeme scheinbar die Nase vorn – zusammengießen, kräftig schütteln und schon ist der Chemiecocktail gebrauchsfertig. Wer selbst schon einmal Pflanzenhaarfarbe verwendet hat, weiß, dass man unter Umständen für eine einzige Färbesitzung einige Stunden einplanen kann.


Die Verkaufszahlen zertifizierter Pflanzenhaarfarben steigen stetig


Das Anrühren der Farbpaste ist dabei fast schon eine Wissenschaft für sich: Je nach Produkt, Farbnuance und Haarbeschaffenheit variieren Mengen und Mischverhältnisse – manche Farben müssen für die optimale Wirkung mit kochend heißem Wasser angerührt werden, andere nur mit lauwarmem; einige müssen eine Weile ziehen, bevor sie angewendet werden können. Nicht zu dick- und nicht zu dünnflüssig darf die Paste sein, wenn man sie schließlich auf den Kopf aufträgt. Die Einwirkdauer kann, je nach gewünschtem Resultat, durchaus mehrere Stunden dauern. Doch mit etwas Übung und der richtigen Vorbereitung kann viel Zeit eingespart werden – außerdem lässt sich die Einwirkzeit durchaus nutzen, zum Beispiel für einen entspannten Nachmittag mit einer Kanne Tee und einem guten Buch.

ÖKO-TEST rät

• Bei zertifizierter Naturkosmetik liegen Sie immer richtig. Alle Produkte im Test, die eines der verlässlichen Siegel von BDIH, Natrue oder Ecocert tragen, enthalten keine problematischen Inhaltsstoffe und können bedenkenlos verwendet werden.

• Auch nicht zertifizierte Produkte können empfehlenswert sein. Unser Test hat gezeigt: Pulver zum Selbstanrühren sind tendenziell unbedenklicher als Cremehaarfarben.

• Wichtig ist außerdem, dass ausschließlich pflanzliche Inhaltsstoffe wie Lawsonia Inermis (Henna) oder Indigofera Tinctoria (Indigo) deklariert sind. Sobald die Inhaltsstoffliste sich lang und kompliziert liest, sollten Sie skeptisch werden.

Foto: Massimiliano Ranauro/Shutterstock

Foto: Africa Studio/Shutterstock

Schritt für Schritt: Um graue Haare dunkel zu färben, sollten Sie zuerst mit reinem Henna die Haare rot färben. Auf dieser Basis halten dunkle pflanzliche Färbesubstanzen wie Indigo wesentlich besser, die sonst auf dem pigmentlosen Haar nur schwer haften können.

Doch bei der Wahl des Produkts heißt es Augen auf: In die riesige Auswahl alternativer Haarfarben haben sich Colorationen gemogelt, die gar nicht natürlich sind. Mit den Schlagworten „Henna“ oder „Natur“ im Markennamen, wenig aussagekräftigen Labels oder blumigen Slogans wollen die Hersteller den Eindruck unbedenklicher Alternativen zu herkömmlichen Farben erwecken. Bei näherem Hinsehen mehr Schein als Sein – doch für den Laien ist das nicht immer sofort ersichtlich. Verbraucher ohne Chemiekenntnisse können im Laden schwer erkennen, was sich hinter den kompliziert klingenden und nicht selten viel zu klein gedruckten Inhaltsstoffen verbirgt. Deshalb haben wir bei den 33 Haarfarben im Test bewusst auch solche einbezogen, die sich grün geben, in Wirklichkeit aber auch mit chemischen Zutaten arbeiten.

