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BEWEGUNGS MELDER


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evolve - epaper ⋅ Ausgabe 36/2022 vom 24.10.2022

INITIATIVEN

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Bildquelle: evolve, Ausgabe 36/2022

Globaler Heilungsimpuls

Unterstützungsprojekt für Menschen aus der Ukraine

Seit Monaten leiden die Menschen in der Ukraine unter dem Angriffskrieg Russlands, viele sind ins Ausland geflohen, auch nach Deutschland. Sie leiden unter den traumatischen Erfahrungen des Krieges und der Flucht und müssen sich in einem neuen Land mit einer fremden Sprache zurechtfinden. In dieser Situation will das Pocket-Projekt Unterstützung bieten. Gegründet von dem spirituellen Lehrer Thomas Hübl will die Initiative zu globaler Traumaheilung beitragen. Dazu werden internationale Workshops, Trainings, Forschungsprojekte und Großgruppenprozesse initiiert. Getragen wird es durch ein globales Netzwerk von Moderatoren, Therapeuten, Coaches und Beratern.

Im vergangenen Jahr boten Menschen aus diesem Netzwerk unterstützende Gespräche zu den Herausforderungen der Corona-Pandemie an.

In diesem Jahr stehen diese ...

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... Support-Calls Menschen aus der Ukraine offen, die in Deutschland leben. Aber auch Menschen, die ukrainische Flüchtlinge unterstützen, können sich anmelden, um unterstützende Gespräche zu erhalten. Gefördert von der Deutschen Stiftung für Engagement und Freiwilligenarbeit wird eine Veranstaltungsplattform geschaffen, um die Support-Calls für ukrainische Flüchtlinge in Deutschland zu koordinieren.

Die Gespräche helfen Einzelnen dabei, mit ihren traumatischen Erfahrungen so umzugehen, dass Heilung geschehen kann und sich eine neue Lebensperspektive zeigt. Dabei stehen das Zuhören und die offene Präsenz im Vordergrund. Die Stärkung der individuellen Resilienz unterstützt auch die sozialen Beziehungen. Durch solche Unterstützung beim Umgang mit Trauma möchte das Pocket-Projekt zu einem globalen Heilungsimpuls beitragen, der aus Bewusstheit und Mitgefühl erwächst.

Gemeinsames Wirtschaften

Das Prinzip MYZELIUM

MYZELIUM ist ein Bildungs- und Kooperationsnetzwerk für gemeinschaftsbasiertes Wirtschaften. Im Myzelium-Hub werden Menschen bei gemeinschaftsbasierten Gründungen oder der Umstellung bestehender, marktbasierter Organisationen begleitet. Im Netzwerk wird aber auch mit Strukturen experimentiert, die ganze Dörfer, Städte und Regionen verändern können. Zudem wird das solidarisch-gemeinschaftsbasierte Wirtschaften in die Wissenschaft gebracht, indem internationale Forschungsprojekte unterstützt werden.

Das Netzwerk wurde von Michaela Hausdorf und Timo Wans gegründet. Michaela Hausdorf forscht als Doktorandin zu gemeinschaftsbasiertem Wirtschaften und Entrepreneurship. Timo Wans gründete ein Projekt für Solidarische Landwirtschaft in Trier und überlegte, wie man diesen Ansatz in andere Bereiche übertragen kann. Daraus entstand auch die Idee für MYZELIUM.

Ähnlich wie in der solidarischen Landwirtschaft werden in solidarisch-gemeinschaftsbasierten Unternehmen die Kunden zu Mitgliedern. Durch einen variablen festen Beitrag ermöglichen sie eine Grundfinanzierung. Der Beitrag kann dabei auch von den finanziellen Möglichkeiten der Mitgliederinnen abhängen: Großverdiener zahlen mehr, Menschen mit weniger Einkommen einen geringeren Beitrag. Das Unternehmen wird zu einer Gemeinschaft, in der die Mitglieder Produkte und Dienstleistungen erhalten, die ihnen wichtig sind. Sie unterstützen verbindlich das Unternehmen und begleiten einander solidarisch. Aus marktorientierter Interaktion ist lebendige Gemeinschaft geworden.

