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Blasenschwäche: Nur keine Scham


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2011 vom 28.01.2011

Blasenschwäche ist kein Thema, über das man gerne redet. Dabei sind rund fünf Millionen Menschen in Deutschland davon betroffen und man kann eine Menge dagegen tun.Von Andrea Herzig


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Inkontinenz ist kein Minderheitenproblem, etwa jede vierte Frau und jeder zehnte Mann leidet darunter. Viele Menschen sehen diese Krankheit aber als peinliches hygienisches und nicht als medizinisches Pro blem. Zum Doktor geht man erst, wenn es richtig schlimm wird. Nur 25 bis 30 Prozent der Betroffenen, schätzt der Mainzer Gynäkologe und Vizevorsitzende der deutschen Kontinenz-Gesellschaft, ...

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Inkontinenz ist kein Minderheitenproblem, etwa jede vierte Frau und jeder zehnte Mann leidet darunter. Viele Menschen sehen diese Krankheit aber als peinliches hygienisches und nicht als medizinisches Pro blem. Zum Doktor geht man erst, wenn es richtig schlimm wird. Nur 25 bis 30 Prozent der Betroffenen, schätzt der Mainzer Gynäkologe und Vizevorsitzende der deutschen Kontinenz-Gesellschaft, Professor Heinz Kölbl, sprechen mit ihrem Arzt. Das ist falsch, denn der unwillkürliche Harnabgang lässt sich oft erfolgreich behandeln.

Unsere Harnblase kommt uns erst in den Sinn, wenn sie nicht normal funktioniert, dann beeinflusst sie unser Leben mehr, als uns lieb ist. Die Nieren eines Menschen arbeiten rund um die Uhr, um das Blut von Giftstoffen zu reinigen. Dabei entsteht das Abfallprodukt Urin, der über die Harnleiter in die Blase fließt. Die Blase speichert die Flüssigkeit und hält sie zurück, bis wir auf die Toilette gehen können. Nachts sorgt ein Hormon dafür, dass wir nicht dauernd müssen und acht Stunden im Bett liegen bleiben können.

Wenn ungewollt Harn abgeht, kann das unterschiedliche Ursachen haben – organische und psychische. Eine Blasenschwäche entsteht durch Funktionsstörungen in drei unterschiedlichen Bereichen, in der Muskulatur der Blase, beim Verschluss der Harnröhre oder im Nervenzentrum. Das führt zu mehreren Inkontinenzformen, bei denen man tropfenweise Urin verliert oder sich die Blase mit einem Schlag leert. Die Gründe: Entzündungen im Urogenitaltrakt, Steine oder (sehr selten) Tumore im Harnleiter, hormonelle Veränderungen, zum Beispiel in den Wechseljahren, Veränderungen der Prostata, Verletzungen, Übergewicht, manche Medikamente oder Schwangerschaften und Geburten. Schwere körperliche Arbeit und chronische Bronchitis können ebenfalls eine Blasenschwäche verursachen. Auch manche Diabetiker bekommen Probleme mit ihrer Blase.

Helfen können zum Beispiel Gynäkologen, die eine urogynäkologische Ausbildung haben, oder auch Urologen und Prok tologen. Beckenbodenzentren sind in Großstädten meist an Kliniken angeschlossen, viele Physiotherapeuten kennen sich in der Beckenbodentherapie gut aus. Um den Grund für die Inkontinenz zu finden, müssen Patienten meist ein Tagebuch führen, in dem sie aufschreiben, wie viel sie wann trinken und wie oft sie zur Toilette gehen. Zudem werden Beckenboden und Blase abgetastet und mit Ultraschall untersucht. Manchmal ist eine Blasenspiegelung notwendig.