Das Testergebnis

Hui oder Pfui. In diesem Test gibt es kein nennenswertes Mittelfeld. Lediglich eine Coloration, die aber laut Anbieter nicht mehr hergestellt wird, schneidet „befriedigend“ ab. Mit insgesamt 18 „sehr guten“ Farben gibt es immerhin eine Menge Produkte, die rein pflanzlich färben – bei der Hälfte handelt es sich um zertifizierte Naturkosmetik. Aber im Test finden sich auch eine ganze Reihe von Herstellern, die ihren Chemiekeulen nur ein grünes Deckmäntelchen übergestreift haben. Und auch sonst sind einige Haarfarben echte Mogelpackungen – vier der getesteten Produkte dürften so nicht einmal verkauft werden.
Grün gefärbt: Beispiele für irreführende Verbrauchertäuschung sind die Farben von Naturtint, Hairwonder, Biotinta oder Naturigin: Die Verpackungen mit wohlklingenden Versprechen und Siegeln suggerieren Natürlichkeit. Extrem allergisierende aromatische Amine, halogenorganische Verbindungen und nicht zuletzt PEG/PEG-Derivate, die die Haut noch durchlässiger für diese Stoffe machen können – das klingt nicht nach Natur pur. Ein Sonderfall ist die Surya Brasil Henna Cream: Der Produktname vermittelt den Eindruck, dass die Haare mit natürlichem Henna gefärbt werden – doch das Labor konnte nicht einmal Spuren pflanzlicher Färbemittel nachweisen.
Schlimmer geht immer. Wir kritisieren nicht nur, wenn nicht drin ist, was draufsteht – bei einigen getesteten Haarfarben steht gar nicht erst drauf, was drin ist. Das ist vor allem ein Problem, wenn bedenkliche Stoffe enthalten sind. Ein Negativbeispiel ist die Royal Brown Henna Herbal Base Powder Hair Dye: Die vorgeschriebene Inhaltsstoff-Deklaration (INCI) sucht man vergeblich. Das ist Grund genug für den Stempel „Nicht verkehrsfähig“. Nachgewiesen wurden im Labortest aber außerdem das in Haarfarben verbotene o-Aminophenol, der CMR-Stoffp-Aminophenol und das extrem sensibilisierende p-Phenylenediamin.

Wer kontrolliert eigentlich die Chemie?

Permanente Haarfarben färben mithilfe aromatischer Amine, von denen einige ein hohes Sensibilisierungspotenzial haben, also schwere allergische Reaktionen hervorrufen können. Andere sind sogar als CMR-Stoffgekennzeichnet, haben also in Tier- und Zellversuchen ein krebserregendes, erbgutveränderndes oder reproduktionstoxisches Potenzial gezeigt. Es gilt der Leitsatz: Je dunkler die Farbe, desto höher die Konzentration an Färbechemikalien. Das wissenschaftliche Beratergremium der EU-Kommission (SCCS) hat sich deshalb mit einer seit 2003 andauernden Sicherheitsstrategie zum Ziel gesetzt, sämtliche Haarfärbesubstanzen genau zu überprüfen. Die daraus resultierende Liste verbotener Substanzen ist inzwischen auf stattliche 181 angewachsen, der Einsatz von 106 weiteren Stoffen ist nur in eingeschränkter Menge zulässig. Außerdem haben die Forscher in einem Memorandum aus dem Jahr 2013 die meisten gängigen Haarfärbesubstanzen hinsichtlich ihres allergenen Potenzials zu bewerten. Noch immer ist die (Neu-)Bewertung der unzähligen Haarfärbesubstanzen durch das SCCS aber nicht abgeschlossen.

Je mehr, desto besser: Tragen Sie für mehr Farbintensität ruhig viel Pflanzenfarbe auf und lassen Sie die Paste lange einwirken.


Foto: Symonenko Viktoriia/Shutterstock

Gutes Produkt – schlechte Deklaration. „Nicht verkehrsfähig“ ist auch das Resana Henna, auf dessen Verpackung wir ebenfalls keine INCI finden konnten – immerhin wies das Labor darin keine problematischen Inhaltsstoffe nach. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bestätigte, dass die Inhaltsstoffliste auf der Verpackung von „kommerziell vertriebenen kosmetischen Mitteln“ aufgebracht sein muss – und das auch für pflanzliche Substanzen, sofern ein INCI-Name dafür existiert, wie die EU-Kommission uns gegenüber betont. Diese Rechtslage für Kosmetikprodukte ist nicht neu und sie hätte beim Resana Henna bereits vor unserer Benachrichtigung problemlos umgesetzt werden können. Der Hersteller hat zwar angekündigt, die Haarfarbe ab sofort mit vollständig abgedruckter Inhaltsstoffliste zu vertreiben, doch das von uns getestete Produkt hat diese Deklaration noch nicht.
Krebsverdächtiges Amin. Dreist genug, auf die Verpackung zu schreiben, dass man einen verbotenen Inhaltsstoffeinsetzt, ist der Hersteller des Profix Organics Henna Permanent Powder Hair Colour: 2-Nitro-P-Phenylendiamine ist ein CMR-Stoff– er steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Deshalb ist er in Haarfarben nicht erlaubt. Auch dieses Produkt darf deshalb nicht in der EU gehandelt werden.
Maybe, Baby … Auf der Verpackung der Biotinta Phito Haarfarbe aus Pflanzenextrakten werden die zur Färbung eingesetzten Substanzen als sogenannte „May con tain“- oder „+/-“-Deklaration genannt. Mit einer solchen Auflistung aller Färbebestandteile, die möglicherweise in einem Produkt enthalten sein könnten, aber es nicht zwangsläufig sind, gibt sich der Gesetzgeber seit der Neuauflage der Kosmetikverordnung bei Haarfarben nicht mehr zufrieden. Die EU-Kommission unterstrich gegenüber ÖKO-TEST: „Die neue Kosmetikverordnung wurde 2009 beschlossen und trat im Juli 2013 in Kraft. Dies sah eine Übergangszeit von dreieinhalb Jahren vor, die den Wirtschaftsteilnehmern erlaubte, die neuen Anforderungen umzusetzen und unnötige Produktrücknahmen vom Markt zu vermeiden.“ Die Übergangsfristen zwischen Beschluss in 2009 und Inkrafttreten der Kosmetikverordnung in 2013, in der die gesetzlichen Anforderungen hätten umgesetzt werden müssen, sind lange abgelaufen. Heute dürften also in der EU längst keine Haarfarben mehr mit „May contain“-Angaben erhältlich sein. Nachgewiesen hat das Labor schließlich mehrere extrem oder stark allergisierende Färbesubstanzen.