Netzwerk der Wärme

Gemeinsam gegen soziale Kälte

Es könnte ein kalter Winter werden, nicht nur im übertragenen Sinne angesichts des Krieges in der Ukraine und vieler anderer Krisen, deren Auswirkungen wir zunehmend spüren. Nach den sozialen Spannungen der Corona-Pandemie droht nun durch steigende Energiepreise und Inflation eine weitere Belastung sowohl für jeden Einzelnen als auch für uns als Gesellschaft. Eine kreative Antwort auf diese angespannte Situation hat man in Berlin gefunden: ein Netzwerk der Wärme. Initiiert von der KARUNA Sozialgenossenschaft mit Unterstützung der GLS Bank, dem Berliner Senat, diversen Unternehmen, Initiativen und Stiftungen soll ein Netzwerk gegenseitiger Solidarität entstehen. Das Motto: #gemeinsamgehtsbesser.

Die Initiative ruft Bibliotheken, Nachbarschafts-, Jugend- und Familienzentren, Theater, Kirchen und Moscheen, Kantinen, Clubs u. v. m. dazu auf, zu offenen Treffpunkten zu werden, wo Menschen sich begegnen können, beim gemeinsamen Kochen, bei Lesungen, Liederabenden, Filmabenden. Auch Essensspenden, Energieberatung und Seniorenhilfe sollen organisiert werden. Über die App kann man Netzwerk-Einrichtungen oder Aktivitäten im Kiez finden. Auch eigene Angebote können an die App geschickt werden.

Es wurde ein Warenlager für Lebensmittelspenden und Hygieneartikel eingerichtet und auf der Webseite der Initiative wird zudem ein Chatbot installiert, um die häufigsten Fragen rund um Strom, Gas und Preisentwicklung zu beantworten. Mit all diesen Angeboten will man dazu beitragen, dass dieser Winter eine Zeit sozialer Wärme wird.

Liebe zum Leben

Der Heiligenfeld Kongress kehrt zurück

Die Heiligenfeld Kongresse in Bad Kissingen, organisiert von der Akademie Heiligenfeld und den Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen, sind ein lebendiger Treffpunkt für Menschen, die sich für eine integrale, achtsame Bewusstseinskultur einsetzen. Wegen der Corona-Pandemie musste der Kongress drei Jahre pausieren und wird im nächsten Jahr wieder stattfinden. Nach den Kongressen zu Themen wie »Achtsamkeit« und den abgesagten Kongressen »Reifung« und »Die Würde des Lebens« wird beim nächsten Kongress die Frage gestellt, »was es bedeuten würde, das Leben in all seinen Facetten zu lieben«, erklärt die Leiterin der Akademie Heiligenfeld, Anita Schmitt. »Dazu gehört zum Beispiel das Leben zu lieben – für einen selbst, für das Miteinander, in einem Unternehmen, in der Bildung oder in Kunst und Kultur oder der Gesellschaft.« Auch dieevolve-RedakteureNadja Rosmann und Mike Kauschke werden bei dem Kongress einen Workshop anbieten.

Das Motto »Leben lieben« wird im Vorfeld des Kongresses schon bei einer neuerlichen Tour des Poesie-Mobils in die Öffentlichkeit gebracht. Joachim Galuska, der Mitgründer und langjährige Leiter der Heiligenfeld Kliniken, und seine Frau, die Dichterin und Schriftkünstlerin Uta Galuska, fuhren im vergangenen Jahr mit einem umgebauten Feuerwehrauto durch die Lande, um auf die psychischen Folgen der Pandemie und die Kraft seelischer Resilienz hinzuweisen. Im September und Oktober waren sie wieder unterwegs und trafen Wissenschaftler, Künstlerinnen und Kulturschaffende. Die Videos der Gespräche sind auf der Webseite des Poesie-Mobils abrufbar.