Formen der Inkontinenez

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Inkontinenz, die sich überlagern können.
■ Zu den häufigsten gehört dieBelastungsinkontinenz. Der Patient hat Probleme mit dem Verschluss der Harnröhre. Durch schweres Tragen, Lachen, Niesen, Treppensteigen oder bei manchen Sportarten (alle, die aus der Bewegung heraus abrupt stoppen, z. B. Tennis) spannen sich die Bauchmuskeln an. Wenn die Beckenbodenmuskulatur geschwächt ist, z. B. nach Geburten, bei Bindegewebsschwäche oder Übergewicht, kann die Beckenbodenmuskulatur dem Druck nicht standhalten und es tritt Harn aus. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. aus. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Therapie: Das Beckenbodentraining als Krankengymnastik ist eine wichtige Therapieform. Um sie richtig zu lernen, braucht man die professionelle Anleitung eines Fachmanns. Meist bessern sich die Beschwerden deutlich oder sie verschwinden ganz. Eine besondere Form ist das Üben mit Vaginalkonen. Dies sind kleine Kegel aus Kunststoff, die in die Scheide geschoben werden. Um das Herausrutschen zu verhindern, wird die Beckenbodenmuskulatur automatisch angespannt. Auch Biofeedback wird eingesetzt. Eine kleine Sonde in der Scheide oder im Enddarm misst elektronisch die Muskelkraft des Beckenbodens. Für operative Eingriffe stehen eine ganze Reihe Methoden zur Verfügung. Bewährt hat sich seit Mitte der 90er-Jahre das Einsetzen eines Kunststoffbandes unter die Harnröhre. Frauen nach den Wechseljahren helfen manchmal östrogenhaltige Salben.
■ Bei derDranginkontinenz verspürt der Patient wie bei einer Blasenentzündung einen Zwang zum Wasserlassen. Bei einer schweren Form schafft er es nicht mehr zur Toilette. Die Blase könnte meist noch Urin speichern. Dranginkontinenz ist die Folge einer Fehlsteuerung: Das falsche Signal „die Blase ist voll“ wird an Gehirn und Rückenmark geleitet. Die Muskulatur der Blasenwand zieht sich zusammen, der Druck im Inneren der Blase steigt. Ursache sind Blasenerkrankungen, die eine Schädigung des Blasenmuskels hervorrufen, oder Erkrankungen des Gehirns wie Morbus Alzheimer. Häufig und quer durch die Altersklassen gibt es die psychische Dranginkontinenz. Der Blasenmuskel ist dauerhaft gespannt und gibt bei kleinsten Mengen Urin das Signal zum Leeren. Manchmal macht er das unwillkürlich – und der Urin geht in die Hose.
Therapie: Es gibt eine Reihe Medikamente (Anticholinergika), die entspannend auf die Blase wirken und ein zu frühes Zusammenziehen verhindern. Nebenwirkungen sind jedoch Mundtrockenheit, Verstopfung, Müdigkeit, Herzrasen und Sehstörungen. Durch ein Blasentraining kann die Blase daran gewöhnt werden, sich zu bestimmten Zeiten zu entleeren. Ziel ist es, die Zeiträume zwischen den Toilettengängen zu verlängern.

■ Bei derÜberlaufinkontinenz geht ohne Dranggefühl oder besondere Anstrengung eine kleine Menge Harn ab, die Blase wird nie vollständig entleert. Verursacht wird die Störung durch eine Verengung in der Harnröhre, eine Prostatavergrößerung oder eine Fehlfunktion der Blasenmuskulatur. Diese Form ist auch auf geschädigte Nerven zurückzuführen, zum Beispiel bei einer Diabetes oder bei Alkoholmissbrauch.
Therapie: Ist der Harnabfluss durch eine Vergrößerung der Prostata oder einen Tumor behindert, hilft nur eine Operation. Bei Problemen mit dem Blasenverschluss unterstützen Medikamente, die die Muskulatur des Schließmuskels entspannen.

Beckenbodengymnastik: Um sie richtig zu lernen, lässt man sich besser professionell anleiten.


Fotos: irisblende.de (2)

Krebs | Vorbeugen mit ASS?

Foto: irisblende.de

Täglich Acetylsalicylsäure (Aspirin , ASS) zum Schutz vor Krebs: Kürzlich erschienene Auswertungen von Studien legen diesen Schluss scheinbar nahe. Demnach sinkt bei langfristiger Einnahme (über mindestens fünf und bis zu 20 Jahre) von niedrig dosiertem ASS die Häufigkeit von Darmkrebs um 25 Prozent, die Sterblichkeit um 35 Prozent. Weitere Schutzeffekte ergaben sich für Krebse der Lunge, der Verdauungsorgane und der Speiseröhre, nicht jedoch für Blutkrebse. Doch selbst Studienautor Professor Peter Rothwell von der Universität Oxford mahnt an, die Ergebnisse bedeuteten nicht, dass alle Erwachsenen sofort mit der Einnahme von ASS beginnen sollten. Dem pflichtet auch ÖKO-TEST-Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz bei: „Die Studien sind aus mehreren Gründen mit Vorsicht zu genießen. Zum einen beziehen sie sich auf Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sind also auf Gesunde nicht ohne Weiteres übertragbar. Zum anderen fehlen Angaben zur Gesamtsterblichkeit und zu möglichen Nebenwirkungen. Denn auch bei niedriger ASS-Dosierung können Blutungen und Blutverluste auftreten.“ Damit sollte die Einnahme von niedrig dosiertem ASS weiterhin denjenigen mit einem erhöhtem Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall vorbehalten bleiben.

