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BRANCHE IM UMBRUCH: GANZ SCHÖN GR0SS GEWORDEN


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 13.06.2019

Naturkosmetik boomt – und das ganz große Geld ruft die ganz großen Konzerne auf den Plan. L’Oréal hat Logocos gekauft. Das erschüttert die Branche. Der Umbruch bietet auch Chancen: immer mehr Naturkosmetik für immer mehr Menschen.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness, Ausgabe 6/2019

Die Nachricht, die vor ein paar Monaten nicht weniger als ein Beben in der gesamten Naturkosmetikbranche verursachte, hatte nur drei Worte. Drei Worte, die Bio-Händler dazu brachten, kurzerhand jede Menge Shampoos, Seifen und Cremes auszulisten. Drei Worte, die Schwarzmaler sogar dazu bewegte, die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche als gefährdet anzusehen. Die drei Worte: ...

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... L’Oréal kauft Logocos.


Die Naturkosmetikbranche ist lange ohne Giganten ausgekommen. Kleine Unternehmen bestimmten das Angebot.


Die Naturkosmetikbranche ist in Deutschland lange ohne Giganten ausgekommen, zumindest bevor zum Beispiel Aldi und Dm mit eigenen Handelsmarken in das Geschäft einstiegen. Kleine bis mittelgroße Mittelständler bestimmten das Angebot lange Zeit. Logocos war einer davon, sogar einer der Pioniere, und mit rund 59 Millionen Euro Umsatz im Jahr einer der größten. Ziemlich mickrig wirkt der Jahresumsatz im Vergleich zu dem von L’Oréal: Der Konzern ist der größte Kosmetikhersteller der Welt. Sein Jahresumsatz beträgt etwa 27 Milliarden Euro. Und als stünde der Name L´Oréal in der Bio-Branche nicht ohnehin für nichts Gutes: Im Hintergrund gibt es noch den Lebensmittelgiganten Nestlé, der mit rund 24 Prozent am Kosmetikkonzern L’Oréal beteiligt ist. Die Pharmafirma Galderma, eine Nestlé-Tochter, steht wegen Tierversuchen mit Botox in der Kritik. Das Feindbild ist also klar, es hätte Hollywood-Potenzial. Kampf mit dem Giganten.

Oder: Die Revolution frisst ihre Kinder. Was die Naturkosmetikbranche nämlich derzeit durcheinanderwirbelt, ist nichts weniger als ihr eigener Erfolg. Der Markt für Naturkosmetik, vor allem in Deutschland, wächst und wächst. Im Jahr 2017 lag das Umsatzplus bei drei Prozent, 2018 bei 5,9 Prozent. Laut Schätzungen des Beratungsunternehmens Naturkosmetik-Konzepte betrug der Umsatz im vergangenen Jahr 1,26 Milliarden Euro. Der Anteil von Naturkosmetik am gesamten Kosmetikmarkt liegt inzwischen bei zehn Prozent – Tendenz steigend. Das sind Zahlen, von denen die Naturkosmetikbranche lange nur träumen konnte. Der Markt ist ganz schön groß geworden.

Foto: Flavio Coelho/Getty Images

Naturkosmetik – das hieß einmal kleine, faire Unternehmen und eine gute Portion Idealismus. Jetzt lässt sich damit eine Menge Geld verdienen. Bio wächst und Wachstum – oder eher das damit verbundene ganz große Geld – ruft die ganz großen Konzerne auf den Plan. Und so durchlebt die Naturkosmetikbranche gerade den gleichen Umbruch wie die Bio-Lebensmittelbranche. Was in Sachen Lebensmitteln mit der Kooperation von Lidl und Bioland seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat, das ist die Übernahme von Logocos durch L’Oréal für die Naturkosmetik. Erfolg führt zum Umbruch. Doch wozu führt der Umbruch?


Es ist ein Anfang, wenn ein großer Konzern bei einigen Produkten auf fragwürdige Inhaltsstoffe verzichtet.


Die Frage ist: Wird Bio besser, wenn möglichst viele mitschwimmen, oder wird Bio dadurch verwässert? Vor 30 Jahren steckte Naturkosmetik in einer Nische, sie war aber echt, glaubwürdig und vor allem mit dickem Geldbeutel zu bezahlen. Jetzt gibt es erschwingliche Eigenmarken und günstige Serien für junge Leute, die die Kriterien für zertifizierte Naturkosmetik genauso einhalten wie hochpreisige Traditionsmarken. Unwahrscheinlich, dass es einem Konzern wie L’Oréal nicht gelingen sollte, seine Naturkosmetikprodukte auch in der gebotenen Qualität zu produzieren. Es geht also nicht nur um die Inhaltsstoffe. Es geht ums Ganze – um Idealismus, um Unternehmensstrukturen und um Unternehmensphilosophien.

Einer der Bio-Läden, die die Logocos-Marken wie Sante und Logona nach der L’Oréal-Übernahme ausgelistet haben, ist „Der Marktladen“ in Tübingen. Auf Zetteln in den Filialen erklärten die Betreiber, warum: „Der Naturkosmetikmarkt wächst innerhalb der Kosmetikbranche seit Jahren überproportional. Diese Renditeerwartungen wollen sich die mächtigen Konzerne nicht entgehen lassen.“ So weit, so nachvollziehbar. Der eigentliche Vorwurf aber: „Dabei ist es für sie kein Problem, ihre konventionellen Linien mit Tierversuchen, fragwürdigen Inhaltsstoffen und ebensolchen Handelswegen weiter voranzutreiben“, kritisieren sie.

Natürlich, lebten wir in einer perfekten Welt, würde L’Oréal alle seine Produkte auf Naturkosmetik umstellen. Aber es ist auch ein Anfang, wenn der Konzern bei einigen Produkten auf fragwürdige Inhaltsstoffe und ebensolche Handelswege verzichtet. Und wenn die Marktanteile von Naturkosmetik weiterwachsen, ist es doch sogar wahrscheinlich, dass der Konzern mehr Produkte nachzieht – und andere große Konzerne es ihm gleich tun. Wenn die Großen viele kleine Schritte tun, dann kann das viel verändern.

Und für die Kleinen muss das gar keine Bedrohung sein. Sie haben die Chance, sich klar zu positionieren, sich von den großen Marken abzuheben und zu zeigen, dass Naturkosmetik nicht gleich Naturkosmetik ist. So wie Bio-Kartoffeln aus Ägypten nicht gleich Bio-Demeter-Kartoffeln aus der Region sind. Sie können jetzt beweisen, dass sie besser sind. Glaubwürdiger. Die Kundschaft, die schon vor zehn Jahren Naturkosmetik gekauft hat, wird den Pionieren treu bleiben. Und die neue, junge Kundschaft, die gilt es dazuzugewinnen. Der Markt wächst ja nicht nur für die Giganten, er wächst für alle.


Foto: ARTFULLY PHOTOGRAPHER/Shutterstock