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Berührungen tun gut: Die heilende Kraft der Umarmung


Bild der Frau - Natürlich gesund - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 06.11.2020

Liebevolle Berührungen fehlen uns zurzeit. Das hat seinen Grund! Denn sie tun nicht nur der Seele gut, sondern halten auch den Körper gesund


Artikelbild für den Artikel "Berührungen tun gut: Die heilende Kraft der Umarmung" aus der Ausgabe 1/2020 von Bild der Frau - Natürlich gesund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
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@@Professor Dr. Martin Grunwald, Psychologe und Haptikforscher an der Universität Leipzig


Professor Grunwald, wieso umarmen wir uns überhaupt?
Prof. Dr. Martin Grunwald:
Es gibt keine Möglichkeit, schneller angstfrei und entspannt zu werden. Das lernen wir in frühester Kindheit: Wenn wir traurig sind, werden wir umarmt und getröstet.
Was passiert dabei im Körper?
Von der Haut werden Signale an unser Gehirn geschickt. Die Gehirnaktivität verändert sich, Neurotransmitter werden ausgeschüttet und Hormone über die Blutbahn verteilt. Herzfrequenz und Blutdruck sinken. Stress und Angstgefühle werden weniger.
Berührungen sind also gesund?
Man weiß, dass sie das Immunsystem stabilisieren, das lässt sich biochemisch nachweisen. Studien belegen einen Effekt von Massagen bei Krebs und chronischen Schmerzen. Bei Depressionen sind Berührungen ebenso hilfreich.
Bräuchten wir Umarmungen auf Rezept?
In Leipzig machen das erste Psychiater. Sicherlich wäre da noch mehr möglich.
Wie lange muss man sich umarmen, bis eine Wirkung eintritt?
Die Wirkung setzt schon nach ein bis zwei Sekunden ein - wenn die Berührung vom richtigen Menschen kommt, am richtigen Ort und im richtigen Moment. Wenn Ihr Chef auf einmal auf Sie zustürzt und Sie umarmt, dann verkrampfen Sie höchstens. Der Effekt ist nachweisbar stärker, je näher Ihnen die Person steht.
Wir berühren uns im Alltag oft selbst, streichen uns z. B. durch die Haare, kneten die Hände … Hilft das auch?
Nein. Das Gehirn weiß, dass wir uns selbst berühren. Man kann sich ja auch nicht selbst kitzeln. Es muss ein anderes Säugetier sein.
In Zeiten von Corona ist das mit den Umarmungen schwierig geworden. Was passiert, wenn Berührungen fehlen?
Für manche bricht eine Welt zusammen. Die brauchen das. Andere brauchen es, merken es aber nicht und fangen stattdessen an zu trinken, wie verrückt Sport zu machen oder zu essen. Einsamkeit ist nicht gesund.
Können sich Menschen, die keine Familie haben, auch einen Knuddel-Ersatz wie etwa ein Haustier suchen?
Haustiere können ein Beitrag gegen bestehende oder drohende Einsamkeit sein. Aber sie sind natürlich keine Garantie dafür, dass sich Menschen weniger einsam fühlen. Um das für sich passende herauszufinden, kann die Übernahme von Tierpatenschaften ein erster Schritt sein.
Gehen Körperkontakt und Nähe durch die digitalisierte Welt verloren?
In Restaurants sieht man ab und zu dieses Bild: ein Paar, beide übers Handy gebeugt. Das ist traurig. Man kann nur jedem empfehlen, den anderen fünfmal am Tag zu drücken, dann hält die Beziehung länger.

3 Wege aus dem Corona-Tief

Der Mangel an Nähe zieht uns runter. Zum Glück gibt es Alternativen, die uns wieder mehr Leichtigkeit schenken

Melancholische Musik unterstützt die Seele

→ Es klingt paradox, wirkt aber effektiv: Melancholische Musik wie z. B. „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel kann Betroffene aus einem Tief herausholen. Die Psychologin Sunkyung Yoon von der University of South California hat entdeckt: „Traurige Lieder wirken ähnlich wie die Umarmung eines guten Freundes, bei dem wir Trost und Zuspruch finden.“

Leichter Sport beugt Erschöpfung vor

→ Ob Ausdauersport wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking, Krafttraining oder Stepper - ab 30 Minuten Bewegung täglich werden die Auswirkungen von seelischer Erschöpfung und Niedergeschlagenheit deutlich geringer, belegt eine Meta-Analyse der Uni Erlangen-Nürnberg.

Atem-Meditationen holen aus dem Tief

→ Bei Stress und emotionaler Erschöpfung kann eine sanfte Therapie effektiver als Antidepressiva sein, so eine Studie des Neuropsychiaters Dr. Anup Sharma von der University of Pennsylvania. Die Atem-Therapie etwa lasse den Spiegel des Stresshormons Serotonin ohne Medikamente und Nebenwirkungen sinken. Ideal: der „Feueratem“ Kapalabhati. Aufrecht hinstellen. 3 bis 4 Sekunden tief in den Bauch atmen, genauso lange ausatmen. 8-mal wiederholen. Dann sehr schnell stoßweise ausatmen, doppelt so lange einatmen. 30-mal wiederholen.

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In guten Zeiten Händchen halten kann jeder. Doch in schlechten Zeiten nicht loslassen, das ist es, was zählt.


Fotos: Shutterstock, Margarete Cane, iStock

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