Schuppenflechte | Nur wenige Praxen für die Badetherapie

Foto: Farina 3000/Fotolia.com

Wer unter mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte leidet, bekommt von der gesetzlichen Krankenkasse jetzt auch die sogenannte Balneo-Phototherapie bezahlt, eine Kombination aus Badetherapie und UV-Bestrahlung. Doch die Sache hat zwei Haken. Nur wenige Praxen haben überhaupt eine entsprechende Badewanne; Nachrüsten ist teuer. Dr. Klaus Strömer, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen in Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass nur etwa eine von 20 Praxen entsprechend ausgestattet ist. Zudem fehlten Fachkenntnisse. Daher sei davon auszugehen, dass die Balneo-Phototherapie auch in Zukunft selten angeboten wird. Der zweite Haken: Die Therapie kostet viel Geld. Jetzt soll an der einfachen UV-Bestrahlung gespart werden, die bisher für leichte Fälle der Schuppenflechte angewandt wird. Zwar zahlt die Krankenkasse diese Therapie weiterhin, die Ärzte bekommen dafür aber weniger Geld. Strömer geht davon aus, dass sich das Unterhalten der Bestrahlungsgeräte für viele Dermatologen in Zukunft einfach nicht mehr rechnet – und die Geräte nach und nach aus vielen Praxen verschwinden werden.

Recht & Rat | Zahnersatz von der Internet-Auktion

Zahnbehandlungen können ganz schön teuer werden. Kein Wunder, dass es mittlerweile Internetplattformen gibt, über die man – ganz legal – das günstigste Angebot einholen kann. Und so funktioniert es: Man stellt den Heil- und Kostenplan des behandelnden Zahnarztes ein, andere Zahnärzte können dann günstigere Angebote abgeben. Kommt über die Internetplattform ein Behandlungsvertrag zustande, erhält der Betreiber der Seite eine Provision. Das Betreiben einer solchen Internetplattform ist nicht zu beanstanden, hat jetzt auch der Bundesgerichtshof entschieden (Az. I ZR 55/08). Es sei nicht zu erkennen, dass dieses Geschäftsmodell ein „berufsunwürdiges Verdrängen“ anderer Zahnärzte bedeute.

Behandlungsfehler | Alles genau protokollieren

Wer den Verdacht hat, dass er beim Arzt oder im Krankenhaus falsch behandelt wurde, sollte zu seiner Sicherheit wichtige Informationen sammeln und alles notieren. Dies rät die AOK Bayern. So sollten nicht nur Namen und Anschriften der behandelnden Ärzte festgehalten, sondern auch protokolliert werden, wer wann über Risiken und Behandlungsalternativen aufgeklärt hat. Weiter sollte man sich aufschreiben, was nach eigener Einschätzung zu dem Behandlungsfehler geführt hat und welche Schäden genau entstanden sind. Zudem kann man Rat bei seiner Krankenkasse oder einer Patientenberatung einholen.

Warzen | Nicht dran herumknibbeln

Warzen sind nicht nur unschön, lästig und manchmal schmerzhaft, sondern auch ansteckend, da sie von Viren verursacht werden. Daher können sich Warzen weiter verbreiten, wenn man unsachgemäß an ihnen herumknibbelt und so die Viren an die Oberfläche befördert. Wer also in Eigenbehandlung, beispielsweise mit Salicylsäure-haltigen Lösungen, die Hornschicht aufweicht, kann sie anschließend mittels Bimsstein oder Hornhauthobel abtragen – wegen der Verletzungsgefahr aber keinesfalls mit der Nagelschere oder einem Messer. Zudem ist auf Hygiene zu achten. Das heißt: eigene Utensilien, Handtücher oder Waschlappen verwenden, um andere nicht zu infizieren.