www.heiligenfeld.de/poesiemobil

Ein Dorf im Wir

Neue Visionen des Zusammenlebens

Das Wir-Dorf Westerwald Sieg ist ein regionales und gleichzeitig überregional offenes und vernetztes Projekt zur Belebung des ländlichen Raums. Die Initiative ist kein Verein und keine Genossenschaft, sondern bringt Menschen zusammen, die in der Region Impulse für eine ökologische und soziale Neugestaltung einbringen wollen. Es ist ein Netzwerk, das Mitmach-Konferenzen wie die WIRkstatt oder das Bergfest organisiert, bei denen Ideen und Projekte vorgestellt werden.

Für die Zukunft haben die Initiatoren viele Visionen: Sie suchen nach Höfen und/oder landwirtschaftlichen Flächen, welche die Dorfbewohner mit liebevoll angebautem Gemüse versorgen können. Sie träumen von einer Genossenschaft, einer solidarischen Landwirtschaft, einer Kooperative, also einem landwirtschaftlichen Projekt, das durch Regionalentwickler, Juristinnen, Architektinnen, Landwirte erarbeitet werden kann. Gesucht wird zudem gewerblicher Leerstand, um Pop-up-Stores, Impact Hubs, Wir-Dorf-Läden und fliegende Restaurants als Orte für Begegnung zu gestalten. Und die Initiative sucht auch nach Wohn-Orten für überregionale Pioniere, die vor Ort vorübergehend oder für immer mitgestalten. Das können Mehr-Generationen-Wohnungen, Bed & Breakfast im Westerwald, ein paar Zimmer im Kloster, eine Jurte im Garten sein. Ein konkretes Gemeinschaftsprojekt gibt es schon: Ab dem Sommer 2023 bietet die Initiative zehn Wohn-und-Arbeits-Stipendien für Menschen an, die ihre Idee für ein lebenswertes Morgen unter kompetenter Begleitung umsetzen möchten.

Wo lang? in die Zukunft

Ein Projekt in Altenburg

Wo lang? Altenburg ist ein Zusammenschluss von Sozialunternehmer*innen im thüringischen Altenburg. Die meisten der fünf Initiatoren studierten gemeinsam an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Ende 2020/Anfang 2021 kamen sie nach Altenburg, um Ideen für eine nachhaltigere und sozialere Gesellschaft umzusetzen, und erhielten im Laufe der Zeit Verstärkung. Mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekten möchten sie die Stadt beleben und Labore für Zukunftsgestaltung schaffen.

Das größte Projekt ist die Umgestaltung des traditionsreichen Casinos der Stadt, das unbenutzt zu verfallen drohte. Die Gruppe konnte sich mit dem Besitzer und der Hausverwalterin darauf einigen, das alte Haus mindestens für die nächsten drei Jahre so zu nutzen und zu bearbeiten, dass die Substanz nicht weiter verfällt. Das Casino soll so wieder ein Ort der Begegnung sein, ein freier Ort für Altenburger, die sich ausprobieren wollen – oder bei der Ausgestaltung helfen wollen. Immerhin fand im Oktober schon das erste Konzert statt und weitere Veranstaltungen sind in Planung.

Eine weitere Initiative des Vereins ist das Café Velo, ein Fahrrad-Café, das zum mobilen Ort der Begegnung werden soll. Die Gruppe bietet zudem ein Symposium für Kunststudierende der Alanus-Universität an, berät Unternehmen und Vereine, engagiert sich beim Aufbau eines »Kultur-Späti« mit Regionalladen. Langfristig wünscht sich die Initiative ein Gästehaus und ein Wohn- und Projekthaus, um Menschen zeitweise in Altenburg aufzunehmen, um dort an Projekten zu arbeiten.

