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Comeback des Inflationsgespenstes


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Sachwert Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 01.12.2022
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Bildquelle: Sachwert Magazin, Ausgabe 1/2023

Im Jahr 2021 kehrte die Inflation zurück und verschärft sich seitdem. Im April 2022 erreichte die jährliche Inflationsrate in den USA 8,5 Prozent, Deutschland lag mit einer Rate von 7,4 Prozent nur unwesentlich niedriger. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Inflation anhält. Selbst ein Zurückfallen in eine Stagflation im Stil der 1970er Jahre lässt sich nicht mit Sicherheit ausschließen. Damals waren die Ölkrisen von 1973 und 1978 die Auslöser. Für die Inflation der 2020er Jahre gibt es hingegen mehrere Ursachen:

Bilder: IMAGO / blickwinkel, Depositphotos / franky242

1. Die Nachwirkungen der Finanzkrise von 2008 bis 2010

2. Covid-19 und die damit einhergehende Expansion der Geldmenge

3. Handelskonflikte, insbesondere zwischen USA und China

4. Unterbrechungen der globalen Lieferketten

5. Demografie, die zu Produktions- und Angebotsengpässen führt

6. und zuletzt die Ukraine-Krise.

All diese Faktoren wirken ...

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... sich auf die Preise für Energie, Rohstoffe, Lebensmittel und in einer Art Kettenreaktion auf viele andere Produkte sowie Dienstleistungen aus.

ANHALTENDE INFLATION

Eine wichtige Frage ist, ob die Inflation temporär ist oder auf lange Zeit anhalten wird? Als sich die ersten Preissteigerungen im Jahr 2021 zeigten, sprachen insbesondere die Zentralbanken, aber auch viele Makroökonomen von einem vorübergehenden Phänomen, dass durch Covid-19, Lieferengpässe und Störungen der globalen Supply Chain verursacht werde. Mit dem Verschwinden dieser Faktoren gehe auch der Inflationsdruck zurück.

Seit dem Frühjahr 2022 mehren sich jedoch die Stimmen, die eine länger anhaltende Inflation sehen. So sagte Agustin Carstens, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, »dass wir uns an der Schwelle zu einer neuen Inflationsära befinden. Die Kräfte hinter der hohen Inflation könnten noch Comeback des Inflationsgespenstes einige Zeit anhalten.« Christian Nolting, Chief Investment Officer der Deutschen Bank, findet ein plastisches Bild: »The rhino in the room has been unleashed and may prove difficult to stop.« Karl von Rohr, Vorstand im selben Hause, hält sogar eine jährliche Inflationsrate von 10 Prozent für möglich. Vorausschauende Ökonomen wie Hans-Werner Sinn oder Thomas Mayer haben diese Entwicklung seit längerem prognostiziert und treffgenau zur Rückkehr der Inflation Bücher vorgelegt, die sich zu einer vertieften Behandlung mit der Inflationsproblematik aus makroökonomischer Sicht empfehlen. Im Frühjahr 2022 bestätigte Sinn seine Prognose: »Die Inflation ist da – und wird auch bleiben.« Als Begründung führt er an, dass die Erzeugerpreise in Deutschland im Jahresvergleich um 25,9 Prozent gestiegen seien und es dauere, bis diese Entwicklung auf den vorgelagerten Wertschöpfungsstufen bei den Endverbrauchern ankomme. Im Jahresvergleich sind die Erzeugerpreise für Getreide um 33 Prozent, für Kartoffeln um 88 Prozent und für Milch um 30 Prozent gestiegen. Parallel dazu zeigen sich die ersten Forderungen der Gewerkschaften. Die IG Metall verlangte im Frühjahr 2022 Lohnsteigerungen von 8,2 Prozent. Nicht weniger wichtig ist die Tatsache, dass die extrem aufgeblähte Geldmenge sich nicht kurzfristig zurückführen lässt, zumal die Zentralbanken bei Zinserhöhungen neue Gefahren sehen und deshalb zögerlich agieren.

»Die Inflation ist da – und wird auch bleiben.«

– Hans-Werner Sinn

Die Inflationsampel steht also auf tiefrot. Für Preisverantwortliche sollten alle Warnsignale ertönen. In dieser Situation kann man katastrophale Fehler machen, aber es gibt auch Chancen, relativ ungeschoren davonzukommen, indem man schnell agiert und das Richtige tut. In diesem Buch versuche ich, tiefer zu graben und Überlegungen anzustellen, die über die oft plakativen und oberflächlichen Aussagen zu Preis und Inflation hinausgehen. Als Negativbeispiel sei nur eine unreflektierte Überwälzung von Kostensteigerungen auf die Kunden genannt. Um in Unternehmen zu richtigen Entscheidungen zu kommen, bedarf es sowohl eines gründlichen Verständnisses der Zusammenhänge zwischen Kosten, Preisen und Inflation, als auch Klugheit im Timing und in der Gestaltung der Umsetzung.

INFLATION BEI LEBENSMITTELN 

Die Inflation betrifft grundsätzlich alle Branchen. Das spiegelt sich im allgemeinen Verbraucherpreisindex wider. Doch dieser Index darf nicht als maßgebliche Leitlinie für unternehmerisches Handeln fungieren. Vielmehr kommt es auf die Konstellation der Ursachen im Einzelfall an. Das zeigen die folgenden Beispiele. Am stärksten wahrgenommen werden die Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln. Und in der Tat beobachtet man dort ungewöhnlich hohe Teuerungsraten.

