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Betreuung : In guten Händen


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 10/2008 vom 01.09.2008

Wenn beide Eltern wieder arbeiten wollen oder müssen, fängt die Suche nach einer guten Kinderbetreuung an. In öffentlichen Einrichtungen gibt es immer noch zu wenige Plätze und auch qualifizierte Tagesmütter sind schwer zu finden. Lesen Sie hier, welche Möglichkeiten Sie und Ihr Kind haben.


Artikelbild für den Artikel "Betreuung : In guten Händen" aus der Ausgabe 10/2008 von ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie, Ausgabe 10/2008

Henrik ist gerade ein halbes Jahr alt, da packt seine Mutter Anja die blanke Panik. Von Kollegen hat sie gehört, die ganze Abteilung sei im Umbruch, ihre Arbeitsstelle werde es nach der anstehenden Umstrukturierung in der Bank so nicht mehr geben. Ein Jahr Elternzeit hatte Anja vorerst angemeldet, eigentlich wollte ...

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Henrik ist gerade ein halbes Jahr alt, da packt seine Mutter Anja die blanke Panik. Von Kollegen hat sie gehört, die ganze Abteilung sei im Umbruch, ihre Arbeitsstelle werde es nach der anstehenden Umstrukturierung in der Bank so nicht mehr geben. Ein Jahr Elternzeit hatte Anja vorerst angemeldet, eigentlich wollte sie auf zwei Jahre verlängern. Doch nach dieser Nachricht zieht es die 39-Jährige so schnell wie möglich zurück ins Büro, wenn auch nur in Teilzeit.

Martin, ihr Mann, ist mit den Plänen einverstanden. Die beiden besuchen drei städtische Krippen und lassen sich vormerken. Das Ergebnis ist ernüchternd: Wartezeit ungewiss und ohne Garantie. Anja und Martin sind kein Härtefall, Anja müsse nicht Vollzeit arbeiten und sei nicht alleinerziehend. Mit Freunden, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, rechnet Martin die Kosten für eine gemeinsame Kinderfrau aus. Doch die, die sich über eine Anzeige meldet, übersteigt das Budget der beiden Familien.

Anja sucht derweil nach Tagesmüttern. Auf eine Anzeige in der Tageszeitung meldet sich unter anderem ein Mann, der für seine Frau anruft, die leider gar kein Deutsch könne, aber das sei ja bei kleinen Kindern nicht so wichtig. Eine 19-jährige Schwangere bietet sich an und meint, das dann einjährige Kind von Anja locker neben ihrem Baby mitbetreuen zu können. Eine Freundin schickt Anja zu einem Tagesmütterverein. Anja zahlt eine Vermittlungsgebühr und kommt mit ihrem Anliegen in eine Kartei. Wieder Warten, die bewährten Kräfte sind alle belegt, eine Nachfrage bei den Krippen verläuft enttäuschend.

Nach weiteren drei Monaten kommt endlich ein Anruf vom Tagesmütterverein. Anja und Martin besuchen die Frauen zu Hause. Die sympathische Renate hat einen kindgerechten Reihenhausgarten, aber Martin und Anja müssten einen Riesenumweg machen, um dort ihr Kind abzugeben. Anja wird nervös, der Chef will wissen, wann sie nun endlich kommt und an wie vielen Tagen die Woche. Mit Ella, einer gelernten Kinderkrankenschwester, haben sie Glück. Sie nimmt Henrik als ihr viertes Tageskind auf, rund 700 Euro werden Martin und Anja monatlich für drei Tage die Woche bezahlen, für Krankheitsfälle hat sich die Oma angeboten.

Mit einem Kleinkind im Hintergrund haben die wenigsten Mütter genug Ruhe für die Arbeit.


Misstrauen und „Fremdbetreuung“

Unter seinen europäischen Nachbarn ist Deutschland ein Sonderfall. Bundesweit kommen laut dem Statistischen Bundesamt nur 13,5 Prozent der Kinder unter drei Jahren in Kindertagesstätten und bei Tagesmüttern unter. Bis 2013 will die Große Koalition nun richtig Dampf machen und Betreuungsplätze für 35 Prozent dieser Altersgruppe schaffen, das wären 750.000 Plätze. Am 30. April hat das Kabinett das dazugehörige Kinderförderungsgesetz beschlossen. Ab August 2013 soll es sogar einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder vom vollendeten ersten bis zum dritten Lebensjahr geben.

Die Betreuung von Kleinkindern ist hierzulande nicht nur eine Frage der Struktur, des Angebots und des Geldes, sondern auch eine ideologische. Frühe „Fremdbetreuung“: Allein das Wort zeigt das große Misstrauen, das vor allem in Westdeutschland gegenüber einer Betreuung außerhalb der Kleinfamilie herrscht. Das schadet nicht und fördert im Gegenteil die soziale, kognitive und sprachliche Entwicklung des Kleinkindes, sagen die einen. Das Kind werde ohne Dauerpräsenz der Mutter zum eingeschüchterten Häufchen Elend, das sich nichts traue und später aggressiv werde, sagen die anderen.