IM WEB

Politikverschossen

Die zunehmende Politikverdrossenheit bedroht unsere Demokratie. Aber sie ist auch ein Zeichen dafür, dass sich die Demokratie weiterentwickeln muss. Für eine solche Neugestaltung unserer demokratischen Strukturen und Gesprächsformen setzt sich der Verein »Mehr Demokratie« seit vielen Jahren ein. Mit dem Podcast »Politikverschossen« werden verschiedene Aspekte einer Belebung demokratischer Prozesse mit Aktivistinnen und Experten beleuchtet. Es werden Themen wie Transparenz, Wahlrecht, Grundrechte und Möglichkeiten direkter Demokratie behandelt und Erfahrungen aus Bürgerräten besprochen, an denen Mehr Demokratie mitwirkt. Vor allem werden dabei auch die Herausforderungen der Demokratie durch die Corona-Pandemie thematisiert.

evolve Blog

Dem Zusammenklang lauschen

Ein Gespräch mit dem Künstler Jörg Längern

Mike Kauschke

Die doch nicht ganz so stille Revolution Reflexionen zum 6. interdisziplinären Kongress Meditation & Wissenschaft: »Sehnsucht nach Zukunft – Achtsamkeit und Transformation«

Lisa Baumann

Gelebte Spiritualität Über das Buch »Der Geschmack der Unendlichkeit – Spiritualität im Alltag«

von Rüdiger Sünner

Wolfgang-Andreas Schultz

FILME

Vananda Shiva

Ein Leben für die Erde Camilla und James Beckett

Die indische Aktivistin Vandana Shiva setzt sich für eine ökologische Transformation unserer Lebensweise ein. Ein Grundübel unseres Umgangs mit der Erde sieht sie in der industriellen Landwirtschaft mit der Patentierung von Saatgut und den Monopolen großer Agrarkonzerne wie Monsanto. Sie plädiert für Biodiversität und die Bewahrung von natürlichem Saatgut. Das von ihr gegründete Institut »The Research Foundation for Science Technology and Ecology« (RFSTN) baute bisher 40 Saatgutbibliotheken und unterstützt Landwirte beim Anbau lokaler Saatgüter. Diese Dokumentation zeichnet den Lebensweg von Vandana Shiva nach, wie ihre prägenden Erfahrungen in der Chipko-Bewegung, einer der ersten ökologischen Bewegungen in Indien, die vor allem von Frauen getragen wurde und sich gegen die Abholzung von Wäldern im Himalaya wandte. Als Öko-Feministin kämpft sie in ihrer Arbeit, ihren Vorträgen und Veröffentlichungen für eine verbundene, mitfühlende, regenerative Beziehung zur Erde. vandana-shiva/

Art is a State of Mind Louie Psihoyos

In dieser Doku-Serie begleitet der Filmemacher Aljoscha Pause den ehemaligen Wirtschaftsanwalt Bernhard Zünkeler, der sich aus seiner Arbeit bei einer großen Bank verabschiedete, um sich der Kunst zu widmen. Einer Form von Kunst, die gesellschaftlich wirken und die Kreativität in allen Menschen wecken will. Er wurde Mitgründer des Forschungsinstituts artlab21, welches das Urban Art Lab ESMoA in Los Angeles betreibt. Hier werden neue Ausstellungsformate erprobt, sogenannte »Experiences«, die den Betrachter miteinbeziehen. Auch in Deutschland und auf Kuba hat Zünkeler künstlerische Projekte unterstützt und ein internationales Netzwerk von Kunstschaffenden aufgebaut, von kubanischen Dissidenten bis hin zu Gangmitgliedern aus Los Angeles.