Kompakt

Vorbeugen
Warme Füße: Frieren setzt die Abwehrkräfte herab, sind die Füße nass geworden, Socken und Schuhe wechseln und sich ein warmes Fußbad gönnen.
Viel trinken: Zwei bis drei Liter am Tag, das spült Infektionserreger aus der Blase. Am besten Früchte- und Kräutertee, Obstsaft und Wasser, viele schwören auf ein Glas warmes Bier, wenn die Blase brennt, das wirkt harntreibend.
Intimpflege: Grundsätzlich von vorne nach hinten wischen, viel Wasser und eine milde Seife reichen völlig.
Sex: Vorher und hinterher auf die Toilette, das spült Bakterien aus der Harnröhre.
Blase vollständig leeren: Aufgerichtet auf der Toilette sitzen und warten, bis alles draußen ist.
Wenn es schon wehtut: Nach dem Toilettengang eine Wärmflasche/warmes Kirschkernkissen zwischen die Beine, dreimal am Tag eine Tasse Salbei- oder Bärentraubenblättertee, warme Sitzbäder mit Kamillenextrakt
Zum Arzt: Wenn es nach zwei Tagen keine Besserung gibt oder die Beschwerden sehr stark sind.

Selbsthilfe
■ Die Deutsche Kontinenz-Gesellschaft bietet auf ihrer Homepage umfassende Information und leicht verständliche Broschüren zum Herunterladen. Zudem gibt es einen Link zu Beratungsstellen, geordnet nach Postleitzahlen: www.kontinenz-gesellschaft.de Broschüren gibt es auch per Post, Kontakt: 05 61 / 78 06 04.
■ Die Initiative Blasenschwäche e. V. bietet im Servicebereich ihrer Homepage eine kompakte Anleitung für Beckenbodenübungen: www.initiative-blasenschwaeche.de links über den Punkt Service/ Downloadbereich navigieren.
■ Der Selbsthilfeverband Inkontinenz e. V. (www.selbsthilfeverbandinkontinenz.org) sammelt auf seiner Homepage Informationen aus Sicht von Betroffenen. Er bietet Foren zum Erfahrungsaustausch.

Interview

„Der weibliche Beckenboden ist eine Fehlkonstruktion“

Professor Dr. Ursula Peschers ist Chefärztin für Gynäkologie mit dem Schwerpunkt Urogynäkologie und rekonstruktive Beckenbodenchirurgie am Beckenboden Zentrum München/ Chirurgische Klinik München-Bogenhausen.


ÖKO-TEST: Frau Professor Peschers, wie oft „muss“ man normalerweise pro Tag?
Peschers: Das kommt ganz darauf an, wie viel man trinkt. Bei eineinhalb bis zwei Litern sind fünf bis sieben Toilettengänge in Ordnung. Auch wer nachts einmal aufs Örtchen muss, hat noch keine Blasenschwäche. Wenn Frauen in der Nacht dreimal aus Gewohnheit auf die Toilette gehen, weil sie sowieso aufstehen und ihr Kind stillen oder nach ihm schauen, ist auch das normal.

ÖKO-TEST: Warum leiden so viele Menschen, vor allem Frauen, unter einer Blasenschwäche?
Peschers: Der weibliche Beckenboden ist eine Fehlkonstruktion. Früher war das kein Problem, da starben die Menschen mit 50, jetzt muss der Beckenboden noch 30 bis 40 Jahre länger halten. Das Becken der Frau ist im Verhältnis zur Kopfgröße des Kindes zu klein, alles wird überdehnt bei einer Schwangerschaft und Geburt. Dazu kommt die aufrechte Haltung, alles drückt nach unten. Frauen haben außerdem eine sehr kurze Harnröhre, sie ist nur drei Zentimeter lang. Männer sind vor allem deshalb weniger von Kontinenzproblemen betroffen, weil sie eine längere Harnröhre haben. Aber nicht alle Frauen leiden auch unter ihrer Inkontinenz. Wer so zwischen 40 und 60 zwei-, dreimal im Jahr ein bisschen Urin beim heftigen Niesen verliert, der hat zwar per Definition eine Belastungsinkontinenz, aber er leidet doch nicht.

ÖKO-TEST: Der Sport kann aber zum Problem werden.
Peschers: Das kommt darauf an, was man macht. Wenn mir hier die Frauen die Sprechstunde blockieren, weil sie sich beklagen, dass sie nicht mehr Trampolin springen können, dann sage ich ganz klar „das kann ich auch nicht“. Wer Kinder geboren hat oder 50 Jahre alt ist, der muss nicht mehr Trampolin springen können.