Mama ist die Beste – und das bleibt sie auch, selbst wenn das Kind früh in eine Betreuung geht.


Foto: DAK/Wigger

Auf dem Rücken der Mütter

Ausgetragen wird der Kampf auf dem Rücken der Mütter. Die einen zögern lange beim Wiedereinstieg in den Beruf, die anderen bekommen ein dauerhaft schlechtes Gewissen und arbeiten Teilzeit. Jede zehnte Frau in Deutschland, veröffentlichte das Statistische Bundesamt im April 2008, bleibt wegen familiärer Verpflichtungen ganz zu Hause. In Frankreich tun das nur 4,9 Prozent, in Dänemark 2,1 Prozent und in Großbritannien 1,9 Prozent der Mütter. Wer Vollzeit arbeitet, muss mit vielen Fragen, schiefen Blicken und dem Etikett „Karriereweib“ rechnen – immer noch. Auf die Betreuungsleistungen der Väter wird dagegen selten geschaut.

Die Wissenschaft, die Befürworter wie auch Kritiker der außerfamiliären Kleinkindbetreuung ins Feld führen, ist die Bindungsforschung. Ein kleines Kind braucht eine feste Bindung zu einer Person. Ist die Bindung zur Mutter/zum Vater grundsätzlich stabil, verkraftet das Kind auch eine weitere Bezugsperson, zum Beispiel eine Erzieherin in einer Krippe, ohne dass das Kind oder die Beziehung zu den Eltern Schaden nimmt. Die Kritiker der „Fremdbetreuung“ bezweifeln dies. Doch in vielen Kulturkreisen und Ländern der Erde werden die Kinder von Großfamilien erzogen und auch in Deutschlands europäischen Nachbarländern schickt man Kleinkinder in Kitas, ohne dass der Nachwuchs in großem Umfang seelisch gestört und fürs Leben verunsichert ist.

Wichtig ist die Qualität

Wichtig ist die Frage nach der Qualität der Betreuung. Als man 1996 den Anspruch auf einen Kindergartenplatz gesetzlich vorschrieb, bezahlten Kinder und Eltern dies mit sinkender Qualität: Die Gruppen wurden größer, das zusätzliche Personal war oft nicht ausreichend gut qualifiziert. Doch gerade Kinder unter drei Jahren brauchen eine spezielle Pädagogik und es sollte mindestens doppelt so viel Personal zur Verfügung stehen wie in einem Kindergarten. Stimmt der Betreuungsschlüssel nicht, reicht es nur für „satt und sauber“ und nicht für eine altersgemäße Zuwendung oder gar frühe Förderung. Auch die Lehrpläne in der Erzieherausbildung sind vor allem auf die Drei- bis Sechsjährigen ausgerichtet,

Ob sich eine Familie eine individuelle Betreuung durch eine ins Haus kommende Kinderfrau oder eine Tagesmutter leisten will bzw. kann, oder sich doch lieber für eine Kita entscheidet, ist eine sehr persönliche Abwägung. Wer ein halbjähriges oder ein sehr schüchternes zweijähriges Kind hat, dem ist mit einer individuellen Betreuung in einer Familiensituation mit wenigen anderen Tageskindern vielleicht besser gedient. Jede volle, aber pädagogisch gut ausgestattete Kita-Gruppe kann jedoch besser sein als eine unqualifizierte Tagesmutter und jede engagierte Tagesmutter besser als eine pädagogische Fachkraft, die keine Lust auf kleine Kinder hat.

Kinderbetreuung in der Steuererklärung

Die Kosten für die Kinderbetreuung werden nach dem Einkommen der Eltern von der Gemeinde bezuschusst oder in manchen Fällen sogar ganz übernommen. Anträge muss man in der Regel beim Jugendamt der Stadt oder des Kreises stellen. Auch der Arbeitgeber kann sich in Form einer nicht steuerpflichtigen Gehaltserhöhung beteiligen. Alleinerziehende und Doppelverdiener können seit 2006 zwei Drittel der Betreuungskosten, maximal 4.000 Euro pro Jahr, steuerlich absetzen. Entsprechende Bescheinigungen stellen die Gemeinden oder die Träger freier Einrichtungen aus. Achtung: Das Essensgeld muss extra ausgewiesen sein, es ist steuerlich nicht absetzbar. Familien mit nur einem berufstätigen Elternteil können lediglich die Kosten für Drei- bis Sechsjährige geltend machen. Auch die Kosten für ein Au-pair können als Kinderbetreuungskosten mit bis zu 4.000 Euro pro Jahr in der Steuererklärung auftauchen. Wird das Kind von einer anerkannten Tagesmutter offiziell betreut, gilt die gleiche Regelung wie bei einer Kita.