Der Film begleitet Zünkeler über neun Jahre bei der Neuausrichtung seines eigenen Lebens und dem Aufbau seiner Projekte. Aber vor allem auch bei der Erforschung der Frage, wie Kunst heute sozial und gesellschaftlich relevant sein kann. Abseits der Mechanismen des kommerziellen Kunstmarkts will Zünkeler den kreativen Funken in allen Menschen entzünden helfen, um ihr Leben zu bereichern, aber auch um neue Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu finden.

art-is-a-state-of-mind/

Der Atem des Meeres

Pieter-Rim de Kroon

Viele Naturdokus im Fernsehen arbeiten mit sehr künstlichen Mitteln, um Aufsehen zu erregen und Einschaltquoten zu erhöhen. Wenn Antilopen von Löwen gejagt werden, dröhnt Trommelmusik, wenn Krokusse im Frühjahr zum Himmel emporstreben, kitschige Streicher und wenn die Kamera Berge überquert, muss es immer bombastische symphonische Musik sein. Oft frage ich mich dann als Filmemacher, wo bleibt die »Musik« und der Rhythmus der Natur selbst: Wasser, Wellen, Vogelgesang und die vielen Variationen der Stille? Vielleicht auch aus kommerziellen Gründen ist der ruhige Dokumentarfilm selten geworden, der auf Mätzchen verzichtet und den Zuschauer selbst mit langen Einstellungen eigene Empfindungen und Assoziationen entwickeln lässt. So ein Film ist »Der Atem des Meeres«, der mit grandiosen Bildern und fantastisch aufgenommenem Originalton die großen und kleinen Wunder der Wattlandschaft erkundet.

Der holländische Regisseur und Kameramann Pieter-Rim de Kroon hat sich 16 Monate lang Zeit gelassen, um in aller Ruhe den »Atem« der Gezeiten und des vielfältigen Lebens im Watt zu beobachten, was einen oft in eine geradezu meditative Stimmung versetzt, ganz ohne Kommentar: die Natur in ihrer Majestät darf selber sprechen. Eine Wohltat, ein Wunder der Entschleunigung.

(RS)

(ARD Mediathek bis 12.01.2023)

BÜCHER

Vita contemplativa oder von der Untätigkeit

Byung-Chul Han

Mit seinem neuen Buch hinterfragt der Philosoph Byung-Chul Han, der für seine kulturkritischen Analysen bekannt ist, eine Grundannahme unserer Kultur: dass der Mensch im Handeln zu sich kommt und die Welt zu einem besseren Ort macht. Diese Betonung einer Vita activa will er um ein Plädoyer für eine Vita contemplativa ergänzen, wobei er sich intensiv mit Hannah Arendts philosophischem Klassiker »Vita acitva« auseinandersetzt. Dabei geht Han so weit, auch für das politische Handeln eine kontemplative Besinnung einzufordern, statt sich in Handlungen zu verrennen, die zu keiner Lösung zum Beispiel der ökologischen Krise führen und sie sogar mit verursacht haben. In einer integrativen Bewegung spricht er von einer Vita composita, in der Aktion und Besinnung zusammenfinden – Tun im Nicht-Tun, wie es im Taoismus heißt, auf den sich Han auch bezieht. Eine zweite Inspirationsquelle ist die poetische Lebensnähe der Frühromantik insbesondere des Dichters Novalis, dem er das letzte Kapitel widmet.

Ehe Abraham wurde, BIN ICH

Mystik entdecken mit Zen und biblischen Schlüsselworten Hildegard Schmittfull

Die letzte Wirklichkeit ist für alle Religionen ein und dieselbe. Die Antwort der Menschen auf diese letzte Wirklichkeit ist jedoch unterschiedlich. Wird sie im Buddhismus als Leere erfahren, so zeigt sie sich im Christentum trinitarisch, das heißt als Beziehung. In der Tradition des christlichen Zen-Pioniers Hugo Enomiya Lasalle haben Pia Gyger und Niklaus Brantschen die via integralis entwickelt, einen christlich fundierten, vom Zen geprägten spirituellen Weg des Erwachens. Was beim Zen das Koan ist, können auf dem christlichen Weg biblische Schlüsselwörter sein. Der Weg führt über das Sitzen mit den Schlüsselwörtern, Sätzen aus der Bibel, die wie ein Koan nicht mit dem Verstand erfasst, sondern in einem Moment der Erleuchtung unmittelbar lebendig erfahren werden können. Bei aller Ähnlichkeit zeigen sich hier Unterschiede. Beim Koan geht es um »die Erfahrung der Einheit bzw. der Leere und nicht [um den] Weg der Transformation, während in der christlichen und auch der mystischen Tradition Transformation Weg und Ziel ist«. In ihrem Buch führt Hildegard Schmittfull zuerst in Hintergründe und Methode der via integralis ein, im zweiten Teil werden 19 Schlüsselwörter vorgestellt und ausgelegt. (th)