Grundlagen schaffen: Pflanzenfarben halten besser, wenn Sie silikonfreie Shampoos, Spülungen und Co. verwenden.


Auf die Bezeichnung kommt es an: Zahlreiche Haarfärbesubstanzen wurden 2013 in einem SCCS-Memorandum hinsichtlich ihres Sensibilisierungspotenzials kategorisiert. Die meisten sind chemisch – aber auch pflanzliche Farbstoffe wurden einbezogen. Indigo (Indigofera Tinctoria), das für dunklere Farbtöne sorgt, wird als extrem sensibilisierend eingestuft. Da viele Pflanzenfarben im Test es enthalten, wurden wir hellhörig und fragten bei der EU-Kommission nach. Dort berief man sich auf eine Stellungnahme, in der die Hautsensibilisierung speziell mit dem Indigo Tinctoria Leaf Powder, also das aus den zermahlenen Blättern entstandene Pulver, untersucht wurde: „Die Bedenken zur Hautsensibilisierung beziehen sich deshalb sowohl auf das getrocknete Blattpulver als auch dessen wässriges Extrakt“, teilte das SCCS uns mit. Diese in der europäischen Datenbank für kosmetische Mittel (Cosing) genau festgelegten Substanzen (Indigo Tinctoria Leaf Powder und Indigo Tinctoria Leaf Extract) sind hingegen bei keiner der Pflanzenhaarfarben deklariert. Daher werten wir Indigo hier nicht ab.

So reagierten die Hersteller

• Der HerstellerPower Health Nederland teilte uns mit, dass es sich bei seinem Produkt Naturtint Naturally Better Permanente Haarfarbe nicht um ein pflanzliches Produkt handele und es deshalb nichts in unserem Test zu suchen habe. Es stimmt, dass der Hersteller auf Chemie setzt, um Haare zu färben. Nur kann der Kunde im Geschäft das bei Werbeslogans wie „Mit noch mehr natürlichen Inhaltsstoffen“ und „Enthält kein Ammoniak, Resorcin, Parabene, DEA, SLS, Mineralische Öle, Paraffin, Silikon“ nicht unbedingt gleich erkennen. Die chemischen Inhaltsstoffe finden sich erst im Kleingedruckten auf dem Packungsboden. Grund genug, über die Inhaltsstoffe dieses Produkts in diesem Test aufzuklären.
• Ebenfalls zu Unrecht wähntExtracta, Hersteller der Marke Sanotint, seine Produkte im Test. Auch hier heißt es, es handele sich nicht um Pflanzenhaarfarbe. Sanotint-Colorationen werden jedoch im Reformhaus verkauft und stehen dort neben als Naturkosmetik zertifizierten Farben – da könnte der Endkunde durchaus auf die Idee kommen, dass es sich bei Sanotint ebenfalls um Naturprodukte handelt. Im Onlineshop wird die Lightvariante besonders blumig beworben: „Die einzigartige Spezialformel ohne p-Phenylendiamin (PPD) wurde eigens auf die sensible Kopfhaut abgestimmt. Bei den Sanotint Light-Farben haben wir diesen Bestandteil deshalb gegen Toluylendiamin ersetzt, das bei betroffenen Anwendern in Tests mehrheitlich gut vertragen wurde.“ Für Professor Dr. Axel Schnuch vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken ist das schlicht falsch und damit eine Irreführung der Verbraucher, da sich in großen Studien gezeigt habe, dass die Mehrzahl der PPD-Allergiker auch auf Toluylendiamin reagiere. Außerdem ist der angeblich unbedenkliche Ersatz ebenfalls als extrem sensibilisierend eingestuft. Schnuch fragt, ob solche Produkte eigentlich überhaupt noch ins Reformhaus gehören.