Extreme Preissteigerungen wie bei Energie oder lebensnotwendigen Produkten belasten die Kaufkraft der Verbraucher sehr stark.

Am 21. Januar 2022 kostete ein Liter Heizöl bei Abnahme von 3 000 Litern 87 Cent, am 9. März 2022 stieg der Preis kurzfristig auf über 2 Euro. Die Stadtwerke Bonn haben bei unverändertem Grundpreis den Verbrauchspreis pro Kilowattstunde vom 1. Juni 2022 an um 5,46 Cent erhöht, das entspricht je nach Tarif 74 bis 80 Prozent.

Abbildung 1.3 zeigt Preissteigerungen für ausgewählte Produkte im Lebensmittelbereich im März 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat in Prozent. Die Preissteigerungen für diese Lebensmittel liegen weit über dem allgemeinen Inflationsindex. Insgesamt stiegen die Preise für Lebensmittel mit 6,2 Prozent deutlich geringer als die hier ausgewählten Produkte. Selbst ein Discounter wie Aldi, dessen Wettbewerbspositionierung auf niedrige Preise ausgerichtet ist, konnte sich der Notwendigkeit von massiven Preiserhöhungen nicht entziehen, wie Abbildung 1.4 belegt.

Die empirische Beobachtung, dass die Preissteigerungen von Produkt zu Produkt sehr unterschiedlich ausfallen, trifft auch auf andere Märkte zu. So hat Tesla im April 2022 den Listenpreis für das Model 3 von 42 990 Euro auf 49 990 Euro erhöht. Das entspricht einer Steigerung von 16,3 Prozent. Für den deutschen Käufer kommt hinzu, dass sich der von Staat und Herstellern gewährte Umweltbonus für E-Autos um 1 500 Euro reduziert. Rechnet man beides zusammen, so muss der Tesla-Käufer nach Umweltbonus statt bisher 33 990 Euro jetzt 42 490 Euro zahlen, das sind geschlagene 25 Prozent mehr. Am unteren Ende der Preisskala wird das Elektroauto Dacia Spring im Frühjahr 2022 zu einem Listenpreis von 20 940 Euro angeboten. Nach Abzug des Umweltbonus muss der Käufer nur 11 000 Euro zahlen. Dieser Ultraniedrigpreis führte zu einer solchen Welle von Bestellungen, dass Dacia im Frühjahr die Annahme neuer Aufträge vorübergehend einstellen musste. Auch das kann ein Effekt der Inflation sein. Das Dacia-Modell steht zwar nicht im direkten Wettbewerb mit dem Tesla-Model 3, aber Preissteigerungen bei teureren Produkten können bei den Verbrauchern sehr wohl Cover: Campus Verlag zum Ausweichen auf deutlich billigere Produkte führen.

Aus diesen Preisvergleichen sind mehrere Schlussfolgerungen zu ziehen. Extreme Preissteigerungen wie bei Energie oder lebensnotwendigen Produkten belasten die Kaufkraft der Verbraucher sehr stark. Die aufgeführten Beispiele zeigen zudem, dass die allgemeine Inflationsrate nicht als Anhaltspunkt für Managemententscheidungen geeignet ist. Die aufgezeigten Preissteigerungen liegen weit über der allgemeinen Inflationsrate. Entsprechend muss es Produkte und Dienstleistungen geben, deren Preise deutlich weniger als die allgemeine Teuerungsrate steigen oder sogar sinken. Eine Betrachtung von Durchschnittswerten kann daher irreführend sein. Unterschiedliche Preissteigerungen verschieben Wettbewerbspositionen unter Umständen massiv. Es ist notwendig, die Preisentwicklungen und die Preistreiber für jedes einzelne Produkt zu verstehen, um zu richtigen Entscheidungen für dieses Produkt zu kommen.

ZUSAMMENFASSUNG

Nach einem Jahrzehnt relativer Preisstabilität ist die Inflation zurück. Folgende Punkte seien festgehalten:

– Selbst niedrige Inflationsraten führen langfristig zu einer starken Geldentwertung.

– Diese erreichte in Deutschland seit 1991 beachtliche 40 Prozent, in den USA seit 1971 sogar 85 Prozent.

– Die Kombination von niedrigen Inflationsraten und nachhaltigem Wirtschaftswachstum ist erwünscht und der Verbindung von Deflation und Stagnation vorzuziehen.

– Seit 2021 hat die Inflation ruckartig angezogen und die höchsten Raten seit den 1970er Jahren erreicht.

– Seitdem wirken zahlreiche Faktoren als Preistreiber. Selbst wenn einige davon nur temporär wirksam bleiben, ist mit einem längeren Anhalten der Inflation zu rechnen. Denn die aufgeblähte Geldmenge lässt sich nicht schnell abbauen.

– Betrachtungen von einzelnen Produkten zeigen, dass sich die Preissteigerungen stark unterscheiden. Insofern muss jede Maßnahme gegen Inflation die Situation des einzelnen Produktes beachten und sich nicht von Durchschnittswerten leiten lassen.