Menschen, Götter und Maschinen Eine Ethik der Digitalisierung

Wolfgang Huber

Ein klarer Blick auf einen Lebensbereich, der sich schneller ändert, als man ein Buch schreiben kann. Aber die damit verbundenen ethischen Fragen haben stärkeren Bestand und um die geht es dem Theologen Wolfgang Huber.

Von Social Media über Robotik bis zur Künstlichen Intelligenz werden alle Themen der Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Mensch und Gesellschaft beleuchtet. In der Reihe jener Bücher, die sich damit beschäftigen, ist dieses Buch jedoch ein Lichtblick, weil es weder verteufelt, noch glorifiziert. Objektiv werden die Chancen und Probleme benannt und aufgezeigt, nach welchen individuellen und gesellschaftlichen Lösungen wir suchen müssen, um auch in Zukunft ein Leben in Würde führen zu können. Dazu unterscheidet Huber zwischen innerweltlicher Eschatologie, wozu er sowohl den absoluten Fortschrittsglauben als auch die apokalyptische Untergangsangst zählt, und einer Verantwortungsethik, die nicht der Hybris unterliegt, die Welt auf die eine oder andere Art vollenden zu können, sondern sich auf das Machbare und das Gewollte konzentriert. Es geht daher nicht darum, zwischen »Ganz oder gar nicht« zu entscheiden, sondern den Fortschritt zu ermöglichen und negative Nebeneffekte zu minimieren.

(GH)

Zuwendungen Das geheime Leben alltäglicher Wörter

David Whyte

In diesem Büchlein spürt der Dichter David Whyte in kurzen Essays der inneren Bedeutung von Wörtern nach, die wir alle nur zu gut kennen. Es sind grundmenschliche Erfahrungen wie Verletzlichkeit und Vergebung, Reife und Rückzug, Sehnsucht und Schmerz, aber auch Orte, die für Whyte zu einem Symbol wurden wie Rom oder Istanbul. Seine Texte sind dabei Tiefenschürfungen in der menschlichen Seele, berühren die Wunden und die Glückseligkeit unseres Seins. Sie laden ein zum meditativen Mitgehen und Weiterspüren. Es sind tröstende und ermutigende Ansprachen, die uns dem Wunder des Seins näherbringen können.

Regenerative Kulturen gestalten

Daniel Christian Wahl

Nachhaltigkeit als Vorgabe einer ökologischen Transformation unserer globalen Gesellschaft ist nicht genug, ist sich der Biologe Daniel Christian Wahl sicher. Deshalb führt er in diesem Grundlagenwerk, das nun erstmals ins Deutsche übersetzt wurde, die Regeneration als Leitidee ein. Dabei schöpft er aus den Komplexitäts- und Systemwissenschaften, der Biologie, indigenem Wissen, spiritueller Weisheit und anderen Bereichen. Kern der Idee von regenerativen Kulturen ist ein prozesshaftes, anpassungsfähiges Denken und Handeln, dem es um die Gesundheit des planetaren Systems geht. Es erfordert eine fragende Haltung, in der wir unser Handeln an den organischen Prozessen und unserer Verbundenheit mit der lebendigen Umwelt ausrichten. Deshalb bilden Fragen die Grundstruktur des Buches, das die philosophischen, wissenschaftlichen, spirituellen Grundlagen der Regeneration ausführt und praktische Hinweise für die Gestaltung regenerativer Kulturen gibt.