Empfohlener Selbsttest kann Allergien auslösen

Sowohl das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als auch führende Allergieexperten warnen davor, dem Ratschlag auf der Verpackung von chemischen Haarfarben zu folgen, 24 Stunden vor der Anwendung einen Allergietest durchzuführen. Der Grund: Dieser Selbsttest kann selbst Allergien auslösen. Konkret geht es um das aromatische Amin p-Phenylendiamin (PPD), das vielen Oxidationshaarfarben zugesetzt ist. Es hat ein extrem hohes Sensibilisierungspotenzial. „Da nicht allein die Menge an PPD, sondern auch die Häufigkeit des Kontaktes für das Auslösen einer Allergie entscheidend ist, erhöht sich durch den Selbsttest sogar noch das Risiko, eine Allergie gegenüber PPD auszubilden“, heißt es in einer Stellungnahme des BfR. Wird vor jedem Haarefärben ein Vortest durchgeführt, verdoppelt sich die Anzahl der Kontakte mit dem Allergen. Es im Alltag zu meiden, ist schwierig: PPD steckt nicht nur in Haarfarben, sondern beispielsweise auch in dunkel gefärbter Kleidung oder Leder. Wer den Verdacht hat, allergisch auf Haarfärbesubstanzen zu reagieren, sollte am besten einen Facharzt aufsuchen und einen richtigen Allergietest machen lassen.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Pflanzenhaarfarben erfreuen sich wachsender „pflanzlich“ oder „Henna“ draufsteht, sind nur natürliche Inhaltsstoffe drin. Und nicht alles, was in der Apotheke oder im Reformhaus angeboten wird, ist frei von schädlicher Chemie. Deshalb haben wir unseren Einkaufszettel neben der zertifizierten Naturkosmetik und reinen Pflanzenhaarfarben auch auf solche Produkte ausgeweitet, die trotz chemischer Inhaltsstoffe vom Kunden als pflanzliches Produkt wahrgenommen werden könnten, um zu schauen, was wirklich unter den grünen Deckmäntelchen steckt. Die von uns getesteten Farben kosten zwischen 1,99 und 20,30 Euro pro Packung.

Die Inhaltsstoffe

Aromatische Amine werden in oxidativen Colorationen als Färbemittel eingesetzt. Viele Vertreter dieser Gruppe, etwa p-Phenylendiamin (PPD), werden kritisiert, da sie schwere allergische Reaktionen hervorrufen können. Manche stehen außerdem auf der Liste der karzinogenen, mutagenen und reproduktionstoxischen Stoffe (CMR), andere sind in Haarfarben sogar ganz verboten. 2011 warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung zudem vor mit PPD verunreinigten Henna-Haarfärbemitteln. Für uns Grund genug, in einer breiten Stichprobe chemische und pflanzliche Farben im Labor auf aromatische Amine überprüfen zu lassen. Dabei lag der Fokus vor allem auf jenen Farben, die keine chemischen Inhaltsstoffe deklariert hatten, und Colorationen aus Asia- oder Afro-Shops. Andere problematische Stoffe haben wir anhand der Deklaration erfasst.

Die Weiteren Mängel

Auch hier lag das Augenmerk auf der Deklaration: Ist sie vollständig? Sind die gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweise vorhanden? Sind alle allergisierenden Substanzen aufgeführt? Oder steht womöglich etwas auf der Verpackung, was so gar nicht nachweisbar ist?

Zertifizierte und natürliche Bio-Öle, vegan, ohne Tierversuche – klingt gut, sagt aber nichts über die chemischen Färbestoffe aus.


Foto: ÖKO-TEST

Die Bewertung

Empfindliche Abzüge gab es vor allem für verbotene aromatische Amine und solche, die auf der CMR-Liste stehen. In Sachen Deklaration gehen wir besonders kritisch mit Gesetzesverstößen nach EU-Recht um, denn bei derart problematischen Substanzen muss der Verbraucher ganz genau wissen, womit er es zu tun hat. Für Allergiker kann das Farbspiel sonst schnell zum russischen Roulette werden.