ÖKO-TEST: Aber Beckenbodengymnastik hilft?
Peschers: In vielen Fällen ja. Natürlich ist es nicht mit sechs Mal Rückbildung getan, aber welche Frau macht das schon täglich jahrelang konsequent, da siegt die Faulheit, das ist normal. Doch die Übungen helfen auch, wenn man sie dann wieder aufnimmt, wenn man Probleme bekommt.

So funktioniert die Blase

Foto: Sebastian Kaulitzki/Fotolia.com

Die Blase besteht aus Muskelschichten, innen hat sie eine Schleimhaut. Der Blasenhals verbindet die Blase mit der Harnröhre, an der einige Muskelfasern spiralförmig angeordnet sind. Die Muskeln bilden eine Schlinge, die als innerer Schließmuskel fungiert. Weiter unten trifft die Harnröhre auf die Beckenbodenmuskulatur, die mit mehreren Muskelbündeln den äußeren Schließmuskel bildet. Der innere und der äußere Schließmuskel sind zusammen dafür verantwortlich, dass wir dicht halten können. Wenn beide Muskelpartien erschlaffen, fließt Urin.

Quelle: Kontinenz-Gesellschaft Grafik: OKO-TEST

Kompakt

Hilfsmittel

Für Frauen: Es gibt hochsaugfähige Einlagen in vielen Größen mit sogenannten Gelbildnern, die Urin binden. Die Einlagen werden mit einem Klebestreifen an der Wäsche befestigt. Bei schwerer Inkontinenz helfen Windelhosen. In manchen Fällen verschreibt der Arzt Pessare aus weichem Kunststoff, die die Lage von Harnröhre und Blase verändern. Sie müssen individuell angepasst werden. Harnröhrenstöpsel führt man in die Harnröhre ein, wo sie bis zum nächsten Wasserlassen bleiben. Eine regelmäßige Kontrolle durch den Arzt ist notwendig.

Foto: Versandhaus Walz GmbH

Für Männer: Tropfenfänger bestehen aus einem saugfähigen Material, das von einer undurchlässigen Folie umschlossen ist. Sie werden über den Penis gestülpt und per Klebestreifen in der Unterwäsche fixiert. Sie nehmen den Urin auf und verhindern Geruch. Kondomurinale sind kleine Gummihülsen, die Männer über den Penis stülpen. Am unteren Ende der Kondomurinale ist ein Abflussstutzen, der mit einem Urinbeutel verbunden wird. Dieser lässt sich am Bein befestigen. Auch für Männer gibt es saugfähige Einlagen und Windelhosen. Männer und Frauen können bei Ablaufproblemen auch Einmalkatheder verwenden, die vom Patienten selbst in den Harnleiter eingeführt werden
Die Kosten: Eine Einlage für eine leichte Inkontinenz kostet etwa 25 Cent pro Stück, ein Windelslip etwa 1,10 Euro pro Stück. Die Kassen erstatten nur Festbeträge, die Patienten müssen in der Regel einen Teil der Kosten selbst tragen. Am besten erkundigen Sie sich bei Ihrer Kasse über den genauen Leistungsumfang.

Erfolgreiche Darmspiegelung
Bundesweit sind in der Zeit zwischen 2003 bis 2010 fast 100.000 Fälle von Darmkrebs durch eine Darmspiegelung, bei der man Vorstufen erkennen kann, die sich später zu Krebs entwickeln, verhütet worden. Weitere 50.000 Fälle wurden in einem frühen heilbaren Stadium entdeckt. Diese Zahlen hat das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg mitgeteilt. Professor Hermann Brenner, Epidemiologe am DKFZ, hält diesen „großen Effekt für um so erstaunlicher, als nur etwa drei Prozent der Berechtigten pro Jahr am Früherkennungsprogramm teilnehmen“.

Mehr Rechte beim Arzt
Viele Menschen kennen Ihre Rechte beim Arzt nicht. Dies geht aus einer Erhebung der Bertelsmann-Stiftung hervor. Zwar kennen fast alle Befragten das Recht auf freie Arztwahl, viele wissen aber nicht, dass ihnen der Arzt auch die Wahrheit sagen muss. Etwa jeder Vierte geht davon aus, dass ein Arzt ohne Weiteres die Angehörigen über eine Krankheit informieren darf.